Schon seit geraumer Zeit schaue ich nach einem neuen Schlafsack, der mehr meinen aktuellen Neigungen zum sportlichen Bikepacking entspricht.

Die Anforderungen: Leicht, warm, klein bzw. kompakt, Daune (RDS zertifiziert), unempfindlich gegenüber Nässe (Kondens), keinen Quilt.

Die Einsatzbereiche: 3 Jahreszeiten, leichte Minusgrade möglich, im Zelt und im Biwaksack, in heimischen Gefilden, verschiedenen Regionen weltweit und vor allem im Hochgebirge Kirgisistans.

Mit Leicht meine ich so um die 500-600g. Derzeit habe ich einen Cumulus Panyam 450, der 900g wiegt (individualisiert). Den hatte ich auch beim Atlas Mountain Race dabei, aber ich hätte es gerne leichter und kompakter, auch damit er besser in die Lenkerrolle passt.

Mit Warm meine ich, dass er mich mit einer Term A Rest NeoAir, einem Inlet aus Seide, im Zelt bis eine Außentemperatur von -10 Grad, im Biwaksack bis 0 Grad, warm hält. Natürlich hängt das individuelle Kälteempfinden immer auch noch von anderen Faktoren ab, wie körperliche Verfasstheit, Anstrengung, Ernährung, Müdigkeit, usw..

Mit relativ unempfindlich gegenüber Nässe meine ich: Die Argumente, dass bei Nässe Daune nicht mehr einsatzfähig ist, sind überholt, denn mit Pertex Außenmaterial und Hydrophoben Daunen und Imprägnierungen ist man auch bei feuchteren Bedingungen heutzutage sehr gut aufgestellt und muss nicht auf synthetische (und damit schwerere) Säcke zurückgreifen.

Warum keinen Quilt? Ich möchte gerne eine Kapuze haben, in die ich mich einmummeln kann. Und beim Biwakieren einen Schlafsack, der mich komplett wärmt, einen Reißverschluss hat, mit dem ich auch die Wärme regulieren kann und ich nicht auf eine extra Bekleidung am Oberkörper angewiesen bin.

Der Panyam 450 in Patagonien

 

32 Schlafsäcke für 3-Jahreszeiten

Also habe ich mich umgeschaut und eine ganze Reihe an Schlafsäcken gefunden, die mehr oder weniger meinen Anforderungen entsprechen. Und damit ihr auch was davon habt und diese Liste euch ggf. eine Hilfe bei der Recherche ist, habe ich die Auswahl erweitert und „meine“ Schlafsäcke in drei Gewichtsklassen sortiert: 0-600g, 600-800g und 800 bis 1.000g.

Hinweis: Einen Link zur kompletten Tabelle auf Google Docs findet ihr unten am Ende des Beitrags.

 

Schlafsäcke Gewichtsklasse bis 600g

Acht Schlafsäcke habe ich in dieser Kategorie gesammelt, wenn auch der RAB Mythic Ultra 360 mit 606g eigentlich nicht mehr dazugehört. Aber bei 6 Gramm bin ich mal nicht so, denn für dieses Gewicht gibt es Wärmeleistung satt: Ganze -2 bis -8 Grad bietet der RAB im Komfort bis Limit Bereich. Mehr kann nur der PHD, wobei ich hier nicht die Limit- und Maximal-Temperatur gefunden habe. Der PHD hat mit 1.000 cuin auch den höchsten Wert in dieser Liste. Preislich sind sich beide mit um die 600 Euro ähnlich, wobei der PHD fast 150g weniger auf die Waage bringt. Dafür kenne ich das Packmaß des RAB nicht.

Ebenso interessant ist natürlich der Western Mountaineering HighLite, der ein sehr gutes Gewicht (480g) zu einem sehr guten Preis (340 Euro) bietet. Ebenfalls hervorheben möchte ich den X-Lite 300 der polnischen Firma Cumulus. Dieses Modell habe ich individualisiert, das heißt noch Anpassungen an das Standard-Modell vorgenommen (Menge der Daunen, Reißverschluss, Stoff und Farbe). Der X-Lite hat eine ausreichende Komforttemperatur von 2 Grad und mit 514g Gewicht bei knapp 400 Euro auch ein gutes Gewicht/Preis Verhältnis.

Aufgrund einer Empfehlung habe ich mir auch den Sea to Summit Spark SP II angeschaut: Das ist ein nur 560g leichter Schlafsack (in der Größe bis 198) mit einer Komforttemperatur von 4 Grad. Er ist eher eng anliegend geschnitten, allerdings wurde in der neuen/aktuellen Version das Platzangebot etwas verbessert. Gewichtssparend ist auch sein ½ Reißverschluss. Mit einer Komforttemperatur von 4 Grad ist er für kühlere Nächte durchaus geeignet, aber ich würde mir hier schon etwas mehr Wärmeleistung wünschen. In der kleineren Größe bis 1,85m wiegt es nur knapp über 500g und selbst bei einer Größe bis 1,98m kommen nur 560g zusammen.

Wirklich überrascht haben mich die Schlafsäcke von Term A Rest. Mit dem Hyperion haben sie eine ganze Reihe an ultra-leicht Schlafsäcken im Angebot, die ich wirklich sehr interessant finde. Ich habe in meiner Liste den Hyperion 32 UL, aber schaut euch auch mal den Hyperion 0C UL an, der in Größe L nur 520g wiegt, allerdings „nur“ bis 0 Grad empfohlen ist.

Mein Tipp:

Müsste ich bei den Schlafsäcken dieser Gewichtsklasse eine Auswahl treffen, so würde ich vermutlich zwischen dem Term a Rest, ME Firefly, dem Cumulus X-Lite und dem Western Mountaineering HighLite wählen. Aus dieser Kategorie wird dann vermutlich auch mein neuer Schlafsack kommen.

 

Schlafsäcke Gewichtsklasse 600 bis 800g

Das ist die Kategorie mit der größten Auswahl. Neben den bekannten RAB, PHD und Cumulus sind in dieser Kategorie auch noch andere Marken vertreten: Carinthia, Millet, Robens und Mountain Hardware.

Carinthia ist ein heimisches Unternehmen, das vor allem Ausrüstung für Spezialeinheiten baut und hier einige Erfahrungen in der Herstellung und Entwicklung von Stoffen und Isolationskleidung hat. Der D 400 ist ein Daunenschlafsack mit einem Gewicht von 735g, der ein sehr gutes Wärmeangebot aufweist und dabei mit 17×16 ein sehr kleines Packmaß (komprimiert) hat. Und wer darauf Wert legt: Der D 400 ist Made in Europe.

Millet ist ja sicherlich auf der Bergsteigerszene bekannt. Sie stellen auch Schlafsäcke her und ich hatte mir mal vor einiger Zeit den Trilogy Edge angeschaut. Mit 670g ist er einer der leichteren in dieser Kategorie und für Schläger mit einer Größe bis zu 1,95m geeignet.

Der Robens Couloir 350 ist mit 795g an der oberen Gewichtsklassengrenze, aber er ist mit diesem Gewicht für Schläfer bis zu einer Körpergröße von 1,95m ausgelegt. Zudem hat er einen mittigen Reißverschluss, was durchaus eine interessante Lösung ist. Als einer der wenigen Schlafsäcke in meiner Liste hat er eine 95/5 Daunenverteilung, arbeitet dabei aber wiederum mit 700+ cuin Daunen. Dafür sollen es Frauen im Schlafsack bis 2 Grad komfortabel haben und Männer bis -4 Grad.

Der Mountain Hardware Phantom 30F sieht aus wie eine Expeditionsmumie, die sehr gut warmhält. 2 bis -4 Grad im Komfort- und Limitbereich sind völlig ok und 741g für Schläfer bis zu 1,98m sind ein gutes Gewicht/Leistungsangebot.

„Schau auch mal bei Big Agnes!“ – Ein guter Tipp, denn bislang habe ich die Amerikaner eher als Zelthersteller wahrgenommen. Aber sie haben auch einige Schlafsäcke im Angebot: Mit dem Flume und dem Torchlight UL 30 haben sie zwei Modelle, die es in meine Auswahl geschafft haben. Interessanterweise ist der Flume nicht nur 100g leichter als der Torchlight, sondern mit einer Komforttemperatur von -1 Grad auch wärmer. Beide Modelle setzen auf 850 cuin Daune und liegen auch preislich mit 300 bis 340 Euro ähnlich.

Wenn es richtig warm sein soll, dann kommt man in dieser Auswahl nicht an dem Sea to Summit Spark SP III und dem Cumulus X-Lite 400 vorbei. Der S2S hat eine Komforttemperatur von -2 Grad, der Cumulus von -1 Grad. Beim Gewicht schneidet mit 624g der Cumulus (individualisiert) besser ab als der S2S, auch weil der Cumulus bereits für eine Körpergröße von bis zu 1,96m ausgelegt ist und der S2S nur bis 1,83m geht (und die größere Version dann auch schwerer wäre). Zudem verwenden die Polen Daunen mit 900 cuin und die Australier 850 cuin. Der X-Lite 400 ist quasi die nächste Entwicklungsstufe des X-Lite 300 mit mehr Wärmepower, der in der Gewichtsklasse bis 600g mitspielt.

Mein Tipp:

In dieser Gewichtsklasse würde ich entweder den Cumulus X-Lite 400 oder den Big Agnes Flume nehmen.

 

 

Schlafsäcke Gewichtsklasse 800 bis 1.000g

Wenn es dann doch etwas mehr Gewicht sein darf: Bei klassischen Radreisen ist mir dann die Grammjägerei auch egal, weshalb es hier gerne etwas mehr wiegen darf und dafür vielleicht sogar etwas mehr Komfort geben kann. Diese Schlafsäcke hatte ich teilweise schon in der engeren Auswahl, als ich vor ein paar Jahren meinen aktuellen Cumulus gekauft habe. Damals hat der Panyam 450 (individualisiert) knapp das Rennen gegen den Yeti V.I.B. 400 gewonnen. Zum einen, weil ich die seinerzeit noch junge Marke Cumulus ausprobieren wollte und zum anderen, weil der Panyam einen sehr attraktiven Preis hatte.

Und so ist der Panyam 450 natürlich auch heute wieder in meiner Liste, wie auch gleich zwei weitere Modelle der Polen: der Panyam 600 und der Mysterious Traveller 500. Beides sind aber mit 970 und 885g eher „Schwergewichte“, die aber auch mit -6 Grad Komforttemperatur beim Panyam 600 mehr Wärme bringen, als unbedingt nötig ist. Das ist eher ein Schlafsack für radelnde Frostbeulen, weshalb er aber natürlich hier seine Berechtigung hat.

Alpkit ist eine Marke, die ich vor allem durch das Bikepacking kennen gelernt habe. Sie bieten viel Ausrüstung an und auch Fahrräder (Sonder Bikes). Und so haben sie auch mit dem SkyeHigh 500 und dem PipeDream 400 Schlafsäcke im Angebot, die durchaus einen Blick wert sind. Vor allem der PipeDream bietet Platz für 1,95m große Schläfer und das bei einer Komforttemperatur von -4 Grad und einem Gewicht von 865g. Der SkyeHigh ist nicht ganz so warm und mit 970g etwas schwerer (verwendet auch nur 650+ cuin Daunen), aber er ist mit 180 Euro ein echtes Schnäppchen.

Ein Klassiker, wenn mir auch etwas zu schwer, ist der Mountain Equipment Helium 400 Schlafsack. Aber er bietet einen vernünftigen Temperaturbereich, kostet mit 300 Euro nicht so viel und ist mit seinen 830g bei einer Schläfergröße von bis zu 1,85m auch nicht sooo schwer.

Der Schlafsack mit der höchsten Wärmeleistung in dieser Liste ist der Western Mountaineering UltraLite, der mit einer Komforttemperatur von -4 Grad lockt. Und das ganze bei nur 880g Gewicht und für Schläfer bis zu 2m Körpergröße. Allerdings kostet er mit 550 Euro auch relativ viel.

Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, der sollte sich den Vaude Rotstein 450 anschauen. Er ist mit 900g Gewicht etwas schwerer, hat aber ein interessantes Feature: Der Schlafsack lässt sich stufenlos in der Länge um 25-30m verstellen. Allerdings ist sein Packmaß mit 36×22 doch eher was für den klassischen Radreisenden mit viel Platz in der Tasche.

Mein Tipp:

Wenn ich mich für einen in dieser Gewichtsklasse entscheiden müsste, würde ich tatsächlich wieder den Panyam 450 nehmen.

 

 

Fazit: Meine Auswahl

So, ich hoffe ich kann mit diesen gesammelten Daten und Modellen auch euch weiterhelfen, solltet ihr auf der Suche nach einem Schlafsack für Radreise oder Bikepacking sein. Wie gesagt gibt es noch viele andere Marken und Modelle. So gesehen ist das meine persönliche und subjektive Auswahl – versteht sie auch als solche.

 

Unter all den Schlafsäcken würde ich mich aktuell (vermutlich) für den Cumulus X-Lite 300 oder den Term A Rest Hyperion oder den Western Mountaneering HighLite entscheiden. Alle drei würden mich gut (im Zelt) in Kirgisistan durch die Berge bringen (sollte ich dort den Silk Road Mountain Race 2021 fahren) und gleichzeitig auch ein guter Schutz im Biwaksack in gemäßigteren Klimazonen sein. Mal sehen, ist ja noch etwas hin…

 

Die ganze Auswahl auf einen Blick

Hier findet ihr alle Schlafsäcke und deren Daten auf Google Docs (klick aufs Bild):

 

Hier noch ein paar (antizipierte) Hinweise und Informationen:

  • Nein, diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
  • Ja, es gibt auch noch andere und viiiiel bessere Schlafsäcke.
  • Ja, manche Gewichtsangaben gelten nur bei bestimmten Ausführungsgrößen. Daher auch die maximale Körpergröße für das jeweilige Modell in der Liste. Ich bin 1,84m groß, weshalb ich meist nach einem für mich passenden Modell geschaut habe.
  • Ja, beim Radreisen kommt es nicht immer aufs Gewicht drauf an – mir ist es aber wichtig.
  • Ja, es muss Daune sein, da wärmer und leichter. Aber mit Responsible Down Standard (RDS) natürlich. Kunstfaser ist nix für meine Ansprüche. Und falls ihr euch informieren möchtet, findet ihr hier einen Beitrag zum Thema auf Utopia.de
  • Ja, es gibt auch viele europäische/heimische Hersteller und ich habe bestimmt auch Marken und Modelle vergessen (gerne in den Kommentaren darauf hinweisen).
  • Ja, es gibt von einigen Herstellern auch speziell für Frauen gefertigte Modelle. Diese sind meist wärmer oder im Schnitt noch mal anders. Ich habe diese hier nicht extra gekennzeichnet oder aufgelistet.
  • Ja, oft ist auch die Art der Daunenkammern beim Schlafsack entscheidend. Da gibt es technologisch Unterschiede. Diese habe ich nicht mit aufgeführt oder vermerkt. Hier findet ihr ein paar Infos zu den verschiedenen Kammer-Systemen und hier.
  • Nein, ich habe nicht die Daunenfüllmenge in Gramm mit aufgelistet, weil es aus meiner Sicht nicht weiter relevant ist, mi welcher Daunenmenge bestimmte Temperaturen erreicht werden.
  • Nein, ich habe nicht die Art der Daune aufgelistet. Ob Gänse oder Enten – Hauptsache warm.
  • Nein, man muss keine teuren Schlafsäcke kaufen. Aber manchmal kostet Handarbeit, Qualität und Fertigungstechnologie halt Geld.
  • Ja, du hast einen Schlafsack und brauchst keinen neuen. Dann kannst du ja was anderes lesen. Zum Beispiel was über Zelte.
  • Nein, ich werde von keiner der genannten Firmen bezahlt und mache hier versteckte Werbung.
  • Ja, die Angaben sind Herstellerangaben. Das ist hier nur eine Rechercheliste für einen ersten Überblick. Ob der jeweilige Schlafsack euch in Stoff und Passform zusagt oder nicht, müsst ihr dann eh im Praxistest entscheiden.