Handmade in Heide: Testfahrt mit dem Böttcher Evolution Gravel

Handmade in Heide: Testfahrt mit dem Böttcher Evolution Gravel // Handmade in Heide: Test ride with the Böttcher Evolution Gravel

Hinweis:

Auf meinen Wunsch hin wurde mir von Böttcher ein Testrad zur Verfügung gestellt. Zudem bekam ich viele Informationen vom Böttcher-Team und konnte mir auch den Firmensitz in Heide anschauen. Daher ist das Werbung, aber ihr kennt das ja...

Ich kann es kurz machen: Das Böttcher Evolution Gravel ist ein Fahrrad, das mir wirklich viel Spaß gemacht hat. Insgesamt habe ich mit dem Evolution Gravel über 450km zurückgelegt und so einen guten Gesamteindruck gewinnen können.  Egal ob im Wald oder auf Asphalt – es ist sehr schnell, recht wendig, nicht zu sportlich, aber auch nicht zu sehr bequem. Es verhält sich im Gelände angenehm agil und direkt, wenn ich schnell Lenken muss und das Rad entsprechend bewege. Auf Schotter oder Asphalt lässt es seine Reiserad-Gene spielen und läuft schön gerade und spursicher. Dieser Geradeauslauf ist besonders bei hohen Geschwindigkeiten sehr hilfreich und auch mit Gepäck und im Gelände erlaubt sich das Evolution Gravel hierbei keine Schwächen.

Unterwegs mit dem Evolution Gravel

 

Evolution aus dem Norden

Böttcher – das war bei mir eher mit den Trapez-Rahmen Rädern vor dem Supermarkt oder dem praktischen Trekkingrad für die Sonntagstour verbunden. Und wo die sitzen und produzieren? Keine Ahnung!

Dann lernte ich Olga und Michel von rausgefahren.de kennen, die ihre Tour durch und um die Welt auf Böttcher Expedition Reiserädern begannen. Aha, Böttcher kann also Reiserad. Und ein weiterer Blick zeigte: nicht nur das! Sie können auch “richtige” Reiseräder und sportliche Gravel-Bikes. Und noch besser: Sie sitzen in Heide, nur 100km von mir entfernt im echten Norden, in Schleswig-Holstein.

Das Evolution Reiserad von Olga & Michel

Und dort sind sie schon seit über 110 Jahren und produzieren Fahrräder für den Alltag, aber auch für die Reise und nun auch für den Megatrend Gravel.

Expedition heißt das Reiserad von Böttcher: ein solides Fahrrad für alle Herausforderungen der Weltumradelung, mit Stahlrahmen, 26 Zoll Reifen, Shimano 3×10 Kettenschaltung oder Rohloff und Felgenbremsen. Was für mich mittlerweile wie aus der Zeit gefallen wirkt, erfreut sich dennoch einer hohen Nachfrage und bringt viele Radreisende sicher durch die Kontinente.

Für mich relevanter ist aber der nächste logische Schritt, den Böttcher im Angebot hat: das Evolution. Und wie der Namen es schon sagt – die Weiterentwicklung ist hierbei Teil des Systems:

  • Die Evolution des Reiserades hin zu einer bequemeren Reisemaschine auf 27,5 Zoll Felgen mit breiteren Reifen, Scheibenbremse und der Option auf ein Piniongetriebe.
  • Die Evolution hin zu einem sportlicheren Trekkingrad, das für die Reise als auch das Training taugt.
  • Die Evolution hin zum Schotterrad, mit dem man durch Wald und über Asphalt flitzen kann. Und das mit wenig Aufwand wieder ein Reiserad für die nächste Tour oder das Trekkingbike für den täglichen Weg zur Arbeit wird.
Links das neue & rechts das alte Evolution Gravel

Das Böttcher Evolution war also ein “3in1” Konzept – je nachdem wie das Fahrrad eingesetzt werden sollte. Und darin spiegelte sich auch ein alter Grundsatz Böttchers, nämlich ein Rad anzubieten, dass “alles” kann.

Das allerdings hat sich in den letzten Jahren dann doch geändert und Böttcher hat diese Entwicklung natürlich erkannt. Und mit dem Evolution darauf nahezu wortwörtlich reagiert. Basierte das Evolution Gravelbike (genannt Race) bis zum letzten Jahr auf dem gleichen Rahmen wie auch die Reise- und Trekking-Variante, so gibt es das Böttcher Evolution Gravel ab diesem Jahr als eigenständiges Gravelbike mit angepasster Geometrie.

Harry Brlek, Marketingleiter bei Böttcher Fahrräder beschreibt es so:

“Das Böttcher Evolution ist ein reinrassiges Reiserad mit wahlweise 27,5″ oder 29“ Laufrädern. Es ist eines der wenigen Reiseräder, welches Reifenbreiten 60+ aufnehmen kann. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass es kaum einen anderen Hersteller mit dieser individuellen Auswahl bei einem Reynolds 853 Rohrsatzes gibt. Als Weiterentwicklung des Böttcher Evolution kommt das Böttcher Evolution Gravel, das noch kompromissloser für Gravel-Bikepacker angepasst wurde: kürzerer Hinterbau, höhere Kettenstreben, kein Exzenter, keine Unterteilung der Kettenstreben für Gates Riemen und Carbongabel. Alles Änderungen, mit denen das Fahrrad als Gravelbike dem sportlicheren Publikum mehr entgegenkommt.”

Das Evolution Reise Line-Up behält die ursprüngliche Evolution Geometrie, die etwas langstreckenfreundlicher ist und wird als XT, Rohloff und Pinion Variante angeboten.

 

Rahmenset & Geometrie

Normalerweise mache ich an dieser Stelle einen Vergleich zu anderen Fahrrädern ähnlicher Art, doch leider ist das Böttcher Evolution Gravel noch nicht in der Bike Insights Datenbank geführt. Daher kann ich keinen datenbasierten Vergleich mit anderen Rädern machen.

In ganzer Pracht

Beim Evolution Gravel wurde die Geometrie für den Gravel-/Bikepacking-Bereich mehr optimiert. Dafür hat Böttcher die Kettenstrebe um 2cm gekürzt, was ein agileres Fahrverhalten bedeutet und den Sitzrohrwinkel um 0,5 Grad steiler angepasst. Zudem wurde bei diesem Modell das Rahmenschloss weggelassen und auch keine Exzenter-Tretlager mehr verbaut. Und die Stahlgabel wurde gegen eine hochwertige Adventure Carbon Gabel von Ritchey ausgetauscht.

Ohnehin finden sich am Evolution Gravel viele Komponenten aus dem Hause Ritchey, was ich durchaus begrüße.

Beim Rahmenmaterial werden keine Kompromisse eingegangen: Hier setzen die Macher aus Heide auf den hochwertige Reynolds 853 Stahl. Diese Legierung zählt zur Champions League unter den Stahlrahmen und erlaubt es, besonders widerstandsfähige und gleichzeitig leichte Rahmen für die Herausforderungen einen großen Tour oder eines härteren Graveleinsatzes zu bauen.

Böttcher erläutert das wie folgt:

“Um einen Rahmen mit hoher Zuladung zu entwerfen braucht man eine entsprechende Stahllegierung mit hoher Zugfestigkeit. In Frage kamen Hersteller, welche eine 25CrMo4 Legierung im Programm haben. Diese traditionelle Legierung zeichnet sich durch eine sehr hohe Festigkeit und je nach Konifizierung durch niedriges Eigengewicht aus. Unsere Vorstellung der Wandstärke (Konifizierung) lag bei 0,8 – 0,5 – 0,8mm um aus unserer Sicht und Erfahrung ein optimales Verhältnis zwischen Stabilität, Gewicht und Dämpfung zu erzielen.

Das Reynolds 853 wurde ursprünglich für den Seitenaufprallschutz der Autoindustrie entwickelt und wurde ebenfalls im Rallyebereich für Überrollkäfige genutzt. Da die technischen Merkmale und die Qualität passten und der Name Reynolds im Radsport einen hohen Stellenwert besitzt, haben wir uns für den Reynolds 853 Rohrsatz entschieden.”

Gebaut werden die Rahmen in Europa, genauer gesagt in Tschechien bei der Firma Fort Frames s.r.o.:

“In Heide werden die Rahmen auftragsbezogen pulverbeschichtet und zusammengebaut. Die Farb- und Komponentenauswahl erfolgt auf Kundenwunsch und individuell. Nach Bestellung werden die Räder beschichtet und nach dem Motto „One Man – One Bike“ aufgebaut. All das passiert hier bei uns in Heide. Man kann also schon von „Handmade in Heide“ sprechen.”

Die Carbongabel kommt wie geschrieben von Ritchey und verfügt über die für das Bikepacking notwendigen Ösen. Jeweils drei an jeder Seite. Die maximale Aufnahmelast der Gabel beträgt 3kg pro Seite. Leider ist der Rahmen nicht für die Aufnahme einer Federgabel ausgelegt. Wer also hier Komfort braucht, muss auf Redshift oder andere gefederte Vorbauten setzen.

Carbon Gabel von Ritchey

Apropos Gewicht: Hier ist Böttcher richtig weit vorne und bietet beim Evolution Gravel ein Systemgewicht von 150kg. Damit ist dieses Rad prädestiniert für etwas schwerere Fahrer:innen und wenn es mal etwas mehr Gepäck sein soll.

Das Evolution Gravel gibt es in drei Größen: 48, 53 und 58.

“Die Aufteilung der Rahmenhöhen ist ausgelegt für Körpergrößen zwischen 1,60m und 1,95m. Durch die Anlehnung an die MTB Größen mit 15, 17, 19, und 21“ haben wir die Geometrien mit Fokus auf die Ober- und Steuerrohrlänge angepasst.”

Hier die Geometrien und Daten des Evolution Gravel (und der anderen Evolution Modelle) für alle Größen:

Geodaten der Evolution Reihe // @Böttcher Bikes

Das Evolution Gravel gibt es auf Anfrage auch nur als Rahmenset für den Selbstaufbau. Das Gewicht des Rahmens liegt laut Böttcher bei 2.220g und das der Gabel bei 445g (in der Rahmengröße 53). Insgesamt also unter 3kg, was völlig ok ist für ein Stahlrahmen.

Das Gesamtgewicht des Böttcher Evolution Gravel beträgt laut Hersteller 11,8kg für das Build-Kit. Ich habe das Testrad gewogen, welches in seiner Ausstattung etwas vom konfigurierbaren Rad abweicht (z.B. andere Naben) und bin inklusive Pedale auf 10,45kg gekommen.

Das ist jetzt nicht besonders leicht, aber wenn man sich für ein Stahlrahmenrad entscheidet, spielt das Gewicht ja eher eine geringere Rolle. Und in den meisten Fällen kann man bei der Gewichtsreduktion auch am effizientesten bei sich selbst ansetzen, anstatt beim Rad 🙂

Und was die Farbe angeht: Das Testrad hat das durchaus attraktive “violett dormant” als Rahmenfarbe. Die finde ich richtig gut, auch wenn ich eher auf gedeckte Farben stehe.

Ich sehe viele Farben

Nun braucht ihr aber keine Sorge zu haben, dass ihr “violett dormant” auch nehmen müsst, denn insgesamt 18 Farben stehen im Konfigurator zur Auswahl. Und wem das immer noch nicht reicht, der kann in Schleswig-Holstein gerne anrufen und sich nach weiteren Farb-Möglichkeiten erkundigen, die dann individuell vor Ort in Heide umgesetzt werden. Im übrigen ist die Lackierung recht widerstandsfähig. Ich bin das Rad auch mit Taschen gefahren und da, wo sonst Abriebspuren erkennbar sind, gab es am Evolution Gravel keine. Bombtrack hat beispielsweise einen recht empfindlichen Lack, wo es manchmal schon reicht, einmal mit Taschen ohne Schutzfolie zu fahren, um Spuren zu hinterlassen.

Eine Frage erreichte mich via Instagram: Ist das Böttcher-Logo/die Böttcher Plakette vorne auf dem Steuerrohr immer dabei, oder kann man die auch abwählen? Ja, man kann auch auf diese verzichten und dann bleibt es vorne leer.

Das Evolution Gravel mit Logo

 

Ausstattung

Die Laufräder

Je nach Ausstattung, kommt das Evolution Gravel mit einem recht hochwertigen Carbon Laufradsatz. Diese Felgen stammen aus der Hamburger Carbon-Manufaktur Aerycs. Hier werden die Laufräder per Hand gebaut. Die Carbon-Felgen stammen entweder aus einer Handfertigung in München oder werden nach Aerycs Vorgaben in Asien gebacken.

Aerycs Carbon Felgen am Evolution Gravel

Am Testrad waren die 700cc Aerycs Allround GCX Terra 40/40 verbaut. Sie eignen sich laut Hersteller am besten für den Gravel-Einsatz und erhöhen den Fahrkomfort. Tatsächlich habe ich den Eindruck, dass Carbon-Felgen bei meinem Fahrstil durchaus noch mal mehr Vortrieb bringen. Jedenfalls habe ich auf dem Evolution Gravel ein sehr angenehmes Fahrgefühl und den Eindruck, dass mich diese Laufräder schneller machen.

Böttcher/Aerycs sagen dazu:

“Bei unseren ALLROUND GCX TERRA | 40/40 Laufrädern ist die radiale Steifigkeit um circa 10% niedriger als bei unseren Straßen-Laufrädern. Dadurch verbessert sich das Dämpfungsverhalten der Felge und die Unebenheiten auf der Strecke werden besser abgefangen. So bieten dir unsere ALLROUND GCX TERRA | 40/40 maximalen Fahrkomfort in jedem Terrain. Die Felgenhörner und der Felgenboden sind zusätzlich verstärkt, um vor Durchschlägen zu schützen.”

Die Felgen haben eine Maulweite von 22mm und eine Breite von 29mm. das Gewicht pro Felge liegt bei einer Felgenhöhe von 40mm bei 436g. Freigegeben für Reifen bis 62mm Breite und natürlich tubeless ready. Die Systemgewichtsfreigabe liegt bei 120kg. Das sollte bei den meisten Fahrer:innen reichen, wird aber ggf. eng, wenn man das Rad mit Gepäck im Gelände bewegt.

Irgendwann gönne ich mir auch noch mal einen Carbon-Laufradsatz, aber bei diesem muss das Systemgewicht bei mindestens 130kg liegen, sonst zerstöre ich das wieder schnell. Aber aus Fahrkomfortgründen würde das durchaus Sinn machen.

Gutes Fahren mit den Aerycs Carbon-Felgen

1.551g bringen die Laufräder auf die Waage und werden beim Evolution Gravel mit den bewährten DT-Swiss 350 Naben verbaut (Straightpull). Als Speichen werden hier DT Swiss Aero Comp verwendet.

Die Carbon-Felgen gibt es aber nur in Verbindung mit der Shimano GRX 22 800 Schaltung, zusammen mit den hochwertigen WCS Ritchey Komponenten. Dann kostet das Rad aber auch um die 5.200 Euro.

DT Swiss Naben – am Testrad waren 240er verbaut

Wenn es etwas weniger sein soll, kann man die Shimano GRX 22 600 Ausstattung wählen, wo dann die Ryde Egde M30 Alu-Felge mit 30mm Maulweite und 34mm Breite verbaut sind. Dann geht es schon bei 3.900 Euro los.

Das Böttcher Evolution Gravel ist als 28″/700cc Rad ausgelegt und nimmt maximal Reifen bis zu einer Breite von 54mm auf.

Am neuen Gravel-Modell sind die Schwalbe G-One R in einer Breite von 40mm verbaut. Ich bin bei Schwalbe grundsätzlich skeptisch, da meine Erfahrungen hier eher negativ sind. (Bis auf den Schwalbe Mondial in 26 Zoll und 50/55mm Breite. Der ist am Reiserad richtig gut und hält mehr als 10.000 km ohne Probleme.) Bei den G-One Modellen hatte ich bislang kein Glück und neben einer eher bescheidenen Performance auch immer schnell Löcher. So auch am ersten Böttcher Testrad, das mit G-One Allround kam. Gleich mal drei Löcher, die ich auch nicht mit Maxalami richtig verschließen konnte.

Der Schwalbe G-One R war nicht schlecht

Aber die G-One R scheinen eine andere Welt zu sein, denn die gefallen mir richtig gut. Ich fahre sie mit ca. 2,5 Bar und die sind schön schnell auf Asphalt und haben ordentlich Vortrieb und Grip im Wald, im Matsch und wenn es nass ist, überraschend guten Grip. Da kann ich auch mal härter durch die Kurve rauschen, wenn es regnet. Und bislang halten sie auch dicht, was bei mir ja nicht ganz einfach ist 🙂

Profil zeigen

Wenn die Schwalbe G-One Bite und Ultrabite ebenfalls eine solche Performance zeigen, dürfen sie gerne auch mal an meine Laufräder kommen.

 

Die Schaltung & Bremsen

Ich habe es oben bereits erwähnt: Das Evolution Gravel kommt mit der 11fach Shimano GRX 22. Entweder in der 600er oder 800er Ausstattung.

Das 22 steht für 2fach Schaltung, also vorne 2 Kränze. Diese sind (je nach Ausstattung) an einer GRX 810 Kurbel verbaut, mit einer Größe von 48/31.

Shimano GRX am Evolution Gravel

Zusammen mit der 11-34er Kassette ergibt das eine Bandbreite von 479% und es kann eine leichte Untersetzung gefahren werden, geht es mal bergauf. Für die Fans größerer Übersetzungen – vor allem für das Gelände und mit Gepäck: Da kann hinten auch etwas mehr dran, denn die GRX “macht” auch größere Ritzel. Das ist aber eine andere Diskussion 🙂

Ritzelrechner.de

Ich habe Böttcher nach den Gründen für den aktuellen Fokus auf 2fach Schaltungen gefragt und warum sie beim Evolution Gravel keine 1fach Schaltungen anbieten:

“Hierbei spielen unsere Erfahrungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Bandbreite der 2fach Schaltung ist wesentlich höher als bei der 1fach GRX. Weiterhin kann die Abstufung der Kassette feiner gewählt werden als bei 1fach. Das Übersetzungsverhältnis der 2fach Variante wird benötigt, sobald Gepäck dazu kommt.”

An dieser Schaltung gibt es nix zu meckern. Die arbeitet präzise, leicht und auch unter Last. Ich muss mich als SRAM Fahrer immer an das Schalten mit den Bremsgriffen gewöhnen, was aber schnell geht.

48/31 GRX Kurbel

Und wer die GRX nicht möchte, der muss sich halt das Rahmenset zulegen und selbst aufbauen. Oder ruft in Heide an und dann gibt es ganz bestimmt auch eine individuelle Lösung. Aber auch da sind scheinbar in Zukunft noch weitere Varianten geplant:

” Aktuell denken wir hier auch über die Campagnolo Ekar 1×13 und Sram eTap nach.”

Gebremst wird ebenfalls mit den hydraulischen GRX auf Icetech 160mm Scheiben. Das ist völlig ausreichend und die Bremsperformance ist ebenfalls gut.

 

Der Lenker, Vorbau und Sattel

Am Evolution Gravel Modell mit 800er GRX Ausstattung verbaut Böttcher die hochwertigen Ritchey WCS Teile. So ist beim Modell mit GRX 800 ein Ritchey WCS C220 Vorbau verbaut. Gelenkt wird mit dem Ritchey WCS Butano Lenker in einer Breite von 440mm.

Der Ritchey Lenker

Auch die Sattelstütze stammt von Ritchey: Hier kommt die WCS 2-Bolt zum Einsatz. Der Sattel stammt von PRO und ist das Modell Turnix Team mit Carbongestell.

Lenker & Vorbau

Und weil es dazu ebenfalls eine Frage gab: Die Flaschenhalter sind ebenfalls von Ritchey und haben die Bezeichnung Comp V2.

Details

 

Einordnung & Fazit

Willkommen bei Martins großer Allroad-Bike Einordnung

Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht, wie ich eigentlich mal alle Fahrräder, die ich so teste, einordnen kann.

Das ist natürlich nicht einfach, auch weil die Vielfalt an Typen, Anwendungen, Kategorisierungen und Trendbezeichnungen es nahezu unmöglich machen, das mal zu strukturieren. Ich habe es dennoch mal probiert. Dabei habe ich unter dem Oberbegriff Allroad-Bike (Danke an Jan Heine und sein sehr lesenswertes Buch “Ein Rad für alles” (Amazon Link) ) drei Kategorien gebildet, die sich aber natürlich überschneiden und so auch Gemeinsamkeiten haben:

Einordnung Allroad-Bikes
  • Performance & Race: Einige der Fahrräder kommen aus dem Rennrad-/Crosserbereich und/oder sind von dort inspiriert. Vor allem Rennradfahrer, die auf den Schotter wechseln, finden Gefallen an diesen sehr sportlichen Rädern, die vor allem für den kompetitiven Einsatz gedacht sind.
  • Freizeit & Alltag: Hier sehe ich die Räder, die das Sportliche und das Entspannte miteinander verbinden und mit denen man fast überall hinfahren kann, ohne sich viele Gedanken zu machen. Ja, hier sprechen wir vor allem über das klassische Gravelbike als ein prima Angebot an alle, die sich keine Gedanken mehr über den Untergrund machen wollen, sondern einfach nur fahren möchten.
  • Travel & Abenteuer: Ja, auch das tägliche Pendeln zur Arbeit kann Abenteuer sein, aber in dieser Kategorie sehe ich alle Räder, die sich für nahezu alle Terrains eignen, deren Wurzeln eher im MTB liegen und die Off-Road, Bikepacking und Bike Travel in allen Spielarten möglich machen.

Da kann man nun trefflich drüber streiten und diskutieren. Und während ihr euch dazu Gedanken macht oder bereits entrüstet-inspiriert in die Tasten haut, habe ich mal alle Fahrräder, die ich bislang getestet habe, dort eingeordnet:

Alle bisherigen Testräder

Das Evolution Gravel ist aus meiner Sicht hauptsächlich in der Schnittmenge von Freizeit&Alltag und Travel&Abenteuer. Es ist also ein Gravel-Travelbike, das aber vor allem auch Fahrer:innen anspricht, die gerne auch sportlicher unterwegs sind (daher auch etwas Performance&Race).

Das Evolution Gravel in meiner Einordnung

 

Fazit Böttcher Evolution Gravel

Das Böttcher Evolution Gravel ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein über 100 Jahre altes Traditionsunternehmen mit den richtigen Leuten, einigem Mut und dem genauen Beobachten und Zuhören ein Fahrrad bauen kann, dass ein sehr attraktives Angebot im wachsenden Markt der Gravelbikes ist.

Damit könnte Böttcher ruhig mehr aus dem Schatten ihrer Tradition in die Öffentlichkeit treten und es wie vsf machen, die ja in einer ähnlichen Situation einen durchaus guten Wurf mit ihrem Gravelbike gemacht haben.

Hat Spaß gemacht! Das Evolution Gravel mit Martin

Das Evolution Gravel wird allen Spaß machen, die Geschwindigkeit und Agilität eines Rades schätzen und lieben und die aber auch sich alle Optionen für das Bikepacking offenhalten möchten. Mit einem Systemgewicht von 150kg ist es jedenfalls auf alles vorbereitet.

Mir gefällt besonders, dass die Fertigung in Europa mit hochwertigen Materialien stattfindet und ein Großteil der Produktion (Design & Entwicklung, Marketing, Rahmen beschichten, Montage) in Heide in Schleswig-Holstein stattfindet.

Dafür finde ich dann Preise ab 4.000 Euro durchaus vertretbar.

Wer also die Chance hat, sollte das Böttcher Evolution Gravel mal zum Test fahren. Und wenn ihr weitere Fragen habt, dann gerne in die Kommentare. Böttcher liest hier sicherlich ab und zu vorbei und kann dann antworten.

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4 Comments

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  1. says: Claus

    Mensch Martin!
    Ich bin immerwieder begeistert von deinen Testberichten, einfach toll wie ausführlich und detailiert du das hin kriegst! Vielen Dank und bleib gesund!
    Herzlich
    Claus

  2. says: Guido Merkle

    Hallo Martin,

    die von dir vorgenommene Kategorisierung der Allroadbikes ist super, passt. Hier wird deutlich – was sich auch mit meinen Erfahrungen deckt – das es eben doch nicht ein Gravelbike für alle denkbaren Anwendungen geben kann – auch wenn es die Werbung gerne so verspricht. Deine Einteilung und die Einsortierung der getesteten Räder darin gibt auf jeden Fall einen super Überblick.

    Grüße von Guido