From Alaska with Love: Testfahrt mit den Revelate Designs Bikepacking Taschen

From Alaska with Love: Die Bikepacking Taschen von Revelate Designs im Test / Foto: Peter Scholl

Hinweis:

Die Revelate Designs Bikepacking Taschen wurden mir auf meinen Wunsch hin für einen Test zur Verfügung gestellt. Und im Folgenden nenne ich Ross und Reiter, Marke und Modelle. Damit ist das Werbung. Habt Spaß!

2001 quälen sich im indischen Himalaya zwei Fahrer die Berge hoch: Eric Parsons und sein Freund Dan Bailey sind auf Tour durch die höchsten Berge der Welt, aber nicht wirklich zufrieden mit der Art des Gepäcktransports im Anhänger. Das muss irgendwie anders gehen. Ein Jahr später am anderen Ende der Welt: Eric fährt durch Patagonien und hat sich dafür eine Rahmentasche genäht. Zusammen mit anderem Gepäck, welches er sich ans Rad schnallte, wurde hier der Keim für das heutzutage bekannte und trendige Bikepacking Setup gelegt. Nach weiteren Touren durch Alaska (hierfür baute er sich die ersten Pogies, dicke Lenkerüberzieher für das Radfahren in extremer Kälte) und Südamerika nahmen Erics Ideen immer mehr Gestalt an und 2007 ging „Epic Designs“ mit ersten Produkten an den Start. Das E und das D sind im bekannten „Zahnrad Logo“ erkennbar.

2009 kam das erste Lenker-Harness System heraus, welche im Kern bis heute Bestand hat. Das war auch das Jahr, in dem Eric und Epic Designs sich in Richtung Longdistance Rennen orientierten und auch ihr Produktangebot für diese Anforderungen ausrichteten.

2010 wurde dann – aufgrund von Markenrechtsproblemen – aus Epic Designs das heute bekannte Revelate Designs, mit Taschen Designed in Alaska und genäht in Oregon. (Bis auf die Egress und Yakataga Taschen, die wohl in China hergestellt werden, weil man in den USA nicht die nötigen Voraussetzungen gefunden hat).

Heute zählt Revelate Designs zu den wohl bekanntesten „Edel“-Marken für Bikepacking-Taschen und Ausrüstung. Und die Qualitätsarbeit macht sich auch beim Preis bemerkbar.

Warum erzähle ich euch das?

Ich habe Revelate schon immer auf dem Schirm gehabt, auch weil sie mir immer wieder durch Weiterentwicklungen und interessante Neuigkeiten aufgefallen sind, die ein tiefes Praxiswissen und vor allem Erfahrung voraussetzen. Und nun habe ich die Möglichkeit bekommen (Danke CosmicSports!), mir die Taschen auch mal näher anzuschauen.

 

Drei Gründe gab es für diesen Test:

  1. Spinelock: im März haben die Amerikaner eine Satteltasche mit einer völlig neuen Art der Befestigung und Montage vorgestellt. Im Mittelpunkt steht ein Titan Bolzen, der die Tasche am Sattel fixiert. Das musste ich mir anschauen, auch weil es eine denkbar einfache und schnelle Montage verspricht.

 

  1. Harness System: Beim Atlas Mountain Race geht es um Zeit und Zeitersparnis. Da muss alles schnell gehen, auch das Entladen und Beladen des Rades. Eine festmontierten Lenkerrolle kommt da an ihre Grenzen, weshalb ich mir mal ein richtiges Harness System anschauen wollte. Und da bin ich bei Revelate an der richtigen Adresse, denn die bauen das schon seit vielen Jahren.

 

  1. Full-Frame Tasche: Den ganzen Platz am Rahmen zu nutzen ist durchaus schlau. Bislang bin ich Rahmentaschen gefahren, die nur einen Teil des Innen-Rahmen nutzen. Ich wollte ausprobieren, ob eine Voll-Rahmen-Tasche wirklich mehr Platz bietet und wenn ja wie viel und wie es sich dann fährt. Und auch hier bin ich bei Revelate mit ihrer jahrelangen Erfahrung an der richtigen Adresse.

 

Im Test hatte ich die:

 

 

Revelate Designs Spinelock 16L

Die Revelate Designs Spinelock 16L

Gewicht: 680g Herstellerangabe; 650g selbst gewogen

Preis: ca. 200 Euro / 185 Dollar

Volumen: 16 Liter / 10 Liter

Ich sage es mal frei heraus: Ich bin schwer begeistert von dieser Satteltasche. Und das aus zwei Gründen: Die Befestigung mit dem Titan Bolzen ist eine nicht nur einfache, sondern auch schnelle und sichere Lösung. Sie erlaubt es mir, die Tasche mit sehr wenigen Handgriffen abzubauen oder zu montieren.

Einfach den Spine abziehen und die Klettband-Fixierung an der Sattelstange lösen und schon hat man die Tasche abgebaut. Oder umgekehrt: einfach die Tasche an die Halterung am Sattel anhalten, mit dem Spine sichern und abspannen.

Am Sattel wird das Gegenstück zum Spine angeschraubt. Diese wird am hinteren Teil des Sattelgestells verschraubt und trägt die Ösen für den Spine und die Haken für die Taschenhaltegurte.

Die Spinelock Tasche hat zwei Positionen für die Ösen und kann demnach weiter hinten oder weiter vorne sitzen. Dadurch kann man die Spinelock an verschiedene Sattelpositionen anpassen. Die Haken an beiden Seiten dienen der Sicherung der Tasche und dem zusätzlichen Abspannen. Hier werden einfach die entsprechenden Riemen eingehängt und fertig. Anschließend wird die Tasche unten noch an der Sattelstütze mittels Klettriemen gesichert und schon kann es losgehen. Die Spinelock ist auch für Carbon Sattelstützen geeignet.

Kurzum: die Montage/De-Montage ist sehr schnell und einfach. Die Tasche sitzt bombenfest und der Titan Spine ist sehr stabil. Durch die zusätzliche Sicherung mittels Gurte liegt auch kaum Last auf dem Spine. Zudem sichern diese den Spine gegen ein mögliches Herausfallen oder bewegen.

 

Aber:

  • Die Spinelock-Tasche ist nicht mit Carbon-Sattelgestellen kompatibel. Sie ist nur mit Sattelgestellen im traditionellen Stil kompatibel und nicht mit den meisten Modellen von Brooks-Sätteln
  • Und sie ist nicht für die Verwendung mit Dropper-Sattelstützen ausgelegt.

 

Der zweite Grund ist, dass diese Tasche einmal angebracht so gar nicht wackelt. Überhaupt nicht. Das liegt zum einen am Spinelock und zum anderen an der stabilen Kunststoff Bodenplatte, die dem ganzen Form gibt und zudem einen guten Schutz von unten gewährleistet.

Eine robuste Kunststoffplatte schützt den Unterboden

16 Liter sind eine ganze Menge Platz. Die Spinelock hat einen geformten, härteren Bodenbereich, weshalb dieser immer Form hält und gut mit Sachen beladen werden kann. Ein Ventil an der Seite ermöglicht eine sehr gute Kompression. Verschlossen wird die Tasche durch zwei Gurte: einmal der Rollverschluss und dann zusätzlich ein roter Gurt, der den Rollverschluss zusätzlich sichert und mit dem die Tasche weiter abgespannt werden kann.

Oben auf der Tasche gibt es Laschen zur Befestigung weiterer Gegenstände und ein Gummizug für weitere Dinge.

Verschlusssystem und Gummizug bei der Spinelock

Die Spinelock Tasche ist wasserdicht und aus widerstandsfähigem und „UV stabilized“ 210 Denier Ripstop Nylon gefertigt.

Ich hatte die Tasche jetzt bei einem Overnighter, bei meinem Ritt von Hamburg nach Leipzig und meiner TV Tour in Brandenburg dabei. Sie ist widerstandsfähig, abriebfest und leicht zu reinigen. Sie lässt sich sehr gut packen und komprimieren. Die Gurte arbeiten einwandfrei und sitzen auch unter Spannung sicher und fest. Ab und zu sollte man die Schrauben der Taschenhalterung am Sattel checken, aber bislang ist da nichts auffällig oder locker.

Spinelock 16 L / @revelatedesigns.com

Damit kann ich die Spinelock uneingeschränkt empfehlen, wenn man eine Tasche sucht, die einfach und schnell zu montieren ist und zudem genug Volumen für die große Tour bietet.

 

Revelate Designs Ripio Frame Bag

Die Ripio Full-Frame Tasche

Gewicht:

  • Größe S: Gewicht: ca. 230g
  • Größe M: Gewicht: ca. 400g
  • Größe L: Gewicht: ca. 450g Herstellerangabe; 400g selbst gewogen
  • Größe XL: Gewicht: ca. 520g

Preis: ca. 165 Euro / 165 Dollar

Volumen:

  • Größe S: Volumen: 5L
  • Größe M: Volumen: 6.3L
  • Größe L: Volumen: 7.7L
  • Größe XL: Volumen: 9L

Es ist meine erste Full-Frame Tasche, die den ganzen Platz im Rahmendreieck nutzt. Die Ripio Framebag gibt es in vier Größen: Small (SM 5L Volumen), Medium (MD 6,3L Volumen), Large (LG 7,7L Volumen) und X-Large (XL 9L Volumen). Damit ist das Angebot recht breit, um viele Rahmen gut auszufüllen. Wer es vor einem Kauf genau wissen möchte, welche Größe die richtige ist, kann sich die verschiedenen Taschengrößen HIER ausdrucken und mit seinem Rahmen abgleichen.

Ich habe beim Salsa Fargo die Rahmengröße LG und daher auch die Ripio in LG genommen. 7,7 Liter sind eine ganze Menge, aber dafür sitzen diese dann ganz gut im Rahmendreieck.

Die Ripio im Einsatz

Die Tasche ist zweigeteilt – mit der Option einen großen Packraum daraus zu machen. Die Teilung erfolgt durch festschließende Klettverschlüsse, die die Tasche in der Mitte horizontal teilen. Und diese dadurch auch in Form halten, was eine übermäßige Ausdehnung in den Beinbereich verhindert.

Auf der linken Seite befindet sich ein schmales, flaches Fach über die ganze Taschenlänge, zusammen mit drei kleineren Fächern. Der Platz ist recht begrenzt. Ich habe hier vor allem Sachen drin, auf die ich schnell zugreifen will: Geldbörse, Multitool, Schloss, Creme, Leatherman, Taschentücher, usw.

Die linke flachere Tasche

Auf der rechten Seite gibt es zwei Fächer. Oben das große Fach über die ganze Oberrohrlänge. Dari lässt sich auch mit Klettverschlüssen eine Luftpumpe oder Zeltgestänge unterbringen. Zudem hat die Ripio vorne zum Lenker hin noch eine Öffnung für einen Wasserschlauch, falls man eine Wasserblase in der Rahmentasche transportiert.

Unter dem großen Fach befindet sich ein kleineres, welches aber tief runter reicht und so weiteren Platz bietet. Beide Fächer können zu einem Fach verbunden werden.

Die Taschen rechts

Alle Fächer haben einen Reißverschluss und hier ist immer die Frage: Hält der und wenn ja, wie lange?

Ich kann noch keine Auskunft über die Haltbarkeit geben, habe bislang aber auch noch nicht gelesen, dass es Probleme gab. Revelate verwendet Reißverschlüsse mit speziell geformten Zähnen und urethanbeschichtetem Band. Diese sind laut Hersteller grundsätzlich undurchlässig für Schmutz und Splitt, die die häufig verwendeten wasserdichten Reißverschlüsse mit Spirale (ich meine wie bei Apidura) zerstören und für Probleme sorgen.

Oft ist es aber auch die Art der Beladung und des Gewichts ausschlaggebend, wie die Reißverschlüsse sich verhalten. Daher setzt Revelate auf die sogenannte Zipstretch Konstruktion. Diese verbindet den Reißverschluss im Neoprenanzug-Stil mit den Stretch-Cordura-Einsätzen. Das soll die Reißverschlussbeanspruchung beim Schließen reduzieren.

Das Außenmaterial der Ripio ist aus Xpac 420 Deniergewebe und Cordura. Xpac, bzw. Xpac Spectra ist “ein drei Lagen Laminat, welches um 40% leichter und 30% stabiler als herkömmliches 1.000 Denier Gewebe ist. Verstärkungsfäden garantieren eine hohe Weiterreißfestigkeit.“ Und Codura ist „eine Polyamid / Polyester Faser. Sehr scheuerfest. Cordura ist ein Markenname des amerikanischen Herstellers DuPont.“ (Quelle)

Der Stoff ist abriebfest, wasserdicht und kann gut gereinigt werden.

Da passt viel rein und der Stoff ist sehr widerstandsfähig

Ich habe die Ripio bei einem Overnighter, meiner Tour von Hamburg nach Leipzig und zurück, als auch bei der Brandenburg Runde mit dem RBB dabei gehabt. Dabei habe ich auch verschiedene Packszenarien ausprobiert.

Links habe ich meist die Sachen gehabt, auf die ich schnell Zugriff brauche. Rechts kamen dann oben Essen (Riegel, Haribo, Tütensuppe), Armlinge, Beinlinge, Halstuch, Handschuhe, Mütze und was sonst noch passt, rein. Unten rechts habe ich Ersatzschlauch, Werkzeug, Kocher, Tasse, Besteck, Creme und Öl verstaut und damit eher die schweren Sachen. Es geht also schon ordentlich was rein. Und man kann die Sachen einmal verstaut auch ganz gut erreichen.

Made in the USA

Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht zu viel reinpackt und die Tasche sich dann nach außen dehnt. Das ist für die Tasche nicht schlimm, aber man kommt dann mit den Beinen an die Taschenseiten, bzw. kann der Kurbelarm daran schleifen. Das gilt aber für alle Rahmentaschen.

Kommen wir zur Befestigung am Rahmen. Davon gibt es reichlich, aber eine Rahmentasche baut man ja auch nicht ständig wieder ab.

Am Oberrohr wird die Tasche mit drei starken Klettbändern befestigt: ein breites in der hinteren Mitte und dann ein schmaleres vorne und ein dünnes hinten zum Sattel hin. Das vordere Band kann noch versetzt werden und bietet sich zudem zur Fixierung für mögliche Cockpit Taschen an.

Vorne zum Steuersatz hin, wird die Ripio mit einem Gummi/Plastik Band gesichert. Davon gibt es insgesamt drei (einer vorne und zwei für die Sattelstrebe). Diese wirken auf den ersten Blick nicht stabil, sind aber in der Praxis sehr widerstandsfähig. Sie werden mit einem Riemenschloss fixiert. Der Riemenrest wird in einem kleinen Gummiring festgehalten. Hier kann ich mir vorstellen, dass dieser irgendwann mal reisst, aber bislang hat er sich als widerstandsfähig erwiesen.

Eine Grundregel für die richtige Rahmentaschengröße ist ja, diese lieber etwas straffer zu kaufen, also ggf. etwas kleiner. Meine Ripio in L ist aus meiner Sicht passend, aber eine M würde sicher auch gut gehen.

Die Ripio Frame Bag / @revelatedesigns.com

Auch diese Tasche ist eine Empfehlung. Mir gefallen das Platzangebot, die Reißverschlüsse an beiden Seiten, die Unterteilung der Fächer und die Befestigungsmöglichkeiten. Da geht einiges rein und zudem sieht die Tasche auch gut aus. Schön dezent. Preislich liegt sie mit 165 Euro im Bereich der Apidura Full Frame Tasche. Ist also durchaus eine Option, wenn man sich ohnehin damit beschäftigt.

 

Revelate Designs Harness & Saltyroll

Das Revelate Harness & Saltyroll

Harness

Gewicht: 425g Herstellerangabe; 400g selbst gewogen

Preis: ca. 100-130 Euro / 85 Dollar

Volumen: Nimmt Rollen bis 6,8kg auf; Breite hängt vom Lenker ab.

Seit dem Atlas Mountain Race ist mir bewusst, wie sehr einfacher und zeiteffizienter ein Harness-System am Lenker sein kann. Vorne sind bei mir oft die Schlafsachen, wie Biwaksack oder Zelt, Isomatte und ggf. Schlafsack. Da möchte ich schnell und unkompliziert rankommen und diese dann auch wieder schnell verstauen können.

Bei festmontierten Handlebar Packs ist das dann meist etwas fummeliger, muss man doch die Tasche am Lenker hängend befüllen, oder sie abbauen, einpacken, komprimieren und dann wieder dranbauen.

Bei einem Harness fällt das weg, denn es ist im Prinzip eine fest-montierte Aufnahme am Lenker die dann einen Packsack (hier die Saltyroll) aufnimmt und festhält. Und das möglichst einfach und sicher.

Das Harness

Revelate kann auf viele Jahre Erfahrung im Bau von Harness Systemen zurückblicken. Ihre erste Generation an Harness Handlebar Packs wurde im Januar 2009 vorgestellt und seitdem immer weiter verbessert. Daher hatte ich natürlich hohe Erwartungen an die Harness der Amerikaner. Die Befestigung am Lenker erfolgt mit Riemen, die einen Abstandhalter auf Hartgummi am Lenker fixieren. Revelate nennt das „Soft Rack“. Damit wird genug Platz zu Schalt- und Bremskabeln geschaffen.

An diesen Abstandhaltern befindet sich dann die Harness-Aufnahme. Sie ist mit 400g etwas schwerer, aber dafür auch sehr zupackend. Sie besteht aus 3-lagigem, formgepressten EVA-Verbundmaterial, eigentlich eine Art fester Schaumstoff. Zudem sorgen Querstangen aus Fiberglas für seitliche Steifigkeit. Die Innenseite der Harness ist leicht gummiert, sodass die dort eingespannten Packsäcke nicht rutschen oder sich während der Fahrt bewegen.

Die gummierte Innenfläche der Harness sorgt für sicheren Sitz der Rolle

Die Harness wird neben der Befestigung am Lenker zudem mit einem Riemen am Steuerrohr gesichert. Die Riemen am Lenker haben keine zusätzliche Sicherung durch einen Verschluss, wie man es von anderen Herstellern kennt. Ich war anfangs etwas skeptisch, aber nach Fahrten über Stock und Stein kann ich sagen: Einmal festgezogen bewegt sich da nix mehr und die Harness sitzt fest. Und ich musste nicht, wie bei anderen Lenkerrollen, die Riemen nachspannen.

Sicherung der Harness durch Riemen am Lenker

Saltyroll

Gewicht: 176g Herstellerangabe; 200g selbst gewogen

Preis: ca. 60 Euro / 38 Dollar

Volumen: 15 Liter

In das Harness kommt nun die Saltyroll. Im Prinzip ist das ein normaler Packsack, allerdings mit Öffnungen zu beiden Seiten hin. Sie ist aus 210 Denier Nylon gefertigt, hat ein Volumen von 15 Litern und ein abgenähtes Band an der Vorderseite.

Das hält bei der Befestigung mit Riemen den Sack mittig und bietet zudem noch Befestigungsmöglichkeiten für kleinere Sachen, wie zum Beispiel eine tolle Gravel-Emaille-Tasse, die dort mit einem Karabiner hängen könnte 🙂 .

Die Saltyroll im Harness

Dieses Band ist mit Doppelnähten an der Rolle wasserdicht verschweißt. Bei mir ist leider eine dieser Nähte aufgegangen, bzw. hat sich abgelöst. Das schiebe ich aber mal auf Montagsproduktion und es wird durch Revelate bzw. den Händler bestimmt problemlos ersetzt. Eine Funktionseinschränkung gab es nicht dadurch.

Was mir aber bei der Saltyroll fehlt ist ein Ventil wie bei der Spinelock. Das wäre noch die Kirsche auf der Torte und würde das Komprimieren erleichtern.

Die Saltyroll wird im Harness mit drei Gurten fixiert und abgespannt. Diese Gurte haben jeweils ein Schloss und können so in der Länge und Spannung sehr einfach eingestellt werden. Und drei Gurte halten eine ganze Menge und sind zudem auf verschiedene Formen der Rolle (dicker, dünner) gut abstimmbar. Allerdings ist die maximale Tragkraft der Harness mit ca. 6,8Kg / 15 Pfund angegeben. Aber das muss man erstmal erreichen, bzw. wer das erreicht und sogar überschreitet sollte noch mal seine Packliste ernsthaft prüfen.

3 Riemen sichern die Rolle

Beim Harness-System von Pro-Discover hatte ich bemängelt, dass die Abspannung vorne nicht wirklich gut funktionierte. Wie man es richtig macht, zeigt Revelate: da wackelt nix, die Rolle sitzt sehr fest und sicher.

Einzige Anmerkung: die Riemen sind recht lang, weshalb man darauf achten muss, dass diese nicht nach unten hängen und so versehentlich ins Rad kommen. Es gibt eine Schlaufe, die das verhindern soll, aber die reicht aus meiner Sicht nicht aus. Also schaut da genau hin. Ich habe den Riemen dann meist erneut durch die Schlaufe gezogen und so verkürzt.

Die Riemen an der Harness sind recht lang

Und wer noch mehr Platz braucht: an die Harness kann optional auch noch eine Fronttasche, wie die Revelate Designs Egress Pocket angebracht werden.

Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, ist das Revelate Harness mit der Saltyroll schon sehr nah an meinen Idealvorstellungen. Ich ziehe es ernsthaft in Erwägung für meine weiteren Fahrten, die im Race-Modus stattfinden sollen. Eine normale Lenkerrolle macht aus meiner Sicht Sinn für alle, die eher touristisch (nicht abwertend gemeint) unterwegs sind und bei denen es nicht unbedingt auf Zeit und knallharte Performance ankommt. Dafür kann ich die Ortlieb Lenkerrolle uneingeschränkt empfehlen. Wer ein Harness-System möchte und damit auch etwas mehr Gewicht akzeptiert, der sollte sich das Revelate Harness mit der Saltyroll anschauen.

Das Harness System mit Taschen von Revelate

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Die Harness ist NICHT kompatibel mit Cantilever oder Road-Style Vorderradbremsen, die über vertikal freiliegende Kabel angesteuert werden. Sie kann nur bei Scheibenbremsen oder V-Brakes eingesetzt werden.

 

Revelate Designs Yakataga Dry Pocket

Die Yakataga auf Tour

Gewicht: 255g Herstellerangabe; 250g selbst gewogen

Preis: ca. 140 Euro

Volumen: 4,2 Liter

Diese Tasche hatte ich für den Test eigentlich nicht vorgesehen, aber wo sie schon mal dabei war, habe ich mir die Yakataga näher angeschaut. Diese Lenkertasche ist für die ganz besonders feuchten und nassen Einsätze konzipiert, denn sie wurde für Bike-Rafting Touren gefertigt und ist daher komplett wasserdicht. Und zwar richtig komplett, was heißt: man kann mit ihr auch Tauchen.

Wirklich wasserdicht: die Yakataga / @revelatedesigns.com

Man muss wohl in Alaska viel mit dem Rad unterwegs sein, um eine solche Tasche zu benötigen, aber auch für hiesige Gefilde in Herbst und Winter mit Schnee und Dauerregen ist die Yakataga durchaus eine interessante Alternative, wenn man eine kleine Tasche für das Nötigste bei Ausfahrten oder Bikepacking-Trips sucht. Oder eben Bike-Rafting betreibt und noch eine wasserdichte Lenkertasche sucht.

Revelate Designs sagt dazu:

Die Yakataga ist die erste Unterwasser-Lenkertasche der Welt für Multi-Sport-Bike-Abenteuer.

Interessanterweise finde ich aber keine Produktseite auf der Website von Revelate. (Für Hinweise bin ich dankbar).

Das Material ist ein 420d Nylon mit doppelseitiger TPU Laminierung und #8 Ti-Zip Master-Seal Reißverschlüssen. Es fühlt sich an wie Kunstleder oder ein glatter Neoprenanzug.

Die Tasche kann an der Harness befestigt werden – das habe ich jetzt aber nicht explizit ausprobiert, sondern die Tasche direkt an den Lenker gemacht. Das geht sehr einfach und schnell mit im Lieferumfang enthaltenen extra Riemen.

 

Kann einzeln am Lenker oder an der Harness befestigt werden

Die Schlaufe oben macht die Yakataga zur Handtasche und ein Schultergurt zur Umhängetasche.

Vom Maß her ist die Tasche nicht sehr klein, aber auch nicht zu groß: 28cm breit, 17,8 cm hoch und 7,6cm tief.

Die Yakataga ist recht kompakt

Ich bin die Yakataga bei einem Overnighter gefahren und fand sie als kleine und vor allem wasserdichte Begleitung am Lenker gut. Ich würde sie mir aktuell nicht zulegen, auch weil ich eher die Egress in Kombination mit Harness vorziehen würde. Das hat aber nichts mit der Performance der Yakataga zu tun, sondern ist einfach eine persönliche Vorliebe.

Die Yakataga beim Overnighter

Der Reißverschluss der Yakataga lässt keinen Zweifel, dass er alles abhalten kann und sicher schließt. Im Inneren hat die Tasche noch ein weiteres Fach mit Reißverschluss. Dies kann auch herausgenommen werden.

In die 4,2 Liter passt einiges rein. Ich hatte dort unter anderem meine Daunenjacke, Geldbörse, ein Powerakku und Riegel untergebracht.

Da passt schon was rein und das Innenfutter kann auch rausgenommen werden

Wer sich noch weiter über die Yakataga informieren möchte, der findet hier weitere Testberichte:

  • Bikepacking.com über die Egress und Yakataga: Link
  • MTB-News.de über die Yakataga: Link

 

Fazit

Spinelock, Harness, Saltyroll, Ripio und Yakataga sind tolle Produkte, sehr gut durchdacht und mit viel Erfahrung im Bikepacken gebaut. Ich glaube, dass dies den Produkten anzusehen und für die Nutzer spürbar ist. Gute Produkte können viele bauen, aber nur wenige können das mit einer entsprechenden Erfahrungstiefe in Sachen Produktion, Technologie und Praxis. Revelate Designs, Apidura, Restrap und Ortlieb sind einige davon.

Ich würde sagen, dass wir mit Revelate Designs natürlich in der Champions League spielen. Und ich habe beim Testen gemerkt, warum diese Taschen so beliebt sind und auch, warum sie ihren Preis wert sind.

Mit den Revelates auf Tour

Wer ein Harness System sucht, der sollte zuerst bei Revelate vorbeischauen. Aus meiner Sicht wird hier der Maßstab gebaut.

Wer nach Full-Frame Taschen sucht, der sollte sich auch Revelate Designs anschauen. Die Ripio ist empfehlenswert und kann durchaus eine Alternative, wenn nicht sogar erste Wahl im Vergleich zum Wettbewerb sein. Und oft ist der Preis nicht wirklich unterschiedlich.

Wer nach einer unkomplizierten und smarten Satteltasche mit viel Stauraum sucht, der kommt an der Spinelock nicht vorbei. Sie ist einzigartig im Markt und hat mich völlig begeistert. Und ich bin nun gespannt, ob diese Idee von anderen weiterentwickelt wird und wir bald weitere smarte Satteltaschenlösungen fürs Bikepacking sehen.

Und wer viel mit Wasser zu tun hat und vorzugsweise dabei sein Rad dabei hat, der muss einen Blick auf die Yakataga Tasche werfen. Diese Kombination aus Bedienbarkeit und Wasserdichtheit ist durchaus alleinstehend.

Aber am Ende gilt wie immer: Egal welche Ausrüstung, egal welches Rad – Hauptsache raus und fahren, Land, Leute und Natur entdecken. Und Spaß haben!

Ich finde sie gut: Die Revelate Designs Bikepackinng Taschen

 

Weitere Testberichte zu Revelate Designs Taschen

7 Comments

  • Gerhard Maier sagt:

    Hallo Martin,
    könnte die Ortlieb Handlebar Bag auch mit dem Harness System von Revelate kombiniert werden ? Ich bin ja mit Ortlieb sehr zufrieden, bis auf die nervige Befestigung.

  • Alex S. sagt:

    Hi Martin,

    danke für den ausführlichen Bericht. Ich liebäugele mit der Spinelock-Satteltasche, habe aber noch bedenken bei den Herstellerangaben hinsichtlich Minimalauszug der Sattelstütze (16,4 cm). Wie weit schaut bei dir die Sattelstütze aus dem Sitzrohr heraus? Bei mir wären das 10-11 cm und ich frage mich ob das wirklich mit dem Velcro kolidiert.

    Würde mich über ein kurzes Feedback freuen, wenn das noch möglich ist 🙂

    Grüsse
    Alex

  • Wini sagt:

    Ich liebe auch Revelate! Interessant: ich habe so ziemlich alles am Start, was Du nicht getestet hast.

    1. Pronghorn Harness: Damit habe ich gerade ein Zelt (Big Agnes Copper Spur) erfolgreich über 900 Kilometer transportiert. Pronghorn ist sehr teuer – aber auch leicht.

    2. …kombiniert mit Egress-Pocket… zwar nicht so wasserdicht aber für Fahrrad ausreichend wasserdicht und mit gutem, schnellen Zugriff. Tasche ist schmaler und daher auch für normale Ausfahrten am Dropdown-Lenker ohne das Harness besser, als die Yataga, weil mehr Fläche am Lenke bleibt.

    3. Bolt on Mag Tank … da passt meine Kamera perfekt rein und ist Dank Magnetverschluss schnell draußen und wieder drinnen. (bei schwerem Unwetter muss die allerdings bei der Tasche in eine Plastiktüte).

    4. Terrapin System 14l. Klasse wegen des herausnehmbaren Packsacks. Den habe ich bei der letzten Tour längs auf dem Gepäckträger genutzt, weil ich Packtaschen hatte… das Terrapin ist aber sonst auch klasse.

    Sodann noch die Jerrycan für Schlauch, Miniwerkzeug, CO2-Kartusche, Reifenheber… und ne Mountain Feedback für Snacks und eine Maske (Corona lässt grüßen…).

    Es ist natürlich teuer, alles aus dieser edlen Hand zu haben – macht aber echt Freude! Das Design (Farbe) ist gegenüber dem Konkurrent Apidura ein aus meiner Sicht auch nicht zu vernachlässigendes Argument. Ich finde SchwarzRot einfach besser, als Grau-Neongelb 😉

    Hervorzuheben: Alle Sachen sind wirklich aus wasserdichtem Material! Achtung: Sucht- und Sammelgefahr… daher vorher Geld sammeln.

  • Paul sagt:

    Hallo Martin,
    ich finde die Spinelock sehr interessant, werde aber die 16L Volumen nicht bei jeder Tour voll ausnutzen. Was denkst du wäre bei dieser Tasche die “Minimalbeladung”?
    Das Ortlieb Seat-Pack kann man ja mehr oder weniger beliebig weit zusammenrollen, das geht ja bei Spinelock durch die Bodenplatte nicht so ohne weiteres…
    Gruß,
    Paul

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