Reiseradler-Interview #24: Dorothee Fleck von Womenscyclingguide.com

Dorothees Fahrrad in der Mongolei © www.dorothee-fleck.com

Sie ist zwei Mal um die Welt geradelt und bereitet sich gerade auf eine Afrika-Durchquerung vor: Dorothee Fleck gehört wohl zu den deutschen Reiseradlern, die mit am meisten Kilometer zurückgelegt haben. „Nach meiner Radtour 2006 auf Madagaskar kam mir die Idee zu kündigen und mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren. Ein Jahr später habe ich noch einen Härtetest gemacht: eine Radtour in Jordanien, durch die Wüste, in einem muslimischen Land und während des Ramadan. Wenn ich dann immer noch nicht genug habe, dann kündige ich. So war mein Plan. Im Februar 2008 habe ich gekündigt und bin dann einmal um die Welt geradelt. Und weil es so schön war, anderthalb Jahre später noch einmal“.

Von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, vor allem als Frau alleine unterwegs mit dem Rad zu sein, berichtet sie sowohl auf ihrer Seite als auch auf dem von ihr initiierten Womans Cycling Guide, einer Website rund um das Solo-Radreisen als Frau. „Jetzt wird es langsam Zeit, dass ich wieder auf große Tour gehe“ – und bevor sie sich wieder in den Sattel schwingt, freue ich mich, Dorothee im Interview begrüßen zu können…

Abendessen © www.dorothee-fleck.com

Abendessen © www.dorothee-fleck.com

Zum Warmwerden: Wie bist Du zum Radreisen gekommen?

Seit meiner Jugend mache ich Radreisen. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich dazu gekommen bin. Ich bin schon immer sehr gerne Fahrrad gefahren und wollte die Gegend erkunden. So kam es wahrscheinlich, dass ich meinen Radius immer mehr erweitert habe und nicht jeden Tag wieder zurückfahren konnte (und wollte) :-).

Mit Freundinnen bin ich an den Bodensee, in den Schwarzwald und ins Elsass gefahren. Die Touren wurden immer länger und gingen nach Frankreich, Italien und Spanien. Da ich keine Lust hatte zu warten, bis jemand anderes Lust und Zeit hat mitzukommen, habe ich mich sehr früh selbst auf den Weg gemacht. Meine erste außereuropäische Tour (in die USA) ist auch schon 20 Jahre her.

Zum Träumen: Wo warst Du schon überall und wo musst Du unbedingt noch hin?

Nachdem ich zweimal um die Welt gefahren bin und auch vorher auch schon die eine oder andere Tour gemacht habe, war ich eigentlich schon fast überall.

In Afrika war ich bisher nur auf Madagaskar zum Radfahren und vor 30 Jahren als Rucksackreisende in Kenia. Jeder meinte, mit dem Fahrrad sei das viel zu gefährlich. Damals habe ich ihnen noch geglaubt. Mein nächstes Ziel ist jetzt aber Afrika. Am liebsten möchte ich schon Ende dieses Jahres los.

Zum Nachmachen: Welches Land kannst Du empfehlen und warum?

Kommt ganz darauf an, was man möchte. Zum Einstieg kann ich fast jedes westeuropäische Land empfehlen. Dank der weit ausgebauten Radwegenetze ist es einfach zu fahren, man bekommt (fast) alles unterwegs und ist nie alleine.

Sucht man in „näherer Umgebung“ Abenteuer, ist auf jeden Fall Albanien angesagt. Es ist mit seiner geringen Bevölkerung, wunderbaren Landschaft und schlechten Straßen das letzte Abenteuerland Europas.

Mehr exotisch ist die Mongolei. Da sollte man schon ein bisschen Radreiseerfahrung mitbringen. Es ist ganz anders als alle anderen Länder: kaum Straßen, Nomaden, ein riesiger Campingplatz 🙂

Zu Gast bei einer tadjikischen Familie © www.dorothee-fleck.com

Zu Gast bei einer tadjikischen Familie © www.dorothee-fleck.com

Zum Erfahren: Was hat Dich am meisten unterwegs beeindruckt?

Was mich überhaupt in den ärmeren Gegenden beeindruckt, ist die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Leute. Sie würden noch ihr letztes Hemd hergeben und wollen noch nicht einmal etwas dafür.

Mich fasziniert, wie Leute in den abgeschiedenen Gegenden überleben können. Wir meinen immer, wir wären die bessere Zivilisation und meinen, ihnen etwas beibringen zu müssen. Dabei haben sie viel mehr „Basic Knowledge“ als wir, wie man überlebt.

Zum Leben: Bist Du lieber alleine unterwegs oder zu zweit? Und warum?

Alleine! Wenn ich etwas tun möchte, möchte ich nicht warten, bis jemand anderes Zeit und Lust hat. Man ist viel freier alleine, kann Pausen machen, wann man möchte, sein Tempo fahren etc. Alleine habe ich viel mehr Kontakt zur Bevölkerung. Mittlerweile trifft man so viele Radfahrer unterwegs, überhaupt auf den „Hauptverkehrsstrecken“, dass man ein Weilchen mit jemandem mitfahren kann, wenn man sich einsam fühlt.

Ausführlicher kann man das Thema auch auf meinem Blog nachlesen.

Zum Fahrrad: Stell es uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an Deinem Rad dran?

Ich musste lachen, als ich Dein neues Reiserad sah, denn es erinnerte mich sehr an meines. Der Stahlrahmen ist aber von Velotraum. Ansonsten sieht es fast gleich aus: Rohloff, Magura HS33, Schwalbe, Tubus, Brooks Sattel. Ich habe die Sun Rhyno Felgen und nur Aufsteck-Mudgards sowie keine Lampen (nur Batterieleuchten, denn ich fahre kaum bei Nacht, wenigstens nicht auf Reisen).

Das Velotraum © www.dorothee-fleck.com

Das Velotraum © www.dorothee-fleck.com

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und falls ja, welche?

Ich glaube, als Rohloff Enthusiast möchtest Du das jetzt nicht hören, aber auch diese Nabenschaltung geht kaputt. 😉 In Tasmanien war in den unteren sieben Gängen nur noch Leerlauf. Damals konnte ich das Hinterrad zu Rohloff in Australien schicken und dann halt warten, bis es wieder zurückkam.

Bei der Magura HS33 sind mir zweimal Bremshebel gebrochen. Der Service, den man von Magura weltweit bekommt, ist fantastisch. Ich habe z.B. in Hongkong neue Bremshebel bekommen.

Ansonsten hatte ich die üblichen Pannen von Platten über Speichenbrüche bis hin zu einer abgebrochenen Schraube am Gepäckträger. Da konnte ich mir aber immer selbst weiterhelfen.

Zum Wissen: Dein ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Den Humor nicht verlieren! Es gibt wirklich Sch…ß Situationen. Und man fragt sich nicht nur einmal, warum man sich das antut. Aufgeben geht oft auch nicht. Es gibt Situationen, da muss man einfach durch. Danach ist es ein erhabenes Gefühl, wieder etwas geschafft zu haben. Und wenn man dann noch über sich lachen kann, ist es fantastisch.

In schwierigen Situation bringt Verzweiflung auch nichts, denn das kostet nur zu viel Kraft. Nur wenn man Ruhe bewahrt, kann man klar denken und eine Lösung finden. Natürlich gelingt mir das auch nicht immer, ich kann auch ganz schön herumschreien. Nur fällt mir dann gleich dieser Satz wieder ein, den ich anderen immer sage und muss über mich selbst lachen.

Auch sollte man offen sein für alles, was kommt. Neugierig und interessiert – man kann so viel unterwegs lernen, wenn man bereit dafür ist.

In Albanien © www.dorothee-fleck.com

In Albanien © www.dorothee-fleck.com

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Da brauche ich nicht nachzudenken. Ganz klar: Wiederkommen.

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Da ich frühestens Ende des Jahres zu meiner nächsten großen Tour, nach Afrika, aufbrechen kann, bin ich im Sommer 3-4 Wochen durch die Bretagne, abseits des Loire-Radwegs, entlang der Atlantikküste gefahren.

Die Afrikatour ist noch in Planung, aber werde wahrscheinlich die Westküste entlang in den Süden fahren. Ich möchte das sehr flexibel handhaben, mich den entsprechenden Situationen anpassen. Tipps sind natürlich immer willkommen.

Mehr über Dorothee Fleck gibt es hier:

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