Was kommt mit auf Tour? Unverzichtbares und Sinnloses

Mein bepacktes Rad auf Island
Mein bepacktes Rad auf Island

Radreisende verraten, welche drei Dinge immer dabei sind und welches das Sinnloseste war

Ich habe letztens mal meine ganzen Packlisten zusammengesucht und nebeneinander gelegt. Es ist schon interessant, wie sehr sich Art und Umfang über die Jahre verändert haben. War es anfangs eine Packliste, die davon geprägt war, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, so hat sie sich heute zu einer schmalen und sehr reduzierten Packplanung entwickelt, die aus Erfahrung nur das Nötigste vorsieht.

Meine Packlisten - eine kleine Auswahl

Meine Packlisten – eine kleine Auswahl

Oft bekomme ich Anfragen nach Tipps für die Packliste. Was muss man unbedingt mitnehmen und was darf nicht vergessen werden? Was kann man weglassen, weil man es nie brauchen wird?

Nun, eine Packliste und die Ausrüstung unterwegs sind etwas sehr persönliches. Der eine reist gerne über-ausgerüstet, fühlt sich aber so wohl und sicher. Der andere ist Gramm-Jäger und setzt auf ultra-light und reist nur mit einer Handgelenktasche um die Welt. Ich habe Jahre gebraucht, um meine Ausrüstung so zu optimieren und zu personalisieren, wie sie heute ist. Und trotzdem ist es jedes Mal ein Neuanfang. Es kommen neue Sachen hinzu, ich überlege immer wieder, ob ich nicht doch noch eine Hose mitnehmen soll, oder ob der Fleece und die Regenjacke reichen, oder ob doch ein Softshell noch dazu soll. Ob das Werkzeug im Umfang reduziert werden kann, oder ob ich nicht doch diesen lustigen kleinen Schraubenzieher brauche.

Mein bepacktes Rad auf Island

Mein bepacktes Rad auf Island

Und dann arbeite ich meine Packliste ab und stehe dann vor dem Berg an Sachen, die alle in die Taschen sollen. Und dann schmeiße ich doch Sachen wieder raus, packe andere hinzu und kurz vor der Abreise fliegt alles wieder raus. Es ist fast ein Ritual und es macht Spaß. Packen ist schon Teil der Tour, die zelebrierte Vorfreude.

Aber egal was letztendlich mitkommt, drei Sachen nehme ich immer mit:

1. Kompass

Ich habe noch einen alten NVA-Kompass. Aber er zeigt immer noch zuverlässig den Norden an und ich habe ihn immer dabei. Fast schon als eine Art Maskottchen. Den Spiegel nutze ich zum mich angucken und den Kompass halt als Kompass, wenn ich mich orientieren muss.

2. Leathermen

1998 in Kathmandu für damals viele Dollar gekauft, habe ich das Multitool seitdem immer dabei. Superscharfe Messer, Säge und Schraubendreher – alles dabei. Sehr stabil und häufig ein Problemlöser.

3. Essensbrettchen

Es ist schon an fast allen Seiten kaputt. Abgebrochen, angebrannt, zerkratzt. Aber ich benutze es immer und immer wieder. Als stabile Unterlage beim Fahrrad reparieren, beim Essen natürlich oder beim Mückenerschlagen. Ähnlich wie der Kompass ist es ein Maskottchen geworden.

Das Sinnloseste, was ich jemals mitgenommen habe – neben Kerzen und einem Fernrohr – war ein Wasserfilter. Ich hatte mir für meine Sahara-Radtour durch Mauretanien und Mali einen Wasserfilter zugelegt. Und ihn einmal gebraucht. Und das auch nur, um gleich und sofort Wasser trinken zu können. Aber es gab nie die Situation, dass ich ohne Filter hätte dursten müssen. Wasser zaubert er nicht her und Entkeimen mache ich nach wie vor mit Micropur.

Soweit von mir. Aber mich interessiert auch, was andere erfahrene Reiseradler dazu meinen und habe sie gefragt:

Welche drei Ausrüstungsgegenstände kommen bei Dir/euch immer mit? Und warum?

Was war das Sinnloseste, das Du je auf eine der Touren mitgenommen hast?

Lena und Hardy von velosophics.de

Lena und Hardy

Lena und Hardy

Die erste Frage ist natürlich etwas schwierig zu beantworten, gibt es doch etliche Gegenstände, die auf jede Tour mitkommen: Luftpumpe, Flickzeug, Wasserfilter, Zahnbürste, Sonnencreme, Ersatzspeichen (die nehmen wir wirklich immer mit!) …

Wir haben uns jetzt aber auf die drei K’s geeinigt: Kamera, Kocher, Kaffee. Egal, ob eine Woche Mallorca, 3 Wochen Rumänien oder 1,5 Jahre durch Lateinamerika und sogar auch, wenn wir nicht zelten: wir lieben es einfach, an den wunderschönsten Orten unserer Erde mit unserem Espressokocher den eigenen perfekten Kaffee zu kochen und zu genießen! Und bei Hardys Fotoenthusiasmus ist es unvorstellbar, irgendwann ohne Kamera da zu stehen. Deshalb haben wir sogar mindestens zwei Kameras dabei 🙂

Das Sinnloseste, das wir jemals dabei hatten waren wahrscheinlich stylische und gleichzeitig viel zu schwere Klamotten. Die hatten wir mitgenommen, da wir dachten, in 1,5 Jahren wollen wir hin und wieder mal ausgehen. Bereits nach vier Wochen haben wir das Zeug nach Hause geschickt. Ausgegangen sind wir natürlich trotzdem in der Zeit, aber eben in leichteren Outdoorklamotten.

Christian von priesi.com

Christian - diesmal mit Rucksack

Christian – diesmal mit Rucksack

Also es gibt natürliche etliche Ausrüstungsgegenstände die immer dabei sind. Hier meine exemplarische Auswahl:

Zelt oder Tarp!

Obwohl ich auch gerne unter freiem Himmel schlafe, ein Zelt ist für mich auf Tour unverzichtbar – Regen, Schnee, Moskitos, Sturm – ein gutes Zelt bietet gegen alles Schutz! Besonders in Skandinavien hatten wir aber auch oft ein Tarp dabei. Das hat uns auch immer sehr überzeugt!

(Benzin)Kocher

Essen kochen ist eine der wichtigsten Tätigkeiten, ob nun zuhause oder auf Tour. Von daher ist der Benzinkocher natürlich auch immer dabei! Benzinkocher sind zwar laut, aber auch einfach praktisch. Benzin bekommt man schließlich fast überall auf der Welt.

(Packsack)Rucksack-System

Da wir auch gerne mal mehrtägige Wandertouren unternehmen, haben wir auch immer Rucksäcke mit dabei. Von Ortlieb und Exped gibt es Packsäcke, die für kleinere Touren auch als Rücksäcke (mehr oder weniger komfortabel) genutzt werden können! Praktisch ist daran natürlich die Platzersparnis. Packsack (den wir eh immer dabei haben) und Rucksack in einem!

Sinnlos ist sicherlich das falsche Wort, aber auf den Sommer/Herbsttouren habe ich immer wieder (zur Sicherheit) Handschuhe eingepackt, diese jedoch nie benutzt. Selbst auf der Winterreise durch Lappland war ich, wenn es um Handschuhe geht, over-equipped.

Andreas von simon-adventures.com

Andreas mit Fahrrad

Andreas mit Fahrrad

Bei mir kommen immer mit:

1. Ein Hipbag made in China. Ich habe mir das damals in Kashgar gekauft und seitdem ist es immer dabei. Es gibt nichts Besseres, um alles Wichtige schnell griffbereit und immer dabei zu haben (Pass, Geld, Bankkarten, Fotoapparat), und die Hemmschwelle es zu klauen, wenn es vor der Brust
getragen wird, ist ziemlich hoch.

2. Zahnseide, bevorzugt die gewachste Variante. Gesunde Zähne sind wichtig, denn Zahnprobleme machen keinen Spaß und sind teuer. Außerdem ist sie ein prima als Ersatz für Nähgarn bis hin zum Flicken von Rissen in Reifen.

3. Ein Schweizer Taschenmesser bzw. Multitool. Die Schweizer Variante ist besser als ein Leatherman, außerdem gibt es das mit L-Werkzeug für Bits inklusive aller wichtigen Bits. Auf kurzen Trips tut es das Taschenmesser, auf langen hat man mit dem Multitool dann so ziemlich alle Werkzeuge, die man zum Reparieren und Improvisieren braucht.

Das Sinnloseste war ein Handtuch. Auch wenn ein Reiseführer für intergalaktisch Reisende anderer Meinung ist: ein Handtuch ist so ziemlich das Letzte, was man unterwegs braucht. Zum einen braucht man wenn überhaupt nur eines, wenn es
kalt ist und man sich schnell trocken machen muss. Zum anderen hat man mindestens ein extra T-Shirt dabei, das man notfalls hernehmen kann, wenn Lufttrocknung keine Option ist.

Heike von Pushbikegirl.com

Heike unterwegs

Heike unterwegs

Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, weshalb es vier geworden sind 😉

Was ich immer dabei habe, sind:

1. Eine Weltkarte. Super zum Träumen und zum Planen, wie es weiter gehen soll. Auch sehr praktisch, um Gastgebern oder Neugierigen die Reiseroute zu zeigen.

2. Ein Bildwörterbuch. Eine Sprache die jeder versteht. Sehr hilfreich, wenn man sich nicht anders verständigen kann.

3. Visitenkarten mit Bildern von mir. Ein tolles Abschiedsgeschenk oder als kleines Dankeschön für irgendeine Hilfe. Die Leute freuen sich meistens sehr über die Bilder und die Kontaktdaten.

4. Einen Fahrradständer. Ich habe mich lange gegen einen Ständer gewehrt, weil ich das zusätzliche Gewicht nicht haben wollte und weil ich dachte, dass er sowieso relativ schnell kaputt geht. Heute aber würde ich nie wieder ohne los fahren.

Das Sinnloseste, das ich mit hatte, war eine Radhose. Sie ist nur zusätzlicher Ballast, da ich ohnehin immer eine lange Trekkinghose anhabe, als Sonnenschutz und als Frau unterwegs in muslimischen Ländern. Außerdem hat eine Radhose keine Taschen für Wertgegenstände und sieht außerdem blöd aus. Mein Sattel passt außerdem super, da brauch ich kein Radhosenpolster. Ich habe eine lange Unterhose dabei, eine Trekkinghose und eine lange Regenhose. Fertig.

Friedrich aka FritzWa

Fritz in der Reinigung

Fritz in der Reinigung

Bei mir kommt immer mit:

1. Ein leichter Ersatzfaltmantel. Einer reicht ja meist als Ersatz, aber wenn man durch die Pampa fährt und einem ein besoffener Russe in Sibirien bei -40°C mit einem Riesenmesser den halben Mantel aufschlitzt, weil man nachts um 2 nicht mit ihm Wodka trinken möchte, dann ist das doch existenziell am nächsten Morgen, einen Ersatzmantel zu haben. Auch wenn einem dann dabei die Fingerkuppen abfrieren. Das Gefühl kommt aber nach ca. 3 Monaten wieder… Bin ich ja nun gewohnt, habe es nun schon das 3. Mal auf der Tour.

2. Ein paar Dollar-Noten (20er bis 100er). In vielen Ländern war nicht nur der Umtauschkurs zu US$ um ca. 1/3 besser als zum Euro, sondern manchmal war die Währung Euro noch nicht bekannt!!! Zudem ist es immer gut, Bargeld dabei zu haben, denn auf das Funktionieren der Bankautomaten alle 100 Kilometer kann man sich auch nicht verlassen.

3. Ein paar Passbilder. Besonders an den Grenzen, wo man ein Visum bei der Einreise bekommt (vor allem Asien/Afrika), immer nützlich und spart Zeit und Nerven.

Das Sinnloseste war eine Regenhose. Ich bin echt 2,5 Jahre mit einer Regenhose und Regenüberzugsschuhen um die Welt gefahren und habe sie neu und unbenutzt aus meiner Tasche geholt, als ich wieder durch Deutschland gerollt bin und bei Temperaturen um die 5-10°C so richtig einen Tag durch Regen gefahren bin. Aber besser als nie benutzt, oder? 😉

Sonst bin ich echt mit viel Glück ohne Regenhose und Schuhschützer durch die Regenzeiten in Südostasien und Zentralamerika gefahren und dabei fast nie nass geworden. Meist war es ohnehin so heiß, dass man sich lieber noch was ausgezogen hat.

Und wenn ich so richtig nachdenke: Zelt und Kocher braucht man eigentlich auch nicht. Vor allem, wenn man alleine reist und wenn man nicht gerade auf 7.000er steigt und durch Sibirien im Winter fährt. Ansonsten findet man eigentlich immer irgendeinen Unterschlupf.

Egal ob große oder kleine Tour: welche drei Dinge sind bei euch immer dabei und was war das Sinnloseste, das ihr mal mitgenommen habt?

4 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *