Nun geht es los! Silk Road Mountain Race 2021: Rad, Ausrüstung & Dotwatching

Jetzt geht es los: Silk Road Mountain Race 2021

Endlich, morgen ist es soweit und wir fliegen nach Bishkek, der Hauptstadt Kirgisistans. Auf dieses Land freue ich mich schon sehr, nicht nur weil es das 52. ist, welches ich mit dem Rad bereise, sondern vor allem auf die sagenhafte Berglandschaften und die offensichtlich sehr gastfreundlichen Menschen.

Gemeinsam mit Tobias wage ich mich nun an das Abenteuer Silk Road Mountain Race, ein Selbstversorger-Bikepacking-Rennen über 1.800km und 30.000 Höhenmeter durch den Tian Shan.

An dieser Stelle muss ich erstmal Danke sagen:

Zum einen an meine Familie, die einiges an Belastungen auf sich genommen hat und nimmt, damit ich trainieren konnte und nun auch noch drei Wochen in Kirgisistan sein kann. Zum anderen an meinen Arbeitgeber Adobe, der mir die Auszeit ermöglicht, damit ich fahren kann.

Fast ein Jahr lang habe ich mich darauf vorbereitet, mehr als 300 Stunden allein in diesem Jahr trainiert und mich viele Tage bei Schlamm, Schnee und Regen auf dem Rad bewegt. Oder schweißgebadet auf dem Smart-Trainer im Keller. Mein Ziel, in diesem Jahr noch vor dem Rennen 50.000HM und 7.500km “auf der Uhr” zu haben, habe ich geschafft und bin nun rein körperlich sehr gut auf das Rennen vorbereitet. Ich würde sogar sagen, dass ich noch fitter bin als vor dem Atlas Mountain Race.

Die körperliche Fitness ist aber nur ein Aspekt, der im Tien Shan gilt. Vielmehr ist es eine Frage der Umstände, wie gut wir durchkommen werden. Schnell kann ein mechanischer Defekt am Rad, eine Infektion oder Krankheit das Rennen beenden. Ich hoffe das natürlich nicht, aber wenn man sich die Erlebniserzählungen der ersten beiden SRMR anschaut, dann kommt es schon öfter vor. Die Scratch-Rate liegt bei 50-60%.

Höhenprofil des SRMR 2021

Und natürlich ist es am Ende auch und vor allem eine Frage der Psyche, dieser tagelangen Belastung im hochgebirgigen Nirgendwo zu widerstehen. Allein 16 Pässe (oder mehr) über 3.000m gilt es zu bewältigen. Aber gäbe es das alles nicht, dann wäre es ja auch kein Abenteuer, sondern “nur” eine Radtour. 🙂

ES WIRD HART, ABER LANDSCHAFTLICH“: DIE SALSALETTEN STARTEN BEIM SILK ROAD MOUNTAIN RACE 2021

Meine Devise lautet:

“Immer positiv bleiben, dankbar sein und auch ein bisschen demütig, dass ich das erleben darf!”

Insgesamt treten (Stand jetzt) 103 Fahrer:innen am Start an. Das ist schon eine recht niedrige Anzahl, waren doch mal 250 Fahrer:innen gemeldet (mit denen, die leider im letzten Jahr nicht starten konnten). Vermutlich haben einige aufgrund der Covid-19 Pandemie es nicht geschafft, keine Versicherung bekommen oder es einfach nicht mehr organisieren können. Beim letzten SRMR im Jahr 2019 waren 140 Teilnehmer:innen dabei.

Tobias und ich sind als Pair unterwegs und haben die Cap Nummern 212A (Martin) und 212B (Tobias).

Unser Ziel ist es, die Strecke innerhalb der offiziellen Rennzeit zu schaffen, idealerweise in 12 Tagen. Damit haben wir etwas Puffer zur maximalen Gesamtzeit (ca. 2 Tage), falls etwas dazwischen kommt. Ehrlicherweise vertraue ich auch diesmal wie beim Atlas Mountain Race auf unseren Plan und unsere Rennstrategie, die uns sicher und konstant ins Ziel bringen wird.

Tobias und ich im Ziel beim Atlas Mountain Race 2020

Am 8. August fliegen wir nach Bishkek und haben dann noch ein paar Tage, um zu akklimatisieren. Dafür werden wir mit den Rädern raus aus der Stadt in die nahen Berge fahren. Der offizielle Start ist dann am 13. August – allerdings nicht in Bishkek, sondern in Talas, einer kleinen Stadt ca. 300km westlich. 22 Uhr soll es dann losgehen und der erste Abschnitt hat es mit 2.100 Höhenmeter auf 50km hoch hinauf auf den Terek Pass in 3.376m Höhe auch gleich in sich. Das wird eine interessante Nachtfahrt. Und auch der Transfer zum Startort wird sicherlich ein Erlebnis…

Aber egal wie dieser auch sein wird: pro Tag werden wir um die 2.500 Höhenmeter oder mehr klettern müssen, bis wir dann am Issyk Kul See das Ziel erreichen. Knapp 14 Tage haben wir maximal für die 1.859km Zeit. Am 28. August um Mitternacht endet das Zeitfenster mit der Finisher-Party.

Ob wir es schaffen? Natürlich! Daran habe ich keine Zweifel.

Alles, was wir beeinflussen können, haben wir gemacht. Der Rest ist Abenteuer und der Ausgang ungewiss. Ich bin aber sehr optimistisch, genauso sehr wie voller Respekt vor dieser Strecke und Aufgabe. Egal wie – Das wird ein echtes Erlebnis!

 

Mein Rad für das Silk Road Mountain Race

Im Kern hat sich zu meinem letzten Update nicht viel am Salsa Fargo geändert: ich fahre eine SRAM Rival, deren Schaltwerk ich mit einem Garbaruk Schaltkäfig versehen habe, um eine MTB Kassette schalten zu können.

Mein Rad für Kirgisistan

Vorne habe ich ein 30er ovales Kettenblatt montiert und hinten eine 1×11 Kassette mit 10-50 von Garbaruk. Diese Kombi ermöglicht es mir auch steilere Passagen zu kurbeln und vor allem habe ich so genug Spielraum nach oben, wenn die Tage anstrengender werden und die Belastung dem Körper zusetzt. Die Kette ist eine Shimano XT.

Ich werde mit Aerobar fahren (Profile Design Sonic Ergo 35A) und habe mir auch mit dem Klite Ultra Bikepacker V2 ein neues Licht und USB-Lader geholt.

Bei den Laufrädern vertraue ich auf die HX491 Felgen mit Vittoria Mezcal Reifen in 2.25 Zoll Breite. Natürlich Tubeless. Die DT-Swiss 240 EXP Hinterradnabe wurde noch mal von DT-Swiss generalüberholt und schnurrt wieder wie früher. Vorne macht der SON 28 seinen Dienst.

Das Gesamtgewicht aus Fahrrad, Lenkeraufsatz, Luftpumpe (Lezyne Microfloor) und Werkzeug inkl. Werkzeugbox beträgt 13,8kg.

MEIN NEUES ALTES SALSA FARGO TITANIUM

 

Ausrüstung & Packliste

Mein Salsa Fargo Titan bepackt

Beim Silk Road Mountain Race werde ich mit Taschen von Revelate Designs unterwegs sein. Ich fahre sonst gerne Ortlieb, aber ich brauche bei diesem Event ein System, das schnell und einfach zu bedienen ist und es mir erlaubt, die Taschen sehr einfach packen und komprimieren zu können.

Vorne am Lenker habe ich die Pronghorn Harness mit UL Packsack aus Stratex in M.

Das ist nicht nur erheblich leichter, sondern auch einfacher zu bedienen. Der Packsack ist leicht anzubringen oder abzumachen und ich kann ihn so wesentlich einfacher packen und komprimieren.

Die Revelate Pronghorn Harness mit Egress Accessory Bag

In der Lenkerrolle habe ich folgende Sachen:

  • Isomatte TAR Neoair UL
  • Schlafsack Cumulus X-Lite 400
  • Innenschlafsack Cocoon MummyLiner Expedition RS Seide
  • Mütze (dick)
  • Dicke Socken
  • Lange Merino-Hose
  • Merino Long Sleeve Shirt
  • Daunenjacke Simond
  • Waschzeug (Duschgel, feuchte Tücher, Cremes)
  • Handtuch
  • Handschuhe Sugoi Firewall Z

Gewicht (inkl. Harness & Packsack): 2.550g

Zusätzlich kommt hier noch mit der Egress eine Accessory Tasche dran, die denkbar einfach angeklickt wird.

Hier sind folgende Sachen drin:

  • Mütze
  • Halstuch
  • Handschuhe Thermo
  • Überhandschuhe
  • Armlinge
  • Masken
  • Sonnenschutz LF50
  • Zink Salbe/Creme
  • Labello
  • Dokumente (Impfausweis, Flugtickets, Reisepass)
  • Geldbörse
  • Kopfhörer
  • Sonnenbrille
  • Riegel/Essen

Gewicht (inkl. Tasche): 1.000g

Mit am Lenker ist eine Stem Bag oder auch Food Pouch von Restrap, in der ich eine 750ml Flasche oder Essen transportiere. Eventuell nehme ich noch eine weitere Stem Bag mit, um hier Essen zu transportieren und am Lenker zu haben.

Gewicht ohne Wasser: 300g.

 

Im Rahmendreieck habe ich die Ripio Rahmentasche in Größe L.

Die Ripio Rahmentasche

Damit kann ich mehr Platz nutzen, als es mit der Ortlieb möglich wäre. Hier passt jede Menge Kram rein und lässt sich durch die insgesamt 3 Taschenfächer auch besser sortieren:

  • Pedaled Alpha Jacket
  • Powerbank Anker 20.000 mAh
  • USB Kabel Navi/Handy + 3fach Ladekopf
  • Apotheke
  • 2x Aerothan Ersatzschlauch
  • Essenszeug (Tasse, Besteck)
  • Riegel & Gels
  • Klopapier + Feuchte Tücher
  • Ersatzrollen Garbaruk
  • Kettenöl
  • Dichtmilch 125ml
  • Ersatzspeichen
  • Wasserfilter + faltbare Wasserflasche
  • TAR Repairkit + Lochsucher
  • Kleiner Rucksack
  • Stirnlampe
  • Beinlinge
  • Messer Opinel No7
  • Kaffee & Tee

Gewicht (inkl. Tasche): 3.700g

 

Am Sattel fahre ich die Spinelock 16L.

Die Spinelock 16L

Sie ist zwar schwerer als die Ortlieb Satteltasche, hat aber den Vorteil, dass ich sie sehr schnell und einfach abnehmen kann. Dadurch kann ich meinen Kram besser packen und die Tasche einfacher komprimieren und dann wieder anhängen. Spinelock bedeutet, dass ich sie mittels eines Titanstifts am Sattel einhänge und dann nur abspanne.

Hier kommt rein:

  • Zelt Big Agnes Copper Spur UV UL 1 Bikepack
  • Zeltgestänge
  • Tyvek Folie
  • Regenjacke Mountain Equipment Skardu
  • Gamaschen Vaude Neopren
  • Regenhose Gore Packlite
  • Wasserdichte Socken Sealskinz
  • Ersatz Bib
  • Ersatz Shirt
  • Ersatznavi Garmin etrex 30x + Batterien
  • 4x Essen
  • Knieschoner
  • Fußgelenkstütze

Gewicht (inkl. Tasche): 4.250 g

 

Auf dem Oberrohr kommt die neue Salsa Toptube Bag EXP

Cockpit am Fargo

Sie verfügt über einen Kabelkanal für den Klite USB-Lader. Befestigt wird die Oberrohrtasche mit dem neuen Wolftooth B-Rad Mount Anywhere. Allerdings nutze ich nicht die Straps zum Befestigen des Mount, sondern Kabelbinder.

Hier transportiere ich…

  • den Klite USB-Lader
  • Riegel
  • Taschentücher und eine
  • 10.000 mAh Anker Powerbank

Das Gewicht inkl. Tasche beträgt 450g.

Zusammen komme ich so auf ein Gepäckgewicht von 12,3kg. Hinzu kommen noch 2,7 Liter Wasser und sicherlich noch weiteres Essen für die ersten Tage (ca. 500g).

Damit liege ich dann inklusive Fahrrad bei ca. 29/30kg Systemgewicht ohne mich. Das Essen wird abnehmen, ich auch und unterwegs werde ich ohnehin einige der Sachen aus den Taschen anhaben. Also passt das schon.

13,8kg für das Rad mit Zubehör

 

Exkurs: Tobias Salsa Fargo für das SRMR 21

Das Salsa Fargo von Tobias

Tobias fährt wie auch beim AMR sein Salsa Fargo (Modell 2020, XL) mit Stahlrahmen. Er schaltet ebenfalls mit einer SRAM Rival, umgebaut mit Garbaruk Schaltkäfig. Vorne fährt er ein 30er Kettenblatt und hinten eine 11-50er Kassette. Als Bremsen kommen die mechanischen TRP Spyre zum Einsatz. Die Felgen sind auch die HX491 und die Reifen sind ebenfalls die Vittoria Mezcal, allerdings in 2.35 Zoll Breite.

Bei den Taschen setzt er auf einen Mix aus Revelate Framebag, Gastank und Saltyroll in der Salsa Anything Cradle am Lenker. Die Satteltasche kommt von Ortlieb und seine Food Pouches von Apidura.

Das Licht kommt ebenfalls vom Klite Bikepacker Ultra V2 und auch beim Schlafen machen wir es gleich: Big Agnes HV UL Bikepack Zelt und ein custom-made Cumulus X-Lite 400 Schlafsack.

 

Live on the Road…

Natürlich könnt ihr wieder Tobias und mich live verfolgen und uns die Daumen drücken. Auf MAProgress könnt ihr Dotwatching machen und euch über alle Fahrer:innen informieren: https://srmr2021.maprogress.com/

Dotwatching bei MAProgress

 

Aktuelle Infos via WhatsApp

Ich habe vor ein paar Wochen auch eine WhatsApp Gruppe eingerichtet, in der ich über Blog und Podcast Updates informiere. In dieser Gruppe würde ich mich auch von unterwegs – sollte Empfang sein – mit ein paar Eindrücken und Infos melden. Der Gruppe könnt ihr einfach über diesen Link beitreten (und genauso leicht wieder austreten). Die Nachrichten kommen dann aber von einem anderen Telefon als dem Absender der WA-Gruppe – also nicht wundern.

Wenn es die Kraft und Zeit zulässt, werden wir sicherlich auch auf Instagram was posten. Tobias findet ihr unter @tobias.koepplinger und mich unter @biketourglobal.

Grundsätzlich lohnt es sich dort auch den Hashtags #silkroadmountainrace #srmr2021 #silkroadmountainrace2021 zu folgen, um auch die Updates der anderen Fahrer:innen zu sehen.

Dann kann es jetzt also losgehen!

 

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7 Comments

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  1. says: Alexander

    Immer wieder höchst interessant sind die Einblicke in Deine Vorbereitungen, Packlisten, Verstaumöglichkeiten und natürlich die Reiseberichte.

    Dazu sind die Beiträge perfekt geschrieben und fotografisch umgesetzt. Dein Blog ist auch nicht unerheblich an der Verkehrswende beteiligt. Beim Lesen Deiner Berichte kann man nur Lust auf größere Touren bekommen.

    Neben Neid auf Deine Disziplin, des “Einfach machen” und der Freiheit, die Dir Deine Familie im Alltag konsequent als Unterstützung mitgibt, verspüre ich große Freude darüber, dass sich dieser Traum bald für Dich erfüllt und ich an Deinen Berichten und Fotos teilhaben darf.

    Der Wert Deiner Ausrüstung und Deines tollen Rades ist bei einem Diebstahl ein schmerzlicher Verlust. Hier bin ich immer im Dilemma, dass ich meine Rohloff und mein schönes Rad äußerst gern fahre, dabei immer beim Abstellen aber auch ein Auge darauf werfen muss. Gute Ausrüstung macht einfach Spaß, selbst wenn man mit einer Zusammenstellung vom Decathlon meistens durchkommt.

    Mit Bikepacking werde ich nie warm. Diese unzähligen Taschen mit wenig Volumen… Da lobe ich mir meine großen Backroller Pro Plus, unbestritten wirken diese aber leider wie Segel in die falsche Richtung bei Gegenwind 🙁

    Für mich steht Ende August eine gemütliche 500 Kilometer Runde von Hamburg bis Fehmarn an. Ich bin gespannt, wie der Wind seine Späße mit uns treibt und uns zum Teil auf 12 km/h drückt. Aber das liebe ich am Radeln… Fortbewegung durch eigene Muskelkraft… So schlicht und faszinierend.

    Ich wünsche Dir ein fantastisches Silk Road Mountain Race!

    Alex

  2. says: Jan

    Hei ihr zwei Salsaletten,

    Ich bedanke mich erst Mal für den interessanten und informativen Beitrag!
    Bin Mal gespannt wie die Fargos und die Ausrüstung dieses Rennen aushalten. Weshalb solch eine schwere und große Powerbank?

    Euch beiden wünsche ich viel Spaß, beste Gesundheit und viel Erfolg!

    Macht’s gut,
    Jan

    1. Hallo Jan,

      weil wir Strom unterwegs brauchen und mit den Anker Banks sehr gute Erfahrungen beim AMR gemacht haben.
      Geladen wir vor allem das Navi, die Stirnlampe und das Smartphone.

      Viele Grüße,
      martin