Radtour und das liebe Geld: Was kostet eine Reise mit dem Fahrrad?

Meine Geldschein-Sammlung - Andenken an viele Touren

Radtouren kosten Geld. Und immer wieder bewegt die Frage: Wie viel genau? Und die Antwort darauf ist meist: Kommt drauf an.

Denn wenn man Fahrrad, Ausrüstung, Verpflegung, Unterkunft, Transport, Lebenshaltungskosten im Zielland/-ländern mal zusammenrechnet, so kommt durchaus einiges zusammen.

Ich unterscheide bei den Kosten für eine Fahrradtour nach einmaligen, Verschleiß- und täglichen Kosten.

Einmalige und Verschleiß-Kosten

Zu den einmaligen Kosten zähle ich Anschaffungen für Ausrüstung und Fahrrad. Natürlich muss man im Laufe der Zeit hier immer wieder investieren, denn so gut mancher Schlafsack, ein Zelt oder der Kocher auch sind – irgendwann müssen sie erneuert werden. Aber es sind durchaus sehr langlebige Produkte. Meinen Schlafsack habe ich mittlerweile seit über 15 Jahren und er geht immer noch.

Das Fahrrad ist erstmal eine einmalige Anschaffung, aber hier haben wir doch recht viele Verschleiß-Gegenstände, die Kosten verursachen: Kette, Ritzel, Tretkränze, Kabel und Bremsbeläge – all das muss irgendwann getauscht werden.

Verschleißteile am Rad

Verschleißteile am Rad

Aber mit der Zeit amortisieren sich die Anschaffungskosten für Ausrüstung und Co. und dann ist eine Reise mit dem Fahrrad ein durchaus preiswertes Vergnügen.

Bei mir liegen derzeit die Kosten für Ausrüstung und Rad bei zirka 5.500 – 6.000 Euro.

Das beinhaltet ein hochwertiges Reiserad, ein sehr gutes Zelt, ein hochwertiger Schlafsack und eine gute Isomatte. Die Verschleiß-Kosten würde ich jetzt mit ungefähr 250 Euro pro Jahr großzügig ansetzen (Mantel, Kabel, Beläge, Ritzel, etc.).

Bleiben die täglichen Kosten:

Hier hat sich bei mir im Laufe der Jahre einiges geändert. Früher war es für mich durchaus angesagt, sehr sehr Low Budget unterwegs zu sein. Teilweise bin ich bei den Touren im Schnitt mit 5 DM am Tag ausgekommen. Mit zunehmendem Alter habe ich meine Ansprüche aber verändert. Ich gebe heute im Schnitt etwas mehr Geld aus, „gönne“ mir ab und zu mal was (zum Beispiel ein Einzelzimmer im Hostel, statt das 8-Bett-Zimmer) und investiere in das ein oder andere Eintrittsgeld für Museen, Nationalparks oder andere Sehenswürdigkeiten. Ich möchte das Reisen so mehr genießen, auch weil der mir zur Verfügung stehende Zeitraum limitiert ist.

Heute rechne ich daher mit 10-15 Euro am Tag.

Meist liege ich sehr gut mit dieser Kalkulation, wenn ich Essen und Übernachtung im Zelt einberechne. Dann sind die laufenden Kosten wirklich sehr übersichtlich. Bei mir bestehen sie meist aus Cola und Eis und ab und zu einem Bier 😉 Natürlich sind die laufenden Kosten abhängig vom Land/Ziel, in dem man radelt, bzw. das man erreichen möchte.

Auf Island habe ich mit 15 Euro am Tag gerechnet. Insgesamt habe ich (ohne Flug) in den 15 Tagen dort 362 Euro (inklusive Mitbringsel) ausgegeben. In Georgien war es ähnlich. Hier habe ich 267 Euro (ohne Flug) ausgegeben und damit 17 Euro pro Tag. Die Flüge, bzw. die Kosten für eine Anreise, sind immer eine bewegliche Kostenposition. Reise ich mit dem Zug an, dann liegen die Kosten dank BC50 bei mir etwas niedriger.

das kostet die welt_6

Bei Flügen ist es mir bislang immer gelungen, unter 500 Euro zu bleiben. Bei Langstrecken versuche ich nicht die 1.000 Euro zu überschreiten. Je nach Fluglinie kommen natürlich pro Strecke noch Transportkosten für das Fahrrad hinzu, die mal schnell bei 150 Euro pro Strecke liegen können.

Nach Island habe ich 380 Euro für den Flug bezahlt (Lufthansa) und als Vielflieger bei der StarAlliance mein Rad kostenlos mitnehmen dürfen. Der Flug nach Georgien lag ebenfalls bei unter 400 Euro, allerdings fiel der Rückflug aus, weshalb ich kurzfristig auf eigene Kosten umbuchen musste. Das Geld habe ich aber teilweise wiederbekommen.

Fazit:

Einen Radurlaub kalkuliere ich also wie folgt:

Aktuelle Verschleiß-Kosten + Anreise + Vor-Ort Pauschale von 10-15 Euro pro Tag + Geldreserve (meist 100 Euro in kleineren Scheinen).

Was kostet die Welt?

Ich habe dazu auch erfahrene Langstrecken-Reiseradler nach ihren Erfahrungen und Tipps befragt. Ich hoffe, sie geben euch unabhängig von meinen Erfahrungen einen guten Ein- und Überblick, was eine Radtour kostet und wie man auf langen Touren Geld sparen kann:

Karen von Petit Tours

Karen und Daniel auf großer Tour mit kleinen Rädern © www.petittours.com

Karen und Daniel auf großer Tour mit kleinen Rädern © www.petittours.com

Inklusive der Flüge, Ausrüstung, Leben, Essen, Schlafen, Mobilität, Krankenhausaufenthalt und komplettes Schutz-Impfpaket im Vorfeld in Deutschland und exklusive der Räder (die hatten wir), kommen wir auf 4.500 – 5.000 Euro pro Person für knapp 6 Monate. Da ist wirklich alles mit drin: Ausrüstung, Zubehör, Kleidung, Flug und Mobilität generell, Nahrungsmittel, Erinnerungskäufe, Postkarten, Handy und Mobilfunk mit Internet und in jedem Land auch mindestens 3 x gut Essen gehen.

 

Unser Tipp: Keep it simple! Und: Qualität vor Quantität. Was uns enorm viel ‚Mehr in der Geldbörse‘ gebracht hat: alle Flüge vorher buchen! Für alle 6 Flüge rund um den Globus hatten wir im Januar im Voraus gebucht (Reisestart war April) und zusammen 1.500 Euro bezahlt (all. inkl.). Da kommt preislich kein „Round-the-World“ Ticket ran!

Hier geht es zum Reiseradler-Interview mit Karen und Daniel

 

Heike von Pushbikegirl

Noch ein bisschen zu fahren... © www.pushbikegirl.com

© www.pushbikegirl.com

Das meiste Geld geht für Essen, Visakosten und Krankenversicherung drauf. Nachdem ich allerdings nun bereits 2 Jahre unterwegs bin, kommen nun größere Anschaffungen, wie ein neues Zelt, neue Isomatte, neue Schuhe, neue Klamotten, eine neue Kamera, was natürlich ins Geld geht. Der größte Gewinn ist allerdings nix auszugeben und da bin ich ganz gut drin. Sonst wäre das Geld nämlich schon längst alle.

 

Vergleiche der Kosten pro Tag kann man nur bedingt machen. Es ist ein riesen Unterschied, ob ich in Ländern wie dem Iran oder in Korea unterwegs bin. Mal brauche ich 1 Euro am Tag, dann wieder 20. Es gibt auch Phasen in einer langen Reise, da schafft man es wirklich mit 2-3 Euros am Tag auszukommen. Dann aber gibt es Zeiten, da hat man kein Bock mehr und will auch mal wieder ein Mars Riegel oder ein Leckerli haben.

 

Übernachten kann man überall. Egal wo, mit einem kleinen Zelt kann man sich oft unauffällig irgendwo hinschleichen. Ich habe in Schulen, Feuerwehrhäusern, Krankenhäusern, Ruinen, Baustellen, Tankstellen, Tempeln, Moscheen, Kirchen, unter der Autobahn, ganz viel bei Leuten zu Hause und natürlich irgendwo in der Natur gezeltet.

 

Mein Tipp: Das meiste Geld verdient man daheim. Es ist also schlauer, vor einer solchen großen Reise etwas mehr zu sparen. Da ich Minimalistin bin, spare ich natürlich schon mal viel gegenüber allen, die meinen sie müssten die super Technik haben. Gute Ausrüstung ist wichtig, aber manche übertreiben es natürlich total. Ich brauche kein super tolles Rad oder geniales Zelt, wenn ich nur ein paar Monate unterwegs bin.“

Hier geht es zum Reiseradler-Interview mit Pushbikegirl Heike

 

Markus von MarkusSchorn.de

Markus mit seinem Rad irgendwo in Brasilien ©Markus Schorn

Markus mit seinem Rad irgendwo in Brasilien ©Markus Schorn

Ich arbeite immer vor meinen Reisen und spare alles was geht. In zwischen bin ich ja in der glücklichen Ausgangsposition, dass ich das meiste Equipment schon habe und da nicht mehr viel investieren muss. Wenn ich erst einmal unterwegs bin möchte ich mir auch keine Gedanken darüber machen ob ich eventuell unterwegs einen Job finde. Es ist entweder Reisen oder Arbeiten.

 

Ich setze mir kein Budget für jeden Tag, aber ich versuche doch meine Ausgaben gering zu halten. Ein großer Posten sind die Übernachtungen. Ich zelte so oft ich kann aber manchmal ist es einfach nicht möglich. Dann genieße ich auch schon mal ein paar Tage im Hostel.

 

Ich gucke ein wenig, dass ich nicht über 10€ am Tag komme. Die reinen Verpflegungskosten liegen bei etwa 5-10€ und wenn ich den ganzen Tag durchfahre, gebe ich auch nicht mehr Geld aus. In den USA habe ich es geschafft mit 5€ am Tag zu überleben.

 

Ich habe meinen #AdventureWorldTrip auf 20.000€ kalkuliert. Das klingt viel, aber wenn man das auf die geplanten vier Jahre umrechnet, sind es gerade einmal 400€ pro Monat.

 

Mein Tipp: Setzt euch ein Budget, aber haltet nicht zu sehr daran fest. Es ist eure Tour und wenn ihr euch was gönnen wollt, dann tut es ohne schlechtes Gewissen und genießt den Augenblick.

Hier geht es zum Reiseradler-Interview mit Markus

 

Maximilian Semsch von What-a-Trip.de

© www.what-a-trip.de

© www.what-a-trip.de

Bei meiner ersten Reise (3 Jahre) hatten wir zu zweit 10.000 € gespart, damit sind wir fast zwei Jahre ausgekommen. Danach habe ich gearbeitet (vor allem in Australien) und bin am Ende mit 6.000 € plus nach Hause gekommen.

 

Ich rechne mit 10€ pro Tag. Der größte Teil geht fürs Essen drauf, übernachtet wird wild im Zelt.

 

Mein Tipp: Je mehr man auf Luxus verzichten kann, desto günstiger wird das reisen. Bei der ersten Tour nicht tausende von Euros in die Ausrüstung stecken, wovon man hinterher die Hälfte nicht braucht. Meine erste größere Reise mit dem Rad war durch Indien. Ich hatte mir im Land für 25 € ein Rad gekauft ohne Gangschaltung, 25 kg schwer und mindestens einen Platten pro Tag. Ich habe maximal 30km am Tag geschafft, aber es waren unvergessliche 5 Monate, in denen ich nur ein paar hundert Euro ausgegeben habe, inklusive Ausrüstung.

Hier geht es zum Reiseradler-Interview mit Maximilian

 

Richard von Lonelytraveller.de

Richard unterwegs in Schweden © www.lonelytraveller.de

Richard unterwegs in Schweden © www.lonelytraveller.de

Da ich es generell vorziehe, wild zu zelten, sind kostenpflichtige Übernachtungen bei mir sehr selten. Die Kosten für Fahrradersatzteile oder sonstiges sind in Summe auch eher gering. Damit bleibt als regelmäßiger Kostenfaktor lediglich die Verpflegung, die ich manchmal für mehrere Wochen in meinen Radtaschen herumfahre, ehe ich sie wieder aufstocke.

 

Die Gesamtkosten meiner Reisen kann man auf meiner Website im jeweiligen Streckenprotokoll nachschauen. Hervorheben möchte ich deshalb nur diese zwei Gegensätze:

  • 2008 – 30 Tage Osteuropa (Krakau – Odessa) mit An- und Abreise per Bahn: insgesamt 337 Euro (da ich damals auch mein Wohnheimzimmer gekündigt hatte, waren das meine Absolut-Ausgaben in diesem Monat).
  • 2014 – 61 Tage Sibirien (Sajan – Altai) mit An- und Abreise per Flugzeug: insgesamt 1.840 Euro (meine bisher teuerste Reise, gefolgt von 3 Monaten Mongolei 2006 / 1.700 Euro und 3 Monaten Sibirien 2007 / 1.400 Euro).

 

Mein Tipp: Wer ein knappes Budget hat und nicht so viel Wert auf eine regelmäßige Dusche legt, dem kann ich nur sagen: wild campen 🙂

Hier geht es zum Reiseradler-Interview mit Richard

 

Wie machst Du das mit dem Geld unterwegs?

Hast Du Tipps und Hinweise, die anderen helfen könnten?

Dann hier rein damit ins Kommentarfeld! Danke!

30 Comments

  • Frank sagt:

    Wir sind „Urlaubstourenradler“. Da wir das ganze Jahr für den Urlaub arbeiten, darf es schon etwas teurer sein. Wir kommen auf ca. 100 Euro je Tag für zwei Personen. Allerdings sind die Kollegen oder Freunde trotzdem überrascht, wenn wir erzählen, dass unser drei wöchiger Urlaub, in dem wir z.B. die Marienburg, Riga und Petersburg gesehen haben „nur“ ca. 2.500 Euro für Zwei gekostet hat. Die Anreise 🙂 ist halt sehr günstig, wenn man selber tritt. Danke für deine tollen Artikel und liebe Grüße von Susanne und Frank

    • BiketourGlobal sagt:

      Hallo,

      vielen Dank für die Info. 100 Euro sind dann aber schon mit Hotel und Essen gehen, oder?
      Obwohl 2.500 Euro für 2 Personen bei 3 Wochen und dem ganzen Erlebten dann durchaus vertretbar sind 😉

      Viele Grüße,
      Martin

    • Klaus Jansohn sagt:

      Hallo, Urlaubsradler,
      wir planen im Frühsommer eine 4-wöchige Radreise von Ventspils nach St. Petersburg. Da wir größere Straßen meiden wollen, beabsichtigen wir, eine küstennahe Strecke zu nehmen. Da Sie diese Tour gemacht haben, wären wir für Tips dankbar.
      Mit sportlichem Gruß
      Klaus G. Jansohn

  • Ich lag insgesamt mit den Kosten höher. Ich habe vor meinen 123 Tagen Kanada einen Großteil meiner Ausrüstung erneuert und dabei auf Qualität geachtet. Das waren dann schon mal ca. 1700 €. Flüge hin und zurück 1300 €. In Kanada insgesamt 5000 € ausgegeben, das sind gut 40 € pro Tag. Lebensmittel sind dort oft so teuer als würde ich in Deutschland nur im Bioladen einkaufen. Achte ich da nur auf den Preis, gehe ich am Ende leer aus dem Laden, weil ich eigentlich fast immer „zu teuer“ sagen müsste. Übernachtungskosten lagen im Schnitt bei 15 €. D.h. 60 x zelten (in der Regel Campingplätze und die kosten zwischen 15 und 30 $) 32x kostenloses Privatquartier (warmshowers oder andere Gelegenheiten), 16x Motel (50 -106 $). Ich zelte ungern wild, da ich ein höheres Komfort- und Sicherheitsbedürfnis mit 66 Jahren im „bear-country“ habe. Aber ich auch oft zwiegespalten zwischen Sparenwollen und mich gut fühlen. Am Ende habe ich mir klar gemacht, dass ich eine vergleichbare Reise vermutlich nicht noch mal machen werde. Klar geht es billiger mit wild Zelten, Erdnussbutter und Fladenbrot, aber das ist eine reine Frage der persönlichen Prioritäten.

    • BiketourGlobal sagt:

      Hallo Felix,

      ja – once in a lifetime! Und man muss sich ein tolles Erlebnis nicht kaputt sparen. 😉

      Ich bin auch mehr zum Geniesser geworden, wenn auch nicht mit 40 oder 100 Euro am Tag.
      Vielen Dank, dass Du Deine Erfahrungen hier teilst – ich hoffe sehr, dass sie anderen in ihrer Planung helfen.

      Viele Grüße,
      martin

  • Niko sagt:

    Moin Martin,
    die Kommentare von Felix und Frank unterstützen meine, beim Lesen entstandene, Vermutung, kaum ein Radreisender (vor allem „Kurzurlauber“ und Einsteiger) werden mit dem dargestellten Tagesbudget zurechtkommen. Auch Du liegst bei beiden Touren darüber (was bei Island nicht verwundert). So entsteht (aus meiner Sicht) ein etwas falsches Bild, gerade für Radfahrer die Radreisen gerne mal probieren wollen und sich hier informieren. Tagesbudgets um die 10€ funktionieren doch nur, wenn man billig zeltet (wild oder bei Leuten im Garten) und sich beim Einkauf selten bis nie etwas gönnt. So machen es alle von Dir zitierten Radreiseprofis.
    Der „normale“ Radreisende wird regelmässig einen Campingplatz, eine Pension oder sonst etwas zur Übernachtung ansteuern. Auch der ein oder andere Restaurantbesuch wird dabei sein. Dann sind die Budgets von Frank und Felix deutlich realistischer und sicher nicht ungewöhnlich. Mir fehlt ein bisschen der Hinweis darauf.
    Beste Grüss
    Niko

    • BiketourGlobal sagt:

      Hallo Niko,

      ja, bei mir funktionieren Tagesbudget von 10 Euro, bzw 15 Euro durchaus. Daher meine Erfahrungen hierzu. Und falsch sind sie nicht. Sie sind subjektiv.
      Ich sage ja nicht, dass es immer so wenig kostet und schaffe das ja auch nicht immer. Es ist auch nicht mein Ziel, dies zu schaffen. Es ist einfach ein Erfahrungswert, mit dem ich bislang immer gut kalkulieren konnte. Auf Island habe ich mit 20 Euro pro Tag kalkuliert, in Georgien mit 15 Euro. Und ich kalkuliere meine Budgets auch in Zukunft so. Je nach Land vielleicht mit +- 3-5 Euro.

      50 Euro pro Tag sind für meine Art zu reisen zu viel. 100 Euro gar absolut zu viel. Aber wie Du schon richtig sagst: am Ende kommt es darauf an, wo ich radele und wie ich unterwegs übernachte und mich ernähre. In Deutschland wird es natürlich schwierig unter 15 Euro zu bleiben. Da zahlt man ja nur für einen Campingplatz so viel. Aber wir sprechen hier ja auch von Touren durch andere Länder. Länder, in denen ich mit 5 Euro am Tag sehr gut leben konnte, in denen ein sauberes und klimatisiertes Zimmer mit TV nur 3 Dollar gekostet hat, Länder, in denen ich inklusive Abendessen im „Restaurant“ 10 Euro am Tag gebraucht habe. Aber genauso gab es Länder, in denen ich 36 Euro für ein Zimmer habe bezahlen müssen und 15 Euro für ein Essen. Und wo Pannen Löcher in mein Budget gerissen haben, oder ich einen Eintritt bezahlen musste, der sehr hoch war. So sind die Kosten in Island und in Georgien entstanden, wo ich einmal Mitbringsel für meine Kinder bezahlt habe, die meinen Budgetschnitt nach oben getrieben haben (aus den 15 Euro in die 20 Euro) und in Georgien, wo mich ein Zimmer und ein sehr gutes Abendessen von den kalkulierten 15 Euro in die 17 Euro betrieben haben. 😉

      Und natürlich gehe ich auch vom Wild-Zelten aus. Ich habe eben meine Erfahrungen dargestellt und andere Radreisende scheinen ähnliche Erfahrungen gesammelt zu haben. Ich habe mir diese ja nicht danach ausgesucht, ob sie auch wenig oder mehr ausgeben, sondern einfach ins Blaue hineingefragt. Und sie sind durchaus Geniesser. Keiner der Befragten lebt am unteren Limit und hungert oder gönnt sich nix.

      Aber klar: 50 Euro kann man schon ausgeben – ich tue dies nicht. Ich wüsste auch gar nicht, wo für ich das ausgeben soll? Aber natürlich kann das schnell zusammenkommen.

      Und an alle Leser, die gerade mit dem Radeln anfangen ein Hinweis: ich schreibe hier aus meinen Erfahrungen. Und diese müssen nicht mit den Erfahrungen übereinstimmen, die ihr macht. Wenn ihr mehr Geld braucht, dann ist das halt so. Es kommt am Ende darauf an eine tolle Tour nach seinen Bedingungen zu machen. Überschlagt einfach vorher, was ihr meint zu brauchen. Und ggf. stellt ihr dann fest, dass man nicht alles braucht.

      Dem einen reichen dafür 10 Euro, dem anderen 50 Euro. In jedem Fall ist eine Radreise eine intensive Erfahrung, die unbezahlbar ist 😉

      Viele Grüße,
      Martin

      • Niko sagt:

        Martin, ich denke wir sind uns grundsätzlich sehr einig und natürlich funktionieren 10-15€.
        Mir fehlte nur ein bisschen der Hinweis (für Einsteiger), dass ohne wildes zelten die Kosten natürlich höher sein werden.

  • Heike sagt:

    @Markus Schorn: Wie hast Du es geschafft mit 5 Euro in den USA auszukommen? Wann war das? Ich bin naemlich gerade hier und bin ziemlich ueberrascht ueber die hohen Preise – also hier nur 5 Euro ausgeben geht irgendwie nicht. Und ich rede jetzt nur vom Essen – ich bezahle hier keine Unterkunft oder sonstiges.

    Ich bin in Kalifornien in der Pampa….

    LG Heike

    • BiketourGlobal sagt:

      Hallo Heike,

      Markus wird vermutlich hier jetzt nicht mitlesen. Du erreichst ihn am Besten über Facebook. Er ist gerade in Südeuropa.

      Gruß,
      Martin

  • Heike sagt:

    @ Niko: Natuerlich hat jeder einen anderen Stil – was mich allerdings wundert, der Reiz einer Radreise liegt doch genau darin, eben aus der Komfort Zone rauszukommen und in Gegenden vorzudringen, in die man als Autofahrer nicht kommt – und genau das faengt eben bei den Uebernachtungsplaetzen an. Weil sobald ich nicht mehr auf eine gute ausgebaute Infrastruktur angewiesen bin, eroeffnet es mir den Weg in eine wunderbare Spielwiese des Abenteuers.

    Es ist einfach spannend bei einer wildfremden Familie zu Tisch zu sein – anstelle im Hotelzimmer zu liegen. Oder die halbe Nacht wach zu liegen, weil die Gerausche im Wald irgendwie schon auch gruselig sind.

    Der blog vom Martin ist natuerlich schon auf Leute ausgerichtet, die nicht an der Donau entlang radeln – und das jetzt bitte nicht als Wertung auffassen.

    So long, Heike

    • Niko sagt:

      Moin Heike,
      ich denke, jeder hat seine Art zu reisen, so auch jeder Radreisende. Das ist gut so und sollte nicht bewertet werden. Bei welchem „Level“ jemand aus seiner Komfortzone tritt (und ob das überhaupt gewollt ist), wird sehr individuell sein.
      Aber natürlich reisen wir alle mit dem Rad um etwas zu erleben und einen neuen Blick auf die Welt zu bekommen.
      Natürlich sind wilde Nächte im Zelt irgendwo im Nirgendwo genauso ein Highlight wie Familienfesteinladungen, BBQ oder sonstige Einladungen von bis dato wildfremden Menschen, für uns jedenfalls.
      Also weiter gute Reise
      Niko
      P.S. Das Martins Blog nicht auch für die „Donau-Radler“, wie Du sie genannt hast, sein soll, halte ich für ein Gerücht. Ich finde hier durchaus auch sehr nützliche und interessante Informationen für Einsteiger.
      Also gerne weiter so, Martin.

    • Stephan sagt:

      Liebe Heike – genau das liebe ich auch daran. Es öffnet einem auch viele interessante Türen und Toren. Diese Plätze, diese Leute die man sonst wahrscheinlich gar nicht kennen lernen würde – das sind tolle Erlebnisse. Verfolge deinen Blog regelmäßig und wünsche dir auf deiner Tour alles Liebe und weitere tolle Begegnungen und Erlebnisse.

  • Ich möchte noch ergänzen, dass sich zu zweit oder mehreren zumindest die Übernachtungskosten auf Campingplätzen sehr verringern, da man in Nordamerika eine „Site“ bucht, und die kostet immer dasselbe, ob da nun einer oder mehrere Leute drauf nächtigen. Auch kann man ökonomischer Lebensmittel einkaufen.

    Dieser Aspekt fehlte bisher.

  • Thomas sagt:

    Stelle mir eine solche Radreise schon sehr spannend vor und da kann man das Budget natürlich nicht außer Acht lassen. Finde es auch schon sehr wichtig, sich vorab Gedanken zu machen, was pro Tag in etwas möglich ist, damit es später auf Reisen nicht zu einem Engpass kommt.

  • Hallo ich bin jetzt seid Mitte Januar unterwegs und das mit Hund .Ich reise absolut low budget .Heisst öfter wild campen hin und wieder eine Übernachtungsmöglichkeit finden .Gehe nicht wirklich großartig essen .Wenn dann nur an günstigen Plätzen die Einheimische empfehlen .Meine Ausrüstung ist auf Autark sein ausgelegt .War zu dem für alle anderen Quantität ,hat mich bisher aber ca 3000km gebracht und kostet keine 1000€ komplett alles insgesamt .Für Verpflegung gebe ich im Monat zwischen 100-150€ aus und das wie gesagt mit Hund .Das wirklich teure wird bald kommen sobald ich die Türkei verlasse dann kommen Visumkosten .Ich versuche den Ursprung des Radreisen für mich zu nutzen ,günstig um die Welt zu reisen und dem Konsum und Komerz etwas zu entkommen .
    Es muss nicht immer alles so teuer sein und billig ist nicht gleich Quantität .Ich habe bereits nun auf meiner Reise Menschen aus anderen Ländern mit dem Rad gesehen ,da denke ich ich bin noch total überteuert unterwegs .

    • tim & struppi sagt:

      ich war vier jahre auch mit Hund unterwegs und es war schon erstaunlich. In Marokko gab es selten Hundefutter und wenn, ist es irre teuer. Ne kleine Dose Futter meist ca. 5 EUR, also hat mein Vierbeiner dann aus dem Restaurant bekommen… In USA/Kanada ist Hundefutter billig, aber da geht man zum Tierarzt und schon beim Eintritt in die Praxis sind die ersten 50$ weg. Auch wenn man nur mal eben ne Impfung auffrischen will. Ebenso jedes Motelzimmer, Bus, Faehre usw ca. 25% Aufschlag wegen des Hundes. Laeppert sich.

      In Afrika hab ich mir meist fuer die Nacht ein festes Quartier gesucht, denn mir wurde angeraten, das ist eine gute Moeglichkeit mit seiner kompletten Ausruestung wieder aufzuwachen. Aber bei 5 EUR/Nacht im Schnitt ist das auch kein Problem.

      In USA/Canada eigentlich immer wild gezeltet und dank Hund sind die Baeren und Woelfe auch weggeblieben, das klappte wirklich tadellos.

      Ohne Ausruestung einzurechnen, wuerde ich auf 20 EUR/Tag tippen, ausgerechnet hab ich mir das nie so richtig. So richtig Geld sparen kann man im Yukon oder NWT in Canada, denn da gibt es einfach nix zu kaufen. Teilweise Strecken von 400km, auf denen es eben keinerlei Einkaufsquelle gibt und man sehr dankbar ueber seinen Kocher ist…

  • Hans Werner sagt:

    Entsprechend meiner Dokumentation haben mir in good old Germany, für 2016 vier Wochen zusammen 1.647,00 Euro an Verpflegung und Übernachtung gekostet. Für die Pedanten 58,82 Euro pro Tag. Sollte also einer meinen Radreisen wäre billig, so irrt er sich gewaltig. Es ist preiswert aber nicht billig. Vielleicht in Thailand aber nicht in good old germany geschweige denn in Frankreich, England oder Skandinavien. Ach ja, Fähr- und Bahnkosten plus Sonderticket für den Fahrradtransport habe ich nicht gerechnet.
    Gewohnt wurde meist im Zelt, gegessen am Wegesrand oder aus der eigenen Küche.

  • joost sagt:

    Moin Martin,
    habe mittlerweile Deinen Blog fast komplett gelesen.
    Eine Sache interessiert mich (vielleicht auch Erfahrung von anderen Reisenden):
    Wild-Campen, welche Erfahrungen hast Du und wie sieht es in einigen Ländern rechtlich aus?
    Vielleicht kannst Du ja ein Kapitel hierzu in Dem Bereich Tourplanung ergänzen 😉
    Viele Grüße
    Joost

    • tim & struppi sagt:

      Moin Joost,

      Du hast ja keine Laender angegeben, die Dich interessieren, also antworte ich mal allgemein darauf. Weil ich mit einem Hund unterwegs bin, ist wildcampen schlicht viel einfacher, als sich eine Unterkunft zu suchen.
      Die letzte Reise ging von der Nordsee, ueber Frankreich, Spanien, Portugal nach Marrokko. In Europa geht das wildcampen eigentlich ueberall, wenn man sich einfach abseits ein ruhiges Plaetzchen sucht. Ausnahme hier die Suedkueste von Spanien, dort ist viel (Grenz-)Ueberwachung vorhanden, denn es kommen scheinbar viele Drogen aus Nordafrika dort an. Die lokale Polizei hat dort wirklich einen Ueberblick und dort hatte ich auch mal zwei Platzverweise bekommen. Worst case ist halt nur, dass Du nachts um eins Dein Zelt abbauen musst und die Sherrifs auf die dicke Hose machen. Passieren tut sonst nix.

      In Marrokko war es (als deutscher Radreisender mit Hund) sehr leicht. Einfach an irgendeinem Haus abends angehalten und gefragt, ob man das Zelt in deren „Garten“ aufstellen duerfe. Meist sind die Grundstuecke eingezaeunt, denn es gibt unwahrschlich viele wildlebende Hunde ueberall. Die Menschen freuen sich ueber Dich und als kleiner Tipp, man sollte einfach ein mini Gastgeschenk (einige Stuecke Schmelzkaese, Kinderspielzeug oder sowas) dabei haben. Ich habe nur einige Male in Marrokko wirklich wild gezeltet und dann auch sofort das Glueck, das entweder irgendwelche Leute und/oder wilde Hunde nachts/morgens in mein Lager kamen.

      Spaeter in Canada war es paradiesisch. Niemanden kuemmerts eigentlich und Du kannst ueberall campen. Im Gegenteil sogar, die erste Nacht in einem Park in Toronto kam morgens sogar ne Frau an, sah mein Zelt und fragte, ob ich was zu essen braeuchte… In einem Jahr Canada habe ich das wirklich anders herum erlebt, dass die Menschen sich eher „Sorgen“ um Dich machen, weil der arme Fahrradmensch mit Hund draussen schlafen muss. Von Essen, Kaffee und Geld waren alle moeglichen Angebote dabei.

      Gaenzlich anders die Erfahrungen in einem Jahr USA. Dort sind sie ueber wildcampen meist angepisst und normale Leute rufen schon mal gerne die Polizei, die dann sofort einen Platzverweis erteilt. Aber es gibt Staaten, da wuerde ich es mir drei Mal ueberlegen, wild zu campen. Besonders in Nord-Californien (viele Drogenfelder, die denken, du willst deren Ernte klauen). Kann sehr gefaehrlich werden. Dann in Texas, dort schiessen die schon mal ganz gerne zuerst und stellen danach die Fragen, sobald Du Dich auf privates Land begibst. Auch in Alabama gibt es Ecken, da sollte man aufpassen. Man wird in einer Polizeikontrolle quasi sofort als „homeless person“ angesehen, wenn man kein Hotel/Motel vorweisen kann. Natuerlich nicht ueberall in den USA, z.B. in Florida (keys) gibt es sehr viele Radreisende. Aber in den Wintermonaten ziehen eben auch sehr viele amerikanische Obdachlose auf Fahrraedern in den waermeren Sueden (meist Florida) und so wird man schnell in den denselben Topf geworfen. Ich war erstaunt, das mein doch sehr teures Bike mit Ortliebs usw. sich in den Polizei-Augen nicht von den Klapper-Fahrraeder der Obdachlosen mit Plastiktueten am Lenker unterscheiden soll.

      Mal zusammengefasst: In Europa (Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Oesterreich, Schweiz, Italien, Griechenland) ist wildcampen gar kein Problem, ausser das dich die Leute vielleicht als „Penner“ ansehen, aber daraus muss man sich ja nix machen. In Marrokko lieber eine feste Unterkunft suchen. In Kanada gar kein Problem und nahezu ueberall ohne Stress moeglich. In den USA nur bedingt empfehlenswert und m.E. eine gute Idee immer ein wenig Bargeld (ich hatte da meinen „Vorzeige-Traveler-Scheck“ ueber $500) und KEINERLEI Alkohol dabei zu haben.

      In vier Jahren Reisen war ich insgesamt ca. 25 Naechte in einem Hotel/Motel und sonst immer draussen. Ging gut! HTH.

      Gruss Tim & Struppi

      • joost sagt:

        Hallo Tim & Struppi, hallo Martin,
        klasse & herzlichen Dank für die Info.
        Ich gebe zu bisher habe ich die Deluxe-Variante gewählt 🙂
        Als Jugendlicher noch in Jugendherbergen, mittlerweile dank Bett&Bike in ebenfalls ordentlichen Quartieren.
        Ich geniesse es den Luxus eines Betts und eines Frühstücks.
        Aber bisher war es ’nur‘ Deutschland.
        Viele Grüße
        Joost

        • Tim & Struppi sagt:

          Bei einer langen Radreise hat man m.E. kaum eine Moeglichkeit, sich ein Quartier im voraus zu suchen, will man aber auch nicht. Zum einen, weiss man gar nicht, wie weit man an dem Tag ueberhaupt noch kommt und auch nicht, ob es zuvor vielleicht viel schoener zum Lagern waere und der wichtigere Grund ist das Geld.

          Bei einem kurzen Sommer-Radurlaub gehts ja noch, aber in CA ca. 150-300$ (je Saison) und in den USA zwischen 70-150$ pro Nacht. Soviel Geld kann man ja gar nicht mitnehmen.

          Schlafen bedeutet aber auch gar nicht immer Zelt, sondern sehr oft habe ich in Bushaltehaueschen, Parks mit Pavillion, verlassenen Haeusern, Tuermen usw die Naechte verbracht. Eine gute Isomatte und ein feiner Schlafsack steht einem wirklichen Bett in gar nix nach, wenn ich an manches schmuddelige Motelzimmer zurueckdenke…

          Tim

          Als Tipp zum Schluss: in Europa funktioniert „warm showers“ wirklich sehr gut und ist (bis auf eine kleine Aufmerksamkeit als Gastgeschenk) kostenlos.

        • Jeder wie er mag. Man ist nicht ein besserer Radtourer, nur weil man im Zelt schläft 😉 Hauptsache Spaß und ein tolles Erlebnis!

    • Hallo Joost,

      Tim&Strupi haben ja schon geantwortet. Zum Wildcampen gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu sagen: es ist hier und da verboten, man kann es trotzdem machen, sollte dann aber schauen nicht erwischt zu werden 😉 Ich stelle mein Zelt halt irgendwo geschützt hin und gut ist. Bislang hatte ich noch keine Probleme damit.

      Gruß,
      martin

  • Mille sagt:

    In einigen Länder Europas ist wild zelten verboten und wird auch bestraft.
    Holland, Italien, Slowenien, Ungarn ist es generell verboten.
    In Holland kostet einmal erwischt werden 150€.
    In Italien darfst Du Dein Zelt einpacken und weiterfahren
    In der Schweiz ist es regional unterschiedlich. Zeltverbote bestehen an fast allen großen Seen(wird auch streng überwacht). Ansonsten kein Problem.
    Ziemlich easy ist das Zelten in Frankreich. Mein Freund hat bei einer Tour nach England auf einem Kreisverkehr gezeltet. Hat niemanden interressiert.

    Ansonsten gilt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Ich habe noch nie Probleme gehabt; wo kein Kläger, da kein Richter.

    Deutschland ist ein Sonderfall. Es ist nicht verboten, aber auch nicht erlaubt.
    Es gibt ein Gesetz, daß beschreibt: Man darf zelten, wenn man mit eigener Kraft unterwegs ist. Also ein Biwak.
    Kennen aber die wenigsten, am wenigsten die Ordnungshüter…..

  • Stephan sagt:

    Also zum Budget und Komfortzone. Ich bin jetzt seit ca. 15 Jahren auf dem Drahtesel durch Europa und der Erde unterwegs und muss sagen, dass mich der austritt aus der Komfortzone reizt.
    Es ist für mich das Gefühl der Freiheit ich kann entscheiden wo ich hinfahre und wie ich lebe. Einfach leben, mal mit Ungetier im Zelt, mit Schlamm am Rad oder durchgeweichter Kleidung. Auch wenn das irgndwann mal lästig werden kann 🙂
    Für meine Reisen habe ich mir immer ein Budget von ca. 3 -5 Euro / Tag gesetzt – und das schon seitdem ich auf diesem Drahtesel fahre. (Ohne Visakosten, zusätzliche Fahrten, Versicherung ect.)
    Einfach weil ich somit an meinen Grenzen komme die ich gerne auf solchen Radreisen spüren möchte und man, sobald man seine Bedürfnisse runterschraubt auch einhalten kann.
    Ich schlafe möglichst im Zelt, auf Bauernhöfen, bei Gastfamilien (per Zufall, Warmshowers ect) oder in ganz seltenen Ausnahmen in billigen Absteigen wenn wirklich nichts mehr geht.
    Ich habe immer Mehl und Salz im Gepäck, Kräuter gibt es unterwegs und mein Kocher ist auch immer Einsatzbereit ( oder eben das Lagerfeuer) – also für Brot ist schonmal gesorgt, Ausserdem lernt man im Freien, in der Wildnis sparsam aber lecker zu kochen.
    Ich mache mir immer ein Budget fest, was ich dann mitnehme (Bar u. Karte). wenn ich unterwegs feststelle dass es langsam eng wird, dann kann ich unterwegs auf Bauernhöfen oder Farmen auch etwas zu Essen verdienen und im Gegenzug für ein paar Kartoffeln oder Reis ect. den Stall ausmisten. Hat bislang in jedem land immer funktioniert – und einen sicheren Zeltplatz ( manchmal sogar mit Hütehund) hat man auch gleich :).
    Ansonsten versuche ich nebenbei noch etwas zu nähen (Hackisackbälle) oder kleine Fahrradfiguren aus Draht zu basteln – manchmal kommt da auch der ein oder andere Euro bei rum. Die mache ich übrigens auch als Gastgeschenk. Aber dieses Leben ist nicht für jeden geschaffen. Der eine mag es eben mit etwas Luxus und warmen Bett und Dusche im Hostelzimmer – und der andere kann monatelang ohne auskommen.
    Ich persönlich finde die Dusche regelmässig eh unnütz. Beim fahren schwitzt man eh wieder und die Brühe läuft an dir runter und ausserdem gibt es ja auch Bäche, Flüsse oder Seen zum erfrischen.
    Die nächste große Reise steht bevor und ich habe alles hinter mir gelassen – Wohnung ect. Meine größte Reise bis jetzt und ich bin selber gespannt was mich alles erwartet.
    Solch eine Reise mit dem Rad ist immer ein eine Möglichkeit entlegende Gegenden zu entdecken, die Menschen kennenzulernen, an seine Grenzen zu kommen und sich selber mal kennenzulernen. Und genau dafür brauche ich auch wenig Komfort bis gar keinen – im Gegenteil – ist dann oft auch hinderlich 🙂

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