Denn zum Graveln ist es da: Testfahrt mit dem Cannondale Topstone Carbon

Das Cannondale Topstone Carbon ist ein echter Flitzer, der viel Spielraum für Geländefahrten, als auch Ballern auf der Waldautobahn zulässt.

Hinweis:

Das Cannondale Topstone Fahrrad wurde mir auf meinen Wunsch via Pressedienst Fahrrad zum Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Da ich natürlich das Rad nenne, zeige und ausführlich vorstelle, ist das hier Werbung.

Beim Atlas Mountain Race ist mir das Topstone zum ersten Mal begegnet. Einer der Teilnehmer, Chris Herbert von Apidura, war mit diesem Rad unterwegs. Und obwohl er zwischen durch hat abbrechen müssen (am Rad lag es nicht), hat er damit doch gezeigt, dass das Cannondale Topstone durchaus auch ein Rad für die harten Einsätze ist.

Vier Gründe gab es, warum ich das Cannondale mal fahren wollte:

  1. Seitdem ich es in Marokko gesehen hatte, wollte ich einen praktischen Eindruck vom Topstone bekommen.
  2. Ich wollte mal einen Carbon-Rahmen fahren.
  3. Ich wollte mal die elektronische SRAM eTap AXS fahren.
  4. Ich wollte mal ein reines Gravel-Bike fahren.

Um so mehr habe ich mich gefreut, als das Topstone Carbon zum Test beim Pressedienst Fahrrad verfügbar war.

 

Eine Gravel-Rakete für viele Wünsche

Mit dem Topstone hat Cannondale nicht nur einfach ein Gravel-Bike im Angebot, sondern eine ganze Modellpalette, die jedem den Einstieg in das Abenteuer Gravel-Bike ermöglicht, oder dem Erfahrenen ein Rad an die Hand gibt, dass eigentlich alles mitmacht und dabei immer sehr sportiv bleibt.

„Das Topstone Carbon destilliert unser Wissen über schnelle Race-Bikes, komfortable Marathonräder und ultraleichte vollgefederte Mountainbikes in eine einzige herausragende Fahrmaschine. Gebaut für maximalen Spaß in Terrain, den kaum ein anderes Gravelbike bietet und für mehr Komfort an allen normaleren Orten.“ (Cannondale)

Tatsächlich fährt sich das Topstone Carbon sehr komfortabel, fast schon bequem, was gut für die Langstrecke ist und vermittelt trotz der Agilität Sicherheit im Gelände. Egal wo: auf dem Rad kann man es tatsächlich lange aushalten und wer mag, der kann auch eine Teleskop-Sattelstütze einbauen.

Denn zum Graveln ist es da…

Cannondale bietet das Topstone in zwei Rahmenmaterial-Varianten an: eine mit Aluminium-Rahmen. Und eine mit Carbon-Rahmen. Die Carbon-Ausführung verfügt über die Kingpin Federung und einer je nach Größe angepasster Federung und Fahrverhalten.

Die Aluminium Reihe gibt es in insgesamt fünf Ausstattungsvarianten: Shimano Sora, Tiagra, 105 (+ 105 Woman) und Ultegra. Die Preisspanne liegt hier zwischen 1.100 Euro bis 2.100 Euro.

Die Carbon Reihe hat ebenfalls fünf Modelle: Shimano 105, Ultegra RX2 (+ Womans RX2), Ultegra RX und SRAM Force eTap AXS. Die Preisspanne liegt hier zwischen 2.500 Euro und 5.500 Euro.

 

Rahmen-Set & Geometrie

Der Rahmen und die Gabel des Topstone Carbon sind wie der Name schon sagt aus Carbon. Der Rahmen verfügt über drei Ösenpaare für Flaschenhalter und ein Paar auf dem Oberrohr für Cockpit Taschen.

Die Gabel hat an jeder Seite in der Mitte und unten jeweils eine Öse, an die Schutzbleche angebracht werden können. Hier hätte ich mir ehrlicherweise mehr Ösen an der Gabel gewünscht, so wie es zum Beispiel am Rose Backroad 2020 zu finden ist, um hier mehr Möglichkeiten für das Bikepacking zu bieten.

Nur zwei Ösen an der Topstone Gabel

Andererseits ist das Topstone ein Gravelbike und daher eher auf das sehr leichte Radeln durchs Land ausgerichtet. Und wer noch etwas zuladen möchte, der kann sich mit alternativen Befestigungsmöglichkeiten von Haltern an Gabeln behelfen.

Schön finde ich die interne Zugverlegung am Rahmen. Allerdings hätte ich gerne Abdeckkappen für die Kabelkanäle, sollten die nicht genutzt werden. So ist das beim Spitzenmodell mit der SRAM Force eTap AXS Schaltung der Fall. Da sähe der Rahmen mit Abdeckung der Kabelkanaleingänge noch besser aus.

Interne Zugführung, wenn man Kabel noch braucht

Die Geometrie des Topstone lässt den Fahrer schon aufrechter sitzen, sorgt aber mit der OutFront Lenkgeometrie dafür, dass das Vorderrad weiter nach vorne gezogen ist, damit eventueller Fußkontakt beim Lenken vermieden wird (Overtoe) und so mehr Fahrsicherheit geboten werden soll. Laut Cannondale soll OutFront auch für „messerscharfes“ Lenken sorgen. Ich übersetze das mal mit „direkt ansprechendes“ Lenken, was ich zumindest beim Fahren feststellen konnte. Allerdings komme ich vom Endurance MTB mit 2.25 Zoll Reifen und da ist natürlich ein sportlicheres Rad immer direkter und natürlicherweise agiler. Daran muss man sich aber auch gewöhnen, wenn man vorher ein Rad hatte, das sich etwas weniger direkt lenken lässt.

Speed Release Steckachse am Vorderrad

Der Rahmen hat hinten ein Achsmaß von 142×12 und die Gabel hat ein Achsmaß von 12×100. Interessant sind die sogenannten Speed Release Steckachsen, die sich schneller bedienen lassen und durch die das Rad einfacher herausnehmbar ist.

Was die Reifenfreiheit und Vielfalt angeht, so kann man bei 700cc Reifen Breiten bis zu 40mm fahren. Bei 650B gehen sogar 48mm breite Reifen. Es bietet sich also an, beim Topstone gleich zwei Laufradsätze zu besitzen: einen für das schnelle Graveln auf 700cc und der andere für die anspruchsvolle Bikepacking-Tour mit 650B.

 

Übersicht Geometrie-Daten Topstone Carbon Größe L

Geometrie Topstone Carbon

Geo-Daten Topstone Carbon

In der SRAM Ausstattung kommt das Rad in Acid Red, einer Kombination aus knalligem Rot und Anthrazit-Schwarz (was für eine Beschreibung!).

Farbkombination Acid Red

Das Rad ist in fünf Größen erhältlich: XS, SM, MD, LG und XL. Die kleinste Rahmengröße ist für Fahrer mit einer Körpergröße von 1,52 bis 1,65m gedacht, die größte Rahmengröße bietet sich für Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 1,90 und 2,03m an.

Rahmen- & Körpergrößen

Detailangaben Topstone Carbon Rahmengrößen

 

30mm Bewegungsfreiheit

Was natürlich am Topstone Carbon besonders auffällt, ist die Kingpin Federung.

„Ein einziger Drehpunkt im Sitzrohr ermöglicht es dem gesamten Hinterbau – Kettenstreben, Sitzstreben, Sitzrohr und sogar dem hinteren Teil des Oberrohrs – kontrolliert zu flexen, wie eine Kette von miteinander verbundenen Blattfedern. So werden Schläge und Vibrationen ohne das Gewicht und die Komplexität von Hinterbau-Dämpfer oder Wippen und Umlenkungen kompensiert.“ (Cannondale)

Sie bietet bis zu 30mm Federweg und sorgt damit für ein spürbar angenehmeres Fahrgefühl auf grobem Untergrund. Der Vorteil: diese Art von Federung kommt ganz ohne die sonst üblichen Dämpfer aus. Die beiden Kettenstreben sind am Sattelrohr durch ein Steckachsen-System gesichert, das sich nicht mit dreht. Allerdings solltet ihr beachten, dann keine allzu langen Sattelstützen zu verwenden, da sich diese nur bis zum Kingpin einführen lassen.

Zudem gibt es beim Topstone Carbon eine sogenannte Fender-Bridge, eine Befestigung für Schutzbleche, die man bei Bedarf hinten anschrauben kann. Diese hatte ich aber am Testrad nicht dabei.

 

Ausstattung & Komponenten

Schaltung

Das Topstone Carbon kann man entweder mit der Shimano 105 (2.500 Euro) und der Ultegra RX (3.800 Euro) und RX2 (3.000 Euro) bekommen. Oder man gönnt sich das Topmodell mit der drahtlosen 2×12 SRAM Force eTap AXS (5.500 Euro). Dieses Modell hatte ich zum Test bekommen. Und wie die Typbezeichnung es schon sagt, kommt hier eine elektronische SRAM Force zum Einsatz.

Die SRAM Force eTap AXS

Diese ist im Gegensatz zur Shimano Di2 drahtlos und so spart man sich die Kabel. Das Schaltverhalten ist sehr präzise und kompromisslos. Mit dem Taster rechts schaltet man hoch (also auf die kleineren Ritzel) und mit dem Taster links nach unten (also auf die größeren Ritzel). Betätigt man beide Taster gleichzeitig, dann schaltet der vordere Umwerfer. Das hört sich erstmal kompliziert an, ist in der Praxis aber völlig problemlos und einfach. Und wie gesagt überzeugt die Schaltpräzision.

Die Schaltkörper-Akkus lassen sich einfach tauschen und halten erfahrungsgemäß mindestens 1.000 km. Die Akkus sind baugleich und arbeiten sowohl am Schaltwerk, als auch am Umwerfer.

Einfacher Akku-Wechsel an der SRAM Force

Vorne arbeitet eine 46/33 Kurbel und hinten eine 12fach 10-33 Kassette. Damit hat man am Berg eine 1:1 Übersetzung und mit 46-10 hat man genug Speed auf der Geraden. Vor allem mit den 700cc x 37 Reifen.

@ Ritzelrechner

 

Laufräder, Bremsen & Reifen

Die HollowGram 22 Laufräder stammen auch aus der Cannondale Schmiede und sind wie Rahmen und Gabel aus Carbon. Cannondale beschreibt diese als leicht genug für Gravel-Rennen und robust genug für mehrtägige Ausflüge ins Gelände. Auch die Naben sind von HollowGram. Ich bin das Testrad 400 km gefahren und kann daher nicht wirklich was über die Haltbarkeit der Felgen oder Naben sagen. Allerdings sind sie wirklich sehr leicht und laufen stabil.

SRAM Force hydraulische Scheibenbremsen

Gebremst wird mit den hydraulischen SRAM Force Scheibenbremsen auf 160mm Centerline Disc.

WTB Riddler Reifen auf Carbon Felge

Standardmäßig rollt das Topstone auf WTB Riddler TCS Light Reifen in 700cc x 37, welche auch Tubless Ready sind. Das Testrad fuhr allerdings mit Schlauch – wie ich leider feststellen musste. Auf gutem Schotterweg, Straße oder Waldautobahn rollen die Riddler sehr gut und sicher. Ich fand sie aber im Gelände dann nicht überzeugend, auch weil sie nicht so viel Profil aufweisen, was dann ihre Traktion im Wald etwas eingeschränkt hat.

 

Cannondale Ai – das asymmetrisch versetzte Hinterbau-Dreieck & Antriebsstrang

Beim Topstone Carbon kommt beim Hinterrad der neue Ai “Standard” von Cannondale zum Einsatz. Dieser asymmetrische Versatz, genannt Ai, verschiebt die Hinterradnabe und den Antriebsstrang um 6 mm nach rechts und sorgt für super kurze Kettenstreben ohne die üblichen Kompromisse und ein Hinterrad, das dramatisch steifer und stärker ist, weil die Speichenspannung und -winkel auf beiden Seiten gleich sind.

Cannondale Ai- Asymmetric Integration

Das bringt laut Cannondale folgende Vorteile:

  • Die kürzeste Kettenstrebe auf dem Markt, für mehr Traktion, Steifigkeit und Wendigkeit.
  • Bis zu 60% höhere Steifigkeit des Hinterrads.
  • Doppelte Kettenblattkompatibilität mit sehr kurzen Streben.
  • Großer Freiraum für Reifen mit Kette und Umwerfer.

Für den oder die FahrerIn bedeutet das allerdings, dass normale Systemlaufräder hinten nicht sofort passen. Aber keine Sorge: Man kann normale Laufradsätze/Hinterräder verwenden, muss das nur kurz einer Anpassung unterziehen, die jeder Radladen oder talentierte Schrauber in wenigen Minuten selber machen kann:

 

Lenker & Vorbau

Ein besonderer Hingucker ist der Vorbau und Lenker des Topstone.

Der SAVE Lenker

Hier hat Cannondale den All-New HollowGram SAVE Vorbau (-6 Grad) verbaut und dazu den SAVE Carbon Lenker in einer Breite von 420mm. Das ganze gibt dem Cockpit einen sehr aufgeräumtes Aussehen.

Der Lenker bietet zudem die Möglichkeit einen GPS Halter anzuschrauben. Dieser war am Testrad montiert.

GPS Halterung am Lenker

 

Besonderheiten: Sattelklemme, Sensor & App

Drei Sachen sind mir am Topstone noch aufgefallen: Die Klemmung für den Sattel sitzt im Inneren des Sattelrohrs – und kann dadurch schnell raus und in den Rahmen fallen, wenn man die Sattelstütze rausgezogen hat.

Interne Sattelklemme am Topstone Rahmen

Da sollte man also drauf achten. Das Festziehen der Klemme erfolgt dann über das Rahmendreieck am Sattelrohr. Das geht recht einfach, außer man hat eine Rahmentasche am Rad, die dann im Weg ist.

Hier wird die Sattelklemme festgestellt

Das andere ist der integrierte Laufradsensor, der genaue Angaben zu Geschwindigkeit, Route und Fahrstrecke sammelt. Dieser funktioniert zusammen mit der Cannondale App, die aus meiner Sicht durchaus smart ist und zudem noch Mehrwert liefert. Er kann aber auch via ANT+ oder Bluetooth mit einem Radcomputer (Wahoo, Garmin) verbunden werden und überträgt dann entsprechend die Daten.

Der Sensor am Vorderrad

Die Cannondale App bietet aber noch mehr Möglichkeiten: Zum einen befinden sich in ihr alle relevanten Angaben zum Rad, dessen Modell-Nummer, die Maße, Ausstattung und Geometrie. Zum anderen informiert die App über Service-Intervalle, zeigt eine Fahrthistorie an, erfasst die gefahrenen Touren, Leistung und ökologischen Fußabdruck.

Der Cannondale Sensor – andere Perspektive

Außerdem kann man via App auf das Topstone Handbuch zugreifen, findet viele How-To Videos und eine Händler-Suche und bekommt Zugang zu einer 3D-Darstellung des Rades und der Komponenten.

 

Fazit

Das Cannondale Topstone Carbon ist ein echter Flitzer, der viel Spielraum für Geländefahrten, als auch Ballern auf der Waldautobahn zulässt. Die SRAM Force eTap AXS macht Spaß und versieht unauffällig und präzise ihren Dienst. Die 2×12 Übersetzung von 46/33 auf 10-33 bietet immerhin eine 1:1 Übersetzung am Berg und ist damit ohne viel Gepäck durchaus ausreichend.

Cannondale Topstone Carbon

Im Gelände, abseits von Schotterwegen und Waldautobahn tut sich das Topstone mit den schmalen Reifen etwas schwer. Hier würde ich dann auf 650B Reifen zurückgreifen. Und sogar einen breiteren Lenker mit mehr Flare anbauen.

Idealerweise hat der Topstone Fahrer dann zwei Laufradsätze, um sich alle Möglichkeiten des Rades – vom Renn-Gravelrad mit leichten Offroad-Möglichkeiten hin zum geländegängigen Bikepackingrad mit Atlas Mountain Race Tauglichkeit (allerdings mit anderer Übersetzung) – offen zu halten.

Das Topstone macht sich ganz gut im Gelände

Besonders haben mich das Gewicht des Topstone Carbon begeistert, die Kingpin Federung und die elektronische SRAM Schaltung.

Das Rad reagiert direkt und liegt wie ein Brett auf der Straße oder leichten Gravel-Piste. Auf ebenem Untergrund kann es die Rennrad-Gene nicht verbergen, im Gelände kommt die dann doch bequeme Geometrie zum Tragen, die eine Kontrolle des Rades auch auf schwierigeren Passagen erleichtert und die Langstrecke nicht zur Tortur werden lässt. Dafür sorgt auch die Kingpin Federung, deren 30mm Federweg durchaus zu mehr Fahrkomfort beitragen.

Das Cannondale Topstone Carbon ist ein Traumrad für Gravel-Fans

Für wen lohnt sich ein Blick auf das Rad? Wer gerade nach einem Gravel-Bike Ausschau hält, der sollte sich das Topstone mal anschauen. Die Geometrie ist aufrecht genug, um gut lange Strecken fahren zu können, mit guter Kontrolle im Gelände und gleichzeitig sportlich-aerodynamisch genug, um auch Speed zu machen.

Das Topstone Carbon Line-Up

Wenn es nicht gleich das Top-Model mit Carbon und elektronischer Schaltung sein muss, dann bietet das Topstone Line-Up auch günstigere Modelle mit Alu-Rahmen und 105er Shimano Schaltung.

Das Topstone Carbon SRAM Force eTap AXS kostet 5.500 Euro und wiegt 8,7 kg (laut Hersteller) und um die 9 kg nachgewogen.

1 Kommentar

  • Jürgen sagt:

    Technische Frage

    Hallo,
    bisher habe ich regelmäßig Deine Bildbeiträge auf Instagram verfolgt. Doch seit ca. einer Woche geht das nicht mehr, es ist eine Zwangsanmeldung erforderlich (es kommt sofort die Aufforderung zum Anmelden, wenn ich auf ein Bild klicke).
    Ich bin bei Instagram nicht angemeldet und werde mich da auch nicht anmelden.
    Sollte das eine Änderung Seiten Instagramm’s sein, wäre das schade (ich kann die Bookmarks löschen)

    Jürgen

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