Nordische Ostertour: 300km Eiersuchen von Bremen via Cuxhaven & Itzehoe nach Halstenbek

Oster-Tour 2019
Eine schöne 300km Oster-Radtour durch den Norden Deutschlands

Braucht es eigentlich immer einen Grund, um sich aufs Rad zu schwingen und einfach loszufahren? Nö, eigentlich nicht. Aber ein Anlass ist nicht schlecht, so wie jetzt Ostern. Da fiel mir nämlich ein, dass ich lange nicht mehr mit dem Rad unterwegs war (meine Frau erschießt mich vermutlich, wenn sie das liest 😉 ) und ich vielleicht die freien Tage irgendwie dafür nutzen könnte.

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Schönes Land und alte Häuser

Ostern ist Familienzeit, weshalb ich eine Route suchte, die mir erstens etwas Abwechslung bot, zweitens, bei der ich Neues entdecken konnte und die drittens, Familie und Radtour gut verband. Cuxhaven wollte ich mir schon immer mal anschauen, wo die Elbe in die Nordsee mündet und auch die Gegend zwischen Bremen und Elbe hatte mir bei meiner letzten Tour in dieser Region ganz gut gefallen. Also schnell Komoot angeworfen, MTB Modus eingestellt und schon bekam ich eine ganz attraktive Route von Bremen nach Cuxhaven und weiter via Wischhafen/Glückstadt nach Itzehoe und von dort zurück nach Halstenbek angezeigt. Noch ein bisschen verändern, den ein oder anderen Schlenker mit eingebaut und schon war meine ca. 300km lange „schwere Mountainbike-Tour“ fertig.

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Allein im Metronom nach Bremen

In den frühen und sehr kalten Morgenstunden am Karfreitag…

…stieg ich in Hamburg in den leeren Metronom nach Bremen. Hier begann meine Tour und bereits nach wenigen Kilometern war ich aus der Stadt raus und im grünen unterwegs. Ich radelte durch das sogenannte Blockland und folgte dann der Wümme nach Norden. Die Sonne schien und mit dem jedem Kilometer stieg auch die Temperatur. Wenig später konnte ich in kurz-kurz fahren. Leider war das schöne Wetter von starkem Gegenwind begleitet, der aber angenehm kühlte.

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An der Wümme entlang

Meine erste Station war der U-Boot Bunker Valentin, der an der Weser lag und nach wie vor wie ein riesiger Betonklotz die Landschaft prägt. Heute ist er ein Mahnmal für die vielen tausenden Zwangsarbeiter, die zwischen 1943 und 1945 hier schuften mussten. Mehr als 1.000 kamen dabei ums Leben. Zuvor kreuzte meine Route den Geschichtslehrpfad Lagerstraße/U-Boot Bunker, wo die Zwangsarbeiter untergebracht waren.

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Der Bunker Valentin

Wenig später verlasse ich das Bundesland Bremen…

…und fahre Richtung Norden nach Niedersachsen. Uthlede, Driftsethe und Wittstedt hießen die Orte, die ich nicht mal wirklich durchquerte, denn meine Route führte mich nahezu konsequent abseits von Siedlungen und Orten durch Wälder, über Felder und Stichwege.

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Schön abseits der Straßen und Wege

Das war landschaftlich wirklich wunderschön – allerdings war ich so auch von jeglichem Nachschub an Trinken abgekoppelt. Noch war es kein Problem, aber als dann meine zweite Flasche leerer wurde und ich Durst bekam, musste ich um planen. Ungefähr 80km war ich bereits gefahren und brauchte nun dringend Wasser. Bremerhaven umfuhr ich großzügig, weshalb hier auch keine Versorgungsmöglichkeit in der Nähe war. Also suchte ich die nächste Tankstelle und navigierte mich dorthin. Leider gab es diese Tankstelle nicht mehr wirklich, dafür aber einen Gasthof, der zwar nicht offen war, aber in dem dennoch nette Menschen mir mit einem Liter Cola und Wasser helfen konnten. Der Karfreitag war so gesehen kein guter Tag, um mit wenig Wasser und Essen durch das Land zu fahren, zumal wenn man wirklich abseits der Routen unterwegs ist. Naja, ich hätte ja auch daran denken können…

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Einfach mal sehen, wo es nicht lang geht

Bleiben wir noch mal kurz bei meiner Route, die so abseits lag:

Ich merke immer mehr, dass mich normale Radwege langweilen. Ich fahre sie natürlich auch ab und zu gerne, aber schnell wird mir da langweilig, auch weil sie weder Rad noch Fahrer wirklich fordern. Vermutlich liegt es an meiner immer stärker werdenden Begeisterung für das Radeln abseits der Straße. Und so bin ich immer schwer begeistert, wenn Komoot mich im MTB Planungsmodus über nicht vorhandene Feldwege, dichtes Unterholz oder buckelige Waldpisten leitet.

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Einmal quer durch das Gehölz

Manchmal flitze ich nur so dahin und freue mich über die Geräusche, wenn die Reifen die Steine, Sand und Stöcke wegdrücken. Und manchmal arbeite ich mich mühselig langsam durch moorastigen Untergrund, dicke Wiesen oder total verholzte Passagen. Aber das finde ich gerade Tausend Mal besser, als auf einem Radweg zu folgen, der wich zwar durchaus idyllisch, aber eben auch ohne Herausforderung durchs Land führt.

Frisch gestärkt – ich habe dann noch einen Müsliriegel (!) gegessen – konnte es weiter gehen. Cuxhaven war das Ziel, was aber noch 70km entfernt lag. Von Drangstedt fuhr ich frei nach Schnauze über Pisten und Wege nach Dorum und dort an die Weser, um meine geplante Route wieder zu treffen.

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Querfeldein die Route wieder finden

Die Route entlang des Deichs…

… von Cappel-Neufeld über Spieka-Neufeld nach Arensch ist zwar irgendwann monoton, war aber auch ganz angenehm zu fahren. Immer wieder fuhr ich hoch auf den Deich, um einen Blick auf das Wasser zu erhaschen. Zumindest war es hier schon mehr touristisch, weshalb auch Geschäfte offen waren. Mein Leiden hatte also ein Ende und in der Duhner Heide gönnte ich mir ein Eis.

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Schön am Deich entlang

Gemütlich eisschleckend rollte ich dahin und plötzlich stand ich oben auf dem Deich beim Fort Kugelbake, wo die Elbe in die Nordsee mündet. Ein Holzturm markierte hier das offizielle Ende der Elbe und die Nordsee breitete sich aus. In der Ferne konnte man die Windparks erkennen, dicke Containerschiffe fuhren hinaus auf das Meer oder hinein Richtung Hamburg.

Natürlich war ich bei diesem tollen Wetter nicht der einzige hier: Viele Menschen nutzten die Ebbe und spazierten am Strand entlang oder ritten auf Pferden durch das flache Wasser. Ich machte eine Pause, setzte mich auf eine der viele Bänke und schaute den Schiffen zu. Es war sehr schön hier und wieder mal ein Beweis, dass das Schöne oft auch nah liegt.

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Die dicke Berta bei Cuxhaven

Leider sank die Sonne schon…

…und ich musste mich etwas sputen. Mein Ziel war die Südsee in Otterndorf, wo ich mein Zelt nach 180km aufbaute und es noch schaffte, kurz vor Küchenschluss noch etwas zu essen.

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Luftlose Matte

Meine Nacht war warm, aber auch etwas ungemütlich, denn meine Isomatte hatte leider ein Loch. Das war allerdings nicht überraschend, denn auf meiner Tour in Ostafrika hatte wohl ein Akaziendorn dieses Loch verursacht – ich hatte es jedoch vergessen.

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Kalter Morgen – erstmal Kaffee

Aber irgendwie ging es und nach dem Morgenkaffee rollte ich zufrieden und voller Tatendrang durch den kühlen Morgen. In Wischhafen wollte ich über die Elbe setzen, aber nicht auf dem direkten Weg hinfahren. Es ging ja nicht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen, sondern darum, das Land zu entdecken und zu erfahren.

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Aha!

Bei Wingst, etwas südlich von Wischhafen hatte ich einen Wald und einen „Berg“ entdeckt, der mir von Komoot als steiler Zacken dargestellt wurde. Immerhin 80 Höhenmeter, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Zudem hatte ich einfach keine Lust, dem oft sehr langweiligen Elberadweg einfach zu folgen.

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Im Wald

Nach einem Frühstück in einem kleinen Dorfladen befand ich mich wenig später schon mitten drin im Wald und auf Forstwegen und Pisten rumpelte ich um den Berg herum und hoch hinauf. Das machte mir sehr viel Spaß, so das Rad auszufahren und mit Speed durch das Unterholz zu heizen. Dafür sind diese Räder gemacht und zudem ist es immer auch ein gutes Training für alle noch kommenden Touren.

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Into the wood

Irgendwann war aber auch dieses Waldabenteuer vorbei…

…und ich rollte durch beschauliche Dörfer Richtung Elbe. Das Wasser war sehr niedrig, weshalb die Elbfähren nicht genug Platz hatten und immer abwarten mussten, bis die entgegenkommende Fähre eingefahren war. Dadurch gab es Stau am Anleger, den ich aber natürlich umfahren konnte. 4,50 Euro später war ich dann in Glückstadt.

Die letzten 20km bis Itzehoe führten mich entlang der Stör. Das war eine ganz wunderbare Landschaft, die ich schon oft durchfahren habe. Abseits der großen Straßen radelt man hier durch kleine Orte, geprägt durch Fachwerkhäuser und kleinere Höfe. Sehr idyllisch.

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Borsfleth und Bahrenfleth hießen die Orte hier. Und bei Bahrenfleth, Nähe Großer Wisch, lag auch eine – wenn nicht sogar die – berühmte Bus-Haltestelle, die ich ebenfalls schon oft besucht habe: Diese wurde mit Sesseln und Tisch wie ein kleines Zimmer eingerichtet. Ab und zu hängen da auch Bilder an der Wand. In jedem Fall war es sehr gemütlich dort und genau richtig für eine kurze Pause vom immer stärker werdenden Gegenwind.

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Legende!

Bei Heiligenstädten überquerte ich die Stör und wenig später saß ich dann bei meiner Familie und feierte Ostern.

Apropos Ostern…

Kennt ihr Sol-Eier? Also hier in Norddeutschland sind hart gekochte Eier, die länger in Salzwasser eingelegt sind, eine echte Delikatesse zu Ostern. Das Ei wird geschält, anschließend schneidet man es in zwei Hälften, entnimmt das Eigelb, streicht Senf in die Eihälften, gibt Olivenöl dazu, etwas Essig, Salz und Pfeffer. Dann setzt man das Eigelb wieder ein und isst es.

Seit ich im Norden wohne, sind Sol-Eier das echte Ostervergnügen. Sie sind echt lecker und wenn ihr die Möglichkeit habt, dann probiert sie unbedingt mal.

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Fluß-Idylle

8 Sol-Eier und einige Whisky später…

…machte ich mich auf den letzten Abschnitt meiner Oster-Tour. Von Itzehoe wollte ich mal eine andere Route nach Halstenbek ausprobieren. Das war mal ganz abwechslungsreich, denn nach der Durchquerung des Waldes bei Kremperheide befand ich mich plötzlich auf einer schier endlos geradeaus laufenden Schotterpiste, die an unzähligen Windrädern vorbeiführte.

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Nordisch-Nevada

Die Sonne brannte und der Wind wirbelte Staub auf – ich fühlte mich wie in der Wüste Nevadas. Doch dann kam wieder ein kleiner Fluss und ein Bauernhof und ich war zurück in Schleswig-Holstein. Auf kleinen Wegen „tänzelte“ meine Route um die A23 herum. Immer wieder überquerte ich sie und schlängelte mich so bis nach Halstenbek.

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Schön wars…

320 schöne, abwechslungsreiche und anstrengende Kilometer lagen hinter mir. Und vor mir noch ganz viel Rest-Ostersonntag und Montag, den ich mit meiner Familie verbringen konnte. Und jetzt repariere ich meine Isomatte…

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Hat mich wie immer gut durchs Land gebracht

4 Comments

  • harald kanig sagt:

    Moin Martin, mir hilft bei Wasserknappheit das ansteuern eines Friedhofs, gibt es in fast jedem Dorf und hat immer einen Wasserhahn. Ein schöner Bericht mit guten Fotos übrigens!
    Grüße aus der Hauptstadt, Harald

  • Harald Kanig sagt:

    Bisher hab‘ ich‘s überlebt. Die Schilder „ Kein Trinkwasser“ stehen aus Haftungsausschlussgründen da- hoffe ich Gruß, Harald

  • Björn sagt:

    Moin Martin,

    da hast du dir ja eine schöne Tour gebastelt! 🙂

    Mir macht das durch den Wald pesen und auf Feldwegen holpern inzwischen auch sehr viel Spaß und ist eine gern genommene Abwechslung zu den asphaltierten Radwegen. Oft einfach schöner, mitten in der Natur zu sein.

    Danke, dass du an deinen Erfahrungen teil haben lässt.

    LG
    Björn

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