Rückblick Eurobike 2015: 4 Trends und viele Bilder für Reiserad-Fans

Farbenfroh: die Eurobike 2015

Wer auf die Eurobike fährt, der muss sich damit abfinden, vieles zu sehen, aber nicht alles gesehen zu haben. Immer wieder entdeckt man in den Hallen neue Stände, oder an bereits besuchten Messeständen wieder neues. Ich habe es irgendwann aufgegeben, alles sehen zu wollen. Diese unglaubliche Vielfalt an Fahrrädern, Designstudien, Klamotten, Taschen und Zubehör ist beeindruckend und erschlägt einen förmlich.

Räder, Räder, Räder - es fällt schwer, auf der Eurobike den Überblick zu behalten

Räder, Räder, Räder – es fällt schwer, auf der Eurobike den Überblick zu behalten

Mein Fokus lag auf Reiserädern und allem, was damit zusammenhängt. Aber fangen wir mal mit den Trends an. Aus meiner Sicht gibt es 4 große Trends, die für uns Reiseradler interessant sind:

1. Spannung: der Strom erobert auch das Reiserad

2. Smart: Mobile Technologien geben dem Rad neue Funktionen

3. Von Ketten befreit: Zeitenwende am Tretkranz?!

4. Vom Six-Pack zum Flash-Packer: Radreisen werden „crossiger“

 

Mit Motor durch die Welt: E-Reiseräder für die große Tour

Ich habe die eBike Entwicklung immer nur am Rande beobachtet, aber nicht als derzeit relevant für die Reiseräder erachtet. Und nach wie vor sind Fahrräder für die großen, mehrmonatigen Touren besser ohne eMotor unterwegs – auch weil das Nachladen noch ein Thema ist. Aber auf der Eurobike habe ich viele eModelle etablierter Reiseradhersteller kennengelernt, die durchaus attraktiv und interessant sind.

eCustomize: Das Velotraum Cross 7005 Pinion

eCustomize: Das Velotraum Cross 7005 Pinion

Velotraum bietet mit dem „VT Konzept Cross 7005 Pinion Vorschlag 11“ ein „Customized E-Bike“ mit Alber Antrieb und Pinion-Schaltung an. Reichweite bei normaler Fahrt die üblichen 80 bis 110 km. Das Gewicht liegt bei 25 kg, also für eBikes recht normal. Der Alber Antrieb ist sehr breit einsetzbar und macht auch besondere Rahmenformen, wie den Velotraum Komfort Rahmen (mit dem Knick im Oberrohr), mit. Zudem kann der Alber Antrieb am Velotraum nicht nur mit Pinion, sondern auch mit Rohloff und normaler Kettenschaltung kombiniert werden.

Das ToutTerrain Via Veneto mit eAntrieb

Das ToutTerrain Via Veneto mit eAntrieb

Auch ToutTerrain hat mit dem Via Veneto ein eTourenrad herausgebracht. Hier kommt ein Go Swiss Drive Antrieb zum Einsatz, der mit Pinion und Gates Riemen kombiniert ist. Das Gesamtgewicht liegt bei 24 kg. Auf den ersten Blick sieht es wie ein Silkroad „mit Alles“ aus – aber der genaue Blick zeigt dann die Unterschiede im Rahmen. Bei der Pinion-Aufnahme wurden noch mal 100 Gramm gespart, indem hier nun eine Art Käfig das Getriebe hält und nicht mehr ein „Kasten“ wie sonst.

Und auch Patria kann elektrisch: das Ranger Hybrid mit Steps, Alfine und DI2 Schaltung

Und auch Patria kann elektrisch: das Ranger Hybrid mit Steps, Alfine und DI2 Schaltung

Patria hat dem Ranger ebenfalls einen Motor verpasst. Beim Ranger Hybrid unterstützt ein Shimano-Antrieb, der mit einer Alfine kombiniert ist und mit Gates fährt.

Das Blue Label Charger GX Rohloff

Das Blue Label Charger GX Rohloff

Natürlich habe ich mir auch den Eurobike Preisträger von riese + müller angeschaut: das Blue Label Charger GX Rohloff. Ich muss sagen: ein wirklich schönes und robustes Rad, dass durchaus viel Spaß unterwegs machen kann.

Der Gepäckträger und Lampe am Charger GX Rohloff

Der Gepäckträger und Lampe am Charger GX Rohloff

Es gäbe noch weitere Beispiele für den Einzug des elektrischen Antriebs bei Langstrecken-Tourenräder. Ich finde diese Entwicklung durchaus interessant. ToutTerrain unterstützt zum Beispiel gerade Susanne Brüsch mit einem Mule-Anhänger, die mit ihrem Pedelec durch die Mongolei und Island gefahren ist und sehr gute Erfahrungen mit dem Aufladen der Akkus durch Solarpanel gesammelt hat.

Zudem sind Tanja und Denis Katzer gerade mit E-Bikes in Sibirien auf Tour und wagen die längste E-Bike Expedition. Sie haben aktuell auch einen Beitrag zum Akku-Laden unterwegs geschrieben.

Natürlich gibt es weiterhin die klassischen Reiseräder für die lange Tour, aber aus meiner Sicht können wir in Sachen eAntrieb bei Reiserädern noch einiges erwarten.

 

Richtig smart unterwegs

Am Stand von Schindelhauer bin ich Cobi über den Weg gelaufen. Ich habe den Erfolg dieser Idee seit ihrer Kickstarter-Zeit beobachtet und bekam auf der Eurobike eine individuelle Erläuterung.

Das Cobi System am Schindelhauer

Das Cobi System am Schindelhauer

Das ganze Cobi-System lässt sich bei jedem Rad nachrüsten und kostet im Gesamtumfang (Rücklicht, Vorderlicht, Akkupack) ca 350 Euro. Grundsätzlich passen alles Smartphones auf das Cobi System und machen somit das Rad ruck-zuck zu einer smarten und multimedialen Zentrale.

Unterwegs Musik hören, telefonieren und navigieren ist alles kein Problem. Das Smartphone wird via Akkupack geladen und dieser via Nabendynamo. Das Rücklicht ist ebenfalls Bremslicht und Blinker. Und die Bedienung des Smartphones und der App erfolgt intuitiv über einen Tastschalter am Lenkrad.

Cobi Einheit am Lenker

Cobi Einheit am Lenker

Allerdings nimmt der Cobi den Platz für Lenkertaschen weg, aber ansonsten ist das durchaus eine smarte Idee, die neben allen anderen Konzepten zeigt, wie es auch in der Praxis gehen kann.

Cobi ist aus meiner Sicht nichts für die lange und harte Tour (warum aber nicht mal ausprobieren?), aber bei normalen Radreisen und der Nutzung in der Stadt ist es eine tolle Ergänzung und Funktionserweiterung des Rades. Und es ist ja nicht das Ende der smarten Entwicklungsstange. Da wird noch mehr kommen.

In die Kategorie „Smart“ ordne ich auch die neuen Lezyne GPS-Rad-Computer ein. Auf der Eurobike konnte man sich alle drei Modelle anschauen. Zum Größenvergleich habe ich mal meinen Zeigefinger neben den größeren der Lezynes gehalten.

Die Lezyne GPS Radcomputer im Vergleich

Die Lezyne GPS Radcomputer im Vergleich

Was mir sehr gut gefällt sind die Streckenauswertung und die Kopplungsmöglichkeiten mit dem Smartphone. Ich finde das durchaus hilfreich, wenn ich zum einen zuhause bequem meine gefahrene Route (Aufzeichnung bis zu 200 Stunden) gleich dargestellt bekomme und diese auch noch teilen oder einbetten kann. Zudem finde ich es ganz angenehm, auf dem GPS Computer eingehende Messages vom Smartphone zu erhalten.

Glücklicherweise kann jeder selber entscheiden, wie viel Technik ihm ans Rad kommt. Ich bin da auch eher zurückhaltend, da all diese Sachen ja auch eine Stromversorgung notwendig machen. Andererseits hat sich mein Lebensstil durch Technologien bereits verändert und ich möchte auch nicht auf ein paar Vorteile und Annehmlichkeiten verzichten. (Hier könnt ihr übrigens lesen, wie sich aus meiner Sicht das Radreisen durch Technik verändert hat.)

 

Tschüss Kette! Riemen sind „The New Black“!

Vielleicht ist es nur mir aufgefallen, aber gefühlt habe ich an 85% aller für mich interessanten Rädern gar keine Kette mehr gesehen, sondern den Gates Carbon Drive. Das finde ich durchaus bemerkenswert. Das Ende der Kette möchte ich natürlich noch nicht propagieren, aber die Riemen-Übermacht an hochwertigen Reise- und Trekkingrädern war schon deutlich.

Riemen sind In: hier am vsf fahrradmanufaktur TX-1200

Riemen sind In: hier am vsf fahrradmanufaktur TX-1200

Das hat natürlich auch mit der steigenden Verbreitung der Naben- und Pinion-Schaltung zu tun. Auch hier sah ich auf der Messe ein klares Übergewicht der Getriebe-Schaltungen gegenüber den Kettenschaltungen an den Reiserädern.

Continental macht jetzt auch Riemen-Antrieb

Continental macht jetzt auch Riemen-Antrieb

Continental hat zudem auch einen eigenen Riemenantrieb vorgestellt. Bislang konnte ich noch nicht herausbekommen, inwieweit dieser mit dem Gates in den Wettbewerb geht. Noch zeigen sich die Hersteller, mit denen ich dazu gesprochen habe, sehr Gates-verbunden. Warten wir mal ab.

 

Vom Six-Pack zum Flash-Packer: Radreisen werden „crossiger“

Hier muss ich sagen, war die Eurobike eindeutig: Cyclecrosser und Crosstourer erfreuen sich großer Beliebtheit und viele Marken bieten entsprechende Modelle für die Tour über Stock und Stein, oder die Schnellfahrt durchs Land mit Übernachtungen.

Cyclecrosser und -tourer für den leichten Ausflug zwischendurch - hier ein Modell von MTB Cycletech

Cyclecrosser und -tourer für den leichten Ausflug zwischendurch – hier ein Modell von MTB Cycletech

Während die klassischen Reiseräder für das „Six-Pack“ (Hinterrad-Taschen + Rolle, Lowrider + Lenkertasche) sich eher für die längere Reise anbieten, sind die „Crosser“ nicht nur an sich leichter als ein übliches Reiserad, sondern auch in der Gepäckmitnahme spartanischer. Mit Rahmentaschen, echten Satteltaschen und Lenkerrollen können so bis zu 10 kg locker mitgenommen werden. Das reicht oftmals für Zelt und Schlafsack, ein paar persönliche Sachen und etwas Proviant. Und so geht es dann auf Tour – egal ob übers Wochenende, oder für zwei Wochen.

Eine interessante Bikepacking Idee auf der Eurobike

Eine interessante Bikepacking Idee auf der Eurobike

Das kommt aus meiner Sicht zwei Trends entgegen:

Microadventures, also nicht lange Reisen, sondern die kurzen und kleinen Abenteuer, die man mit wenig Aufwand und teilweise direkt vor der eigenen Haustür erleben kann.

Und Flash-Packing, also das besonders (ultra)leichte und sparsame Packen und Reisen.

Es geht also einerseits um Reduktion auf das Wesentliche und Maximierung des Erlebnisses.

Und dafür gibt es so schöne Räder – ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Denn wenn man mal genauer hinschaut, so finden sich bei fast jedem namhaften Hersteller tolle Räder für das kleine Abenteuer zwischendurch.

ToutTerrain Crossover

Zwei Modelle der Freiburger fand ich besonders schön: das Crossover Gravel und das Crossover Black Top. Beim Crossover Gravel kann man sowohl 26er, als auch 27,5 Zoll Räder verbauen. Beide Räder kommen mit Gates und bieten alle Befestigungsmöglichkeiten, die man ggf. noch möchte.

Die Crossover-Modelle von ToutTerrain

Die Crossover-Modelle von ToutTerrain

Marin

Ja, Marin gibt es noch. Diese Marke war irgendwie von meinem Radar verschwunden und als ich auf der Messe am Stand vorbeikam, entdeckte ich auch gleich das interessante Cyclecrosser Modell „Four Corners Elite“. Schön fand ich hier die Kabelführung auch am Unterrohr.

Ich konnte das Marin leider nicht richtig fotografieren, daher hier ein Screenshot

Ich konnte das Marin leider nicht richtig fotografieren, daher hier ein Screenshot

Kabelführung am Marin

Kabelführung am Marin

MTB Cycletech RAW

Hier kommt das aus meiner Sicht schönste Rad der Messe: das MTB Cycletech RAW. Diese Modell-Linie ist genau auf die Ansprüche der radelnden Microadventurer getrimmt.

Das für mich schönste Rad der Eurobike: Das MTB Cycletech RAW

Das für mich schönste Rad der Eurobike: Das MTB Cycletech RAW

Die Schweizer sind gerade dabei, eine eigene Rahmen-Taschen-Edition zu entwickeln. Rusjan heißt die Marke, die exklusiv für Cycletech produziert. Ich habe Prototypen dieser wasserdichten Taschen gesehen und bin gespannt, wie sie sich in der Praxis machen. Preislich werden sie etwas höher als die Apidura Taschen liegen (sie werden in Europa handgefertigt).

Die neue Rahmentaschen-Linie von MTB Cycletech heisst Rusjan

Die neue Rahmentaschen-Linie von MTB Cycletech heisst Rusjan

Bombtrack

Bombtrack ist eine kleine Kölner Rad-Bude, die eigentlich aus der Fixie-Ecke kommt. Mit dem Beyond Modell haben sie einen beachtlichen Wurf gemacht und einen Cyclocrosser gebaut, dessen Prototyp durch Marc auf seiner Tour von Istanbul nach Teheran ausgiebig getestet wurde. Bald könnt ihr hier auch mehr über Marc, seine Tour und das Bombtrack Beyond lesen, denn ich habe ihn zum Reiseradler-Interview gebeten.

Marc und sein Bombtrack Beyond

Marc und sein Bombtrack Beyond

Koga

Bei Koga konnte ich Marc Beaumont treffen. Er ist eine Art Rekord-Radler, der zum Beispiel am schnellsten um die Welt geradelt ist, oder durch Afrika, oder letztens 850 km Non-Stop auf seiner Northsea-Cycle Tour.

Marcs Koga Maschine

Marcs Koga Maschine

Man muss sich das ja nicht antun, aber Marc zeigt auch, dass solche leicht beladenen Cyclecrosser, bzw Crosstourer, nicht nur was für die kleine Tour sein können, sondern durchaus auch für eine Afrika-Durchquerung taugen. Er fuhr mit einer Sonderanfertigung des Koga Solacio und hatte damit natürlich ein paar Platten, aber sonst keinerlei andere Probleme.

Giant Toughroad SLR 1

Auch Giant geht den Cyclecrosser Trend mit und hat auf der Eurobike sein Toughroad SLR1 gezeigt. Das Rad kommt mit Alurahmen (ALUXX SLR-grade Aluminium) und SRAM 10-fach Schaltung. Es war etwas hinter anderen Modellen versteckt, weshalb ich euch ein Produktbild zeige. Die 1.300 Dollar sind hier durchaus ein guter Preis.

Leider konnte ich das Rad nicht fotografieren. Daher hier ein Screenshot von der Produktseite.

Leider konnte ich das Rad nicht fotografieren. Daher hier ein Screenshot von der Produktseite.

Salsa

Der Salsa-Stand war ein Erlebnis und hat mal wieder gezeigt, dass es die kleinen Buden sind, die immer wieder neue Trends und Stile setzen. Ich mag das Design einfach und war dementsprechend von den Salsa Fargo und Marrakesch Modellen begeistert. Die Gabeln sind nicht nur „LowRider ready“, sondern nehmen auch die größeren Flaschenhalter auf, die ggf. auch für den zusätzlichen Gepäcktransport genutzt werden können.

Das Salsa Marrakesh in der Crosser/Randonneur-Version

Das Salsa Marrakesh in der Crosser/Randonneur-Version

Und gerade in Sachen Gepäcktransport hat sich nun auch was getan: Apidura und auch MTB Cycletech bieten nun Rahmentaschen an, die zudem wasserdicht sind.

Apidura bringt ab 2016 einen Voll-Rahmentasche

Apidura bringt ab 2016 einen Voll-Rahmentasche

Apidura wird ab 2016 komplett wasserdichte Taschen anbieten und zudem eine Voll-Rahmentasche. Damit wird dann zwar die Flash-Packing langsam konterkariert, aber ich bin gespannt zu sehen, wohin hier noch die Reise geht.

Jetzt auch wasserdicht: die Front-Tasche von Apidura

Jetzt auch wasserdicht: die Front-Tasche von Apidura

Und wer mag, der kann ja sein klassisches Reiserad mit Six-Pack UND Rahmentaschen vollkrachen. Er sollte nur das Systemgewicht beachten 😉

 

Und weil es noch so viel mehr zu erzählen gibt, gibt es hier noch ein paar News-Splitter als umfassende Bilder-Strecke mit weiteren Infos:

1 Kommentar

  • Oliver sagt:

    Hallo Martin,

    super Bericht über die Trends von der Eurobike. Sehr informativ. Ich glaube auch das E-Bike wird weiter kommen. Traditionalisten werden erstmal sicher die Nase rümpfen, wie im MTB Sektor. Aber auch da wird das Thema „E“ zukünftig nicht mehr wegzudenken sein. Zumal die Akkutechnik ja mit Riesenschritten voranschreitet.

    Gruss
    Oliver

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