Ecuador Teil 3: Downhill zwischen Anden und Regenwald

In Ecuador zu radeln heißt, eine hohe Leidensfähigkeit zu haben. Man hat immer das Gefühl, im aeroben Bereich zu fahren und an jedem Berg ein Stück Lunge zu verlieren. Es geht durchaus kräftig hoch und runter und dabei überschlagen sich die Anstiege auch mal, so steil sind sie. Vor allem abseits der eigentlich ganz guten Straßen geht es ordentlich zu Sache. Aber ist man einmal akklimatisiert und hat sein Tempo gefunden, so macht das richtig Spaß!

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Speeeeed im Regenwald

Diesmal war es aber kein Tourenrad, mit dem ich rumgefahren bin, sondern ein neues 29er Specialized Rockhopper Comp, das mich die Berge rauf und runter trug. Und immer auch dabei: Eran, der als Drittplatzierter im Trans-Andes Mountainbike Race 2013 in Sachen Radfahren in den Anden ein absolut kompetenter Guide war.

29 Zoll Specialized Rockhopper Comp

29 Zoll Specialized Rockhopper Comp

Die Höhe merkt man aber immer. Kurzatmigkeit ist an der Tagesordnung und mit der Anstrengung auf dem Rad kommt man zeitiger als sonst an seine Grenzen. Dafür kann man aber auf einer Radtour innerhalb weniger Kilometer fast alle möglichen Wetterlagen erleben.

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Durchaus nebelig: bei der Abfahrt vom GuaGua Pichincha lag die Sicht auch mal unter 5 Metern

So begann die Abfahrt vom GuaGua Pichincha Vulkan, von 4.600 Metern Höhe hinunter auf ca 3.800 Meter, bei klarem Himmel, Temperaturen um die 4 Grad und guter Sicht. Innerhalb von nur wenigen Höhenmetern, zog es sich zu und Nebel mit Sichtweiten unter 5 Metern kam auf. Die Luft wird wärmer und urplötzlich reisst alles wieder auf und die Sonne lässt die Bergflanken erstrahlen. In dutzenden Haarnadelkurven schlängelt man sich hinab auf die Hochebene, begleitet durch immer neue atemberaubende Panoramablicke auf die Berge und Quito, das sich in der Ferne an die Hänge der Anden schmiegt.

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Nach dem Nebel kommt die Ferne

Doch allzulange sollte man nicht in die Gegend schauen- die Geschwindigkeit ist zu hoch, die Bremsscheiben glühen und benötigen immer öfter Zwischenstopps zum Abkühlen. In der ein oder anderen Kurve wird man fast rausgetragen und schafft es doch immer wieder mit seinem ganzen Körpergewicht das Rad imletzten Moment wieder in die Kurve zu treiben. Es ist ein ganz großer Spaß, hier auf über 3.500 Metern alles aus sich und dem Rad herauszuholen.

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Der Regenwald bei Mindo

Eine Fahrt durch den tropischen Regenwald bei Mindo ist ebenfalls ein Erlebnis. Der Weg ist eine von tiefen Wassergräben durchzogene Lehmpiste. Links und rechts und von oben hängen Äste und Pflanzen, die einen regelmäßig erwischen und schmerzhafte Spuren hinterlassen. In steilen Serpentinen schlängelt sich der Pfad hinab in den Dschungel. Immer dichter wird das Grün, bevor es plötzlich aufreisst und die Sonne gnadenlos auf einen niedergeht. Natürlich geht es nun nur noch bergauf. Der Schweiß tropft auf das Oberrohr, die Augen brennen und auf der Haut merkt man die steigenden Temperaturen.

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Der Kratersee im Panorama

Eine der härtesten Touren startete beim in 3.914 Meter Höhe gelegenen Quilotoa Kratersee. Es ist der wohl blauste See Ecuadors. Eine Caldera, die nach dem letzten Ausbruch vor zirka 700 Jahren entstanden ist. Der Quilotoa gehört zu den wirklich sehenswerten Naturschauspielen hier in Ecuador, wo übrigens zu allen Naturparks per Ministerdekret freier Eintritt besteht.

ecuador 2014 downhill 008Von hier geht es auf waghalsigen Singletrails hinab in ein Flussbett in einer Seitenflanke der Caldera, immer auf der Suche nach dem Weg. Dieser wurde aber weggespült, weshalb es nun heißt: Räder auf die Schulter und hochtragen. Mehr als 100 Höhenmeter buckel ich das Rad hoch, bevor ich wieder einen Weg finde. Natürlich ging während dieser Strapazen ein Hagelschauer nieder. Oben angekommen war ich ob der körperlichen Anstrengungen und der dünnen Luft völlig ausgepowert.

Da durch die Regenfälle der weitere Verbleib des Singletrails unbekannt war, wichen wir auf eine Piste aus. Diese führte uns durch kleine Dörfer tief in eine Schlucht hinein, die malerischer nicht hätte sein können. Immer wieder reißt es das Rad weg, die Piste ist auch hier zerklüftet von Wasserrinnen und Geröll. Es macht Spaß drüber hinweg zuspringen. Aber man muss auch sehr aufpassen, nicht in einer weiteren Rille zu landen, oder in einer der Haarnadelkurven hinausgetragen zu werden. Die Sorge darüber weicht aber schnell der Anstrengung: nach rasanten 1.000 Höhenmetern heißt es nun wieder bergauf zu strampeln, denn das Dorf ganz oben ist natürlich unser Ziel. Verfolgt von bellenden Hunden, den staunenden Blicken der Menschen und unter dem Druck einer bis zum Bersten angespannten Lunge, geht es im kleinsten Gang hinauf. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber dran, genießt die Landschaft und das tolle Gefühl, sich so richtig verausgabt zu haben. Radfahren in Ecuador kann ich also absolut empfehlen 😉

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Downhill…

Hier ein kurzes Video zum “Biking in Ecuador” für euch. Hab ich selbst gemacht! Ha!:

Im Übrigen habe ich das Fahren mit einem 29er Rad absolut genossen. Es hat eine unglaubliche Laufruhe, nimmt die noch so größten Unebenheiten und Hindernisse leichtläufig. Es war das erste Mal, dass ich ein 29er gefahren bin – und ich bin begeistert. So sehr, dass ich nun auch mal nach 29er Reiserädern Ausschau halten werde und mal versuche, hier eines zur Probefahrt unter Reisebedingungen zu bekommen. Vielleicht das Specialized AWOL Deluxe.

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Hat jemand von euch ein 29 Zoll Rad und nutzt dies vielleicht auch für Radreisen? Dann freue ich mich über einen Kommentar zu Erfahrungen und Tipps.

 

Hinweis: 

Meine Reise nach Ecuador erfolgt auf Einladung des Tourismusministeriums Ecuador und des Touranbieters Gulliver Expeditions.

 

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