Hart aber Herzlich: Die Veloheld Gravel Spartakiade

Hart aber Herzlich und viel Push Bike: Die Veloheld Gravel Spartakiade 2019

Ich weiß ehrlicherweise nicht mehr, warum ich mich eigentlich bei der Gravel Spartakiade angemeldet habe, aber es war eine gute Entscheidung. Im letzten Jahr fand diese Bikepackingausfahrt mit vielen Höhenmetern zum ersten Mal statt und der Beitrag von Radelmädchen Juliane hat dann wohl mein Interesse geweckt. Zudem suchte ich nach einer Möglichkeit, im Spätsommer noch mal eine kleine Ausfahrt zu machen und dabei Gleichgesinnte zu treffen.

Die Gravel Spartakiade, das waren in diesem Jahr 65 Radverrückte mit ihren geländegängigen Rädern, die einfach so und vor allem freiwillig bei über 30 Grad mit ihren Rädern durch die Sächsische und Böhmische Schweiz sausen, von Dresden nach Jetřichovice und wieder zurück.

Warten auf den Startschuss

In diesem Jahr gab es zwei Streckenangebote: eine 125km lange Strecke und eine 85km kurze Strecke. Beide nahmen sich nicht viel, was Höhenmeter anging (2.200HM vs. 1.400HM). Dazwischen gab es zwei Checkpoints, an denen man sich mit Wasser, Kuchen, Äpfeln und Haribo stärken konnte.

Und es gab ein kleines Zeitlimit: Wer nach 16 Uhr den CP 2 passiert, der wurde auf die kurze Strecke geschickt, damit man noch im halbwegs Hellen den Campingplatz in Jetřichovice erreichen konnte.

Mein Rad ist bereit für die Spartakiade

 

65 Radler + über 30 Grad = Gravel-Spaß!

10 Uhr sollte Start bei Veloheld in Dresden Neustadt sein, der sich aber etwas verzögerte, da noch Radler ankamen und ihre Räder fertig machen mussten. Ein wahres Fest für Radliebhaber und ein echter Augenschmaus, was da an Gravel- und Endurance Rädern rumstand.

Und dann ging es endlich los. Aber gleich nach dem Start stockte es an einer engen Passage, gefolgt von einem Sandfeld. Ich wartete ab und fuhr fast als letzter auf den Track. Die ersten Kilometer ging es auf Waldwegen um Dresden herum durch die Dresdner Heide, um dann über die ersten Höhen Richtung Sebnitz in den Nationalpark Sächsische Schweiz anzusteigen.

Die Hitze war schon ordentlich und ich nahm mir vor, sehr regelmäßig zu trinken und vor allem auch was zu essen. Das habe ich auch geschafft, obwohl ich mich zwingen musste und mir dadurch auch am Anfang etwas übel wurde.

Den ersten Abschnitt bis Sebnitz nutzte ich, um an die vorderen Fahrergruppen aufzuschließen. Mittlerweile war das Feld richtig auseinandergezogen. Ab und zu gab es kleinere Gruppen, aber ansonsten fuhren wir mehr oder weniger alleine durch das Land.

Das Tempo war durchaus hoch, vor allem am Berg. Naja, ich alter Mann schaffe das schon, aber dafür muss ich mein Tempo fahren. Also schaltete ich in den Endurance Modus und strampelte vor mich hin. Als Hase hatte ich mir eine Gruppe Leipziger ausgesucht, die ich am Berg meist verlor, dann aber wieder auffuhr.

Der Track führte sehr abwechslungsreich über Feld- und Waldwege, auf Radwegen und Straße durchs Land, garniert mit dem ein oder anderen harten Anstieg, wo Hike & Bike angesagt war.

Hike & Bike

Nach ca. 45km gab es CP 1 und Zeit für eine erste Pause. Wasser tanken, was Kleines essen und weiter. Direkt dahinter ging es direkt steil hoch. Genau das richtige, wenn man noch Pausenbeine hat. Aber wo es hoch geht, geht es auch wieder runter, und wenig später war es ein angenehmes Radeln auf doch recht kaputten Waldtrails. Endlich mal wieder eine Herausforderung für mich und mein Rad.

Check Point 1

Und irgendwann war ich in Tschechien. Die Grenze habe ich gar nicht wahrgenommen, obwohl dort ein Schild gestanden haben soll. Aber so muss es sein: Europa ist schon klasse! Mittlerweile war ich in der Böhmischen Schweiz, der Track führte immer tiefer in den Wald, der jetzt durchzogen war von diesen großen typischen Sandsteinbergen.

Sandstein Passage

Meine „Leipziger Hasen-Gruppe“ war von dannen gezogen und so pedalierte ich alleine durch diese schöne Landschaft. Immer wieder ging es steiler bergauf, aber irgendwo müssen ja die Höhenmeter zusammenkommen.

Ich hatte aber auch kein Gefühl mehr, wo ich genau im Feld der ganzen Spartakisten war. Über Instagram bekam ich mit, dass sich wohl (na klar!) rund um Juliane eine Gruppe Radler hinter mir versammelt hatte, die einem ausgiebigen Pausenkult fröhnte. Aber das war auch genau richtig so, denn es geht hier um nix und vor allem um Spaß an der Sache. Leider sind Pausen und ich nicht so die besten Freunde. Ich kann nicht lange stillsitzen, selbst wenn ich erschöpft bin.

Immer mal wieder treffe ich andere Radler

Irgendwo bei Kilometer 65 sollte der CP 2 kommen. Hier wollte ich mich entscheiden, ob ich die große Runde fahre, oder die kleine. Im Kern ging es um die Entscheidung: Eher am Lager und ein kühles Bier, oder noch ein paar Höhenmeter bei 100 Grad im Schatten.

Aber erstmal den Checkpoint finden. Kilometer 67 war vorbei, 68, 69… Na gut, dann hatte ich offensichtlich irgendwo das Schild übersehen und fuhr erstmal weiter. Wasser hatte ich noch genug, Essen auch. Und als ich Ausschau nach einem geeigneten Plätzchen für eine Pause hielt, leuchtete die hellblaue Veloheld Fahne zwischen den Bäumen und der CP 2 war erreicht.

Check Point 2

Ich machte mein Kreuz auf der Teilnehmerliste und bekam einen Gravelspartakiade Patch. Der sieht echt klasse aus und macht auch ein bisschen stolz. Aber noch stolzer und überraschter war ich, als ich herausbekam, dass ich unter den ersten 20 Fahrern war, die den Checkpoint erreicht hatten. Gar nicht so übel für mich Nordlicht und Flachland-Bikepacker, vor allem da auch oft 20 Jahre zwischen mir und den anderen Fahrern lagen und ich wohl auch etwas mehr Gepäck am Rad hatte.

Ehren-Patch

Gemeinsam mit vielen Wespen teilte ich mir etwas Kuchen und Apfel und setzte mich in einen der sehr angenehmen Stühle. Jetzt mal die Pause genießen. Die Hitze hat vielen der Fahrer zugesetzt und je länger ich in diesem wunderbaren Stuhl saß, desto mehr stand meine Entscheidung fest: Ich rolle auf die kurze Strecke rüber zum Camping und genieße das Zusammensein mit den anderen und den Austausch übers Radfahren und Fahrräder. Neben mir saß Max, der ebenfalls am CP 2 eine Entscheidung treffen wollte und sah das ähnlich.

Mit Max durch den Wald

Mit Pausenbeinen schwangen wir uns dann irgendwann wieder auf die Räder. Aber so einfach sollte es dann doch nicht werden, denn ein paar Höhenmeter warteten noch und präsentierten sich auch recht schnell in Form von steilen Waldpisten und wenig später hügeligen tschechischen Straßen.

Zwischendurch gabelten wir noch einen weiteren Radler auf, der eine Panne hatte und dem ich meinen Ersatzschlauch gab. Zu dritt rollten wir dann die letzten Kilometer bis zum Camping, wo wir uns bei einem ersten kühlen Bier zur schönen Tour gratulierten.

Nach und nach trudelten alle Radler im Camp ein, Zelte wurden aufgebaut, Biwaksäcke ausgerollt, der Grill angeschmissen, das Bier gezapft und das Lagerfeuer entzündet. Natürlich gab es auch eine Gitarre und jemanden, der spielen konnte (Wonderwall!). Quatschen, essen, trinken, trinken, quatschen.

Feuer mit Wonderwall

Irgendwann verzog ich mich ins Zelt. Nachts wachte ich auf und muss sagen: Ich habe es noch nie erlebt, dass in einer Gruppe von 65 Leuten KEINER schnarcht!

 

Im Frühtau durch die Berge

Um 5 Uhr war ich wach. Eigentlich führte der zweite Teil der Gravelspartakiade an diesem Tag durch die Berge zurück nach Dresden. Ich musste aber leider passen, denn mein Zug nach Hamburg ging am frühen Nachmittag aus der sächsischen Hauptstadt, und bis dahin waren es noch knapp 80km. Zudem war für Mittag ein Gewitter vorhergesagt, welches ich gerne erst in Dresden erleben wollte.

Der frühe Vogel…

Ich hatte mir daher eine eigene Route zusammengebaut, die mich auch noch mal an Orten entlang führte, die ich früher als Jugendlicher so oft besucht habe: Hrensko und der Grenzmarkt, Schmilka und der weggeschwemmte Zeltplatz, auf dem ich so oft war, Bad Schandau, wo ich früher auf dem Weg von Leipzig über Dresden in die Sächsische Schweiz mit dem Rad oft Pause gemacht habe, Pirna, dessen Altstadt ich sehr mag, und natürlich die Elbe, die dort oben an der tschechischen Grenze sehr mit meiner Jugend in der DDR verbunden ist.

Sonnenaufgang in der Böhmischen Schweiz

Gegen 6.30 Uhr hatte ich alles zusammengepackt und fuhr los. Ohne Kaffee, ohne Frühstück – so wie ich es mag. Erstmal Strecke machen. Der Weg führte durchaus steil durch die Berge bis runter an die Elbe bei Hrensko. So bekam ich schnell Puls und der Kreislauf war wach. Belohnt wurde aber die morgendliche Anstrengung durch einen wunderbaren Sonnenaufgang, der das Land in goldenes Licht tauchte. So richtig wollte ich eigentlich nicht weg…

Und dann kam ich an die Elbe, fuhr durch die leere Grenzstation, an der wir früher oft so lange in unserem Trabi warten mussten, bog auf den Elberadweg ab und fuhr am Lilienstein und der Bastei vorbei nach Pirna.

Dort gab es erstmal Frühstück und im Anschluss reihte ich mich in den immer stärker werdenden Strom an Radfahrern auf dem Elberadweg ein und ließ mich bis Dresden mittreiben.

Die Gravel Spartakiade ist eine sehr empfehlenswerte Veranstaltung. Gute Leute, tolle Räder, mega Strecke und ein entspanntes Zusammensein machen es zu einem echten Bikepacking Event. Nächstes Jahr bin ich dann vielleicht wieder dabei…

 

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