Riemen, Farbe, Gabel: Mein neues altes Norwid Gotland

Riemen, Farbe, Gabel: Mein neues altes Norwid Gotland

Alles neu macht der Mai und für mein Norwid Gotland stimmt das auch. Pünktlich zum Wonnemonat gibt es eine neue Lackierung, eine überarbeitete Gabel und die Umrüstung von Kette auf Gates Riemenantrieb.

Dabei ist der Grund für diese Veränderungen nicht so lustig: ich bin richtig sauer auf Air France. Die haben auf dem Hinflug nach Patagonien es ja nicht nur geschafft, meine Gabel zu verbiegen und eine Delle in den Rahmen zu machen, sondern ganz offensichtlich wurde der Rahmen noch mehr beschädigt, als zuerst gedacht.

Nach meiner Rückkehr habe ich mein Rad zu Norwid gebracht, damit diese meine Gabel richten und sich grundsätzlich mal alles anschauen. Ein paar Tage später schrieb mir dann Herr Pallesen, dass sie einen leichten Riss im Rahmen entdeckt haben (an der Ausfallenden am Übergang zur Sattelaufnahme). Diese Beschädigung ist ebenfalls auf den liebevollen Transport des Rades im Flugzeug zurückzuführen. Zeitgleich erfuhr ich, dass beim Fahrrad eines meiner Reisekollegen aus Italien, ein Surly ECR, auf dem Rückflug der gesamte Hinterbau um 2,5 cm verbogen wurde. Das Richten kostete um die 200 Euro.

Was ist eigentlich los mit den Fluggesellschaften? Da verpacke ich den Kram schon wie blöde und bezahle auch noch mehr als 100 Euro dafür pro Strecke und dann zerlegen die es einfach?

Naja, egal. Norwid nahm den Rahmenschaden auf Garantie und reparierte den Riss. Und ich nutzte diese Gelegenheit, um gleich mehr am Rad machen zu lassen:

 

Good bye Kette – Hallo Riemen!

In meiner Umfrage „DAS Reiserad 2016“ wurde schon deutlich, dass der Riemenantrieb stark an Beliebtheit zulegt und immer mehr Reiseradler sich auf diese Alternative zur Kette verlassen. Und nun hat es auch mich erwischt 😉

Zuerst wollte ich die Reparatur des Rahmens nur mit dem Einbau eines Rahmenschlosses (für die Verwendung von Gates Riemen) verbinden. Dann aber entschied ich mich gleich zum kompletten Wechsel auf Riemen.

Ab jetzt mit Gates Carbon Drive

Das beinhaltete folgende Teile:

  • Einbau DFL-Coupler (Schloss) in Lofoten Rahmen
  • Neues Innenlager Stronglight für Truvativ GXP
  • Neue Kurbeln Truvativ Stvlo 1.1G Single 175 mm
  • Vorne Gates Riemenscheibe Center Track LK 104/4 55 Zähne
  • Hinten Gates Ritzel für Rohloff Center Track 22 Zähne
  • Umbau Rohloff Gates Ritzelträger
  • Riemen Gates Carbon Drive Belt Center Track

Das Rahmenschloss – eine Voraussetzung für den Riemenbetrieb

Damit erfolgte auch ein Wechsel von 42-16 auf 55-22. Bei der Fahrt wirkt sich das nur insofern aus, dass ich einen Gang „tiefer“ schalten kann, um die gleiche Übersetzung im Vergleich zur Kette zu fahren. Konkret von Gang 11 auf 12.

Vorne jetzt mit 55 Zähnen

Warum eigentlich Riemen? Nun, als Vielfahrer und Reiseradler brauche ich ein System, was so gut wie keine Wartung benötigt und gleichermaßen eine hohe Lebensdauer verspricht. Der Riemenantrieb hat sich wie so viele Neuerungen in den letzten Jahren bewährt. Und ich möchte es einfach auch mal ausprobieren. Und wenn was mit dem Riemen unterwegs passiert? Dann tausche ich ihn einfach gegen einen Ersatzriemen aus.

Mittlerweile auch für Reiseradler eine echte Alternative zur Kette

Eine Diskussion Kette oder Riemen halte ich mittlerweile für Geschmackssache. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Keines der beiden ist deutlich besser oder schlechter. Bei einer prognostizierten Laufleistung von bis zu 30.000 km für einen Riemen mit Ritzel fand ich es jetzt an der Zeit, mal dem Riemen den Vorzug zu geben.

Und ansonsten gilt: nur Versuch macht Kluch! 🙂

Blick auf das hintere Ritzel (22 Zähne) mit Riemenspanner und Snubber

Mehr kann dran: Gabel Erweiterung

Die Gabel war dank des Transports verzogen und musste gerichtet werden. Bei dieser Gelegenheit habe ich mir gleich Ösen für die Anything-Cages anbringen lassen.

Neue Aufnahmemöglichkeiten an der Gabel

Ich möchte in Zukunft meine Art zu packen verändern, weniger mitnehmen und mich dabei vom Bikepacking inspirieren lassen. Vielleicht fahre ich eine meiner nächsten Touren ohne LowRider und mit den kleinen Packtaschen hinten und einer Lenkerrolle anstatt einer Lenkertasche. Egal wie: mein neues altes Norwid lässt mir dabei alle Möglichkeiten offen.

 

Grau wird schwarz matt – Rahmenfarbe

Mit der Reparatur des Rahmens ging auch eine neue Lackierung einher. Ich habe mich diesmal für ein mattes Schwarz entschieden. Das Grau war ok, aber ich bin ein Freund der gedeckten Farben und wollte nach 2 Jahren grau nun halt in die dunklere Liga wechseln.

Aus grau wird schwarz-matt

Ich finde es ganz schön. Nicht zu dunkel und es passt auch zu den Anbauteilen und zu den Fahrradtaschen. Das Auge fährt ja schließlich mit 😉

Neue Farbe, alte Teile: mein vorderes Schutzblech hat in Patagonien aufgegeben und wird seitdem mit Kabelbindern gehalten 😉

Ich bin sehr zufrieden und freue mich, endlich wieder mein Norwid unterm Hintern zu haben. Da macht das Radfahren einfach mehr Spaß! Seine erste Tour im neuen Gewand wird es Ende Mai erleben, wenn ich für ein paar Tage den Nordseeküstenradweg in Dänemark beradeln werde.

Mein neues altes Norwid Gotland Reiserad

 

Und für die Experten unter euch gibt es hier eine aktualisierte Detailübersicht der verbauten Komponenten:

Rahmen Norwid Gotland 26“, RH 52+2, Oberrohrlänge 58 cm, 25CrMo geschweißt mit Rohloff OEM-Ausfallern, Bremszug im Oberrohr in Edelstahlröhrchen, linke Sitzstrebe mit optionaler Scheibenbremsaufnahme, Verstärkungssteg an Ausfallenden für Scheibenbremse
Gabel Norwid Unicrown Starrgabel 1 1/8“ für Scheibenbremse und V-Brake Sockeln, Ausfallende für steckerlose SON Aufnahme + Ösen für Aufnahme Anything Cages
Farbe Pulverbeschichtung in Schwarz-Matt mit Schwarz-Glanz Dekor
Lenklager/Steuersatz P.O.G. ST352 1 1/8“ Ahead industriegelagert
Stromversorgung The Plug III
Tretlager NEU: Stronglight für Truvativ GXP

(Alt: Shimano BB-UN 54/55 Vierkant)

Kurbel NEU: Truvativ Stvlo 1.1G Single 175 mm mit Gates Riemenscheibe Center Track LK 104/4 55 Zähne

(Alt: Sugino XD 2, 42 Zähne, schwarz mit Kettenschutzring)

Pedale Shimano Saint PD-MX80
Vorbau Procraft Ahead 4Bolt II, 130mm, 35 Grad
Lenker Humpert Ergotec CC-Bar, 600 mm
Griffe Ergon GP-4 mit GFK-Hörnchen
Sattelstütze Humpert X-Tas-Y, Hook Evolution
Sattel  SQlab 602 active 15cm Breite
VR-Nabe SON 28 Disc 6-Loch, Schwarz
Schaltnabe Rohloff Speedhub 500/14 DB OEM, Schwarz, Disc prophylaktisch / NEU: Gates Ritzel für Rohloff Center Track 22 Zähne (Alt: 16er Ritzel)
Felgen Rigida Sputnik 26“, doppelt geöst, schwarz, extra stabil, 630g, 36 Loch
Speichen Sapim Race 2.0×1.8×2.0, schwarz
Reifen NEU: Continental Travel Contact 50-559 (Alt: Schwalbe Mondial DD Evo Falt 55-559)
Radspanner VR/HR Schnellspannset Inbus XLC
Bremse Magura HS-33 Radial, Schwarz, Modell 2014
Kette NEU: Gates Carbon Drive Belt Center Track

(Alt: KMC X1 6,7 mm, vernickelt)

Scheinwerfer SON Edelux 2 schwarz, LED senso plus, bis 90 Lux
Rücklicht B&M Toplight Line plus
Schutzbleche SKS Mountain Range 60/559, Schwarz
Gepäckträger Tubus Logo, schwarz, bis 40kg
Low-Rider Tubus Duo, Schwarz, bis 15 kg
Ständer ESGE Comp

22 Comments

  • Rainer Harz sagt:

    Schöne Farbwahl, sowas hatte ich auch schon angedacht für mein wahrscheinlich nie vorhandenes Velotraum… Zu teuer :-(…ist das wirklich ein 35 Grad Vorbau ? Sieht so nach 17 aus.

  • Björn sagt:

    Moin,
    vielen Dank für den interessanten Bericht.
    Darf man fragen, mit wie viel Lackierung und Umrüstung bei Norwid zu Buche schlagen?
    LG
    Björn

    • Hallo Björn,

      die Lackierung habe ich nicht zahlen müssen. Das war Garantie, da der Rahmen repariert wurde.
      Für den Umbau auf Gates inkl. Schloss habe ich ca 650 Euro bezahlt.

      Viele Grüße,
      Martin

      • Björn sagt:

        Das ist ja sehr kulant von Norwid, den Transportschaden auf Garantie zu übernehmen. Klasse!

        Angesichts dessen, dass mein Rad diesen Monat das erste Mal mit in den Flieger kommt, macht mir deine Schilderung allerdings ein wenig Angst. Ich hoffe, das Rad bleibt heil…

        LG

        • Hallo Björn,

          ich bin schon sehr oft mit Rad geflogen und nie ist etwas passiert. Allerdings musste ich es auch vorher nie in eine Box packen. Das war also das erste mal und dabei ist dann auch gleich was passiert 😉

          Wird schon!

          Viele Grüße,
          Martin

  • Bastian sagt:

    Hallo Martin,

    Danke für den tollen Bericht!
    Ich bin auch Besitzer eines Norwids. Gut zu wissen, dass ich „problemlos“ auf Riemen wechseln kann falls ich mal keine Lust mehr auf Kette habe… (Gründe gibt es ja genug ;))

    Kannst du schon was dazu sagen wie gut sich der Ersatzriemen im Gepäck transportieren lässt? Den kann ich ja nicht beliebig falten. Nimmt der viel mehr Platz weg als eine Kette?

    Schon lustig, wenn man drüber nachdenkt: Ein milliardenschwerer Konzern macht den Rahmen kaputt und der kleine Fahrradbetrieb mit einer handvoll Mitarbeiter nimmt den Schaden auf Garantie…;) echt eine tolle Leistung von Norwid!

    Viele Grüße
    Bastian

    • Hallo Bastian,

      ja, die Norwid-Rahmen sollten mittlerweile eigentlich alle Gates zugelassen sein. Da gibt es bei Gates eine Liste der Rahmen, die sie autorisiert haben.

      Pallesen meinte, den Ersatzriemen so wie er ist einfach an der inneren Rückseite der Gepäcktasche lagern. Also aufrecht und nicht gefaltet oder ähnliches.

      Viele Grüße,
      martin

  • Thomas Pagendarm sagt:

    Hallo Martin,

    Mir ist aufgefallen das du die Rohloff jetzt mit Flanschringen hast, gab es da eine Ursache? Flanschriss? Oder nur ein prophylaktische Update?

    Beste Grüße

    Thomas

    • Hallo Thomas,

      Das wurde gemacht, als ich neue Felgen aufgezogen habe. Rohloff rüstet da jetzt immer nach und neue Naben sollten den Flanschring haben.

      Eine Beschädigung lag also nicht vor. Der Ring soll da vorbeugen.

      Viele Grüße
      Martin

  • Hallo Martin,
    vielen Dank für den Bericht über den Zahnriemen etc. Wie sind die ersten Erfahrungen mit dem neuen Antrieb?

    • Hallo Gustav,

      ich habe just heute ein Foto meines verdreckten und nassen Antriebs auf Instagram gepostet und dazu geschrieben, wie zufrieden ich damit bin. Der ist jetzt knapp 2.000 km gelaufen und macht keine Anstalten. Das Ausbauen und Einbauen des Rades bei einem Platten geht problemlos und ohne Nachspannen. Da liest man ja immer, dass das ein Problem wäre. Die Riemenspannung ist nach wie vor gut und man merkt keinen Unterschied zu einer Kette. Sportliches Fahren ist kein Thema – das geht prima. Ich diskutiere und berichte auch gerade auf Facebook dazu…

      Viele Grüße,
      martin

  • Sylvio sagt:

    Hallo Martin
    du hast deinen Rahmen mit einem DFL – Coupler Schloss ausgerüstet, wo hast du das denn machen lassen?

    Gruss Sylvio

    • Hallo Sylvio,

      das habe ich direkt vor dem Lackieren bei Norwid einbauen lassen.
      Das jeweilige Rahmen-Modell braucht aber eine offizielle Zulassung von Gates für den Riemenbetrieb. Da gibt es Listen auf der Gates Seite zu. Man kann also nicht einfach in jeden Rahmen ein Schloss einbauen.

      Viele Grüße,
      martin

  • Hallo Martin,
    gestern konnte ich mein neues Patria Delta mit Rohloff Nabe und Zahnriemen abholen. Ich bin begeistert.
    Eine Frage an Dich: Schaltest Du unter Last oder entlastet Du beim schalten?
    Das Schalten klappt bei mir in den großen Gängen auch bei Last sehr gut. Nur als ich heute am Berg zügig in die kleineren Gänge schalten wollte, ging das nicht. Letztlich musste ich anhalten. Dann konnte ich im Stehen mühelos die kleineren Gänge einlegen. Ist das typisch oder muss man beim Schalten in die kleinen Gänge 1 bis 5 die Last immer ganz raus nehmen?
    Vorab Danke für Deine Hilfe!
    Gustav

  • Ralph Sälzer sagt:

    Hallo Martin,

    Lese eben Deinen Bericht über den Flug-Transportschaden. Es gibt die verschiedensten Philosophien übers Verpacken und ich habe mich vor einigen Jahren für die extrem einfachache CTC Plastic Bag entschieden. Sie ist für ein paar Pfund (ich lebe in GB) bei ‚Wiggle‘ erhältlich. Vorteile, die ich sehe: Baggagehandler sehen, was sie transportieren und gehen (hoffentlich) sorgsamer mit dem Bike um. Ausserdem lässt sich die Bag klein zusammenlegen und gut mit dem Gepäck verstauen und bei der Tour mitnehmen. Bisher habe ich mein Rad (Fahrradmanufaktur T700) so nach Island, Frankreich und diesen Sommer Ecuador (mit 2-maligen Umsteigen und einem Airlinewechsel) versandt und bis auf minimale Schäden keinerlei Probleme gehabt.
    Zu dem Thema neues Rad, gestern war ich bei Norwid und habe mir ein 28′ Expeditionsrad (Skagerak) anpassen lassen, mit Rohloff und Gates Carbon-drive. Kann kaum erwarten, dass es in 4-5 Monaten rechtzeitig zu meinem nächsten runden Geburtstag zugestellt wird

    Viele Grüße
    Ralph

    • Hallo Ralph,

      es ist ja nicht so, dass ich das Rad im Karton verpacken wollte 😉 Normalerweise verpacke ich es nie, bzw. nur wenig.
      AirFrance schrieb aber einen Karton zwingend vor. Auf dem Rückflug mit KLM habe ich das Rad einfach in Folie verpackt und verklebt. Ging besser.

      Viel Spaß mit dem Skagerak und Riemen! 😉

      Viele Grüße,
      martin

  • Ralph Sälzer sagt:

    Hallo Martin,

    Danke für die guten Wünsche und gut zu wissen bzgl. Air France. Das war mir nicht bewusst. Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich es mir jedesmal von der Airline per Email bestätigen lasse, daß es ok ist das Rad in der Plastikbag zu verpacken.

    Weiter alles Gute
    Ralph

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