In grauer Vorzeit, als ich noch ein junger Radreisender war, fuhr ich mit Corratec Diamond Grip und Diamond Slick durch die Welt. Das waren Reifen, die eine glatte Lauffläche hatten und der Grip hatte am Rand ein leichtes Profil. Im Prinzip wie die modernen Semislick Reifen, nur sehr viel einfacher.

Das war zwar ok, aber mit diesen Reifen gab es so viele Platten, dass mir in der Sahara irgendwann mal die Flicken ausgingen. Ich hatte damals nicht viel Geld und daher auch nicht in etwas teurere Reifen investiert. Aber ich war es leid mit den Pannen und hatte von „diesen Schwalbe“ gehört, die irgendwie nicht kaputtgehen sollen.

Der erste und der beste: Schwalbe Marathon XR

Mein erster „Schwalbe“ war dann der Marathon XR. Das ist der aus meiner Sicht beste Reifen, der je für Radreisen hergestellt wurde. Leider gibt es ihn nicht mehr. Auf ihn folgte der Marathon Extrem, den ich nicht so toll fand. Und so bin ich auch dann fix auf den Marathon Mondial gewechselt, der auf den Extreme folgte und sich vom Profil wieder am XR orientierte. Seitdem fahre ich die Evo-Faltversion des Mondial mit 50 und 55er Breite auf 26 Zoll (50-559 und 55-559). Und ich bin mehr als zufrieden mit diesen Reifen.

Der Schwalbe Marathon Mondial © pd-f.de

Ende letzten Jahres dann kontaktierte mich ein ehemaliger Arbeitskollege, der für Continental Produkt-Informationsmaterial macht. Er fragte mich, ob ich nicht ein Interview geben möchte, über Anforderungen und Erwartungen an Fahrradreifen bei Radtouren. Ja, gerne, bloß hatte ich noch nie Continental Reifen und fahre seit fast 20 Jahren mit Schwalbe Reifen durchs Land. Und so kamen wir auf die Idee, dass ich auf meiner Patagonien-Tour mal die Continental Travel Contact ausprobieren werde.

Der Continental Travel Contact © Continental.de

Wenn das mal kein Fehler ist! Never change a running system! Damit wirst Du nicht viel Spaß haben! Die halten nicht lange! Auf der Straße ok, aber niemals auf Schotter!

Diese Reaktionen bekam ich, nachdem ich von meinen Mondial auf die Travel Contact umgestiegen bin und darüber berichtete. Umso mehr war ich gespannt, wie die sich tatsächlich so machen.

Die Mondial waren schon mit mir auf Island, in Georgien, auf vielen Touren in Deutschland und im fast täglichen Stadtverkehr auf dem Weg ins Büro unterwegs. Die aktuellen Mondial hatte bereits 12.000 km runter und ich wollte ohnehin vor Patagonien einen neuen Satz aufziehen.

Gesagt getan und wenig später bekam ich von Conti einen Satz Reifen geschickt und nach der Montage ging es direkt los auf die Carretera Austral. Mit dieser hatte ich für die Contis gleich ein gutes Testgebiet: die fast 1.500 km, die sie hier unter Last und auf ordentlich Schotter gelaufen sind, kann man aus meiner Sicht aber verdoppeln, was die Beanspruchung angeht.

 

Der große Vergleich: Marathon Mondial vs. Travel Contact

Kann man beide Reifen eigentlich miteinander vergleichen? Ich finde schon, denn beide treten als DIE Bereifung für Globetrotter und für die große Tour um die Welt an. Da muss ein Vergleich also erlaubt sein.

Und auch in Sachen Verarbeitung sind beide Reifen gleich top. Ich betone das, da ich beim Schwalbe Tour Plus schon zweimal eine schlechte Verarbeitung hatte und sich nach nur wenigen Kilometern hinten der Mantel an der Lauffläche auflöste und der Pannenschutz sichtbar wurde.

Gute Verarbeitung meint auch das Achten auf eine gleichmäßige Verarbeitung des Reifens, ohne Unwucht. Und vor allem auch die Haltbarkeit der Seitenflächen, wo bei anderen Mänteln sich gerne auch mal die Karkasse auflöst, oder bei Drahtreifen vom „Trägerring“ ablöst.

 

Auf Augenhöhe: Profil, Pannenschutz und Gewicht

Was natürlich sofort auffällt ist die unterschiedliche Lauffläche. Der Mondial hat ein grobes Profil, was mehr Traktion auf Schotter und abseits der Straße verspricht.

Der Travel Contact ist ein Semislick, hat also hat eine glatte Lauffläche, dafür aber seitlich Profil, was eine gute Traktion auf der Straße verspricht und etwas Grip auf der Piste.

Beide Profile im Vergleich – der Mondial hat da aber schon 12.000 km mehr als der Travel Contact hinter sich

Wenn man die Laufflächen der beiden Mäntel anfasst, so merkt man, dass der Gummi beim Conti ordentlich dick ist, was vermutlich durch die Pannenschutzeinlage kommt und den kevlarverstärkten Safety System Breaker. Das ist ein hochfestes Nylongewebe, das dem Reifen mehr Lebensdauer verspricht. Insgesamt macht der Reifen einen sehr stabilen Eindruck und fühlt sich trotz 750g Gewicht leicht an. Besonders solide fühlen sich die Seitenflächen an, die von Conti mit DuraSkin verstärkt sind und so jeglichen Herausforderungen gewachsen sein sollen.

Der Travel Contact in Patagonien

Beim Mondial in der Faltversion wirkt die Karkasse etwas dünner, aber das Profil sehr stabil. Die Schwalbe Double Defense (High Density Guard + SnakeSkin) sorgt für ordentlich Pannensicherheit und tatsächlich habe ich mit den Mondial viele Jahre keine Platten mehr gehabt. Welchen Belastungen die Reifen aushalten, kann man sehr schön am Profil des Marathon nach ein paar tausend Kilometern sehen: kleine Steine, Scherbensplitter, Schnitte und Löcher kennzeichnen die Lauffläche. Vom Gewicht her wiegt der 50er Mondial etwas weniger als der Travel Contact: 740g bringt er auf die Waage und damit 10g weniger als der Conti.

Der Mondial – gekennzeichnet von tausenden Kilometern

Ein großer Unterschied ist, dass der Mondial auch als Faltversion erhältlich ist. Das ist schon mal ein Vorteil für einen Reisereifen, von dem man sich vielleicht gerne einen Ersatzmantel mitnimmt. Der Travel Contact hingegen ist in der 50er Größe nur als Drahtreifen verfügbar. (in der 47er Breite ist er als Faltversion erhältlich).

Hinzu kommt, dass es den Mondial auch in 55er Breite gibt. Der Travel Contact hört bei 50 auf. Das ist aber nicht unbedingt ein Nachteil. Die 55er Schlappen fahren sich wie ein Panzer oder 29er, haben aber natürlich auch entsprechenden Rollwiderstand. Die 50er sind da etwas „filigraner“ und für eine Tour auch völlig ausreichend. Und wenn die Travel Contact mal durch sind, bleibe ich vermutlich bei der 50er Breite (obwohl ich noch einen neuen Satz 55er Mondial im Keller habe…).

 

Geschmacksfrage: Design und Maximaldruck

Was auch auffällt, ist die Farbgebung: der Mondial ist Schwarz (ohne Reflektionsband), der Conti hebt sich durch seine braunen Flanken ab (ebenfalls ohne Reflex). Also eine Geschmacksfrage. Ich finde das Braun durchaus schick am Rad, auch wenn es dann recht fix unter dem Dreck verschwindet.

Interessant ist, dass Schwalbe dem Mondial ein hohes Belastungsgewicht ausweist: angeblich hält der Mondial bis zu 130 kg Belastung aus (bei 50er Breite; 55er Breite geht bis 135 kg). Der Travel Contact hat laut Conti ein Belastungsgewicht von 95 kg bei 50er Breite.

Mit bis zu 5 Bar im Einsatz unterwegs – die Marathon Mondial

Was den Luftdruck angeht, musste ich mich umgewöhnen: ich fahre normalerweise meine Reifen auf Tour unter Last mit 4,5 bis 5 Bar Druck. Der Mondial macht das gut mit, denn er ist auf einen Druck von 2,5 bis 5 Bar ausgelegt. Und selbst mit dem 55er auf 19er Felgen hatte ich nie Probleme, Felgenrisse oder ähnliches.

Der Travel Contact braucht nicht so viel Druck: selbst unter Last reichen ihm 3 bis 4 Bar. Ich habe das natürlich ignoriert und auch die Contis in Patagonien erstmal mit 4,5 bis 5 Bar gefahren. Selbst auf Schotter und es war mir nicht zu hart.

Bei „nur“ 4 Bar war mir das Fahrgefühl zu schwammig, bzw. zu weich. Ich muss aber sagen, dass diese vermutlich mein sehr individuelles Problem ist und eher psychologischer Natur war. Ich habe den Druck dann aber doch noch auf 4 Bar reduziert und es lief genauso gut, bzw. hatte ich bei dem ganzen Gerüttel und Geschüttel in Patagonien ohnehin kein Gefühl mehr für den Reifendruck.

 

Reibungslos: die Montage

Ich höre immer wieder von Problemen beim Aufziehen von Reifen. Ich hatte noch nie schlechte Erfahrungen damit. Der Mondial als auch der Conti schlüpfen recht leicht auf die Felge und mit Reifenhebern funktioniert auch die restliche Montage sehr gut. Teilweise kann ich die Mondial auch ohne Reifenheber mit Schlauch auf die Felge drücken.

Beide Reifen passen sich gut der Felge an und sitzen nach Montage bombenfest.

 

Gefühlssache: Rollwiderstand und Traktion

Ehrlicherweise halte ich bei Tourenreifen die ganze Rollwiderstandsdiskussion für übertrieben. Klar rollen einige Reifen besser, als andere. Und klar, gibt es physikalische Fakten, die Vor- und Nachteile bestimmter Reifen zeigen. Aber mal ehrlich: merkt man das auf Tour wirklich? Und falls ja, wirkt sich das so sehr auf eine Tagesstrecke aus? Ich glaube eher nicht, bzw. mache ich mir darüber wenig Gedanken, denn bei der Wahl der richtigen Reifen für eine Radreise, rangiert der Rollwiderstand eher hinten. Hier geht es in erster Linie um Widerstandsfähigkeit, Pannenschutz und Belastbarkeit.

Reifen für die harte Tour

Natürlich hat der Mondial bei seinem Profil einen leichten Nachteil in Sachen Rollwiderstand gegenüber dem Semislick Conti. Auf Asphalt fällt das schon auf, auch was die Geräuschentwicklung angeht. Ich habe mich schon an das gleichmäßige Brummen des Mondial auf Asphalt gewöhnt und war überrascht, wie leise die Travel Contacts laufen. So konnte ich auf den guten Carretera Austral Abschnitten ordentlich Strecke machen und gut rollen.

Bei der Traktion war ich allerdings gespannt. Der Mondial wühlt sich zuverlässig fast jede Piste hoch und wieder runter und bietet auch bei Schlamm und Regensturm einen guten Halt auf Straße oder Schotter.

Beim Travel Contact war ich skeptisch – schließlich war da ja kein Profil, welches Halt hätte geben können. Umso mehr war ich überrascht, als ich bei strömendem Regen auf einer üblen Baustellen-Schotter-Schlamm-Piste bergauf kroch und der Reifen dennoch ordentlich Traktion bot und nicht durchrutschte. An schrägen Stellen gaben die seitlichen Profilnoppen den nötigen Halt. Hätte ich jetzt ehrlicherweise nicht gedacht.

Auch bei hoher Geschwindigkeit auf Schotterpiste und über Stock und Stein machten die Travel Contact ohne Probleme mit. Kein Wegrutschen, Durchdrehen oder Ausbrechen. Und nach den 1.500 km Patagonien (den 3.000 km also unter normalen Bedingungen) sehen die Reifen immer noch fast aus wie neu.

 

Kompromisslos: Pannenanfälligkeit

Eigentlich eine Kategorie, die es bei solchen Reifen nicht geben sollte. Schließlich verwenden beide Hersteller auf ihren Websites ziemlich viel Platz, um all die Technologien zu erklären und aufzuzeigen, die Pannen jeglicher Art verhindern und ausschließen.

Und ja, beide Modelle sind sehr pannensicher, wobei der Mondial aus meiner Sicht etwas mehr Pannensicherheit von Haus aus mitbringt, als der Travel Contact, der in der Conti-Pannenkategorie eine 4 bekommt (von insgesamt 6 Kategorien (??)). Der Mondial liegt bei Schwalbe in der Kategorie 6 von insgesamt 7.

Der Travel Contact von der Belastung gekennzeichnet

Schaue ich auf die eigene Statistik, so verzeichnet derzeit der letzte Mondial zwei Platten. Die gab es im Stadtverkehr nach 10.500 km und 12.000 km Laufzeit. Für mich immer auch ein Zeichen, dass es Zeit wird zu wechseln.

Der Travel Contact hatte einen SnakeBite in Patagonien: einem größeren Stein konnte ich bergab nicht mehr ausweichen und hatte einen Durchschlag. Das hätte vermutlich auch ein Mondial nicht besser gemacht.

Hinzu kommt noch ein Platten im Stadtverkehr: ein Glasdorn hatte sich ins Hinterrad gebohrt. Eigentlich vermeidbar, so wie ich die zusätzliche Panneschutzeinlage bei Conti verstanden habe und das kevlarverstärkte Nylongewebe. Einen ähnlichen Glasdorn hatte ich aber auch im Mondial beim ersten Platten.

Insgesamt also 2:2, aber von der gesamten Spielzeit her betrachtet, Vorteil für den Schwalbe Marathon Mondial. Der Travel Contact muss noch ein bisschen laufen, bevor ich hier ein finales Urteil abgeben mag.

 

Unterschiedlich: Der Preis

Hier gibt es Unterschiede! Der Mondial ist teurer als der Travel Contact:

Die Schwalbe Marathon Mondial Evolution Double Defense® TravelStar 26″ Faltreifen mit 50 oder 55er Breite gibt es um die 35 Euro pro Stück.

Der Conti TravelContact 26“ mit 50er Breite und DuraSkin SafetySystem Breaker ist bereits ab 22 Euro pro Reifen erhältlich.

Der Continental Travel Contact nach 900 km auf der Carretera Austral

Fazit

Ach, irgendwie mag ich sie beide. Und ich würde jederzeit mit beiden Reifen-Modellen auf große Tour gehen.

Ich würde mal sagen:

Wer es etwas sportlicher mag und besser rollen möchte, der greift zum Travel Contact, ohne dabei aber auf Pistentauglichkeit verzichten zu müssen.

Wer es solide mag und keine Kompromisse eingehen möchte, dafür aber etwas Rollwiderstand in Kauf nimmt, der greift zum Marathon Mondial.

Höchste Pannensicherheit beim Marathon Mondial

Der einzige Unterschied, der aus meiner Sicht klar für den Mondial spricht, ist die Faltversion. So lässt sich einfacher auch Ersatz auf Tour mitnehmen. Aber vielleicht zieht da der Travel Contact noch nach.

Preislich nehmen sie sich jetzt nicht wirklich viel. Der Unterschied von 10 Euro ist sicherlich bei Schnäppchen-Angeboten wieder egalisiert.

ABER: Die Marathon Mondial kenne ich natürlich schon wesentlich länger und konnte sie daher auch länger „testen“. Über den Conti mit seinen paar Kilometern bin ich jetzt erstmal nur eingeschränkt auskunftsfähig. Vor allem was die Lebensdauer angeht, muss man noch mal sehen. Patagonien war ein echter Härtetest und da haben sich die Travel Contact sehr gut geschlagen.

Der Travel Contact nach ca 1.200 km in Patagonien

Aber ob sie die schon fast legendäre Lebensdauer der Mondial-Reifen, mit teilweise 20.000 km und mehr, erreichen, kann ich erst später sagen.

Ich fahre jetzt die Travel Contact noch solange es geht. Mal sehen wann das ist und welche Erfahrungen ich bis dahin noch mache.

 

Und nun möchte ich natürlich eure Meinungen und Erfahrungen wissen! Also her damit in die Kommentare…

 

Hinweis: Die Continental Travel Contact Reifen bekam ich ohne jegliche Verpflichtung. Sie wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt und man freue sich über Bilder des Reifens aus Patagonien. Mehr nicht. Dieser Vergleich hier und die Besprechung des Reifens erfolgen aufgrund meines eigenen Interesses an diesem und sind nicht gefordert oder vereinbart.

Danke an den Pressedienst Fahrrad für das schnelle Besorgen der Produktbilder vom Marathon Mondial. Und Danke an Continental für die Infos und das Produktbild.