Mehr MTB wagen: Testfahrt mit dem Surly Corner Bar

Mehr MTB wagen: Testfahrt mit dem Surly Corner Bar

Wie ihr ja wisst, probiere ich gerne neue Sachen selber aus, getreu dem Motto: Lieber Ahnung, statt Meinung. Und dazu gehört auch das folgende Projekt.

Ich plane seit einiger Zeit den Umbau meiner Schaltung am Fargo und möchte mir hier eine elektronische Schaltung anbauen. Genauer gesagt eine SRAM Force AXS kombiniert mit einem SRAM Eagle GX AXS Schaltwerk. In dieser Kombination möchte ich beim Bohemian Border Bash Race antreten. Aber das wird vermutlich nicht klappen, denn die Lieferung meines linken Schalt-/Bremshebels verzögert sich vermutlich bis Ende Mai.

Allerdings habe ich schon das Schaltwerk, die Akkus und die 10-52 Kassette bekommen. Und damit eine Idee: Surly hatte vor einiger Zeit den Corner Bar vorgestellt.

Der Corner Bar // @Surlybikes.com

Das ist ein Lenker, der eine Art Zwitter zwischen Drop und Flat Bar ist und vor allem für Mountainbiker*innen gedacht ist, die mal einen Drop Bar am MTB ausprobieren wollen. Der Clou: Dabei können die MTB Bremsen und Schalthebel weiter genutzt werden, denn der Corner Bar bietet dafür die entsprechenden Montagemöglichkeiten.

Er hat dafür einen leichten Drop, ist aber sehr breit und etwas flacher gebaut und verfügt über kleine Hörnchen, an die dann die Bremsgriffe und Schalthebel montiert werden. Der Lenker erinnert etwas an den Surly Moloko, ist aber als Drop Bar angelegt.

Der Corner Bar // @Surlybikes.com

Ich wollte das Prinzip umkehren und mit dem Corner Bar einen Lenker montieren, der mir durch den Drop genügend Griffpositionen bietet und mit dem ich genug Druck auf das Rad ausüben kann, um auch schnell zu fahren. Und gleichzeitig durch seine Flat Bar Gene mehr Kontrolle und Sicherheit im Gelände bietet. Also mehr MTB wagen.

Das ist nämlich etwas, was ich mir gerne mehr im Atlas und Kirgisistan gewünscht hätte, auch wenn der Salsa Cowchipper Lenker, den ich bislang gefahren bin, schon ganz gut war, wenn es mal ruppiger wurde.

Kurz zu den Rahmendaten des Surly Corner Bar: Der Lenker hat eine 25,4mm Klemmung und bringt aber auch gleich einen Adapter für die normalen 31,8mm Vorbauten mit. Damit sich der Lenker  für die gängigen MTB Schalt- und Bremshebel eignet, sind die Rohre bei den Hörnchen 22,2mm stark. Sein Drop beträgt nur 95,2mm und sein Flare, also allgemeinsprachlich formuliert wie weit er unten nach außen steht, beträgt 41,4 Grad. Das ist schon viel. Zum Vergleich (auch wenn man das nicht wirklich vergleichen kann): der Salsa Cowchipper hat 24 Grad Flare und einen Drop von 116mm.

Corner Bar Data // Surlybikes.com

Der Corner Bar ist in den Breiten 460, 500 und 540mm erhältlich, wobei bei diesem Lenker die Breite dann unten von Lenkerende zu Lenkerende 633, 673 und 713mm beträgt. Der wird also schon ordentlich breit. Preislich liegt er bei ca. 120 Euro.

Der Corner Bar am Fargo

Und im Gegensatz zu den meisten Lenkern, die ich bislang gefahren bin, ist der Surly Corner Bar aus gutem Stahl, genauer gesagt aus CroMoly. Das macht ihn mit 720g in der Größe 500mm recht schwer. Zum Vergleich: mein Cowchipper aus Alu wiegt nur 306g. Das Mehrgewicht ist mit 410g also nicht unerheblich. Ich merke das natürlich vorne, wenn ich das Fahrrad anhebe. Während der Fahrt hat es keine für mich spürbaren Auswirkungen, außer, dass ich sehr gut und sicher Lenken kann und mehr Spurtreue beim Fahrrad feststelle.

Detail Corner Bar

Der Corner Bar ist aktuell – wie so vieles – nicht wirklich verfügbar. In der Breite von 500mm konnte ich ein Modell über MTB-News Marktplatz ergattern. Auch ein GX AXS Taster war schnell bestellt und ebenfalls Shimano XT Scheibenbremsen, die ich ohnehin für mein Reiserad als Ersatz für die HS33 vorgesehen hatte.

Shimano XT Bremse

Die Montage klappt einfach und ich habe mir ein Vorbild am Bikepacking.com Bericht zum Lenker genommen. Die Bremsen und Schalter habe ich oberhalb auf die Hörnchen gebaut. Dadurch sind die Bremsgriffe optimal an meinen Händen, denn mit dem Corner Bar fahre ich meist direkt in den Hoods unterhalb der Hörnchen. Dort befindet sich nun auch der AXS Taster, den ich intuitiv mit dem Daumen bedienen kann.

Seite Corner Bar

Und da sind wir auch schon beim Fahrgefühl: ich muss sagen, ich bin sehr angetan. Mittlerweile habe ich knapp 300km mit dem Lenker hinter mir und finde ihn gut. Ich war nach Kirgisistan auf der Suche nach einem Lenker, der mir im Gelände und auf Trails mehr Lenksicherheit und Geländefähigkeit bietet. Und das leistet der Corner Bar durchaus. Er fährt sich für mich eher wie ein Flat Bar, mit den Vorteilen eines Drop Bars, also mehr Griffpositionen und der Tatsache, dass ich eine gute Kraftübertragung habe und so auch genügend Druck beim Fahren unter Last aufbauen kann.

Corner Bar von oben

Für das Gelände ist der Corner Bar ideal und zusammen mit den hydraulischen Shimano XT Bremsen einfach richtig gut. Für die Langstrecke habe ich mir dann noch meine Profile Design Aerobars dran gebaut – und dann erst später gelesen, dass Surly davon abrät. Aber unabhängig davon ist das die ideale Kombination für Touren, wie ich sie fahre.  Von der Geometrie und meiner Sitzposition hat sich durch den Lenker nicht viel verändert. Ich merke natürlich ein etwas aufrechteres Sitzen, aber das ist eher minimal bei signifikant spürbar verbessertem Lenkverhalten. Ein längerer Vorbau ist in meinem Fall nicht nötig, aber das müsste man mal vermessen, denn Daten sind oft aussagekräftiger als Gefühle.

Corner Bar mit Aero Bar

Der optische und vielleicht auch praktische Nachteil beim Gepäcktransport sind die Bremsleitungen, die nach vorne wie Wäscheleinen wegstehen. Ich kann vorne zwar meine Revelate Designs Pronghorn Harness befestigen und habe auch guten Zugriff auf den Packsack, aber ich muss schon sagen, dass die Bremszüge und das Gewicht des Lenkers mich etwas stören.

Corner Bar mit Pronghorn

Kann also der Corner Bar eine Alternative für mich beim Bohemian Border Bash Race sein? Hmm, ich habe bei dieser Frage immer noch keine endgültige Antwort. Es fühlt sich alles gut an, aber bei einem Event wie dem BBBR möchte ich ehrlicherweise keine Kompromisse eingehen und verlasse mich dann doch lieber auf meine Ausstattung, die bereits in Kirgisistan zum Einsatz kam. Ich liebe die hydraulischen Bremsen und vor allem die elektronische Schaltung, aber beides muss dann eben warten, bis meine Force AXS Hebel da sind. Und mit diesen verbaue ich auch gleich hydraulische Hope RX4+ 4-Kolben Bremsen, die sogar noch etwas mehr Bremspower auf die Scheibe bringen dürften, als die Shimano XT.

Das Eagle GX AXS am Fargo

Vielleicht kombiniere ich aber auch das SRAM Eagle AXS Schaltwerk mit Kassette mit den Rival Bremshebeln und den semi-hydraulischen TRP HY-RD, die ich bislang fahre (und nun fragt ihr euch sicherlich wie 🙂 ). Oder es passiert noch ein Wunder und der linke SRAM Force AXS Brems-/Schalthebel kommt doch noch rechtzeitig. Mal sehen…

 

Fazit

Surly Corner Bar

Der Surly Corner Bar ist ein Lenker den sich alle mal anschauen sollten, die eine Alternative zum Flat oder auch zum klassischen Drop Bar suchen. Ich würde ihn als Bikepacking-Alternativ Lenker in einer Reihe mit dem Jones Bar, dem Denham Bar oder dem Sulry Moloko Bar.

Er ist etwas bequemer und breiter für Drop Bar Fans und bietet etwas mehr Langstrecken-Tauglichkeit und Entspannung für MTB- oder Trekkingrad-Fahrer*innen. Das höhere Gewicht und die Verlegung der Bremsleitungen sind gewöhnungsbedürftig, aber nicht wirklich störend.

Der Preis von 120 Euro ist aus meiner Sicht etwas sehr hoch. Und ich wäre sofort dabei, wenn der Corner Bar aus Alu gefertigt wäre und somit das Gewichtsthema als Hürde wegfallen würde.

Und wenn du auch schon Erfahrungen mit dem Corner Bar sammeln konntest, würde mich deine Einschätzung in den Kommentaren sehr interessieren.

 

Weitere Surly Corner Bar Tests

  • Corner Bar Review bei Path Less Pedaled:

 

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4 Comments

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  1. says: Marc

    Schick sieht’s aus

    Was mich, wie auch dich stören würde ist die Kabelführung, mit MTB bremsen.

    Vielleicht bin ich einfach verwöhnt aber mir reicht mein Fun G Wide gravelbar auch aus.

    Zwar nur 25 Grad flare aber das reicht für meine Zwecke vollkommen aus und ich find sie bequem.

    Die originale dropbar musste halt weichen aber die hat mir auch zu wenig Kontrolle im Gelände gegeben.

    Gut und wegen Equipment wollte ich auch mehr Platz also wuchs der lenke auch von 440 auf 480 mm.

    Ich Fang schon wieder an zu schwärmen.

    Egal dein neuer Lenker sieht nice aus und wäre trotz dropbar Fan eine alternative.

    Vielleicht demnächst fürs MTB aber dann nicht mit MTB Bremshebeln. Die Kabelführung naja gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig.

      1. says: Marc

        Alles klar dann fällt der für mich aus.
        Bin da schon m bissel naja eigen. So Wäscheleinen Stil mag ich halt nicht.
        Aber es gibt ja zum Glück genug dropbars und vielleicht wir es sogar noch eine „kitchensink“ alles Mal sehen.
        Aber auf jedenfall danke für die info

    1. says: Tobias

      Hallo Martin,

      Danke für Dein Video. Bislang kannte ich nur die beiden von Dir verlinkten Versionen. Nun war ich schon fertig, mit der Corner Bar Montage in der gleichen Breite an meinem el Mariachi. Mit Magura Bremshebeln und den passenden 90° Winkelstücken von Magura lassen sich die Leitungen auch optisch ansprechender verlegen. Der damit geringere, freie Platz für die Tasche am Lenker ist aber der entscheidende Nachteil. Mich wundert etwas, dass eigentlich alle den Lenker so flach einbauen. Auf diese Weise ist der effektive Drop relativ gering und die Lenkerform geht so in Richtung gemütlichem Hollandrad. Ich habe die gebogenen Enden beinahe horizontal eingestellt, ähnlich einem Rennlenker. Für deutlich mehr Dämpfung im Griffbereich habe ich ebenfalls die ESI Griffe statt Lenkerband gewählt. Sind die nicht auch was für Deine langen Touren? Grüße