Mai 18: Aktuelles Update zu meinem Riemen unten!

Vor ein paar Tagen hat der Globetrotter Sven Marx ein Bild von seiner aktuellen Tour gepostet, wo sein Riemen einen kleinen Riss aufweist. Und bevor jetzt alle schon sich in der fehlenden Haltbarkeit des Riemenantriebs bestätigt fühlen: sein Riemen ist seit 27.500 km im Einsatz. Eine beeindruckende Referenz also.

Oder Kamran, der mit Riemen und Pinion schon über 10.000 km durch Süd- und Mittelamerika gefahren ist, beides kaum oder gar nicht gepflegt hat und es immer noch läuft.

Der Riemenantrieb ist also schon lange nix mehr nur für hippe City-Bikes, sondern auch eine gute Alternative zur Kette auf harter und langer Tour.

Ein Riemen taugt heute auch für die große Tour

Als ich aus Patagonien wiederkam, wurde in meinem Rahmen ein leichter Riss entdeckt. Da hatte der Transport des Rades im Flugzeug seine Spuren hinterlassen.

Ich nutzte diese Chance, um auf Riemenantrieb umzurüsten. Bei der Reparatur lies ich dann gleich ein Rahmenschloss einbauen und den Antrieb auf Gates Carbon Drive umbauen. Das war mit ca. 460 Euro zwar nicht ganz billig, aber es hat sich aus meiner Sicht gelohnt: einen solch wartungsarmen und pflegeleichten Antrieb hatte ich bislang noch nie.

Riemen und Rohloff – für mich die perfekte Kombination

Hinweis: nicht jeder Rahmen ist Riemen-geeignet. Bei Gates auf der Website gibt es daher eine Liste der zertifizierten Rahmen, die offiziell von Gates für den Riemenantrieb zugelassen sind.

Hier mal die Kosten im Überblick:

  • Einbau Rahmenschloss à 150 Euro
  • Gates Riemenscheibe Center Track LK 55 Zähne à 115 Euro
  • Gates Ritzel für Rohloff 22 Zähne à 86 Euro
  • Rohloff Gates Ritzelträger à 23 Euro
  • Gates Carbon Drive Riemen à 89 Euro

Nicht aufgeführt sind hier die Kosten für das neue Lager und die neue Truvativ-Kurbel, was mit der Umrüstung auf Riemen einherging. Die Kosten dafür lagen bei insgesamt 185 Euro.

 

Mein Riemen und ich = große Liebe!

Seit 3.000 km fahre ich nun den Gates Riemen in Verbindung mit der Rohloff und bin schwer angetan. Das Beste ist natürlich die Wartungsarmut. Ab und zu etwas Wasser drauf und den Dreck abmachen – das reicht. Manchmal bürste ich den Riemen auch mal aus, aber das eher selten. Ansonsten läuft er unauffällig, macht seinen Job und es gibt nichts zu meckern.

Dreck macht ihm nix aus

Spricht man über Riemenantrieb, gibt es oft zwei Vorurteile:

1. der Riemen muss nach Ausbau des Hinterrades immer neu nachgespannt werden und

2. Er ist nicht so steif wie eine Kette.

Beides ist so aus meiner Sicht nicht richtig.

Bei der Riemenspannung kann ich keine Probleme beim Ein- und Ausbau des Hinterrades feststellen. Einmal eingestellt (mittels verschiebbare OEM Platte), erreiche ich beim Einbau ohne Probleme wieder die richtige Spannung. Dafür drücke ich lediglich – wie bei der Kette auch – das Hinterrad beim Einbau etwas nach hinten. Das reicht völlig. Für eine eventuelle Nachjustage habe ich rechts und links Spannschrauben, die dann das Rad samt OEM Platte verstellen. Benutzt habe ich das aber noch nie.

Mit diesen Schrauben wird die Riemenspannung nachgestellt

Die richtige Spannung lässt sich einfach mit Druck auf den oberen Riemen feststellen: dieser sollte nicht mehr als 5 mm nachgeben. Alternativ kann man sich auch die Gates Spannungsmess-App runterladen und diese dann verwenden.

Beim Fahren kann ich keinen Unterschied zur Kette feststellen, außer das der Riemen sich nicht längt. Manch einer berichtet beim Antritt von einem weicheren Gefühl im Vergleich zur Kette. Aber auch das kann ich nicht bestätigen. Der Carbon Riemen ist sehr hart und direkt, wie eine Kette.

Einmal ist mir beim Fahren ein Stock in den Riemen gekommen. Dieser hat den Riemen bei voller Fahrt wie eine Kette abgehebelt. Allerdings wurde er dabei nicht weiter beschädigt. Anschließend musste ich die zermahlenen Holzstücke aus dem Tretkranz kratzen. Dann habe ich den Riemen wieder aufgezogen und bin weitergefahren.

Ein Stock ist in meinen Riemen gekommen

Richtig gespannt läuft der Riemen völlig unauffällig. Einzig wenn es sehr nass und dreckig ist, fängt mein Riemen an zu knacken. Dies aber auch nur, wenn ich ihn mit weniger Last bewege. Sobald ich den Riemen aber mit Wasser gereinigt habe, ist das Geräusch weg. Im Trockenen läuft der leise und ruhig. Einige Riemen-Fahrer berichten von quietschenden Geräuschen während der Fahrt. Bei mir ist das bislang noch nicht vorgekommen. Sollte es passieren, hilft wohl Babypuder ganz gut, um die Feuchtigkeit zu binden, oder man bürstet den Riemen aus und spült ihn noch mal ab. Fahrradreinigungsspray verträgt er ganz gut. Das hilft oft auch bei der Wäsche.

 

Fazit: Ich will nicht mehr ohne!

Ich liebe den Riemen-Antrieb und möchte am Reiserad nicht mehr auf ihn verzichten. Er ist pflegeleicht, wartungsarm und widerstandsfähig, bei einer hohen Lebensdauer. Diese Vorteile überwiegen die im Vergleich zur Kette hohen Anschaffungskosten. Allerdings läuft ein Riemen bei normaler Pflege und Nutzung auch um die 30.000 km.

Nicht ohne meinen Riemen – am Reiserad

Eine Kostenübersicht

290 Euro fallen für einen kompletten Tausch von Riemen, Kranz und Ritzel an. Bei 30.000 km sind das pro tausend Kilometer 10 Euro Kosten (bei 20.000 km wären es 14,50 Euro pro tausend Kilometer).

Im Vergleich dazu liegen die Kosten bei einer Kettenschaltung wie folgt: alle 5.000 km neue Kette und Ritzel. 60 Euro Kosten pauschal für Verschleißset Shimano XT 10fach Kette und Kassette. Alle 15.000 km neue Kettenblätter. 65 Euro Kosten pauschal für ein 3fach Shimano XT Set (22, 30, 40 Zähne). Insgesamt fallen auf 30.000 Kilometern 490 Euro an. Damit kosten tausend Kilometer 16 Euro (bei 20.000 km wären es 15,25 Euro pro tausend Kilometer). Und das Öl ist nicht eingerechnet 😉

Beispielrechnung Riemen vs. Kette

Bei 9fach Verschleißsets (Annahme SRAM für 36 Euro pro Set) und 9fach Kettenblätter Modell Shimano Deore (44,32,22 – 37 Euro zusammen) fallen auf 30.000 Km insgesamt 290 Euro an, was 10 Euro pro 1.000 km Kosten sind.

Ich merke an, dass die 5.000 km pro Kette ein Mittelwert sind. Natürlich laufen Ketten auch wesentlich länger und dann verschiebt sich das Kostenverhältnis entsprechend. Wie lange eine Kette hält, liegt aber oft am individuellen Fahrstil und der Häufigkeit der Pflege. Meine Ketten halten meist um die 5- bis 6.000 km. Dann fangen sie an zu rutschen, auch weil die Ritzel durch sind.

Ob Dreck oder Schlamm – der Riemen hält vieles problemlos aus

Pro & Con Riemenantrieb

Vorteile

  • Sehr Pflegeleicht
  • Sehr Wartungsarm
  • Geringes Gewicht
  • Hohe Lebensdauer
  • Gute Widerstandsfähigkeit
  • Gutes Preis/Leistungsverhältnis

Nachteile

  • Rahmen benötigen besonderes Schloss und Zulassung
  • Hohe Anfangsinvestition bei Umrüstung
  • Ersatzriemen darf nicht gefaltet oder geknickt werden, was den Transport erschwert
  • Einbau manchmal fummelig
  • Spannungsbedarf fordert zusätzliche Konstruktionen am Hinterrad (Spannschrauben) oder verstellbare Tretlager
  • Höhere Empfindlichkeit als eine Kette: hier muss man etwas mehr auf den Riemen achten, als auf eine Kette, da dieser leichter zu beschädigen ist.
  • Gehen auf Tour außer dem Riemen der Kranz oder das Blatt kaputt, ist man ohne Ersatz aufgeschmissen (kann man aber mitnehmen)

Riemen oder Kette?

Diese Diskussion wird sehr leidenschaftlich geführt. Lasst euch dadurch nicht verunsichern: wichtig ist, dass man prima mit beiden Systemen fahren kann. In jedem Fall sind beide für eine Radreise mehr als geeignet und tauglich. Und wenn ihr mal die Möglichkeit habt, dann probiert gerne den Riemen-Antrieb aus.

Meine Riemen-Bilanz als Video

Hier findet ihr noch weitere Artikel und Diskussionen rund um das Thema:

 

Update Mai 2018:

Nur 1.500 km nach dem dieser Beitrag entstanden ist, ist mein Riemen kaputt gegangen. Und nicht nur das: auch Tretkranz und Ritzel waren komplett hinüber.

Nach meinem Loblied zuvor natürlich schon eine Ernüchterung. Andererseits fand ich es auch extrem interessant, habe ich mir doch den Riemen auch aus Neugierde installiert und will selber meine Erfahrungen sammeln.

Die Gründe für diese massive Schädigung des Riemens waren eine Vorschädigung des Riemens, der durch einen Ast abgehebelt wurde (siehe oben). Nach Gates Bestimmungen war damit der Riemen bereits kaputt. Aber er fuhr noch und ich wollte sehen, wie lange er durchhält.

Zudem stellte sich heraus, dass das Rohloff Steckritzel hinten locker war, weshalb ein Geradeauslaufen des Riemens erschwert wurde. Zusätzlich habe ich bestimmt die Riemenspannung falsch eingestellt, da ich durch das lockere Ritzel oft dachte nachstellen zu müssen.

Weiterhin hat sich der Riemen hinten zweimal auf das halbe Ritzel gelegt. Habe ich erst nach ein paar Kilometern mitbekommen. Das war aber sicherlich auch nicht förderlich und hat den Riemen noch mehr geschädigt.

Norwid war natürlich ebenso überrascht wie ich vom Zustand des Gesamtsystems und hat dann mir sehr schnell und kulant geholfen. Mittlerweile fahre ich seit mehr als 1.000 km einen neuen Riemen mit neuem Ritzel und neuem Tretkranz. Bislang habe ich keine Probleme mehr. Allerdings hat mir Norwid einen Riemenspannungsmesser mitgegeben und mich ermahnt, mein Rad nicht zu hart ranzunehmen und auch ab und zu mal zu pflegen 😉

Ich werde aber nach wie vor den Riemen nur wenig reinigen und ihm so wenig Aufmerksamkeit widmen wie möglich. Denn das ganze ist ein Test und ich will selber erfahren, ob der Riemen mit einer Kette bei richtigen Radreisen mithalten kann.

Eine Kette bedarf wenig reinigende Aufmerksamkeit und wenn der Riemen eine solche Diva ist, dann ist er halt nichts für mich. Aber warten wir mal ab. Noch sieht alles gut aus, aber das habe ich ja schon mal behauptet…

Nach diesem Riemen werde ich aber zurück auf Kette wechseln. Die Gründe dafür sind einfach, dass ich das Hinterrad mit Kette wesentlich leichter montieren konnte. Mittlerweile geht es eher schwer und man muss immer auf die richtige Riemenspannung achten. Das nervt, zumal ich auf Tour das einfach nur nach Gefühl machen kann. Außerdem macht aus meiner Sicht eine Kette mehr mit, als der Riemen. Auch wenn die Effizienz der Kette mit längerer Laufzeit abnimmt, hält sie doch mehr aus. Für meine Art Rad zu fahren und zu touren ist das dann vermutlich die bessere Wahl.

Aktuell habe ich leichtes Spiel im Tretlager. Bei einer Kettenschaltung baue ich einfach das Tretlager aus, ziehe es nach, reinige es, baue alles wieder zusammen, lege die Kette wieder auf und gut. Mit Riemen ist das nicht so einfach, denn da muss ich das Hinterrad ausbauen, den Riemen dann vorne abnehmen, dann das Lager nachziehen und dann wieder alles vorsichtig und korrekt gespannt einbauen. Kurz: nervig!

Wer sich über die Effizienz von Kette vs. Riemen informieren möchte, der findet hier viele Infos dazu.