Pump it up! Vier Luftpumpen fürs Bikepacking im Test

Pump it up! Vier Luftpumpen fürs Bikepacking im Test // Pump it up! Four air pumps for bikepacking tested

Ich stelle gerade meine Ausrüstung für das Trans Balkan Race zusammen und habe in diesem Zusammenhang meine Überlegungen, welche Luftpumpe denn mitkommen soll, auf Instagram geteilt.

Lasst es mich so sagen: das Thema ist offensichtlich emotional und ich habe selten so viele Zuschriften und Kommentare bekommen.

Also habe ich beschlossen, das Thema Luftpumpe fürs Bikepacking mal grundsätzlicher anzugehen und mit einem Test zu verbinden.

Inhalt

  1. Die Luftpumpen-Kandidaten
  2. Die Test-Anordnung
  3. Die Ergebnisse
    1. Blackburn AirStik SL
    2. Silca Tattico
    3. BBB Cycling DoubleShot Mini
    4. Lezyne Micro Floor Drive HVG
  4. Fazit

Die Luftpumpen-Kandidaten

Offensichtlich habe ich mittlerweile vier kleine Luftpumpen und zwei Standpumpen. Diese Menge an Pumpen in meinem Besitz war mir nicht ganz bewusst, aber auch dafür sind Test ja gut. 🙂

Hier soll es aber um die vier kleinen Pumpen gehen, die unterwegs im Fall einer Panne dann zum Einsatz kommen:

  • Die Blackburn AirStik SL
  • Die Silca Tattico
  • Die BBB Cycling DoubleShot Mini
  • Die Lezyne Micro Floor Drive HVG

Die Test-Anordnung

Um eine einheitliche Testsituation zu schaffen, habe ich mir mein Hinterrad vom Bombtrack Beyond geschnappt, welches 29 Zoll groß ist und einen Continental RaceKing Reifen mit 2,2 Zoll Breite und Schlauch hat.

Zudem habe ich mir noch schnell einen elektronischen Luftdruckmesser von Schwalbe gekauft, damit ich eine einheitliche Datenbasis habe.

Für den Test wurde der Reifen auf 0 Bar gesetzt. Anschließend habe ich mit jeder Pumpe 100 Pumpstöße in den Reifen/Schlauch gegeben und den dann vorhandenen Druck gemessen. Das gleiche dann nochmal nach 200 Pumpstößen.

Sicherheitshalber habe ich diesen Test pro Pumpe mindestens zweimal gemacht, um eventuelle Fehlmessungen auszuschließen.

Ob es Unterschiede zwischen Tubeless Reifen und den Schlauchreifen aus meinem Test gibt, was die Pump-Performance angeht, kann ich nicht sagen. Auch gilt es zu beachten, dass bei schmaleren Reifen ggf. die Werte abweichen können und zum Beispiel höher ausfallen. Schaut euch dazu gerne auch das unten bei Lezyne verlinkte Video an, wo Michael verschiedene Reifenbreiten mit der Pumpe ausprobiert und auch zu anderen Ergebnissen kommt.

Die Ergebnisse

Blackburn AirStik SL

Diese sehr kleine und leichte Pumpe hat mir mal Stephan geschenkt. Sie ist so gesehen ideal für das Bikepacking, braucht kaum Platz, passt in jede Tasche oder auch ins Trikot. Mit 60g (selbst gewogen) und einer Länge von 16 cm ist sie wirklich sehr kompakt. Sie ist – wie alle Pumpen im Test – aus Aluminium gefertigt.

Offiziell soll sie einen Druck bis 11 Bar aufbauen können.

Diese Pumpe steckt man klassisch auf das Ventil und legt los. Beim Pumpen muss man aber aufpassen, dass man sich nicht versehentlich den Finger vorne klemmt. So war der Testbeginn leicht schmerzhaft, was aber auch an der fehlenden Qualifikation des Testers gelegen haben könnte.

Die 100 Pumpstöße gehen recht einfach, der Pumpenkopf wird auch nicht warm. Am Ende steht bei der Blackburn ein erreichter Luftdruck im Reifen von 0,31 Bar. Nach 200 Pumpstößen ist ein Druck von 0,77 Bar erreicht. Nicht schlecht.

Wenn ich von einem Zieldruck von 1,9 Bar ausgehe, dann braucht es rechnerisch um die 500 Pumpstöße, bis ich diesen erreicht habe. Das klingt viel, aber ich glaube, dass diese in der Praxis schnell erreicht sind.

Der Preis der AirStik SL beträgt 28 Euro, was ok ist. Dafür bekommt man eine gut verarbeitete Pumpe, die sehr leicht und kompakt ist. Und die – mit etwas Geduld – dann auch Luft in den Reifen bringt. Bei einem Rennrad, das einen Zieldruck von mindestens 4 Bar hat, würde mir das aber zu lange dauern.

Silca Tattico

Die Silca habe ich mir mal als Alternative zur Lezyne Pumpe (siehe unten) gekauft. Sie ist sehr hochwertig verarbeitet, ebenfalls aus Aluminium und wiegt 156g (selbst gewogen).

Bei der Tattico zieht man den Kopf mit einem Schlauch aus der Pumpe und klemmt diesen dann am Ventil fest. Anschließend funktioniert die Pumpe wie eine normale Luftpumpe und wird ausgezogen 41,5 cm lang. Zusammengebaut ist die Tattico 24,5 cm lang, bei einer Breite von 2,5 cm.

Der Kopf kann je nach Ventilart noch umgeschraubt werden. Also von Auto-Ventil auf französisches Ventil und umgekehrt. Die Klemmung ist vorteilhaft, da so der Kopf festsitzt und man die Pumpe auch an Ventilen benutzen kann, die kein Gewinde aufweisen. Das ist zum Beispiel bei den Schwalbe Aerothan oder Tubolito Schläuchen der Fall.

Allerdings habe ich es mit der Tattico auch geschafft, den Ventilkopf leicht zu verbiegen. Durch das Pumpen entsteht ja auch eine Bewegung. Diese führte dann dazu, dass der Pumpenkopf sich bewegte und trotz Klemmung sich etwas löste und dadurch den Ventilkopf verbogen hat. Aber wenn man das weiß, kann man dem Vorbeugen und ohne Beschädigungen arbeiten.

Obwohl der Pumpenkopf an der Tattico zusammengeschoben durch eine Gummikappe geschützt ist, kommen Staub und Dreck mit der Zeit rein, was dann dazu führt, dass sich der Kopf nicht mehr so einfach aus der Pumpe ziehen lässt. Ich benutze daher meist die Zähne, um diesen zu lösen und raus zu ziehen.

Im Test hat die Tattico dann nach 100 Pumpstößen einen Druck von 0,43 Bar im Reifen aufgebaut. Da hätte ich etwas mehr erwartet. Aber nach weiteren 100 Pumpstößen habe ich schon einen Druck von 1,22 Bar. Das ist nicht schlecht. Beim Pumpen wird natürlich der Pumpkörper etwas warm, aber nicht unangenehm.

Laut Hersteller kann die Tattico bis zu 7 Bar maximal leisten.

Der Preis der Silca Tattico liegt bei 85 Euro, was sie zur teuersten Luftpumpe in diesem Test macht.

BBB Cycling DoubleShot Mini

Diese neue Pumpe von BBB ist interessant, denn hier wurde im Prinzip eine “normale” Luftpumpe geteilt und kompakt zusammengesteckt. Und glaubt man den bisherigen Berichten über diese Pumpe, dann muss sie auch ordentlich Luft geben können.

Die BBB ist mit nur 83g die zweit-leichteste Pumpe in diesem Vergleich (selbst gewogen), kostet allerdings auch 60 Euro. Sie ist aus Aluminium gefertigt und besteht aus zwei Teilen, die zum Pumpen dann zusammengeschraubt werden. Dann hat sie eine Länge von 36 cm und soll laut Hersteller bis zu 8 Bar leisten können.

Zum Transport werden die Pumpenteile zusammengeschoben. Damit sind sie Maße 12 cm Länge x 4 cm Breite. Das macht sie angenehm kompakt und ideal zum Transport, wenn es auf Platz und Gewicht ankommt.

Nach 100 Pumpstößen hat die BBB einen Luftdruck von 0,35 Bar aufgebaut. Das ist nur wenig mehr als die Blackburn. Und 19% weniger Druck als die Tattico nach 100 Stößen. Ich habe mit dieser Pumpe den Test sogar mehrmals gemacht und dabei war der niedrigste erreichte Luftdruck auch mal nur 0,26 Bar. 0,35 Bar nach 100 Stößen konnte ich aber öfter replizieren. Nach 200 Pumpstößen lag der Druck dann bei 0,95 Bar und damit 23% höher als bei der Blackburn.

Da hätte ich allerdings etwas mehr erwartet, aber vermutlich liegt die BBB mit diesen Werten einfach auch nur im Mittel, angesichts Kompaktheit und Gewicht. 60 Euro sind dann aber dafür etwas viel aus meiner Sicht.

Lezyne Micro Floor Drive HVG

Das ist schon meine zweite Lezyne Micro Floor. Die erste hat vor zwei Jahren ihren Geist aufgegeben und ließ sich nicht mehr bewegen. Das lag vermutlich vor allem daran, dass die Pumpe bei meinen Fahrten immer draußen dran montiert war und hier dem Dreck und Staub ungeschützt ausgesetzt war.

Die Micro Floor unterscheidet sich von den anderen Pumpen dadurch, dass sie eine Mini Standpumpe ist. Dafür wird ein Fuß seitlich ausgeklappt, der Pumpenkopf mit Schlauch und je nach Ausführung Druckanzeige an das Ventil geschraubt.

Ausgezogen beträgt die Länge der Lezyne 50 cm und der kleine T-Griff am Ende der Pumpe ist sehr angenehm bei der Bedienung. Allerdings ist die Micro Floor auch dafür bekannt, dass durch das Verschrauben des Pumpkopfes mit dem Ventil sehr oft nach dem Pumpen das Ventil mit rausgeschraubt wird. Das ist mir zum Beispiel kurz vor dem Start des Bohemian Border Bash Race passiert. Und einmal auch in Kirgisistan, wo ich das aber bemerkt habe und dann schnell reagieren konnte.

Dieser Nachteil ist wirklich ärgerlich, denn ansonsten ist diese Luftpumpe mein klarer Favorit und war immer dabei, wenn es wirklich drauf an kam.

Sie wiegt 191g (selbst gewogen) und ist damit die schwerste Pumpe in diesem Test. Dafür liefert sie aber die beste Performance im Vergleich: nach 100 Pumpstößen lag der Luftdruck im Reifen bei 0,76 Bar. Nach weiteren 100 Pumpstößen hatte ich im Test einen Druck von 1,44 Bar erreicht. Das ist schon sehr gut und sehr schnell. Im Vergleich zur Tattico hat die Micro Floor 18% mehr Druck im Reifen aufbauen können.

Laut Hersteller bringt die Micro Floor maximal 6 Bar auf den Reifen.

Man sollte jetzt aber nicht die Blackburn oder die BBB mit der Lezyne vergleichen. Das sind einfach unterschiedliche Voraussetzungen, denn die Lezyne bringt mehr Volumen und Power mit.

Im Vergleich zur Tattico ist die Micro Floor etwas besser (43% mehr Druck nach 100 Stößen, 18% mehr nach 200).

Die Micro Floor braucht auch etwas mehr Platz als die Tattico, denn komprimiert misst sie 30cm Länge x 5 cm Breite. Ich führe sie meist seitlich am Sitzrohr im Lezyne Halter mit.

Die Druckanzeige nutze ich nie, denn die Plastik ist schon stumpf und somit kann ich wenig sehen. Der Schlauch hat sich aber als sehr robust erwiesen. Bei meiner alten Lezyne ist er mal unten aus dem Pumpenfuß herausgefallen und ich dachte schon, er sei abgebrochen. Aber man konnte ihn wieder reinschrauben.

Gefertigt ist die Lezyne Micro Floor ebenfalls aus Aluminium und kostet 60 Euro.

Fazit

Stand jetzt kommt wieder die Lezyne mit in den Balkan. Trotz des Mehrgewichts habe ich bei ihr das bessere Gefühl und kann mich mehr darauf verlassen. Und so eine Luftpumpe ist schon ein kritischer Ausrüstungsgegenstand.

Allerdings ist die Silca Tattico ebenfalls noch nicht ganz aus dem Rennen. Sie liegt in ihrer Leistung nur wenig hinter der Lezyne und hat eine Klemmung und wird nicht geschraubt. Zudem ist sie etwas leichter, was aber zu vernachlässigen ist.

Die BBB und die Blackburn finde ich ebenfalls interessant, würde sie aber aktuell “nur” als Pumpen für meine Trainingsfahrten oder Bikepacking Ausflüge in Regionen, wo es ausreichend Infrastruktur gibt, in Betracht ziehen.

Ich habe manchmal auch noch zwei CO2-Kartuschen dabei. Allerdings habe ich mit Gas auch schon die Erfahrung gemacht, dass durch die Kälte beim Auslösen der Ventilkopf so beschädigt wurde, dass er abgebrochen ist. Schockgefroren.

Immer dabei ist ein Ventilaufsatz, mit dem ich an Tankstellen meine Reifen mit französischem Ventil aufpumpen kann.

Mit Interesse schaue ich auch auf die neuen und sehr kompakten elektrischen Pumpen. Diese wiegen meist um die 100g und bringen genug Power mit, um den Reifen mindestens zwei mal aufzupumpen. Danach lassen sie sich einfach via USB wieder aufladen. Wenn ich mal die Möglichkeit bekomme, dann probiere ich mal eine solche Pumpe aus.

Und falls eine/r von euch bereits Erfahrungen mit einer solchen elektrischen Pumpe im Bikepacking Kontext gemacht hat, gerne in die Kommentare schreiben.

Wenn ihr jetzt noch andere Pumpen empfehlen möchtet, macht vorher mal bitte den Test: leerer Reifen, Angabe welche Größe/Tubeless oder Schlauch, 100/200 Pumpstöße und dann den Druck messen und ab damit in die Kommentare. Danke!

Join the Conversation

7 Comments

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. says: Robin

    Hallo Martin, liebe Gemeinde,

    bei meinen Luftpumpen mit aufschraubbarem Pumpenkopf (Topeak Racerocket MT und Lezyne Micro Floor Drive HVG) funktioniert der Verschraubung bei Sclaverand-Ventilen ausschließlich auf dem Gewinde des Ventileinsatzes. Ich vermute, dass ist bei allen schraubbaren Pumpköpfen so, sonst könnten Topolito und Aerotan ohne Gewindeschaft nicht aufgepumpt werden. Schwalbe würde so etwas wohl nicht entwickeln.
    Bei meinem persönlichen Vergleich stelle ich bei der Lezyne eine wesentlich bessere Pumpleistung in Bezug zur Topeak beim MTB und beim Gravel-Bike fest.

    Tipp: Um das lästige Herausdrehen der Ventileinsätze nach dem Pumpen zu verhindern, habe ich die Innengewinde der Pumpenköpfe, die Innengewinde der Staubkappen und die Außengewinde der Ventileinsätze mit einem ölgetränkten Q-Tip geschmiert. Seit dem ist das Thema “Ventileinsatz herausdrehen” beim Pumpenkopf abdrehen Geschichte.

    Grüße aus Mainz, Robin

  2. says: Ulli

    Ein toller, relativ objektiver Vergleich! Bei mir fährt eine Topeak Racerocket MT mit. Hat in der Halterung schon einigen Dreck abbekommen und sich im Feld gut geschlagen. Ich würde auch keine Pumpe mehr ohne Schlauch haben wollen. Nur die angegebenen max. 6 bar halte ich für sportlich.

  3. says: Lars

    Hallo Martin,

    danke für den interessanten Test. Du hast bei der Silca-Pumpe angedeutet, dass man damit durch die Klemmung auch Tubolito-Schläuche aufpumpen kann. Ich hab mir gerade einen Tubolito als Ersatzschlauch angeschafft (bin normalerweise schlauchlos unterwegs) und habe genau die Lezyne aus deinem Test am Rad. Das hat mich jetzt ein bisschen aufgeschreckt – kann man mit der keine Tubolitos aufpumpen? Nimmst du dann zum Balkan Race normale Schläuche mit?

    Viele Grüße Lars

    1. Hallo Lars,

      Habe es gerade noch mal probiert und es klappt. Der Pumpenkopf kann auf das kleine kurze Gewinde geschraubt werden. Also Pumpen sollte klappen!

      Viele Grüße
      Martin

      1. says: Lars

        Hi Martin,

        danke für die Mühe! Das beruhigt mich 🙂 Ich hätte aber auch selbst darauf kommen können, das einfach mal auszuprobieren…

        Viele Grüße Lars