So sieht DAS Reiserad aus: Auswertung Teil 1

Als ich Mitte März meine Umfrage „DAS Reiserad“ startete, habe ich nicht erwartet, dass ich mein Ziel von 100 beantworteten Fragebögen erreiche. Aber dass 184 Leute mitgemacht haben, das hat mich echt überrascht und natürlich sehr gefreut.

Vielen Dank für eure Geduld und eure Energie, meine 46 (!!!) Fragen zu beantworten. Zumal es sich bei dieser Umfrage ganz klar um ein Projekt mit ungewissem Ausgang handelte. Ich habe mich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage gemacht: wie sieht das beste Reiserad aus? Ein Rad, dessen Größe, Rahmenmaterial und Komponenten sich durch eure Stimmen und Meinungen zusammensetzt. Ein Durchschnittsrad, aber von Experten!

Daher habe ich meine Einladung zur Umfrage außer auf meinem Blog auch im Reiseradler-Forum gepostet. Denn hier sind meiner Meinung nach die meisten Experten unterwegs, die ich für meine Umfrage gewinnen wollte 😉

Natürlich ist das beste Reiserad immer individuell. Und alles andere wäre auch komisch. Aber dennoch hat es mich interessiert, wie „DAS Reiserad“ aussieht.

Ein Grund, warum ich diese Umfrage gestartet habe, war auch, damit eine Orientierung für all diejenigen zu schaffen, die sich ein Fahrrad für die große oder kleine Reise zulegen wollen. Sie können nun sehen, was die Reiserad- und Radreise-Experten sagen und welche Komponenten sie empfehlen.

Und heute nun lüfte ich den Schleier – allerdings nur zum Teil. Es sind einfach große Mengen an Daten, die ich auswerten muss und die ich grafisch auch darstellen möchte. Das kostet Zeit. Daher zwei Teile:

Teil 1 zeigt die Ergebnissen rund um Rahmen, Reifen, Bremsen und Sattel.

Teil 2 wird sich dann mit Schaltung, Antrieb, Naben, Lenkung und Gepäckträger beschäftigen.

Los gehts!

Rahmen & Gabel: 26 Zoll und Stahl dominieren

DAS Reiserad hat einen 26er Stahlrahmen in Trekkingform und eine starre Gabel

Das sind in einem Satz die harten Fakten zum Herz des Reiserades. Beim Material fiel die Entscheidung deutlich aus: 70% aller Befragten sprachen sich für Stahl aus. Bei der Größe der Reifen bzw. der Größe des Rades, wenn wir in diesen gelernten Kategorien denken, fällt das Ergebnis ähnlich deutlich aus: mehr als 50% setzen auf 26 Zoll, 36% auf 28 Zoll.

das reiserad infografik rahmen und material

Interessant ist, dass immerhin 10% bereits 29 Zoll für ein Reiserad in Betracht ziehen. Mal sehen, wo diese Entwicklung noch hinführt. 26 Zoll wurde im letzten Jahr bereits für tot erklärt, aber der Erfolg der 29er lässt zumindest im Reiseradsegment noch auf sich warten.

Bei der Gabel gibt es keinen Zweifel: 85% sprechen sich für eine starre Gabel aus und nur 15% für eine gefederte. Ich persönlich bin auch Anhänger einer starren Stahlgabel.

Marke: Die Mehrheit empfiehlt Patria

Im ersten Fragekomplex rund um den Rahmen und das Material stellte ich die Frage nach der Fahrradrahmenmarke, die die Befragten empfehlen würden. Von 106 Befragten sprachen sich 19% für Patria aus, dicht gefolgt von der VSF Fahrradmanufaktur mit 12% und Norwid, als einzige Manufaktur unter den Top 3, mit 8%.

das reiserad infografik fahrradmarken

Felgen und Reifen: Kopf-an-Kopf Rennen zwischen Ryde/Rigida und Mavic; Schwalbe dominiert bei Bereifung

Wieder in einem Satz:

DAS Reiserad hat eine Ryde (Rigida)-Felge mit einem Marathon Mondial Falt-Reifen von Schwalbe.

Das fand ich überraschend, hatte ich eher Rigida im Verdacht hier den Sieg zu holen. Aber nach Meinung von 40% der Befragten sind es die Felgen von Mavic, dicht gefolgt von Rigida mit 36%.  Nach einem Hinweis muss ich korrigieren: Ryde ist ex-Rigida. Damit haben sich 43% der Befragten für Felgen von Ryde/Rigida ausgesprochen, knapp gefolgt von Mavic mit 40%.

das reiserad infografik felgen und reifen

Wesentlich deutlicher sieht es da bei der Bereifung aus: 69% sprechen Schwalbe ihr Vertrauen aus. Schwalbe-Fans setzen dabei zu 28% auf den Marathon Mondial als den idealen Reisereifen, dicht gefolgt vom Marathon Plus Tour mit 23%.

28% der Befragten setzen bei den Reifen auf Continental und davon 23% auf den Travel Contact.

Ach, und 61% würden immer einen Faltreifen einsetzen. Diese sind belastbarer und auch leichter, als ihre Drahtreifenkollegen. Ich persönlich verwende derzeit Drahtreifen (Marathon Mondial und Extreme). Mir war einfach der Preis der Faltversionen zu hoch und ich reise ja nun nicht in anspruchsvolle Gegenden gerade, die diesen Aufpreis rechtfertigen würden.

Bremsen: Mechanische V-Brake bremst hydraulische Scheibe aus

Jetzt rollt unser Stahlrahmen mit Mavic Felgen auf Schwalbe Reifen, aber wie bremsen wir das wieder ab?

35% der Befragten setzen auf eine mechanische V-Brake und nur 24% würden eine hydraulische Scheibenbremse am Reiserad sehen.

Da war ich ehrlicherweise überrascht, geht doch die aktuelle Diskussion gefühlt in eine andere Richtung. Ich bin ebenfalls ein mechanischer V-Brake Verwender (Avid Single Digit 7), der aber gerne auf eine Scheibe umrüsten würde. Dann aber wie 11,7% der Befragten auf eine mechanische Scheibenbremse, wie die Avid BB7, die 16% der Befragten hier sehen würden.

das reiserad infografik bremsen

Allerdings hat die Umrüstung auf Scheibenbremse hohe Folgekosten, wie neuer Rahmen und Gabel, weshalb sich das bei mir noch verzögert. 😉

Bei den Bremsenmarken hat Magura die Nase vorn, gefolgt von Shimano und Avid. Bei den Bremsentypen habe ich die Top 4 Nennungen herausgestellt. Alle anderen Nennungen waren zahlenmäßig geringer verteilt. Die HS33 hat mich aber hier dennoch überrascht – Magura hätte ich mit ihren Scheibenbremsen hier erwartet und nicht mit diesem Modell.

Sattel: Brooks liegt klar vorne

Zum Abschluss des ersten Teils geht es um die ewige Frage nach dem richtigen Sattel und damit eigentlich um das Wichtigste am Reiserad.

das reiserad infografik sattel

Und hier hat Brooks ganz deutlich gewonnen: 68% der Befragten geben dieser Firma den Vorzug, wenn es um ihren Hintern geht, gefolgt von SQLab mit 16% und Selle Royal mit 11%. Ich hatte viele Jahre einen Selle Royal Italia und bin dann vor zwei Jahren auf den Brooks B17 gewechselt. Und damit sehr zufrieden.

60% der Befragten würden übrigens den B17 am Reiserad sehen, gefolgt vom Brooks Flyer mit 25%.

 

So, ich hoffe, Teil 1 hat euch gefallen! Sind die Ergebnisse für euch überraschend, oder waren diese erwartbar? Sind sie vielleicht sogar hilfreich?

Wenn ihr Fragen habt, oder zu dem ein oder anderen Detail noch mehr Infos aus der Umfrage benötigt, dann gebt mir einfach Bescheid. Ich schau dann noch mal gerne in die Datenbasis rein.

Und natürlich freue ich mich über alle eure Anmerkungen und Kommentare!

Und hier geht es zum zweiten Teil der Auswertung zu „DAS Reiserad gesucht“!

 

7 Comments

  • Britta sagt:

    Vielen Dank, für diese tolle Umfrage. Bin selber grad dabei mir ein Reiserad auszusuchen und bin am Verzweifeln. In jedem Laden ne andere Überzeugung was Schaltung, Bremsen, Material usw. betrifft. Ich gehe meistens verwirrter nach Hause, als ich gekommen bin. Hab ich dann was in die engere Auswahl gezogen, passt die Rahmenhöhe nicht (ich bin eher klein) oder die gewünschte Reifenbreite passt nicht zum Rahmen oder die Schaltung nicht zum Rest, grrr… Ich freu mich auf den nächsten Teil der Auswertung!
    Grüße Britta

  • Peter sagt:

    Immer mehr Räder kommen mit gerader Gabel.
    Die sind dann schlabberig wie Lämmerschwanz zu lenken, sobald die Last unten um die Achse herum baumelt, wie es bei allen Tubus Lowridern der Fall ist.
    Warum werden nicht wenigstens bei solchen Gabeln, die Bohrungen weiter oben platziert, um die Last näher an die Gabelkrone zu bringen, zB. mit dem extrem guten Surly Lowrider ?
    Der Beste, den ich kenne.

    Grüße,
    Peter

    • Hallo Peter,

      das weiß ich nicht. Bislang konnte ich auch an Rädern mit gerader Gabel nicht feststellen, dass es wackelt. Oft hat das mit entweder falscher Beladung zu tun, oder mit zu wenig Reifendruck, oder mit dem Lenklager. Meist aber erstens und zweitens.

      Vielleicht bin ich aber noch nicht die absolut geraden Gabeln gefahren, aber ich achte mal drauf, wenn ich die Chance habe.

      Bei Surly meinst Du sicherlich das Front Rack, also die Kombination aus Vorderrad-Gepäckträger und LowRider, richtig?

      Viele Grüße,
      martin

  • Peter sagt:

    Hallo Martin

    Bei mir war ein es Giant 28er, den ich zum Tourer ungebaut habe. Einfacher Aluminiumrahmen, gerade Gabel aber mit Lowriderösen.
    Wie ich zur ersten Urlaubstour beladen hatte, musste ich trotz Surly Front Rack (genau dieser) feststellen, dass sich das Rad so auf keinen Fall fahren lässt !!
    Mir dämmerte ab dem Moment, dass die geschwungenen Gabeln nicht nur etwas federn sollten, sondern auf diese Weise enorme Verwindungssteifheit erreicht wurde.
    Mit einem Lowrider von Tubus wäre ich damals total aufgeschmissen gewesen und hätte den Urlaub nicht beginnen können. Aber ich hatte den Surly, bei dem man auch auf Höhe der Gabelkrone Taschen anhängen kann. Diese hatte ich gegen die leichten Aldi-Stofftaschen getauscht und mein Gepäck etwas umsortiert. Dann den Schlafsack oben längs und los ging die Tour !!
    Diesmal aber mit geradeaus rollendem Rad.
    Nun suche ich wieder ein Rad und noch immer sind die Ösen ganz unten an der Gabel.
    Was soll das ???
    Das ist simple Mechanik.
    Wenn ich oben vom Lenker aus, eine Last am Gabelende bewegen möchte, dann geht das immer schwerer, als wenn die Last auf der halben Distanz befestigt ist.
    Dazu noch mit den halb durchdachten Konstruktionen von Tubus, bei denen eine Tasche nur schwer am Schlagen während der Fahrt gehindert werden kann, da waagerecht kein Spanngummi um die Tasche gezogen werden kann, weil ein Rohrunterbau fehlt.
    Eine vor und zurück schlagende Tasche, hat unten am Gabelende einen wesentlich größeren Hebel, zurück auf den Lenker und auf die geraden Rohre der weichen Gabel.
    Also wird auch das neue Rad das Surly Front Rack erhalten !!
    Sollte schon ein Tubus dran sein, wird er bei Ebay für den halben Preis verhökert.

    Grüße,
    Peter

    • Hallo Peter,

      also meine Taschen schlagen nicht. Da sind ja entweder Gummis dran, oder Querhaken, mit denen man die Taschen sicher am Lowrider fixiert. Die sitzen dann bombenfest und bewegen sich während der fahrt nicht. Was Du beschreibst klingt jedenfalls danach, dass Deine LowRider Taschen keine extra Haken an der Rückseite haben, oder anderweitig zusätzliche Fixierung erlauben. Diese ist aber beim LowRider nötig.

      Vielleicht haben andere auch diese Erfahrungen gemacht, aber ich höre heute das erste mal davon. Die Ösen sind ja meist mittig der Gabel angebracht und dort setzen dann auch die LowRider an. Also nicht am Gabelende. Das liegt dann ja mittig der Taschen und erzeugt dadurch eine sehr ruhige Fahrt.

      Nimm doch Deine Taschen mit zum Händler und mache dort eine Probefahrt mit den Rädern und LowRider. Dann hast Du vielleicht noch mal ein andere Erfahrung, als mit dem Giant.

      Viele Grüße,
      martin

  • Peter sagt:

    Hallo Martin

    Ganz genau – weil ich auf die leichten Aldi Taschen (die mit dem Griff oben) angewiesen war, gab es keine mittlere Haltespange wie sie alle Ortlieb Taschen haben.
    Das vorhandene Polyamidband in der Mitte bringt gar nichts.
    Ich ziehe immer einen Spanngummi waagerecht um die Taschen und nichts wackelt mehr.
    Beim neuen Rad wähle ich einen Stahlrahmen mit geschwungener Gabel. Den Surly noch drauf und nichts wackelt mehr.
    KTM ist ganz hoch in meiner Gunst, müsste nur erfahren, ob ein 622 x 2, 35 Reifen auch hinten rein passt.

    Grüße,
    Peter

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