Tour de Fähr: eine Radtour zwischen Oste und Elbe

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Es muss ja nicht immer die große weite Welt sein, und so bin ich immer auf der Suche nach neuen Tour-Ideen rund um Hamburg.

Vor einiger Zeit las ich mal einen Beitrag, der über die wunderbar ursprünglichen Landschaften entlang der Oste schwärmte. Das ist ein Fluss, der in Niedersachsen, bei Tostedt, beginnt und dann via Bremervörde nach Norden in die Elbe fließt.

Die 153 km lange Oste ist nicht einfach nur ein Fluss, sondern auch eine alte Verkehrsader und besitzt sehr viele Fähren, darunter auch die historische und sehr sehenswerte Schwebefähre von Hemmoor.

Mit der ersten Fähre ging es über die Elbe

Mit der ersten Fähre ging es über die Elbe

Das fand ich interessant und so rollte ich bei bestem Sonnenschein durch Blankenese an die Elbe hinunter, um die erste Fähre dieser Tour von Teufelsbrück nach Rüschpark zu nehmen. Der erste Abschnitt führte mich am Airbus-Werk vorbei nach Buxtehude und weiter nach Sittensen. Beim Airbus-Werk lohnt sich übrigens die Aussichtsplattform an der Start- und Landebahn. Mit etwas Glück kann man hier hautnah den sogenannten „Delphin“ sehen, der Airbus-Teile anliefert.

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Wenig später war ich dann mittendrin im Alten Land. Das ist immer eine Radtour wert und die unendlichen Obsthaine und pittoresken Bauernhöfe mit ihren Fachwerkhäusern waren sehr schön anzusehen.

Hinter Buxtehude wurde es eher „normal“: Felder, Wälder, Felder, Dörfer. Bei bestem Sonnenschein spulte ich Kilometer ab und rollte durch das Land. In Sittensen stieß ich dann zum ersten Mal auf die Oste. Hier am Oberlauf des Flusses kann man leider nicht direkt am Ufer entlang fahren. Der Oste-Radweg „umschleicht“ den Fluss und führt durch die nahe liegenden Dörfer.

Da ich erst mittags losgefahren war, suchte ich mir nach 90 Kilometern einen Zeltplatz. Diesen fand ich kurz vor Bremervörde im Duxbachtal.

Bremervörde ist das eigentliche Tor zur Oste. Hier beginnt der Unterlauf des Flusses und ich fuhr nun durch eine wild-romantische Landschaft. Der Oste-Radweg führte hier quasi auf der Route der Deutschen Fährstraße entlang der Oste und machte immer wieder Abstecher direkt ans Wasser zu einer der vielen Fähren.

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Hier sollte man sich Zeit nehmen, die Landschaft und die kleinen Orte zu entdecken. Denn hinter so manchem Deich verbirgt sich ein wunderbarer Blick auf ein Dorf am Wasser und eine kleine Fähre, die manchmal sogar noch per Hand betrieben wird.

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Die Oste ist ein Fluss mit sehr vielen Fähren

Ein richtiger Hingucker ist die Schwebefähre in Hemmoor. Sie ist ein technisches Kulturdenkmal und verbindet seit 1909 die beiden Orte Osten und Hemmoor. Die Überfahrt kostet nur 2,50 Euro und ist ein kleines Erlebnis.

Warten auf die Fähre

Warten auf die Fähre

Ich musste den Fährmann rufen, der dann gemächlich zu mir hinüber schwebte. Allein die Fährkonstruktion ist sehr interessant und erinnert ein bisschen an den Eiffelturm. Am Fährkorb flattern vier Fahnen: eine argentinische, eine spanische, eine britische und eine französische. Der Grund: in diesen vier Ländern gibt es noch Schwebefähren ähnlicher Konstruktion und Bauart. Tafeln auf dem Weg zur Fähre informieren darüber.

Der Fährmann und seine Fähre

Der Fährmann und seine Fähre

Mittlerweile führt nur wenige hundert Meter weiter flussabwärts auch eine normale Brücke über die Oste, aber eine Fahrt ist aus meiner Sicht ein Muss. Von der Brücke kann man dann anschließend noch gute Fotos der Fähre machen.

Mit der Fähre hatte ich auch die Flussseite gewechselt und rollte auf einsamen Wegen direkt hinterm Deich und an vielen restaurierten Fachwerkhäusern entlang. Mein nächstes Ziel war Neuhaus an der Elbe und das Oste-Sperrwerk. Hier kann man den Schiffen zuschauen, die in die Nordsee einfahren oder aus dieser auf die Elbe Richtung Hamburg schippern. Eine frische Brise empfing mich und blies mich nach Osten, Richtung Freiburg an der Elbe.

Oste-Mündung in die Elbe

Oste-Mündung in die Elbe

Mein Ziel war Wischhafen, wo die letzte Fähre meiner „Tour de Fähr“ wartete und mich nach Glückstadt übersetzen sollte. Doch wenige Kilometer vor dem Ziel hörte ich ein Geräusch, welches ich das letzte Mal vor 15 Jahren gehört habe: mit einem lauten Zischen verließ die Luft meinen hinteren Reifen. Ein zentimeterlanger Nagel hatte sich durch den Reifen gebohrt. Schnell baute ich einen neuen Schlauch ein und erreichte wenig später die Fähre über die Elbe.

Nach 15 Jahren (oder gar mehr) die erste Reifenpanne

Nach 15 Jahren (oder gar mehr) die erste Reifenpanne

Die Verbindung Wischhafen nach Glückstadt mag ich ganz besonders. Hier kann man so richtig viel von der Flusslandschaft Elbe sehen und einen Blick auf die Elbinsel Rhinplatte werfen.

Fähre von Wischhafen nach Glückstadt

Fähre von Wischhafen nach Glückstadt

Und während ich so in die Landschaft schaute und überlegte, wo ich von Glückstadt aus hinfahre sollte, machte es plötzlich Peng und mein Hinterrad war erneut platt. Unter den mitleidigen Blicken der anderen Passagiere schob ich mein Rad in Glückstadt über die Rampe und machte mich am Ufer dran, den Schlauch zu flicken. Beim Ausbauen stellte sich heraus, dass der nagelneue Schlauch längs einfach 4 cm aufgerissen war. Das konnte man nicht flicken. Also nahm ich den alten, vom Nagel zerstochenen Schlauch und brauchte drei Flicken, bis dieser zumindest etwas Luft hielt. Einen weiteren Ersatzschlauch hatte ich nicht mit. Bei meinem eigenen Reiserad wäre das nicht passiert, aber diese Tour fuhr ich mit einem Testrad.

Entlang der Stör nach Itzehoe

Entlang der Stör nach Itzehoe

Also entschied ich mich entlang der Stör nach Itzehoe zu radeln. Dort wohnen meine Schwiegereltern und neben der Chance auf einen neuen Schlauch konnte ich so auch noch ein unerwartetes Ereignis feiern: meine Frau hatte mir nämlich am Morgen eine SMS geschickt: Herzlichen Glückwunsch! Heute ist unser Hochzeitstag. 😉

Naja, ich habe ihn mit einer 250 km Tour zwischen Oste und Elbe gefeiert.

Mit der Oste nach Norden - Hinter Bremervörde

Mit der Oste nach Norden – Hinter Bremervörde

Die Oste ist landschaftlich und kulturell interessant und es macht Spaß, dort zu radeln. Ich jedenfalls würde es wieder tun.

Noch mehr Bilder der Radtour zwischen Oste und Elbe:

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