Die Rückkehr des Reiserades: Testfahrt mit dem Böttcher Evolution Pinion

Die Rückkehr des Reiserades: Testfahrt mit dem Böttcher Evolution Pinion
Hinweis: Das Testrad wurde mir von Böttcher gestellt. Damit ist das Werbung. 

Zu diesem Fahrrad gibt es eine Vorgeschichte: vor ein paar Monaten habe ich das Evolution Gravelbike des Herstellers aus Heide getestet. Im Anschluss blieben wir in Kontakt und im Sommer kam Böttcher wieder auf mich zu und fragte, ob ich nicht mal das neue Evolution Pinion testen möchte. Ich solle dabei auch im Konfigurator schauen, was mir zusagt und das Testrad entsprechend gestalten.

Ich war skeptisch, denn ein klassisches Reiserad und dann auch noch mit Pinion ist bei mir gerade nicht wirklich gut aufgehoben. Der Grund ist nicht, dass ich diese Räder nicht gut finde, sondern schlicht und ergreifend, dass ich sie nicht nutze. Ich war fast 30 Jahre auf klassischen Reiserädern unterwegs und habe mit ihnen viele meiner schönsten Reisen durch die Welt gemacht. Dann habe ich mich aber mehr in Richtung Bikepacking und später dann zu Ultra-Endurance Bikepacking orientiert, wo ich gerade auch aktiv bin.

Ein Reiserad zu testen wäre daher nicht wirklich glaubwürdig und spiegelt auch nicht meine aktuelle Interessenslage wieder. Zudem tat ich mich mit der Festlegung auf Pinion schwer. So wie ich gerade fahre und ein Fahrrad gebrauche, ist dieses Getriebe nicht wirklich geeignet. Aber an einem Reiserad ist es durchaus interessant. Meine Gedanken und Meinung zum Pinion Getriebe könnt ihr im Test des Tout Terrain Outback Xplore lesen. Zudem findet ihr hier meinen Artikel zum Thema Effizienz von Riemen, Kette und Getriebe, der aus wissenschaftlicher Sicht diese Themen betrachtet.

Ich habe dann den Test erstmal abgelehnt, und in meiner Begründung aber eine Idee entwickelt, deren Ergebnis dann das aktuelle Testrad war: die Idee eines Overlander Reiserades. Ich hatte vorher einen Beitrag über die britische Kolonialstraße von London nach Singapur gelesen, auf der auch Abenteurer mit ihren alten Landrovern gereist sind.

Und das Evolution habe ich eher als tatsächliche Evolution verstanden, als ein weg von den Traditionen, ein hin zu Neuem. Das Evolution sollte dann auch nicht den “Rückschritt” machen und nur ein Abklatsch des klassischen Reiserades sein, sondern vielmehr die frischen Ideen des Gravelbikes übernehmen und dies zu einem neuen Typ Reiserad machen.

Denn für mich ist das Gravelbike im Kern ein ziemlich gutes Reiserad, das sowohl sportlich ist und gleichzeitig auf unbefestigten Wegen sehr gut unterwegs sein kann. Zudem bietet es nicht nur den klassischen Gepäcktransport mittels Träger, sondern auch die Bikepacking-Varianten am Rahmen an. Und diese unwiderstehliche Kombination habe ich im Evolution Pinion gesehen.

Um das zu verdeutlichen, habe ich mittels KI Bilder erstellt, wie ich das so vom Stil her sehe:

Im Anschluss habe ich den Konfigurator soweit es ging genutzt, um meine Idee des Böttcher Evolution Pinion “Overlander” wahr werden zu lassen:

  • Der Diamant Rahmen in klassischem British-Racing Green, als Reminiszenz an den Landrover.
  • Dazu in perfekter Farb-Kombination die Pinion, Steuersatz, Nabendynamo, Lampe in dunklem Rot.
  • Eigentlich wollte ich die Gabel in schwarz haben, wenn nicht sogar als Carbon Variante (was aber nicht ging).
  • Dann vorne den Tubus Grand Expedition Front Gepäckträger, hinten gar keinen. Das gibt dem Evolution den Landrover-Charakter.
  • Beim Licht musste ich SON Edelux wählen. Aber der Konfigurator wird bald neben B&M, SON auch Supernova anbieten.
  • Anstelle eines Riemens eine Kette. Ist Geschmackssache, ich ziehe aber die Kette immer dem Riemen vor. (siehe dazu auch die oben verlinkten Beiträge von mir).
  • Die größte Veränderung: anstelle eines Starrlenkers, ein Drop Bar. Diese Lenkerform bietet immer noch die meisten Griffmöglichkeiten und die ersten Reiseräder hatten auch oft bzw. immer, da vom Randonneur kommend, diese Art Lenker.
  • Keine Schutzbleche, auch um die sportliche, Gravelbike-angelehnte Optik zu erhalten und nicht noch mehr Kram dran zu haben. Da werden jetzt einige von euch die Augen rollen, aber ich bin früher am Reiserad auch keine gefahren, hatte dann am Norwid Reiserad welche fest installiert, die aber schnell kaputt gingen. Und seit dem ich mit dem Bikepacking angefangen habe, fahre ich immer ohne, bzw. nur mit dem Ass Saver. Und wenn Gepäck dran ist, mit gar keinem Blech.
  • Die Schwalbe G-One Overland Reifen, die ich bereits am Fargo ausprobieren konnte und die ich als ideale Reisereifen erachte.

Und so schickte ich meine Idee nach Heide und hörte erstmal nichts mehr. Dann bekam ich eine Einladung zu den Böttcher Händlertagen im September. Ich bot spontan an, dort auch einen Vortrag über das Silk Rod Mountain Race zu halten. Und als ich ankam und mit dem Vortrag fertig war, präsentierte Böttcher zu meiner großen Überraschung das Böttcher Evolution Pinion á la Martin.

Und es war fast genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte und war zudem mit einer Weltneuheit und Prototypen ausgestattet. Dazu unten mehr. Unabhängig davon, habe ich mich natürlich sehr gefreut, dass jemand das ernst nimmt, was ich da so zusammen erzähle und dann auch noch so ein schönes Fahrrad daraus macht.

Das Beste ist aber: ich durfte das Fahrrad auch testen.

Unterwegs mit dem Böttcher Evolution Pinion

Inhaltsverzeichnis:

  1. Unterwegs mit dem Böttcher Evolution Pinion
  2. Rahmen, Geometrie & Fahrverhalten
  3. Die Weltneuheit: Shimano GRX/Pinion Kombination
  4. Laufräder & Gepäckträger
  5. Licht & Lenker
  6. Fazit

Rahmen, Geometrie & Fahrverhalten

Nun, nachdem das Fahrrad quasi ein Co-Development war, kann ich jetzt ja nicht im Testbericht schlecht darüber reden. Aber das war auch gar nicht nötig, denn ich war selber überrascht, wie gut es sich dann doch am Ende fuhr und verhielt. Ich hatte da nämlich Fragezeichen: einmal wegen der Pinion und der damit verbundenen Schwerfälligkeit. Und zum anderen wusste ich nicht, ob die Beladung über den Vorderrad-Träger sich negativ auf das Fahrverhalten auswirken würde und im Gelände dann eher Schwierigkeiten bereiten würde.

Ich bin das Fahrrad knapp 400km im Test gefahren, davon die Hälfte beladen. Der Anteil Gelände lag bei 50-60%, der Rest war Asphalt/Straße. Auf den ersten Kilometern musste ich mich erstmal an die Reiserad-Geometrie gewöhnen, die wir mit dem Drop Bar etwas herausgefordert haben. Der Rahmen ist ein klassischer Diamant Stahlrahmen aus bewährtem Reynolds 853 Rohren. Auch die Gabel ist aus diesem Material gefertigt.

Die Stack to Reach Ratio liegt bei 1,57, was eine sehr aufrechte und komfortable Sitzposition bedeutet. Diese haben wir aber mit dem Vorbau und dem Ritchey Drop Bar etwas verändert und wieder sportlicher gemacht. Das ist in der Praxis aber nicht unangenehm – im Gegenteil habe ich dadurch immer noch viel Kontrolle, vor allem, wenn Gepäck am Vorderradträger ist. Dann lässt sich das Fahrrad gut handhaben, aber man muss sich erstmal daran gewöhnen, dass man vorne das Gewicht hat und das dann auch etwas tiefer liegt. Das Lenken ist dann etwas anders.

Ich fand das aber mal wieder erfrischend, erinnerte es mich doch an die Zeiten als Reiseradler, wo ich viel mit LowRider unterwegs war. Damals wie heute muss man beim Packen schauen, dass die Gewichtsverteilung ausgeglichen ist, da sich sonst das Vorderrad  aufschwingen kann. Aber man gewöhnt sich schnell an die etwas schwerfällige Art des Lenkens und kann dann auch im Gelände ganz gut damit umgehen. Es ist aber natürlich weit entfernt von der Agilität eines Bikepacking-Fahrrades.

Nach der anfänglichen Eingewöhnung, war ich mit dem Evolution Pinion dann doch recht zackig unterwegs. Natürlich merkt man, dass es ein Reiserad und nicht ein Gravelbike ist. Das musste ich mir auch Anfang immer in Erinnerung rufen. Wenn man dann aber erstmal innerlich entschleunigt hat und sich darauf eingestellt hat, ist es im Wald und auf Asphalt dennoch agil genug.

Meine Rechnung ist ehrlicherweise aufgegangen, denn ich habe mir ein Reiserad erhofft, mit dem man auch beladen sportlich unterwegs sein kann, das aber auch im Gelände – trotz oder mit der Pinion – genug Vortrieb hat. Und daher kommt auch die Überschrift zu diesem Testbericht: Die Rückkehr des Reiserades. Das Böttcher Evolution Pinion ist und bleibt ein Reiserad, aber mit den Veränderungen wurde es sportlicher und Schotter-tauglicher. Und sieht auch besser aus.

Im Mittelpunkt des Evolution-Rahmens steht die Pinion Brücke. Diese ist so gestaltet, dass man die Ketten- oder Riemenspannung sehr einfach nachstellen kann. Hinten am Rahmen befindet sich ein Rahmenschloss, das in der Vergangenheit für Diskussionen gesorgt hatte. Es war ähnlich dem Rahmenschloss, welches an meinem 2018er Bombtrack Beyond verbaut war und hatte dann auch entsprechende Probleme mit der Fixierung des Schaltauges am Rahmen.

Böttcher hat sich natürlich diese Probleme angeschaut und darauf reagiert. Auf meine Frage, warum das Rahmenschloss und die Befestigung des Schaltauges auf diese Weise erfolgen und wie auf die Probleme reagiert wurde, antwortete Böttcher:

“Das Schaltauge ist in dieser Weise gestaltet, weil wir unserer sehr schmalen und traditionellen Bauweise im Bereich des Hinterbaus treu bleiben möchten. Diese Vision hatten wir von Anfang an und sie wurde entsprechend umgesetzt. Um auf das Problem mit dem Schaltauge zu reagieren, haben wir Maßnahmen ergriffen. Das aktuelle Schaltauge hat nichts mehr mit dem ursprünglichen zu tun. Das neue Schaltauge besteht aus Stahl, während das alte aus Aluminium war. Für das neue Ausfallende haben wir hochfeste Schrauben entwickelt, die speziell auf die Stahllegierung des Ausfallendes abgestimmt sind und mit denen das Schaltauge am Rahmen befestigt wird. Über das alte Schaltauge lagen uns keine technischen Informationen vor, weder über das Material noch über die Schrauben. Die neuen Ausfallenden wurden von uns konzipiert und werden in einem CNC-Herstellungsverfahren in Deutschland produziert.”

Böttcher

Die Weltneuheit: Shimano GRX/Pinion Kombination

Wer sich etwas mit Pinion Schaltungen auskennt, der weiß, dass diese mechanisch entweder über einen Drehgriffschalter, über Daumenhebel oder Sonderlösungen, wie Tout Terrain Shift:R Road, geschaltet werden kann. Letztere ist bereits ein Angebot an alle, die eine Pinion mit einem Drop Bar kombinieren möchten, allerdings nur mit mechanischen Bremsen und das mit hydraulischen Bremsen (Danke für den Hinweis von Tout Terrain). Doch ehrlicherweise sieht diese Shift:R Lösung nicht ideal aus, zumal die Leitungen vorne überstehen und auch liebevoll “Wäscheleinen” genannt werden.

Mit meinem Wunsch nach einem Drop Bar kam da natürlich die Herausforderung auf Böttcher zu, wie man die Pinion vernünftig ansteuern kann. Hilfe kam da von einer Weltneuheit aus Elmshorn – wenige Kilometer von meinem Zuhause entfernt – , die derzeit bei Pinion noch auf Freigabe wartet. Diese Lösung macht es möglich, mit einer Shimano GRX ohne neue Kabelführung die Pinion anzusteuern und zu schalten. Möglich wird das durch einen Umbau in der Mechanik der GRX – ähnlich dem Ansatz von Ratio bei dem Umbau auf 12fach Schaltungen:

“Bei der GRX/Pinion-Kombination handelt es sich um ein Umbaukit der Firma PinShim. Ein junges Unternehmen aus Elmshorn, mit denen wir einen direkten persönlichen Kontakt aufgebaut haben. Hierbei werden die Shimano GRX und/oder Shimano 105 STI-Hebel mit den Einbausätzen versehen und verbaut. Im Bereich des Pinion-Getriebes P18 wird die Ansteuerung ebenfalls durch ein Einbausatz von PinShim ausgetauscht, so dass kein Eingriff in das Getriebe erforderlich ist, sondern nur die Ansteuerung geändert wird. Über zwei Zugeinstellschrauben am Lenker wird dann die Ansteuerung des Getriebes feinjustiert, ähnlich wie man das bei Kettenschaltungssystemen kennt.”

Böttcher

In der Praxis ist das die bislang feinste und angenehmste Art, eine Pinion zu schalten, die ich kenne. Ich hatte den Original Schaltgriff schon, dessen Rasterung ich ganz gut finde. Und ich bin die Daumenhebel gefahren, die ok waren, aber nicht immer optimal. Bei der GRX schaltet man links nach oben, also den schwereren Gang, und rechts nach unten, in die leichteren Gänge. Das ist sehr harmonisch und funktioniert sehr gut. Die kleineren Hebel im GRX Griff sind dann leer und man kann daran rumspielen, wenn einem beim Fahren langweilig ist.

Und natürlich stellt sich jetzt die Frage, ab wann man diese Neuheit auch bestellen kann:

“Die GRX/Pinion-Kombination ist bereits bei uns erhältlich und wird jetzt zeitnah auf der Böttcher Homepage im Konfigurator abgebildet, da die Nachfrage nach dieser Version ähnlich wie bei der GRX/Rohloff-Kombination immer stärker zunimmt und eine vernünftige Lösung und Funktionalität gesucht wird. Die Konfiguration mit einer GRX/Pinion-Kombination ist mit einem Aufpreis von ca. 1000,00 € zu bewerten. Dies resultiert jedoch zusätzlich daraus, dass im Gegensatz zur Version mit Flatbar auch die Bremsanlage mit den STI-Hebeln, Lenker, Lenkerband etc. erheblich teurer ist.”

Böttcher

Am Testrad wurde eine P1.18 Pinion verbaut. Die hat mit ihren 18 Gängen genug Kapazität, um auch beladen Berge hochzukommen. Zumindest hat es bei mir gereicht. Ganze 636% Gesamtübersetzung bietet sie, womit du leicht bergauf pedallieren und in der Ebene auch ordentlich Geschwindigkeit erreichen kannst.

In der Kombination mit der Kette fand ich die Kraftübertragung und gefühlte Effizienz besser, als mit dem Riemen. Allerdings muss man mit der Kette dann Nachspannen, da diese sich längt. Aber das ist durch die Pinion Box relativ einfach machbar.

Die Pinion P1.18 ist mit 2.700g kein Leichtgewicht. Durch ihre Positionierung im Tretlagerbereich ist das aber während des Fahrens nicht wirklich bemerkbar. Und interessanterweise habe ich beim Nachwiegen des Gesamtfahrrades erwartet, dass sie mehr ins Gewicht fällt: das Rad wiegt inklusive Pedale nämlich nur 15,15kg. Das ist für ein Reiserad dieser Ausstattung völlig ok.

Laufräder & Gepäckträger

Bei den Laufrädern hat sich Böttcher für die Aerycs GCX Terra 30 Carbon (28/29 Zoll) entschieden. Die sehen echt schön aus und scheinen auch einiges auszuhalten. Ich habe ja schon einige Alu-, als auch Carbon-Felgen zerlegt und somit auch etwas Erfahrung damit. Natürlich sind jetzt die knapp 400km noch zu wenig, um wirklich auskunftsfähig zu sein. Aerycs ist ein Hamburger Unternehmen, mit dem Böttcher schon lange zusammenarbeitet:

“Unsere Laufräder werden im Hamburger Umland aufgebaut und von dort aus direkt verschickt. Wenn du dich von unserem Material persönlich überzeugen möchtest, komm gerne bei uns in der Werkstatt vorbei!”

Aerycs

Die GCX Terra 30 sind speziell fürs Gelände entwickelt worden, mit einer Innenmaulweite von 24mm und einer Flankenhöhe von 30mm. Es gibt sie auch mit 40 und 50mm Flankenhöhe.

“Die GCX Terra Felgen haben eine reduzierte radiale Steifigkeit, um Unebenheiten im Gelände besser abzufangen und dir maximalen Fahrkomfort zu bieten.”

Aerycs

Vorne ist ein SON28 Nabendynamo verbaut, hinten eine DT-Swiss 350 Nabe.

Bei den Reifen hatte ich die Schwalbe G-One Overland (700cc) vorgeschlagen. Sie sind in 45mm Breite am Rad verbaut und erwartungsgemäß großartig. Meine klare Empfehlung für alle, die einen pannensicheren und gut laufenden Reifen suchen, der für die lange Tour auf vielen Untergründen ideal ist. Ich habe sie bereits am Salsa Fargo getestet (in 50mm Breite) und war beeindruckt von der Langlebigkeit, Pannenfreiheit und Performance im Gelände.

Das Böttcher Evolution Pinion “Overlander” hat als Markenzeichen den Vorderradgepäckträger Tubus Grand Expedition Front. Der ist Bestandteil des Böttcher Konfigurators und ich wollte mir den ohnehin schon länger mal anschauen. Er kombiniert einen Vorderradgepäckträger mit einem LowRider. Und mit einem Gewicht von knapp 800g ist er auch der leichteste Träger dieser Art für vorne, den ich finden konnte. Zudem entsprach er absolut meiner gestalterischen Idee des Landrovers auf das Fahrrad übertragen.

Bei meiner Testfahrt hatte ich vorne die Ortlieb Gravel-Pack und oben drauf einen Packsack mit Wasserflasche. Die Gravel-Pack sind aus meiner Sicht ideal dafür, denn sie sind nicht zu groß und sie haben auf der Rückseite zwei Haken zur Fixierung und können so überhaupt nicht wackeln oder sich aufschwingen. Die sitzen richtig fest, auch wenn es etwas holpriger wird. Und sie lassen sich denkbar einfach befestigen.

Beladen fährt sich das Rad natürlich anders und man muss da etwas mehr Behäbigkeit einkalkulieren. Hat man sich aber daran gewöhnt, rollt es gut und spurtreu. Beim Packen muss man natürlich auf eine ungefähr gleiche Beladung beider Seiten achten, damit es sich nicht aufschaukelt. Aber das hat man immer zu beachten, wenn man mit dem Reiserad und LowRidern unterwegs ist.

Der Grand Expedition Front kann laut Tubus bis zu 18kg tragen, was mehr als genug ist. Er ist aus Stahl gefertigt und taugt für 26 und 28 Zoll Räder.

Licht & Lenker

Vorne am Tubus ist das SON Edelux Licht montiert. Das habe ich auch am Norwid Reiserad. Für den normalen Einsatz ist es sehr gut und ausreichend. Im Gelände fand ich es nicht überzeugend. Es leuchtet zwar den Weg unmittelbar vor dem Rad sehr gut und scharf aus, aber es bietet kein größeres Lichtfeld, was dazu führt, dass man zum Beispiel Fußgänger oder Tiere erst sehr spät erkennt und auch die Wegführung und Hindernisse entsprechend spät sieht.

Im Wald richte ich dann das Licht meist höher aus, kann dann mehr erkennen, aber dann blende ich auch gleichzeitig Entgegenkommende. Im Kern: auf der Straße und in der Stadt ist das Edelux ok. Wenn es richtig finster ist – auch auf der Landstraße – hat es Schwächen im Lichtfeld. Für das Gelände ist es aus meiner Sicht nur bedingt tauglich. Das liegt vermutlich auch an der StVZO, die eben nur solche Lampen zulässt.

Ich bin da auch durch meine Klite etwas verwöhnt. Böttcher nimmt aber bald auch Supernova in sein Programm auf und dann kann man vielleicht die M99 DY Pro ausprobieren, die ja ein besseres und helleres Licht bieten soll und auch im Gelände tauglicher ist.

Und es bleibt abzuwarten, wie sich der neue SON Edelux USB-FL macht und eine Alternative sein kann. Dann macht es zwar keinen Sinn, diesen vorne am Träger zu montieren, da man dann noch ein längeres Kabel benötigt, um die USB Funktion nutzen zu können. Aber mit der Fernlicht Funktion dürfte dann auch das Problem der Ausleuchtung gelöst werden.

Hinten wurde ein B&M [my:] Rücklicht verbaut. Das gefällt mir sehr gut, da es klein und leicht ist und gleichzeitig hell genug. Es gibt das Modell auch noch als [my:E] Version, die für den Betrieb mit Gleichspannung (an E-Bikes) ausgelegt ist. So kann man es aber auch beispielsweise mit der Supernova M99 DY Pro kombinieren. 

Beim Lenker hat sich Böttcher für den Ritchey WCS Carbon VentureMax entschieden. Der fährt sich erwartungsgemäß sehr bequem und gibt ein gutes Handling. Auch der Vorbau ist von Ritchey und etwas Gewicht wird auch bei den Carbon Spacern gespart.

Fazit

Das Böttcher Evolution Pinion in der Martin “Overlander” Version gibt es so noch nicht. Es ist quasi ein Prototyp, der sich sicherlich in seiner Ausstattung auch noch etwas ändert.

So soll zum Beispiel auch noch eine USB-Lader Möglichkeit im Konfigurator angeboten werden:

“Eine Beschaffung der USB-Lader gestaltet sich momentan bei den Lieferanten als sehr schwierig. Hierbei entstehen endlose lange Lieferzeiten. Momentan prüfen wir die Aufnahme der CINQ Plug6 Plus Version.”

Böttcher

Auch der Preis steht noch nicht fest. Aber ich gehe davon aus, dass Böttcher hier zeitnah Informationen bereitstellen wird und dann könnt ihr euch selber einen Overlander konfigurieren.

Das Gewicht des Testrades lag bei 15,15 kg inklusive Pedale. Eigentlich ok, wenn man bedenkt, dass allein die P 1.18 Schaltung schon mehr als zwei Kilogramm auf die Waage bringt.

Wer also nach einem Reiserad Ausschau hält, das mit einer Pinion schaltet und einen Drop Bar hat, für den ist das Böttcher Evolution Pinion in der “Martin Overlander” Variante einen Blick wert. Etwas Geld muss man dafür aber mitbringen, denn die verbauten Technologien und Komponenten kosten etwas.

Dafür bekommt man ein Stahlrahmen Reiserad, das die besten Eigenschaften eines verlässlichen Reiserades mit denen eines sportiven Gravelbikes vereint. Im Prinzip ein moderner Randonneur für die große Tour durch Wald, auf Asphalt und Schotter.

Und die Weltneuheit “PinShim” gibt es dazu und bietet einen erheblichen Schaltkomfort mit der Shimano GRX am Drop Bar und in Verbindung mit den hydraulischen Scheibenbremsen.

Also, wenn euch das Konzept gefällt oder interessiert, dann meldet euch bei Böttcher und kommt ins Gespräch.

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5 Comments

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  1. says: Alexander

    Großartig Martin. Warum solltest Du kein Reiserad testen dürfen und findest, Deine Meinung hierzu würde nicht mehr zu Deiner Erfahrung passen? Das Gegenteil ist der Fall. Gerade Deine gewonnene Expertise aus dem Ergebnis einer Mischung von Reisen, Camping, Reiseradtouren, sportivem Bikepacking, Testen von Equipment und Management von Familie und Hobby gibt Deinen Berichten einen besonders qualitativen Wert.

    Ich lese stets gern mit und freue mich über Tests zu Equipment der oberen Mittelklasse, also kein Fancystuff und Carbongedöns. Einfach qualitativ sinnvolle und langlebige Produkte. Das war immer Deine Handschrift und macht Deine Beiträge informativ so hochwertig.

    Ich freue mich, wenn Du auch die Themen Packsystem, Kunstfaserjacken- und Schlafsäcke, Shelter, Biwak und GPS immer mal im Auge behältst. Da werden noch spannende Innovationen kommen.

    Danke für alles und beste Grüße.

  2. says: Torsten

    Hey Martin, das ist ja Klasse! Also – dass Böttcher deine Ideen aufgegriffen hat. Direct-Influencing von Herstellern. So liebe ich das. 🙂

    Sehr coole Sache mit den PinShim Shimano-Brifter Anpassungen für die Pinion. Kommt PinShim aus der Bullit Bike bzw. United_cargobike.de Schiene? Die haben auch so etwas herausgebracht und in der Tat ist es für die P Linie der Pinions gedacht.

    Auf der bespoked hat Hilite Bikes ebenfalls eine absolut saubere Integration von manuellen Rennrad-Schalthebeln gezeigt. Und zwar nicht nur für Shimano, sondern auch für Sram. Realisiert durch keinen geringeren Als Georg Blaschke (Gebla kennt man sicher von den Rohloff-Boxen). Diese sind derzeit wiederum nur für die C-Serie von Pinion gedacht.

    So langsam wird das interessant mit Pinion.

    Mit Reiserädern habe ich absolut keine persönliche Erfahrung. Ob so ein Rad je was für mich wäre… keine Ahnung. Designmäßig wäre ich eh sowohl bei anderer Farbgestaltung wie auch Rahmengestaltung und ganz anderem Gabeldesign. Aber das ist ja persönliche Geschmackssache. Coole Sache, dass man ein solches Rad bei Böttcher konfigurieren kann.