Karibu! Mit dem Fahrrad unterwegs in Kenia und Tansania – Teil 2: Durch den Busch, in die Berge und ans Meer

Mit dem Fahrrad unterwegs in Kenia und Tansania
One World, One Bike!

Südlich von Moshi liegt der Nyumba ya Mungu Stausee. Er wird durch zwei Flüsse gespeist, die vom Meru und dem Kilimandscharo abfließen. Auf dem Weg dorthin speisen sie auch riesige Zuckerrohrplantagen. Noch ganz beeindruckt vom Kilimandscharo rollte ich wenig später durch diese endlosen Felder. Es war sehr heiß und die Landschaft bot nur wenig Schatten.

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Dem Kilimandscharo ein letztes Mal zuwinken!

In dem kleinen Ort Arusha Cini machte ich kurz Stopp. Dieses Dorf ist im Prinzip eine Unternehmenssiedlung der Firma, die die Zuckerrohrfelder in der Gegend bewirtschaftet. Sie konzentriert sich um eine Fabrik, in die eine kleine Bahn das geerntete Zuckerrohr von den Feldern transportiert. Es gibt eine Schule, ein Krankenhaus, eine Siedlung für die Arbeiter, die Fabrik, Büros und das Dorf. Alles ordentlich beschildert und akkurat gepflegt.

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Durch das Zuckerrohr

Eine kühle Cola später bin ich wieder auf der Straße, deren Asphalt nach einer Brücke abrupt aufhörte und die nur noch als Piste durch den dichten Busch weiterführte. Aber noch war die Richtung gut zu erkennen. Es wurde immer wärmer und das Radeln anstrengender.

 

Durch den Busch

Ab und zu durchquerte ich kleine Dörfer, wo ich im Schatten kurz verschnaufte. Ein Blick auf den GPS Track zeigte, dass es jetzt noch 70km so weitergehen sollte. Eigentlich kein Problem, doch die Piste wurde immer kleiner und fächerte sich schließlich in mehrere kleine Pfade auf.

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Schwierige Passagen durch Gräben und Akazienwälder

Immer wieder stoppte ich, um die Richtung mit dem GPS abzugleichen. Der Weg war nun mehr ein Trampelpfad, der durch Akazienwälder führte, immer wieder unterbrochen durch tiefe Wassergräben, die allerdings trocken waren. Das hieß Absteigen und das Rad tragen. Glücklicherweise musste ich nicht mehr auf die allgegenwärtigen Dornen achten und hörte ab und zu nur das Zischen der Dichtmilch, die ein neues Loch verschloss.

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Kein richtiger Weg mehr

Irgendwann gab es dann auch keinen Weg mehr und ich beschloss an das Ufer des Stausees zu fahren. Im See badeten die Kinder und ein paar Fischerboote lagen am Strand. Ich folgte dem Ufer und wenig später erreichte ich das Dorf Nyumba na Mungu, an der südlichen Spitze des Stausees. Hier überquerte ich die Staumauer über den Pangani Fluss und fuhr weitere 15 km auf einer nun sehr breiten Piste in Richtung Hauptstraße. War das anstrengend! Es ging hoch und runter und das auf ordentlichem Wellblech.

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Am Ufer des Stausees entlang

 

In die Usambara Berge

Ein paar Wolken verdeckten die Sonne und machten das Radeln halbwegs erträglich. Und dann endlich die Hauptstraße. In Lembemi trank ich erstmal den halben Kühlschrank aus, bevor ich den Asphalt genoss und gemütlich Richtung Süden rollte.

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Die Piste war ganz schön anstrengend und ich war froh, mal wieder Asphalt zu haben

Links der Straße erhob sich eine Bergkette, der ich bis Same folgte. Hinweisschilder warnten vor starken Fallwinden, die durchaus einen LKW oder Bus in Not bringen konnten. Glücklicherweise war der Verkehr – wie so oft – eher gering und zudem bot die Straße einen ganz akzeptablen Seitenstreifen, auf dem man gut fahren konnte. Nach den vielen Kilometern Piste genoss ich es, etwas schneller durch das Land zu rollen.

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Gefährliche Winde…

In der Ferne grüßten bereits die Usamabara Berge und mit ihnen mein nächstes Ziel Lushoto. Lushoto ist eine kleine Stadt auf ca. 1.300m Höhe, die auf eine Ortsgründung in der deutschen Kolonialzeit zurückgeht. 1898 wurde hier Wilhelmstal gegründet, das ein kaiserliches Bezirksamt und eine Post beherbergte. Noch heute kann man in Lushoto Gebäude aus der Kolonialzeit finden und die Straße von Mumbo über Soni nach Lushoto wurde 1989 mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland gebaut.

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Regen über den Usamabra Bergen

Eigentlich wollte ich in Mumbo am Fuße der Usambaras übernachten, aber irgendwie hatte ich noch keine Lust mit dem Radeln aufzuhören. Obwohl es schon spät am Nachmittag war, beschloss ich die 30km bis nach Lushoto in Angriff zu nehmen. Zudem wollte ich der drückenden Hitze in der Ebene entfliehen und brauchte mal wieder eine Pause, um mich und meine Sachen zu waschen.

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Die Hitze unten in der Ebene war teilweise unerträglich

Kehre um Kehre erklomm ich die Straße hoch nach Soni. 15 km können sehr lang sein und so erreichte ich recht spät diesen kleinen, aber trubeligen Ort. Ich hatte nicht mehr viel Zeit, bis die Dämmerung hereinbrach, aber dennoch weitere 15km vor mir. Also füllte ich kurz meine Trinkvorräte auf und strampelte weiter.

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Hoch nach Lushoto

Hinter Soni geht es erstmal etwas bergab, bevor die Straße erneut ansteigt und sich hoch über ein paar Bergkämme nach Lushoto schlängelt. Ich wollte nicht im Dunkeln fahren. Der Verkehr war nicht besonders stark, aber die Autofahrer hatten schon einen recht zügigen Fahrstil und waren dabei nicht wirklich gut beleuchtet. Kurzerhand sprach ich einen vorbeiknatternden Motorradfahrer an, der mich dann die letzten Kilometer mitzog. So erreichte ich mit dem letzten Licht des Tages Lushoto.

Hier war Wäschewaschen und Fahrrad checken angesagt. Ich konnte aber nicht stillsitzen und ging am nächsten Tag auf Wanderung hoch zum Irente Aussichtspunkt. Das bedeutete erstmal 1,5 Stunden die Berge hinauf zu wandern.

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Wanderweg durch den Dschungel

Dabei kam ich an einem alten unbewohnten deutschen Verwaltungsgebäude vorbei. Dahinter begann der Dschungel, durch den der Weg sich immer steiler bergauf schlängelte. Oben angekommen wurde ich mit einem grandiosen Blick über Lushoto und die Usambara Berge belohnt.

 

Auf rotem Sand ans Meer

So toll das Gefühl oben auf dem Berg war, so komisch fühlte ich mich am nächsten Tag. Irgendwie ging es mir nicht gut und ich war schlapp. Etwas angeschlagen schwang ich mich aufs Rad und rollte die 30km wieder hinab nach Mumba, um von dort weiter Richtung Süden zu radeln. War es oben in den Bergen angenehm kühl, so schlug unten in der Ebene die Hitze wieder zu. Regenschauer brachten kurz Abkühlung, aber nach einer Stunde Sturzregen war alles wieder vorbei und die Sonne brannte vom Himmel.

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Unterschlupf bei einem Regensturm

Das Treten fiel mir schwer, irgendwie war es, als ob ich nur 25% meiner Kraft aktivieren konnte. Nach 70km beschloss ich daher zu pausieren, suchte mir ein Zimmer und verbrachte den Rest des Tages mit Schlafen. Fieber hatte ich keines bzw. konnte ich das bei den Temperaturen um die 40 Grad nicht wirklich feststellen. Malaria war es aber glücklicherweise nicht. Komisch, denn ich hatte auch auf meiner Patagonien-Tour nach ca. einer Woche einen solchen Durchhänger, den ich dann aber wieder rausfahren konnte.

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Verkehrszeichen in Tansania

Am nächsten Morgen ging es mir dann schon wesentlich besser und als ich dann wieder auf dem Fahrrad saß, war alles normal. Mein nächstes Ziel war die Küste Tansanias, an der ich durch den Saadani Nationalpark Richtung Bagamoyo und Daressalam fahren wollte.

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Handgroße Heuschrecken am Straßenrand

Die Straße war gut und so rollte ich trotz Gegenwind gemütlich in Richtung Tanga, der großen Stadt am Meer. Mein eigentliches Ziel aber war der Ort Pangani, an der Mündung des gleichnamigen Flusses gelegen. Dort wollte ich mit der Fähre übersetzen, um dann in Richtung Saadani weiterzuradeln.

Der Plan: durch den Saadani Nationalpark entlang der Küste zu fahren, noch eine Nacht in einem Nationalpark Ressort mit Camping zu verbringen, vielleicht noch eine kleine Tour durch den Park zu machen, bevor es nach Daressalam geht. Ich hatte mich vorher über eine mögliche Durchquerung informiert, aber es war nicht klar, ob es klappt. Es gab Radler, die durchgefahren sind und wiederum welche, denen es verweigert wurde. Also beschloss ich es selber zu versuchen und das direkt bei den Wildhütern im Nationalpark zu erfragen.

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Auf nach Pangani!

Leider lag Pangani so abseits vom Schuss, dass keine vernünftige Straße, sondern nur eine Piste dorthin führte. Das bedeutete 70km auf einer roten Sand- und Schotterpiste bei Temperaturen von 42 Grad durch den Busch zu fahren. Aber es machte Spaß, sehr sogar, denn genau solche Wege hatte ich gesucht und auf meiner bisherigen Tour auch schon reichlich gefunden.

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Roter Sand

Es war durchaus anstrengend, sich so auf der immer schmaler werdenden Piste in Richtung Pangani zu kämpfen. Es war zwar nicht besonders hügelig, aber aufgrund des schlechten Straßenzustands musste ich mich sehr konzentrieren. Verkehr gab es nur wenig und meist waren es nur die allgegenwärtigen Mopedfahrer, die zwischen den Dörfern als Taxen fungierten. Durch den Schweiß war mein Körper nach kurzer Zeit mit rotem Staub beklebt. Aber das war egal, denn es wartete das Meer und hoffentlich eine Dusche.

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Rote Beine

Und plötzlich war ich da: Pangani ist ein sehr kleiner Ort, der früher eine bedeutende Suaheli-Stadt war, als die tansanische Küste noch omanisches Sultanat war. Es gab hier dementsprechend noch viele alte Gebäude, unter anderem auch noch den ehemaligen Verwaltungssitz der deutschen Kolonialherren. 1888 spielte Pangani eine Hauptrolle beim Aufstand der Bevölkerung gegen die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, der dann durch deutsche Marinesoldaten gewaltsam unterdrückt wurde.

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Am Meer in Pangani

Ich steuerte zuerst das Seaside Community Centre Hostel an, welches direkt am Meer lag. Frisch geduscht ging ich dann die 20 Meter bis zum Strand und beobachtete die vielen kleinen Krabben, die bei steigender Flut aus ihren Sandlöchern herauskamen, um blitzschnell dort auch wieder zu verschwinden.

Mit einem Kilimandscharo Bier schaute ich der Sonne beim Sinken zu und fand es einfach nur wunderbar hier – weitab vom Schuss, ohne Internet, nur das Meer.

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Morgens in Pangani

 

In den Saadani Nationalpark – und wieder zurück

Knapp 100 km waren es von Pangani bis nach Mkwaja, einem Ort kurz vor dem Saadani Nationalpark gelegen. Der Saadani Nationalpark umfasst 250 Quadratkilometer und es ist der einzige Nationalpark in Tansania, der an der Küste liegt. Hier sollte es Löwen, Elefanten, Leoparden, Büffel und Krokodile geben. Das wollte ich mir natürlich anschauen.

Entlang der Küste gab es eine Straße, die durch den Park führt. Alternativ müsste man einen Umweg in Kauf nehmen und ca. 75km nach Westen fahren, um dort dann wieder auf die Hauptstraße zu kommen, auf der der Nationalpark umfahren werden kann. Allerdings führte auch diese Straße ca. 20 km durch den Nationalpark.

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Auf dem Weg nach Mkwaya

In Mkwaja wollte ich mich erkundigen, was die Leute vor Ort zu meinem Vorhaben sagen. Irgendwie verpasste ich aber diesen sehr kleinen Ort und fragte an einer Straßenkontrolle, ob ich in den Nationalpark rein könnte. Man meinte, dass sei kein Problem und in 10km käme ich ohnehin an das Tor zum Park, wo ich direkt die Wildhüter fragen könnte.

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Schlechte Piste

Also fuhr ich los! Es war natürlich wieder sehr heiß und die Piste sehr schlecht. Am Tor angekommen, wurde mir gesagt, dass leider die Löwen im Park gerade etwas unruhig waren und sich verteilt haben. Daher war das Radfahren auf dem Weg entlang der Küste nicht angebracht, kurz: verboten. Motorradfahrer konnten passieren, Radfahrer aber nicht.

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Hier kommst du nicht durch!

Schade! Aber bestimmt besser so. Was sei denn mit dem Stück Nationalpark, welches ich ohnehin durchqueren musste, damit ich zur Hauptstraße käme, fragte ich. Gibt es da auch Löwen oder Leoparden? Aktuell wohl nicht, meinten die Wildhüter, man könnte da gut durchfahren. Kein Problem!

Also wieder zurück. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon an die 100km in den Beinen und wollte daher in Mkwaja nach einer Unterkunft schauen, um dann am kommenden Tag die 75km Piste bis zur Hauptstraße nach Mkata in Angriff zu nehmen. Leider wollte mich in Mkwaja niemand beherbergen, weshalb ich mich also doch noch auf den Weg machte.

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75km Umweg durch den Nationalpark und Busch

Die Piste war sehr schlecht und zudem sehr hügelig. Die Landschaft durch dichte Akazienwälder geprägt. Kilometer um Kilometer kämpfte ich mich auf der roten Piste durch die Hitze. Ab und zu machte ich Pause in einem der kleinen Dörfer am Wegesrand.

Gegen 18 Uhr war ich aber irgendwie fertig und baute mein Zelt im Busch auf. Sobald es dunkel war, erwachte der Busch mit vielstimmigen Tiergeräuschen und ein wunderbarer Sternenhimmel breitete sich über mir aus. Die Anstrengungen des Tages waren vergessen und klebrig-verschwitzt schlief ich ein.

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Nacht im Busch

 

Mit Hungerast nach Bagamoyo

Am nächsten Morgen nutzte ich die etwas kühleren Stunden, um die restlichen 25km bis zur Straße zu fahren. Endlich wieder Asphalt. Nach weiteren 50km merkte ich, dass irgendwas nicht stimmte. Ich war so schlapp. Schon wieder ein Infekt?

Während ich einen Berg hochkroch fiel mir der Grund für meine Kraftlosigkeit ein: ich hatte wieder vergessen zu essen und das seit anderthalb Tagen schon. Das passiert mir leider immer wieder auf Tour, obwohl ich mir vornehme daran zu denken.

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Morgens durch den Busch

Ich stoppte also an der nächsten Tankstelle und machte eine Essenspause. Dort gab es Fleischsuppe und Brot – eine angenehme Abwechslung zum ständigen Trinken. Nach einer Stunde war ich wiederhergestellt und ich rollte nach Bagamoyo, einer Stadt 50km vor Daressalam.

Schön vorsichtig sein auf den Straßen!

Bagamoyo ist eine kleine, aber sehr schöne Stadt direkt am Meer. Viele alte Gebäude aus der Kolonialzeit prägen den Ort, viele von ihnen sind verfallen. Das alte deutsche Kolonialverwaltungsgebäude steht noch, so wie ein altes deutsches Schulgebäude. Besonders haben mich die vielen alten und reichverzierten Holztüren beeindruckt.

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In Bagamoyo

Am Strand herrschte reges Leben, Menschen zogen Boote aus dem Wasser, luden den Fang aus oder sprangen wieder in die Boote, um erneut hinauszufahren. Es war ein ständiges Kommen und Gehen.

Nach zwei Tagen in Bagamoyo war es an der Zeit, nach Daressalam zu fahren, dem Ziel meiner Tour. Ich fuhr solange es ging abseits der Hauptstraße entlang des Meeres, bevor ich mich durch den starken Straßenverkehr Daressalams navigierte.

Noch ein kleiner Abstecher ans Meer, ein letzter Blick, bevor ich mein Rad verpackte und wieder nach Hause flog.

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Das Rad und das Meer

1.300km bin ich durch Kenia und Tansania gefahren. Es war wunderbar, abwechslungsreich, beeindruckend. Wer sich diesen Teil Afrikas mit dem Fahrrad anschauen möchte, dem kann ich vor allem Tansania empfehlen. Ich werde bestimmt wiederkommen und dann vielleicht nach Sambia und Malawi weiterradeln.

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Packen für den Rückflug

 

Vom „Reichtum“ reisen zu können

Wenn man von einer Reise wiederkommt, dann wird man recht schnell wieder in den Alltag gezogen. Job, Familie, Verpflichtungen verdrängen das Erlebte erstmal und lassen es in den Hintergrund rücken. Das ist völlig ok, denn das Leben geht natürlich weiter und ich bin auch sehr gerne Zuhause und arbeite auch gerne. Ich merke aber, wie sehr mich doch diese Tour aufgeladen hat und wie oft ich gerne an einzelne Erlebnisse zurückdenke. Das motiviert mich, zeigt aber auch, was für ein Privileg es ist, ein solches Leben führen zu können: Reisen, Fahrradfahren, Familie und Arbeit.

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Schattenspiel

Ich finde, darüber sollte man sehr viel mehr sprechen, als nur über das Erlebte auf Tour. Es geht nicht (nur) um Dankbarkeit, der man sich durchaus bewusst sein sollte, sondern auch um etwas Demut. Nicht im Sinne von „in den Staub werfen“, sondern im Sinne von: Was für ein Glück habe ich eigentlich, dass das Leben mir das ermöglicht, dass mir meine Familie so etwas ermöglicht und dass ich in der Lage bin, mir das zu ermöglichen? Gerade für meine Familie ist das nicht immer einfach. Auch wenn unsere Vereinbarung „alle zwei Jahre kann ich los“ erstmal ganz einfach und modern klingt, verlangt sie doch erhebliche Entbehrungen von meiner Familie. Und auch das privilegiert mich, denn andere sind zu Opfern bereit, damit ich radeln kann.

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Pause im Palmenwald

Und nicht zuletzt habe ich das Privileg des deutschen Reisepasses und die finanziellen Mittel, all dies tun zu können. Ich kann reisen, wohin ich will, und erlebe vor Ort mir gegenüber keinen Rassismus, keine Ausgrenzung, keine Ablehnung, keine Gewalt, so wie es andere Menschen nur durch die Tatsache einer anderen Nationalität, Hautfarbe, Glaubensorientierung oder wirtschaftlicher Vermögensleistung tagtäglich erleben. Ich bin – wenn ich möchte – gegen alles mögliche versichert und weiß, dass selbst wenn man mir unterwegs alles klaut, meine wirtschaftliche Existenz nicht ansatzweise gefährdet ist.

Aus diesem Privileg heraus entsteht natürlich auch Verantwortung. Verantwortung und Respekt gegenüber den Menschen, durch deren Länder man fährt, deren Gastfreundschaft man vielleicht annimmt und deren Infrastruktur man nutzt.

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Tankstelle

Ich habe gerade mit dem Schreiben gestoppt, weil ich nachdenken musste, was das nun konkret bedeutet.

Ich bin da noch lange nicht am Ende meiner Überlegungen, aber ich für mich versuche bei meinen Reisen nicht auf die Gastfreundschaft der Menschen vor Ort zu setzen. Ich kann es mir leisten, mein Essen, Unterkunft und Wasser zu kaufen und zu bezahlen. Ich treffe gerne Menschen, aber ich lasse mir nichts schenken. Das ist völlig unabhängig davon, ob ich nun in Tansania oder Hamburg bin. Ich lasse mir natürlich helfen, aber versuche das auch immer wieder direkt auszugleichen. Auf Reisen ist es mir wichtig, unabhängig zu sein und nicht auf Kosten der Menschen vor Ort zu leben, die im Zweifel nur einen Bruchteil dessen besitzen, was ich habe. Vielmehr versuche ich etwas durch meinen Konsum zurückzugeben. Wenn das überhaupt geht.

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Morgenstund

Bevor ihr jetzt fragt: Ich urteile damit nicht über den Reisestil anderer. Jeder der reist, hat seine Gründe, seine Ansichten, seine Erfahrungen dazu. Und das ist gut so. Ich habe es für mich eben anders entschieden.

Ich mache solche Reisen für mich, nur für mich, und möchte dies dann aber nicht mehr als nötig auf Kosten der Menschen tun, deren Länder ist bereise. Ich bin mir immer bewusst, welches Glück ich habe, dass ich dies alles tun kann, dass ich in der Lage dazu bin. Aber ich weiß auch, dass ich immer Kosten verursache.

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Pause

 

Alle guten Dinge sind drei

Auf dieser Tour gab es drei Ausrüstungsgegenstände, die mir sehr geholfen haben und auf die ich nicht verzichten möchte:

  1. Rückspiegel

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Ganz praktisch – auch bei Linksverkehr

Für meine Tour durch Georgien hatte ich mir damals einen kleinen Rückspiegel gekauft. Diesen hatte ich diesmal auch mit, da ich so den Verkehr besser beobachten konnte. Durchaus praktisch, da der ein oder andere LKW mir schon etwas näherkam, ich ihm aber so vorher ausweichen konnte. Bevor ihr fragt: ich weiß nicht mehr, was das für ein Spiegelmodell ist oder welche Marke. Er war billig und ich habe ihn auf Amazon gekauft.

  1. Wasserfilter

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Klein, leicht, schnell: der Wasserfilter hat mich beeindruckt

Ich muss schon sagen, dass ich sehr begeistert vom Sawyer Care Plus war. Einfach Wasser in den Beutel füllen, den Filter aufsetzen und dann mit leichtem Druck das Wasser filtern. Das ging schnell und direkt und so konnte ich unterwegs immer fix an frisches Wasser kommen. Zudem ist der Filter sehr kompakt, leicht und nimmt kaum Platz weg. Er kostet nur um die 40 Euro und ich kann ihn jedem empfehlen, der in Ländern unterwegs ist, wo man Wasser filtern sollte.

  1. Ohrstöpsel

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Wie bitte?

Wer viel reist, der hat sie immer dabei: Ohrstöpsel. Ich benutze sie oft, wenn ich in Hostels übernachte. So finde ich auch in „lauten“ Ländern meine Ruhe und kann gut schlafen. Schlafe ich im Zelt, benutze ich sie meist nie, da mich dann die Geräusche wenig stören.

 

Hier findet ihr meine Route auf Komoot:

Hinweis: rund um Lushoto und auf der Strecke nach Pangani ließ sich Komoot nicht dazu bewegen, die Strecke richtig darzustellen. Daher stimmt die Strecke dort nicht wirklich. Auf meinem Strava Profil findet ihr die tatsächliche Route. 

>>> Zum Tourbericht Teil 1 geht es HIER!

10 Comments

  • Mit dem „Nicht-zur-Last-fallen-Wollen“ ist es ja eine edle Einstellung, – aber fehlt dir dann nicht auch der direkte Kontakt zu den Menschen und der Einblick in ihr tägliches Leben?
    Es gibt sogar einige warmshowers-Gastgeber on Ostafrika …

    • Ja, aber ich bin da auch nicht so hinterher. Ich bin auch unterwegs gerne alleine. Und Einblicke bekomme ich auch so – wenn ich will.

      Warmshowers würde ich zum Beispiel nie machen.

      Viele Grüße
      Martin

  • Tom sagt:

    Superschön zum lesen 🙂 Wie lange warst Du jetzt insgesamt eigentlich unterwegs?

    Zum nichts kostenlos annehmen muss man sich sicher immer wieder in Erinnerung rufen. Das Reisebudget ist ja trotzdem begrenzt und man nimmt ja (gerade als Deutscher) gern Vorteile in Anspruch. Aber trotzdem ist es wirklich so, dass man den Leuten vor Ort am besten hilft, wenn man einfach fair entlohnt. Einfach mal überlegen, was ein Euro bei uns und in Tansania wert ist.

    • Hallo,

      Ich war 17 Tage unterwegs. Und aus meiner Sicht hat das nix mit Nationalität zu tun, sondern mit Typ. Ich brauche mich nicht daran zu erinnern, da ich auch in Deutschland so lebe.

      Viele Grüße
      Martin

  • Tom sagt:

    Hi Martin!
    Deine Einstellung zum Reisen sollte für jeden „Globetrotter“ selbstverständlich und verinnerlicht sein.
    Verständniss kann ich aber nicht aufbringen, für eine so kurze Reisezeit so weit zu fliegen, da stimmen irgendwie die Verhältnisse nicht mehr.
    Und selbst wenn Beruf, Familie etc. einen längeren Reisezeitraum nicht zulassen, dann gibt es so viele, richtig tolle Gebiete auch in naher Umgebung und Europa.
    Grüße! Tom

  • Raphael sagt:

    Hi Martin,

    super geile Seite die du hier hast. Ich habe tatsächlich (leider total spontan und nur relativ mäßig vorbereitet) vor, übernächste Woche mit dem Rad von Tanzania nach Rwanda zu cruisen (Davor reise ich noch „konventionell“ durch Mozambique). Wovor ich am meisten Angst habe, ist ehrlich gesagt das campen in freier Wildband und dass ich noch keine passende GPS Route finden konnte.
    Würdest Du sagen, dass das Campen in freier Wildbahn machbar ist (Ich denke hier vor allem an große Katzen) oder wie gehst Du in dieser Situation um? Hattest du jemals Probleme Wasser zu finden? Orte an der Karte angesteuert, die es dann in echt nicht gab? Hast Du dein komplettes Essen immer selbst zubereitet?
    Das wäre tatsächlich meine erste Reise dieser Art und alleine unterwegs wäre ich auch.

    Vielen Dank für weitere Tipps und Informationen.

    Gruß Raphael

    • Hallo Raphael,

      Du musst ja nicht in freier Wildbahn campen, sondern kannst ja auch in normalen Unterkünften in den Städten/orten pennen. das habe ich ja auch gemacht.
      Bezüglich GPS Route: ich habe das im MTB Mode via Komoot gemacht. Vielleicht wirst du da fündig. Es gibt ja zwei Möglichkeiten: unten um den Viktoriasee rum, dann vermutlich mit etwas Burundi, oder oben rum, mit Uganda. Beides gut, wobei Burundi gerade eher schwierig sein sollte.

      Campen in freier Wildbahn ist möglich, aber frag doch vorher bei den Einheimischen. Ich habe das auch so gemacht. Und es laufen nicht überall gleich Löwen rum. Wasser kannst du alle Nase lang kaufen. Kein Problem. Das ist nicht die Sahara, sondern das sind normale Länder 😉 Und damit ist auch die Frage nach den Orten beantwortet: das sind normale Länder mit Straßen und Orten, die es auch wirklich gibt.

      Ich habe mein essen immer gekauft. Ich koche nicht unterwegs, sondern hole mir was im Laden oder an den Garküchen am Wegesrand.

      Viele Grüße,
      martin

  • Kellerwald Biker sagt:

    Also erstmal Respekt für diese Tour!! Das sieht natürlich nach Abenteuer pur aus. Hast du da keine Sorge vor Wildtieren, die Du nicht einschätzen kannst?
    Gruß
    Tobias

  • Heike sagt:

    Hi Martin, Danke fuer Deinen Bericht.

    Leider landen die gekauften Plastik-Flaschen alle irgendwo im Busch und das traegt natuerlich weiter zur Vermuellung der Welt bei. Ein Filter funktioniert ja wie Du bereits erwaehnt hast sehr gut – in jedem Dorf gibt es Brunnen – ich trinke das Wasser sogar ungefiltert.

    Zu dem Thema entlohnen fuer Gastfreundschaft:
    Vor allem in den Muslimischen Gegenden ist es oftmals eine Beleidigung eine Einladung nicht anzunehmen oder sie bezahlen zu wollen.

    Ich bin schon so oft eingeladen worden ohne davon zu profitieren, sondern um ein guter Gast zu sein, habe ich die Einladung angenommen. Ich habe Dinge gegessen, erzaehlt oder geduldet, weil ich die Menschen nicht verletzen wollte. Es gibt immer zwei Seiten.

    Man merkt sehr schnell ob der Reis oder die Kartoffeln die fuer einen bereit gestellt wurden wirklich ein finanzielles Problem fuer die Familie darstellt oder nicht. Wenn dem so ist frage ich was an Lebensmitteln noch fehlt und gehe diese kaufen oder gebe was ich noch dabei habe,

    Was viel problematischer ist sind die Touristen die Kugelschreiber, Bonbons und Geld wahllos an Kinder verteilen um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen! Resultat sind bettelnde Kinder, die teils sogar aggressiv werden, wenn man ihnen nichts gibt.

    LG Heike

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