DAS Reiserad 2020: Die große Auswertung – Teil 2

DAS Reiserad 2020 - Die große Auswertung Teil2: Alles zu Schaltung, Kurbel, Lager, Naben, Licht, Lenker, Pedale, Schutzbleche, Stromversorgung, Taschen und Gepäcktransport

Alles zu Schaltung, Kurbel, Lager, Naben, Licht, Lenker, Pedale, Schutzbleche, Stromversorgung, Taschen und Gepäcktransport

Willkommen zum zweiten Teil der Auswertung „DAS Reisrad 2020“. Nachdem ich in Teil 1 die Reiserad-Marke, Rahmen, Räder, Felgen, Reifen, Bremsen und Sattel besprochen habe, widme ich mich nun vor allem dem Antrieb und Gepäcktransport.

 

Schaltung am Reiserad: Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Kette und Getriebe

Na das ist ja eine Überraschung: lag bislang die Kettenschaltung in der Gunst der Reiseradler vorne, so scheint sich nun die Getriebenabe so langsam durchzusetzen. Genauer gesagt holt die Nabe als Schaltung gegenüber der Kettenschaltung massiv auf und liegt mit 43% aller Nennungen nur noch einen Prozentpunkt hinter der Kettenschaltung (44%). Noch vor zwei Jahren trennten ganze 7 Prozentpunkte die beiden Lager.

 

Mit 13% folgt die Pinion Schaltung, die auch immer mehr an hochwertigen Reiserädern zu sehen ist. 2018 waren es noch 10 Prozent.

Und so wie die Stimmen für die Art der Schaltung, so auch die Nennungen auf die Frage nach der Schaltungsmarke: Shimano und Rohloff liegen hier mit jeweils 38% gleichauf, gefolgt von Pinion mit 13%. Auf Platz 4 landet SRAM mit 8%, aber auch die noch unbekannten, aber sehr interessanten Schaltungen von Microshift tauchen bereits in der Umfrage auf, wenn auch erstmal nur mit 2% der Stimmen.

 

Rohloff Speedhub ist DIE Schaltung am Reiserad

Bei der Frage nach konkreten Modellempfehlungen landet die legendäre Rohloff Speedhub 14-Gang Nabe mit 49% der Stimmen auf Platz 1. Dahinter mit Abstand auf Platz 2 die Reise-Kettenschaltung schlechthin: die Shimano Deore XT (3×10 Gänge) mit 20%. Platz 3 belegt die Pinion P1.18 Getriebeschaltung mit 11,5% der Stimmen. Das entspricht in ungefähr den Ergebnissen von vor zwei Jahren.

 

Kette klar vor Riemen

Getriebenaben und -Schaltungen lassen sich sowohl mit Kette als auch mit Riemen fahren. Und gefühlt scheint sich die Verbreitung und Akzeptanz des Riemens am Reiserad zu erhöhen. Schaut man aber auf die Ergebnisse der Umfrage, so zeigt sich, dass 83% eine Kette am Reiserad präferieren und nur 17% mit einem Riemen fahren würden.

Vor zwei Jahren sah es da mit 19% noch besser aus für den Riemen (81% für die Kette). Das hat sich nun zugunsten der Kette wieder geändert.

Bei der Frage nach Empfehlungen für ein konkretes Ketten- oder Riemen-Modell gab es für die folgenden Modelle die meisten Stimmen: der CDX-Riemen von Gates bekam fast 25% der Stimmen. Die Kette mit den meisten Nennungen ist die KMC X1 mit 14%, gefolgt von der Shimano HG-95 mit 10%.

 

Antrieb: 1fach vor 3fach am Reiserad

Die Ergebnisse bei der Schaltungswahl spiegeln sich natürlich auch bei den Kurbeln wider: 40% der Befragten haben eine 1fach Kurbel (also mit einem Kettenblatt) am Reiserad. Da betrifft vor allem die Rohloff und Pinion Fahrer.

Knapp dahinter mit 37% liegt die gute alte 3fach Kurbel (also mit drei Kettenblättern), die vor allem noch an der Shimano Deore XT Trekkingradschaltung Standard ist.

 

Kurbeln im Detail

Bleiben wir mal kurz bei den Kurbeln: Auf die Frage nach der präferierten Marke liegt mit 49% der Stimmen Shimano vorne, gefolgt von 16% für die Truvativ Kurbeln. Diese kommen gerne bei Rohloff Schaltungen zum Einsatz. Dahinter mit 10% (und aus gleichem Hause) Kurbeln von SRAM, die allerdings nur noch 1fach oder 2fach Modelle bauen. 7% verlassen sich auf die hauseigenen Kurbeln von Pinion.

Nach konkreten Modellempfehlungen gefragt, gaben 19,3% der Shimano XT Kurbel ihre Empfehlung, gefolgt von 14,7% für die Truvativ Stylo (habe ich am Reiserad) und 11% für die Shimano Deore.

 

1,2 oder 3: Welche Größe & Kombi haben die Kettenblätter?

Neu in diesem Jahr waren meine Fragen bezüglich der Kettenblattgrößen und Kombinationen, die am Reiserad gefahren werden – egal ob 9fach, 10fach oder 11fach Schaltungen oder Naben-/Pinion-Schaltung. Auch wenn über den Erkenntnisgewinn gestritten werden kann, so meine ich, dass die Ergebnisse durchaus eine Orientierung geben können.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei 1fach Kurbeln (vorzugweise mit Nabenschaltungen gefahren) das 42er Kettenblatt mit 24% am meisten gefahren wird, gefolgt vom 38er mit 17% der Stimmen und dem 36er mit 14%. Das sind ehrlicherweise auch die „sinnvollen“ Größen bei einer Nabenschaltung wie der Rohloff.

In den letzten Jahren hat sich auch die 2fach Schaltung breit gemacht. Vor allem die Rennradgruppen wie die Shimano 105 oder SRAM Apex oder Rival werden gerne an Reise-Randonneuren gefahren.

Hier sind die Kombinationen natürlich vielfältig und am Ende immer auch eine individuelle Entscheidung. In der Umfrage gaben jeweils 17% der Befragten ihre Stimme für die Kombination 38/24 und 46/30.

Erstere ist eine Kombination, die vor allem in den Bergen und im Gelände die notwendige Freiheit gibt. Ich bin diese beispielsweise am Bombtrack Beyond Bikepacking-Rad gefahren, um auch mit Gepäck steilere Passagen auf Schotter oder im Gelände hochzukommen.

Die zweite Kombination ist eher im Gravel- und Randonneur-Bereich zu finden und ideal, um vor allem auf Asphalt und auch im Wald gut und schnell durchzukommen.

12% der Befragten gehen sogar noch einen Schritt weiter und haben die Kombi 50/34 am Rad. 11% die Kombi 48/32.

Bei den 3fach Kurbeln gibt es gar nicht so viele Kombinationsunterschiede. 34% fahren ihr Reiserad mit Kettenblättern in der Abstufung 44/32/22. 29% setzen auf 48/36/26.

Die erste Kombi ist gut bei schweren Rädern und vielen Hügeln und Bergen. Die zweite Kombi sichert vor allem eine halbwegs hohe Geschwindigkeit, die man mit einem 48er Blatt durchaus treten kann.

16% präferieren eine Kombi aus 42/32/22 und 12% gehen noch einen Schritt weiter in Richtung Klettergänge mit 40/30/20.

Die ganze Diskussion um die Größe und Kombination von Kettenblättern macht aber nur Sinn in Verbindung mit der jeweiligen Kassette und deren Gangumfang und Ritzelgrößen. Diese Vielfalt an Schaltungsmöglichkeiten habe ich aber in dieser Umfrage nicht berücksichtigt.

Daher empfehle ich immer den Blick auf den Ritzelrechner, der einem sehr gut darstellt, welche Kombination auf Kassette und Tretkranz welche Übersetzung und Entfaltung und mögliche Geschwindigkeit bietet.

Bei den Nabenschaltungen und Getriebeschaltungen gibt es hinten nur ein Ritzel, das unterschiedlich groß ist. Standard bei Rohloff ist ein 16er Ritzel. Es gibt aber auch mit 13, 14,15, 17,18,19 und 21 Zähnen weitere Ritzel-Möglichkeiten.

Bei der Pinion kommt hinten meist ein Ritzel/Kettenrad mit 21, 22, 24, 26 oder 30 Zähnen dran. Bei der Shimano Deore 3×10 Trekking Kettenschaltung gibt es Kassetten mit 11-32, 11-34 und 11-36.

Leider habe ich die Frage nach der Ganganzahl der Ketten-Schaltungen nicht gestellt. Das finde ich im Nachhinein ärgerlich, weshalb ich das nun nachhole:

 

Die Lager-Frage

Vierkant-Lager waren am Reiserad viele Jahre das Non-Plus-Ultra. Doch das hat sich nun endgültig verändert, denn die Hollowtech-Innenlager haben ihre Führung vor den Vierkant Lagern ausgebaut: 54% der Befragten bauen auf eine Hollowtech am Reiserad und 29% vertrauen noch auf Vierkant-Lager.

Mit etwas Abstand folgt dann GXP, der Lagerstandard von SRAM, der 8% der Stimmen bekommen hat

Eine genaue Modell-Empfehlung konnte ich aus den Daten leider nicht ableiten. Das Shimano XT Lager hat ca. 17% Stimmen auf sich versammeln können und das Lager von Token hat mit fast 8% ein paar Stimmen bekommen. Andere Nennungen gab es in einer auswertbaren Häufigkeit nicht.

Ich habe gute Erfahrungen mit dem Shimano XTR Hollowtech Lager, welches ich aktuell am Salsa fahre, aber auch mit dem Hope MTB Innenlager.

Eine gute Übersicht und Erklärung zu den einzelnen Innenlagertypen findet ihr auch unter http://www.innenlager.info/

 

Kein eMotor am Reiserad – fast

Vor zwei Jahren war die Sache noch ganz klar: 93% der Befragten sahen keinen eMotor am Reiserad. Nur 7% sprachen sich dafür aus.

In diesem Jahr hat sich grundsätzlich nichts an einem klaren Nein zum Motor geändert, allerdings haben sich die Zahlen leicht verschoben: „Nur noch“ 88% sagen Nein zum eAntrieb, den wiederum 12% befürworten und damit 5 Prozentpunkte mehr, als noch 2018.

Ich persönlich sehe das recht entspannt, denn es geht doch darum, dass die Menschen Fahrrad fahren. Und das eBike hat sehr viele Menschen wieder auf das Fahrrad gebracht und lässt diese in den Genuss von Touren und Radreise-Erlebnissen kommen.

 

Shimano ist auch 2020 erste Wahl bei Naben

6 Prozentpunkte weniger als noch vor zwei Jahren, aber immer noch vorne: Shimano konnte bei der Frage nach der Nabenmarke 36,4% der Stimmen auf sich vereinen und den Hauptkonkurrenten DT-Swiss mit 17,2% auf Abstand halten. Allerdings hat DT-Swiss um die 3 Prozentpunkte zugelegt. Auf Platz 3 kommt Hope mit 5,1% der Stimmen.

Bei den Modellen gab es die meisten Stimmen für die legendäre Shimano Deore XT Nabe (21,2%), gefolgt von der Shimano Deore Nabe (6,1%). Auf Platz 3 kommt die sehr gute DT-Swiss 350 Nabe. Interessanterweise gab es nur eine Nennung der DT-Swiss 240 Nabe, die vor zwei Jahren noch vor der 350 in der Stimmenanzahl lag.

 

Nicht ohne einen Nabendynamo – SON rules the World

Der Nabendynamo ist fester Bestandteil am Reiserad: 87% sehen das Kraftwerk am Vorderrad und nur 10% verzichten darauf.

Bei der Frage nach der Marke gibt es keine Zweifel: 75,7% der Befragten setzen auf SON. Mit großem Abstand folgen die beiden Wettbewerber Shimano und Shutter Precision mit jeweils 11,4% der Stimmen.

Ich bin sowohl SON als auch Shutter Precision gefahren. Mittlerweile setze ich nur noch auf SON, nach dem sich mein Shutter Precision am Bombtrack fest und damit tot gefahren hat. Und das nach nur ca. 5.500 km.

Als Modell habe ich vor allem den SON 28 im Einsatz, der sowohl am Norwid Reiserad, als auch am Salsa Fargo Bikepacking-Rad seinen Dienst leistet. Damit bin ich in guter Gesellschaft, denn 32% der Befragten gaben diesem Modell ihre Empfehlung. Es gab auch noch weitere Modell-Nennungen, allerdings hatten diese sehr geringe Fallzahlen. Einzig der Shimano XT Nabendynamo DH-T780 konnte 5,2% der Stimmen auf sich vereinen.

 

Stromversorgung unterwegs: Powerbank ist präferierte Lösung

Ein Nabendynamo am Rad hat neben der Stromversorgung für ein Licht auch die Funktion, Strom für das Laden von Geräten zur Verfügung zu stellen.

Um so erstaunlicher ist es, dass zwar 87% einen Nady am Rad sehen, aber immerhin 32% bei der Stromversorgung auf eine Powerbank setzen, 13% gleich ganz auf Stromversorgung verzichten und 11% einem Solarpanel den Job geben würden.

Schaut man sich die Ergebnisse aber genauer an, so summieren sich die Stimmen, die Nabendynamo-betriebene Lösungen bevorzugen, auf 36%. 11% der Befragten haben den Forumslader am Reiserad, 9% The Plug von Tout Terrain/Cinq und jeweils 5% das E-Werk von B&M und den Cycle2Charge.

Im Vergleich zu 2018 haben Powerakku/-bank und Solarpanel in den Stimmen zugelegt, der Forumslader ist stabil geblieben und alle anderen haben leichte Verluste an Prozentpunkten.

Vor allem der Zugewinn von 6 Prozentpunkten beim Powerakku lässt sich eventuell durch die immer leistungsfähigeren und leichteren Akkus erklären, die ausreichend Strom für viele Tage bunkern und so das Laden über Nabendynamo erübrigen. Das funktioniert im Allgemeinen ohnehin nur bei konstant höheren Geschwindigkeiten, die gerade auf Touren durch die Berge nicht immer zu erreichen sind.

 

Und es werde Licht!

Braucht es Licht am Rad, um durch die Welt zufahren? 97% der Befragten meinen ja und sehen Licht am Reiserad als festen Bestandteil an. Nur 3% würden beim Reiserad ohne Licht fahren.

81% der Befragten setzen beim Licht auf Nabendynamo-betriebenes Licht, 18% auf Licht von akku- oder batteriebetriebenen Lampen und 1% noch auf den guten alten Seitenläufer Dynamo als Licht-Bereiter.

 

Vorderlicht fest in deutscher Hand

Geht es ums Vorderlicht, so setzen 45% der Befragten auf Lampen von Busch und Müller. 32% ziehen die SON Lampen vor. 9% würden eine Supernova am Reiserad verbauen.

Gefragt nach den Modellen geben fast 36% ihre Stimme der SON Edelux Lampe und konkreter 16,6% empfehlen die SON Edelux II am Rad. Zusammengenommen also über 50% der Stimmen für Modelle von SON.

19,2% entscheiden sich für die B&M IQ-X. Die habe ich auch und bin nach wie vor sehr von ihrer Lichtleistung und Ausleuchtung selbst bei niedrigem Tempo angetan. 7,3% haben gute Erfahrungen mit der B&M Luxos U gemacht, die einen USB-Lader gleich am Gehäuse mitbringt und 6% kommen mit der B&M Cyo gut klar.

 

… das Rücklicht auch

So wie vorne auch hinten: Busch & Müller liegt mit 51% der Nennungen als Marke für das Rücklicht vorne, gefolgt von SON mit 25% und Supernova mit 10%.

Bei den konkreten Modellnennungen für ein Rücklicht gab es im Kern nur zwei, die relevante Nennungen sammeln konnten: Das B&M Toplight Line Plus mit 37,7% der Stimmen und das SON Taillight mit 17%.

 

Von hinten nach vorne: Vorbau, Lenker und Steuersatz

Eines gleich vorweg: der Vorbau am Reiserad bleibt starr. 76% der Befragten fahren ohne Federung oder Verstell-Möglichkeiten. 21% bevorzugen verstellbare Vorbauten, also einen Vorbau, dessen Winkel man noch verändern kann. Und nur 4% setzen auf einen gefederten Vorbau.

Da mag man jetzt zustimmend nicken, aber bei Reiserädern mit 40-50mm Bereifung würde ich heutzutage durchaus auch mal einen Blick in Richtung Redshift werfen, die einen durchaus interessanten gefederten Vorbau haben. Dieser bietet sich durchaus bei Räder mit schmaleren Reifen an, die kaum oder nur wenig Federung/Dämpfung bieten.

Aber zurück zum Thema Vorbau und Empfehlungen für Marken und Modelle:

Ritchey bekam mit 25,3% die meisten Empfehlungen, gefolgt von Syntace mit 12,6% und Ergotec mit 9,2%.

Natürlich sind die Fallzahlen bei solchen spezifischen Themen eher niedrig, weshalb das hier ganz klar nur ein Richtungsweis sein kann und keinesfalls eine statistisch wertvolle Angabe. Aber die meisten Nennungen wurden dem Vorbau Ritchey Comp gegeben (10,3%), gefolgt vom Ritchey WCS und dem Procraft Ahead (beide 4,6%).

Ähnlich verhält es sich beim Thema Steuersatz. Auch hier sind die Fallzahlen niedrig, aber Acros konnte mit 25,8% die meisten Stimmen verzeichnen, gefolgt von Chris King mit 14,6%, Cane Creek mit 12,4% und Ritchey mit 11,2%.

Bei den konkreten Modellempfehlungen konnte ich nur den Cane Creek 40 (9%), den Acros Block Lock (5,6%) und den Acros AH-34 (4,5%) auswerten.

 

Gerade und mit Hörnchen: der Lenker bleibt traditionell

Wie auch 2018 konnte sich die traditionelle Art des Lenkers am Reiserad durchsetzen: 36% stimmten für einen geraden Lenker mit Hörnchen. Vor zwei Jahren waren es noch 44%. Auf Platz 2 folgt dann mit einer leichten Steigerung um zwei Prozentpunkte der klassische Rennradlenker/Drop Bar mit 24%. Klassisch deshalb, weil mit 16% auf Platz 3 bereits der Drop Bar mit Flare folgt, also ein Rennradlenker, dessen unteres Rohr nach außen gestellt ist. Dieser hat allerdings mit 8 Prozentpunkten ordentlich aufgeholt und erfreut sich offensichtlich auch am Reiserad zunehmender Beliebtheit.

Man findet diese Art von Lenker traditionell eher an Breitreifenrennrädern aus dem Gravel und Bikepackingbereich. Sie sind deshalb so beliebt, weil sie etwas mehr Komfort und Griffbreite bieten, als klassische Rennlenker und so im Gelände mehr Kontrolle geben und auch etwas mehr flexen.

Mit 8% auf Platz 4 folgt der Multibar Lenker, also ein Lenker, der viele Griffmöglichkeiten bietet. Beispielhaft für diese Art Lenker sind der Koga Denham Lenker oder der Surly Moloko.

Es gibt aber auch noch Fans des klassischen geraden Lenkers (wobei der natürlich nie komplett gerade ist, sondern immer auch leicht gebogen): 6% sehen diesen am Reiserad.

Und auch die 4%, die für den Jones Bar gestimmt haben, möchte ich nicht unterschlagen. Der Jones Bar ist ein stark gebogener Lenker, quasi wie ein Hollandradlenker, mit einer Querstrebe, der damit viele Griffpositionen bietet und an Bikepacking-Rädern schon oft zum Einsatz kommt.

 

Lenker: Marke & Modell

Bei den Empfehlungen für Lenkermarke und -modell gab es mit 100 Rückmeldungen gar nicht so wenige Stimmen. Folgende Top-3 Marken wurden empfohlen, wenn es um Lenker geht: Ritchey mit 16%, SQ-Lab mit 13% und Salsa mit 10%.

Damit ist SQ-Lab neu unter den Top-3 der Lenkermarken und verdrängt Ergotec. Ergotec wurde in diesem Jahr bei Lenkern wenig genannt, ebenso wie Syntace, die noch vor 2 Jahren mit 9,4% auf Platz 4 kamen. Salsa und Ritchey hingegen konnten ihre führenden Positionen leicht ausbauen.

Bei den Modellen gab es nur wenige Nennungen, die hervorstachen: der Salsa Cowbell (ein Flare Drop Bar) bekam 7% der Stimmen, gefolgt vom Ritchey Venture Max (auch ein Flare Drop Bar) mit 5% und dem Koga Denham Lenker mit ebenfalls 5%.

 

Das Pedal: Mixed und Plattform

Wenn es um die Pedalen am Reiserad geht, dann gibt es ein Kopf-an-Kopf Rennen zwischen den Befürwortern von sogenannten Mixed-Pedalen, also Pedalen, die sowohl Klick (SPD), als auch Plattform bieten und den Fans der Plattformpedalen aka „Bärentatzen“. Lagen vor zwei Jahren die Mixed Pedalen mit 37% noch 6 Prozentpunkte vor den Plattformpedalen in Führung, so hat sich der Abstand zwischen beiden in diesem Jahr um einen Prozentpunkt verringert: 37% stimmen für Mixed, 36% für Plattform.

Ich fahre am Reiserad Plattformpedale, muss aber sagen, dass ich die Vorteile der Klickpedalen und der Mixed Pedalen am Bikepackig-Rad zu schätzen gelernt habe. Was für Reiseradler gegen Klick-Pedale spricht, ist die Schuhwahl, die dann natürlich auf entsprechend Klick-Pedal-fähige Schuhe festgelegt ist. Eine normale Plattformpedale kann mit allen Arten von Schuhen fahren. Bei sehr langen Radreisen ist es dann natürlich besser, sich unabhängig von einer Schuhwahl zu machen und die Plattformpedale zu verwenden. Bei normalen Radtouren kann man aber durchaus mit Klick-Schuhen fahren und diese mit Mixed Pedalen kombinieren. So kann man auf normalen Strecken gut die Kraftübertragung nutzen und bei unsicheren Passagen ausklicken und auf die Plattformseite wechseln.

Auf reine Klick-Pedale am Reiserad setzen nur 16% der Befragten.

 

Das Schutzblech ist fest dabei

Keine Überraschungen gibt es in der Schutzblechfrage: für 84% gehören diese fest montiert zum Reiserad dazu. Das sind ein Prozentpunkt mehr, als noch vor zwei Jahren. Jeweils 8% der Befragten bevorzugen keine Schutzbleche oder Steckschutzbleche am Tourenrad.

Ich finde am Reiserad Schutzbleche durchaus angenehm, würde aber immer darauf achten, dass diese so hoch als möglich, also mit so viel Abstand als möglich zum Reifen montiert sind, damit man auf schlammigen Passagen nicht festfährt und erstmal mühsam den Schlamm zwischen Reifen und Schutzblech wegkratzen muss. Das ist mir einmal in Patagonien und einmal in Georgien passiert.

 

Alles rund um den Gepäcktransport

Diese Sektion der Umfrage finde ich immer besonders interessant, denn sie ist besonders vielfältig und verändert sich auch immer wieder.

Gefragt nach der Art des Gepäcktransports am Reiserad, setzen mit 55% über die Hälfte der Befragten auf die klassische Kombination aus Gepäckträger hinten und LowRider vorne. Das sind satte 14 Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren (41%).

Weit dahinter mit 20% folgen die Reiseradler, die nur auf einen Gepäckträger hinten setzen. Das sind 5 Prozentpunkte mehr als noch 2018 (15%).

Auf Platz 3 mit 15% (14% in 2018) kommt die Schwerlastfraktion mit Gepäckträger hinten und vorne und LowRider.

Was die Stimmen aber auch zeigen: nur 2% würden mit Rucksack fahren und ebenfalls nur 2% sind offensichtlich mit sehr viel Gepäck unterwegs, denn sie würden Gepäckträger, LowRider und Anhänger vorziehen. Zum Thema Anhänger kommen wir noch mal später.

 

Gepäckträger-Marke & Modell: Tubus, Tubus & Tubus

Das ist schon eine Monopolstellung, die da Tubus einnimmt: über 86% empfehlen die Gepäckträger aus Süddeutschland Münster und nur knapp 3% nennen noch Racktime als Marke, die aber seit ein paar Jahren auch zu Tubus gehört.

Und demnach verteilen sich auch die Modell-Empfehlungen: 19,7% setzen auf den Tubus Logo Träger, 13,7% auf den Tubus Logo Evo und 13,7% auf den Klassiker Tubus Cargo.

Damit haben sich die Zahlen bei den Gepäckträgern gar nicht bzw. nur marginal bei den Modellen im Vergleich zu 2018 geändert.

 

LowRider-Marke & Modell: Tubus, Tubus & Tubus

Das gleiche Bild wie hinten gibt es auch vorne: 85,6% empfehlen Tubus als Marke für LowRider. Das sind 4 Prozentpunkte mehr, als noch 2018. Damals gab es noch ein paar Stimmen für den Faiv LowRider (ein Modell für die Federgabel). Diese sind aber in 2020 nur gering gewesen und keine andere Marke (Faiv, Falkenjagd, Surly) konnte signifikant Stimmen auf sich vereinen.

Keine Überraschung bei den Modellen: 39,4% setzen auf den Tubus Tara (42% in 2018) und 19,4% auf den Tubus Duo (21,8% in 2018).

Ich habe den Tubus Duo und kann diesen nur empfehlen. Er verzichtet auf den typischen Überrollbügel und ist sehr stabil im Gepäcktransport.

 

Taschen: Ortlieb baut Beliebtheit aus

Man muss schon sagen: wenn es um Taschen für die Radreise geht, dann führt an den Heilsbronnern kein Weg vorbei. Vor zwei Jahren haben 62% die Taschen von Ortlieb empfohlen und in diesem Jahr sind es noch mal ganze 6 Prozentpunkte mehr: 68%. Dahinter kommt erstmal ganz lange nichts und dann mit 19% Vaude. Damit dominieren zwei deutsche Hersteller den Markt für Fahrradtaschen mit 87% insgesamt. Das ist schon beeindruckend, zumal auf Platz 3 Mainstream MSX kommt, die meines Wissens nach auch aus Deutschland sind und 2% der Stimmen bekommen haben.

Ich habe eine Lenkertasche am Reiserad von MSX und verwende bei den klassischen Radreisetaschen als auch bei den Bikepacking-Taschen seit Jahren Ortlieb. Vaude sollte man bei den Radreisetaschen aber nicht unterschätzen: sie haben in den letzten Jahren ordentlich was getan und sehr gute Taschen auf dem Markt. Ebenso wie MSX, die leider eine schlechte Website und scheinbar kein Marketig haben, dafür aber gute und solide (im positiven Sinn) Taschen bauen.

Mit Topeak, Brooks, Blackburn und Norco gibt es noch weitere Marken, die sich aber mit jeweils 1% der Stimmen unter ferner liefen, einordnen.

 

Anhänger: Die Mehrheit verzichtet

Ab und zu sieht man sie ja auf Tour: Radler, die mit Anhänger unterwegs sind. Meist sind sie aus der sogenannten „Schwerlastfraktion“, die sehr viel dabei haben und daher einen Anhänger brauchen. Oder es sind Familien auf Tour, die einfach noch zusätzlichen Stauraum benötigen. Da macht ein Anhänger durchaus Sinn.

 

Bei einer „normalen“ Radtour oder -reise, also einer Tour alleine, ist der Anhänger aber nicht dabei: 79% der Befragten verzichten auf ihn und damit 5 Prozentpunkte mehr, als noch vor zwei Jahren. Lediglich 10% fahren mit Anhänger, was 4 Prozentpunkte weniger sind, also noch 2018. Und auch die Zahl der Unentschlossenen ist gesunken: nur 11% wissen noch nicht, ob sie mit Anhänger oder ohne fahren. Das sind 2 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage.

Es lässt sich also feststellen, dass der Anhänger zwar seine Berechtigung hat, aber in der Nische bleibt, wenn es um Radreisen geht.

 

Anhänger-Marken: BOB und Tout Terrain

Wer sich aber durch die Zahlen nicht abschrecken lassen möchte, der sollte bei seiner Suche nach dem richtigen Anhänger bei BOB und Tout Terrain vorbeischauen. Mit 11% und 10% sind das die beiden am meisten empfohlenen Marken, gefolgt von Thule mit 8% und Hinterher mit 7%. Auf Platz 5 kommt Burley mit 6%.

Bei der Modell-Empfehlung war die Fallzahl mit 55 Stimmen eher niedrig, aber 15% sprachen sich für den Klassiker unter den Radreise-Anhängern aus, den BOB Yak. Dahinter mit jeweils 7,5% der Weber Monoporter und der Tout Terrain Mule.

 

 

So, nun ist es geschafft und „DAS Reiserad 2020“ in all seinen Facetten besprochen.

Ich hoffe, dass euch die Informationen helfen, wenn ihr nach einem neuen Fahrrad schaut, oder euch mit einem Upgrade der eigenen Ausstattung beschäftigt und hier eine Orientierung sucht.

Natürlich sind all diese Angaben immer auch nur relativ und am Ende ist es oft der individuelle Geschmack oder die Erfahrungswerte, die eine Entscheidung beeinflussen. Und man darf auch nicht vergessen, dass viele kleinere Marken hier gar nicht erst auftauchen, obwohl sie eigentlich genannt sein sollten. Gerade für die Fahrrad-Manufakturen ist es schwer oder die Hersteller kleiner und feiner Lösungen oder Komponenten. Somit ist die Umfrage auch ein Abbild des Mainstreams, aber in jedem Fall eine gute Ausgangslage, wenn man sich dem Projekt Reiserad oder Fahrrad für die Tour nähern möchte.

 

Habt ihr noch Anmerkungen oder Hinweise?

Dann freue ich mich über eure Kommentare.

 

Hier geht es zum 1. Teil der Auswertung

8 Comments

  • Dieter sagt:

    Vollkommen aussagelose “Umfrage”, leider, da wäre mehr und eine Weiterentwicklung in Art und Umfang wünschenswert und möglich gewesen.

    Wenn man bedenkt, welche Altersklasse und aus welchen Bereichen (zB auch aus dem eher traditionellem Radreiseforum) die Umfrageteilnehmer kommen, so unterstreicht das nur dieses “Ergebnis”.
    Sieht man, was sich im Netz bei Bikepackern, Langstreckenreisenden, aber auch im Ausland (zB Nordamerika) tut, was für Material, Räder und Zubehör eingesetzt, dann sieht es vollkommen anders aus. Das weißt doch auch Du, Martin!

    So wird ein “Bild” abgegeben, was sehr, sehr vorsichtig zu beurteilen ist.
    Ja, interessant wären gerade diese kleinen Firmen, diese Nischenprodukte für uns Bikepacker, Langstreckenradler und Graveler gewesen!
    So nur für den Radreiseeinsteiger eine nur ganz grobe, erste Orientierungshilfe. Mehr nicht.
    Liebe Grüße, Dieter

  • Nils König sagt:

    Moin,

    vielen,vielen Dank für die unglaubliche Arbeit, und die abermals sehr gute Aufbereitung der Ergebnisse. Es ist genau das drin, was draufsteht: DAS REISERAD 2020 !!! Es mag in Zeiten von Downhill und Gravelbike zwar etwas antiquiert und konservativ daherkommen, spricht aber meiner Meinung nach, nach wie vor eine der grössten Gruppen von Radfahrern an. Vielleicht ändert sich die Dinge in der Zukunft, aber solange doppelt soviel Radfahrer die Fragen zum Reiserad beantworten ( gegenüber dem Bikepacking ) ist das Ergebnis eine sehr gute Orientierungshilfe und Standortbestimmung. Weiter so…

    sportliche Grüße
    Nils

  • Carsten sagt:

    Hi,

    Sehr schön und mit viel Mühe anschaulich gemacht. Danke dafür! Interessant ist die Entwicklung zu sehen; zwangsläufig schaut man auch immer bei sich und da hat sich über die Jahre auch was verändert (Wechsel zu Brooks, breitere Reifen und Felgen; andere Gepäckverteilung). Den einzigen Punkt, den ich bei meinem 11 Jahre alten Reiserad noch verändern würde, wäre der Umstieg auf mechanische Scheibenbremsen mit hydraulischem Zylinder (wenn ich dafür nicht einen neuen Rahmen bräuchte…).
    Interessant wäre natürlich noch mehr von deiner Meinung zu lesen im Hinblick auf das für uns wieder; das würde aber vielleicht auch den Rahmen sprengen.
    Herzliche Grüße aus Nordschweden,
    Carsten (Bikeload)

  • Johny sagt:

    Meiner Meinung nach fehlen die zwei wichtigsten Teile, die eine ganze Tour infrage stellen können: Lenkergriffe und Sattel

    • Hallo Johny,

      den Sattel findest du in Teil 1. Lenkergriffe sind ein Thema, das ich gerne beim nächsten mal aufnehmen kann. Tatsächlich entscheidend ist es aber aus meiner Sicht nicht.

      Viele Grüße,
      martin

  • Bert sagt:

    Hallo Martin,

    echt super, was du hier hingekriegt hast! Respekt und Anerkennung! Ich habe alles förmlich in mich “reingesaugt”, weil sehr aufschlussreich und interessant. Weiter so! 😉

    beste Grüße Bert

  • Christian sagt:

    Moin! eine Umfrage zu den Flaschenhaltern, wäre noch schön. Ich bin noch auf der Suche nach guten Flaschenhaltern für 1,5 L PET Flaschen. Hat einer Tipps? Plane so langsam meine Fahrradreise von Deutschland nach Thailand und eventuell sogar bis Australien.
    Mein Fahrrad: Kona Sutra LTD. 2018 Model. :)… hoffentlich gibts bald eine Lösung gegen Covid19. schwer so in die Zukunft zu planen. LG

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