Atlas Mountain Race 2020: Marokko ich komme!

Hallo Marokko, hallo Atlas Mountain Race 2020! Dieses Fenster-Foto habe ich in einem alten Agadir in Marokko gemacht.

Man nehme 1.145 Kilometer, 20.000 Höhenmeter und 8 Tage Zeit, gebe zwei Gebirge hinzu, mische das mit schlechten Pisten und steinigen Wegen, würze es mit Temperaturen von unter Null bis +30 Grad, füge ein paar schneebedeckte Pässe und einsame Steinwüsten hinzu, reduziere die Wasserversorgung und rolle das ganze in Marokko im Februar aus: Fertig ist der erste Atlas Mountain Race (AMR)!

Das wird also ein hartes Ding, vor allem, da mit Nelson Trees der Begründer des härtesten Bikepacking Rennens der Welt, dem Silk Road Mountain Race (SRMR), hinter dem Rennen in Marokko steht. Start ist der 15. Februar und die Finisher-Party ist am 22. Februar.

 

Die harte Tür des AMR

Um an diesem Rennen teilnehmen zu dürfen, musste man sich bewerben. Das umfasste neben Fragen zur Motivation auch Fragen nach Erfahrung im Hochgebirge und einsamen Gegenden ohne Versorgung und Hilfe. Damit versuchen die Organisatoren einerseits den Bewerbern klar zu machen, auf was sie sich da einlassen, und zum anderen findet so auch eine Vorauswahl statt, wer sich aufgrund von Erfahrung für den Race eignet.

Tobias (im Hintergrund) und ich schieben auf dem Toskana Trail

Beim AMR kann man alleine oder als Paar antreten. Ich habe mich zusammen mit Tobias als Paar angemeldet. Tobias habe ich beim Tuscany Trail getroffen. Seit dieser Zeit haben wir virtuell den Kontakt gehalten, und als der Atlas Mountain Race vor ein paar Wochen angekündigt wurde, waren wir beide angefixed und haben uns kurzerhand entschieden, uns zusammen zu bewerben.

Und seit Mittwoch dieser Woche wissen wir:

Wir sind dabei und werden uns gemeinsam über den Atlas und den Anti-Atlas quälen.

Das freut mich sehr, denn es gab mehr Bewerber als Startplätze, wobei unklar ist, wie viele Plätze vorgesehen waren und wie viele Starter nun endgültig in Marrakesh am 15. Februar an den Start gehen.

Hier gibt es einen ersten Eindruck von dem, was uns Fahrer erwarten wird:

 

Kennt ihr das, wenn man vor seiner eigenen Courage erschreckt?

Das ist gerade so ein Moment. Einerseits freue ich mich sehr, unter all den Bewerbern die Zusage bekommen zu haben und bei der Premiere dabei sein zu können. Andererseits habe ich auch sehr viel Respekt vor der Herausforderung, die mich sicherlich und hoffentlich an meine Grenzen führt.

Drei mal war ich mit dem Rad schon in Marokko, zweimal habe ich den Atlas überquert.

Und es ist mal etwas anderes als die Art des Radreisens, die ich bisher gemacht habe. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, interessiere ich mich schon etwas länger für das eher sportliche Bikepacking. Mit dem Tuscany Trail habe ich erste Gehversuche im Bikepacking-Sport gemacht und habe mich seitdem immer mehr zum leistungsorientierten Fahrer entwickelt. Das klingt jetzt mega-sportlich, meint aber, dass ich gerade Lust habe auf Herausforderungen mit dem Fahrrad, die mich auch körperlich mehr fordern, als es eine Radreise normalerweise macht.

Im Hohen Atlas 2007

 

Und nun (wieder) Marokko

Ich war bislang schon dreimal in diesem nordafrikanischen Land und bin dabei zweimal mit dem Rad durch das Atlas Gebirge und über den Anti-Atlas gefahren. Dabei habe ich auch die ein oder andere Piste mitgenommen, aber der AMR wird noch mal eine andere Nummer. Insgesamt gibt es unterwegs drei Check-Points – der erste kommt bereits nach 127 km, allerdings sind es auch über 3.500 Hm bis dahin. Tag 1 wird schon eine harte Nuss und um rechtzeitig am 22. Februar im Ziel zu sein, müssen wir mindestens 145km am Tag fahren. Das klingt unter normalen Umständen mehr als machbar, ist aber dort mit Schiebepassagen und ordentlichen Steigungen eine ganz andere Herausforderung.

Die bisherige Route auf Komoot

 

Training, Ausrüstung und ein neues Rad

Die nächsten Wochen und Monate werden also geprägt sein von Training für den AMR. Ich bin da schon seit ein paar Wochen dabei, mache Intervall- und Höhenmetertraining. Zudem habe ich wieder angefangen zu laufen, und ab November kommt noch Kraft- und Muskeltraining hinzu. Glücklicherweise wird das Wetter hier oben bei mir in Schleswig-Holstein etwas ungemütlicher, was es zum perfekten Trainingswetter macht. Gegenwind sind unsere Berge im Norden und je mehr ich unter widrigen Bedingungen fahre, desto besser bin ich für den Race vorbereitet.

Insgesamt umfasst mein Trainingsplan 6 Tage die Woche. Dazu kommen dann noch ein paar längere Fahrten, auch um dann neue Ausrüstung und später dann das neue Rad auszuprobieren. Die Herausforderung ist hier eher, Familie, Beruf und Training unter einen Hut zu bekommen.

Begleitet wird dieser Trainingsplan von einer Keto-Diät, durch die ich schon ein paar Kilogramm verloren habe. Momentan mache ich da etwas Pause in der strikten Umsetzung. Ich werde aber im Dezember/Januar noch mal eine aktive Phase einbauen.

Im Atlas, bevor es in den Anti-Atlas ging

 

Sack statt Zelt

Auch meine Ausrüstung wird sich für den AMR erweitern. Momentan plane ich mit Biwaksack anstatt Zelt. Eine neue Regenjacke und neue Radschuhe werden auch noch angeschafft, und da die Wasserversorgung eine Herausforderung werden wird, habe ich mir auch schon eine Trinkblase geholt. Das große Thema wird Essen sein. Ich bin ja nicht so der Esser, muss aber diesmal sehr darauf achten und das planen.

Da muss ich mir Gedanken machen und schauen, welchen Kocher ich mitnehmen werde, welche Lebensmittel und wie ich die Versorgung unterwegs gestalte. Es gibt immer wieder Versorgungspunkte, aber wie Bengt Stiller in einem Podcast mit ihm zum Silk Road Mountain Race so schön sagte: Vom Start an frisst man sich eigentlich selber auf.

Das heißt, der Kalorienverbrauch ist immer höher als das, was man dem Körper zuführen kann. Im nächsten Schritt plane ich dann das Gepäck und erstelle eine Packliste. Da lasse ich euch dann natürlich auch dran teilhaben.

20.000 Höhenmeter über den Atlas und den Anti-Atlas warten auf uns

 

N+1 für den AMR 2020

Ich habe lange überlegt, aber für den AMR baue ich mir ein neues Rad auf. Dafür gibt es viele Gründe, die ich euch noch mal separat erläutern werde. Ich bleibe bei einem 29er, aber verändere grundsätzlich fast alles: Geometrie, Material, Ausstattung. Da kommen jetzt natürlich auch noch mal Kosten auf mich zu, aber das ist schon ok. Es war ohnehin geplant, wenn auch anders. Seid gespannt – ich berichte selbstverständlich ausführlich.

Und jetzt mache ich mich wieder ans Training, Reiseplanung, Gesundheitscheck, Radaufbau und Packplanung…

 

Marokko – Wir sehen uns!

Zur Einstimmung auf das Land und den Race zeige ich euch noch ein paar Bilder von meiner letzten Tour durch Marokko:

14 Comments

  • Viel Spaß bei dieser Wahnsinnstour in grandiosen Landschaften. Bei unseren drei bisherigen Marokko-Radtouren sind die Strecke abschnittsweise schon gefahren bzw. haben die Routen – weil zu schwer – verworfen. Für eine 2 – 3 Wochentour hätte ich auch Lust, die Route nachzufahren, aber garantiert nicht mit 145 km pro Tag.

  • Lars Spangenberg sagt:

    Hallo Martin,
    viel Spaß in den Bergen bei den Berbern. Bin dieses Jahr 3 Monate parallel zur Algerischen Grenze über Pisten gezockelt. Mein Velotraum Rad kam dabei an die Grenze. Habe mir deshalb für solche Strecken ein Bombtrack Beyond AVD zugelegt. Die Probetour waren gerade 14 Tage auf dem Highland Trail 550. Ich kann das Monster nur empfehlen.
    Bonne Route
    Lars

  • Svato sagt:

    Ha und was für Fahrrad dann ? 😀

  • Radel-Ralle sagt:

    Hallo Martin,

    vielleicht das Velohled IRON mit Rohloff-Nabe?
    Das wäre doch die ultimative unverwüstliche „Gravel-Maschine“.

    Viel Spaß auf jeden Fall beim Rad-Aufbau.

    Grüße aus Dem Münsterland

  • Frank sagt:

    Ich tippe auf das Cutthroat. Eine absolut geile Maschine.
    Cheers

  • bikingtom sagt:

    Wow! Gratuliere! Das klingt absolut nach Abenteuer und vor allem einer echten Herausforderung! Supercool!
    Jetzt verstehe ich auch wieso „Höhenmeter an der Elbe“! 😉
    LG,

    Tom

  • Rob sagt:

    Hallo Martin,

    wünsche dir ein richtig gutes Rennen.

    Wenn man sich die Rigs der Erstplatzierten der letzten, großen Selbstversorger-Rennen anschaut, haben fast alle eines gemeinsam:

    Zumindest ein Front-Suspension System.

    Ich glaube Lael hat in einem Interview zum Silkroad MT Race gesagt, dass sie sich das nächste Mal auch Carbon als Rahmenmaterial vorstellen könnte. Und Jakub Sliacan hat es ja beeindruckend vorgemacht – beide mit Federgabeln unterwegs … Wobei man hierbei nicht vergessen sollte, dass Menschen die Rennen gewinnen – nicht die Fahrräder und (hierzu passend) Jakubs Gabel wohl recht schnell den Geist aufgab… 😉

    Macht natürlich trotzdem viel Spaß zu fachsimpeln:
    Mein Tip wäre ja ein Carbon MTB Rahmen mit moderater Dämpfung á la Canyon Lux, Rose Thrillhill oder dem neuen Trek Supercaliber. Gerade letzteres ist ziemlich spannend – der Preis holt einen aber auch leider schnell wieder auf den Boden zurück.

    Whatever – viel Glück und vielen Dank für den tollen Blog.

    Bin schon gespannt auf die nächsten Einträge …

    Rob (mit Stahl unterwegs …)

  • Rob sagt:

    ahh … also doch Titan-Rahmen (Instagram) -> (Fargo?)

    LG Rob

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