Der „gelbe Blitz“ auf Tour: Testfahrt mit dem Velotraum Cross CrMo

Auf den Rahmen kommt es an: Ausstattung ist beim Velotraum immer individuell

Wer sich mit Reiserädern beschäftigt, für den ist Velotraum ein fester Begriff. Die Firma aus Weil der Stadt hat sich seit Jahren einen sehr guten Namen im Fahrrad-Rahmenbau erarbeitet und viele Radreisende vertrauen seit Jahren auf Velotraum Räder. Der Grund dafür ist das Velotraum System, demnach man von einem Rahmen als Plattform ausgehend, sich sein Rad selber konfigurieren kann.

Ich wollte schon immer mal ein Velotraum fahren und daher gilt zu aller erst mein Dank dem Pressedienst Fahrrad (pd-f.de), der mir freundlicherweise ein Velotraum Testrad zur Verfügung stellte.

Der gelbe Blitz!

Der gelbe Blitz!

Mein Testrad war ein Velotraum Cross CrMo in knallgelb und als „sportliches Tourenrad mit urbanem Retro-Schick“ konfiguriert:

  • Schwalbe Kojak Reifen (keine gute Idee, 3 Platten auf 200 km)
  • Sram Schaltung 2×10 (hat geschaltet, allerdings hat sich das Schaltwerk zweimal vom Rahmen gelöst)
  • Sram Scheibenbremsen (waren ok und haben gebremst und gequietscht und ab und zu geschliffen)
  • Brooks B17 (sehr schön und bequem wie immer) und
  • Luxos U Scheinwerfer mit USB Schnittstelle (nicht gebraucht, Scheinwerfer ist recht groß und klobig, macht aber Licht und auf Knopfdruck auch Fernlicht)
  • Gelber Rahmen mit hellbraunem Schriftzug, schwarzen Felgen und Speichen und Mantel, braunem Brooks Sattel (sah sehr schick aus und durch die Reifen hat es sich den Namen „Gelber Blitz“ redlich verdient)
Fuhr sich wirklich klasse!

Fuhr sich wirklich gut!

Für meine Bewertung können wir aber all diese Teile außer Acht lassen, denn mich interessierte das Fahrverhalten und -gefühl des Rahmensets. Außerdem kann man aus meiner Sicht ein Velotraum Fahrrad nicht nach einer bestimmten Konfiguration bewerten. Es ist eigentlich immer unterschiedlich und im Kern bleibt nur das Rahmenset gleich.

Das Cockpit des gelben Blitz

Das Cockpit des gelben Blitz

Am Anfang war ich überrascht, wie sehr ich „über“ der Gabel saß. Ich hatte den Eindruck, dass ich weit steiler saß, als ich es von meinen Rädern bislang gewohnt war. Das hat sich aber nach 10 Minuten erledigt und hatte mich daran gewöhnt. (Zudem kann man es auch mit Vorbau und Sattel anders einstellen.) Und nicht nur das: vom ersten Moment an habe ich mich auf dem Velotraum-Rahmen wohl gefühlt. Ich musste nix verändern, es hat einfach gepasst und ich hatte sofort das Gefühl „Ja, das ist mein Rad. Lass uns losfahren!“. Und so war meine 250 km Testfahrt zwischen Oste und Elbe ein sehr angenehmer Ausritt.

Schön verarbeitet

Schön verarbeitet

Ob mit oder ohne Gepäck: das Velotraum bleibt ruhig und fährt sich sportlich. Die hohe Laufruhe fand ich richtig gut– ohne Flattern fährt es auch freihändig geradeaus, als klebte es auf der Straße. Gleichzeitig macht es spritzige Fahrten gut mit. Auch bei hoher Geschwindigkeit ist es reaktionsschnell (wenn ich es auch bin 😉 ) und bricht nicht aus.

Sowohl auf Tour (mit ca 16 kg Gepäck), als auch in der Stadt bei meinen fast täglichen #biketowork Fahrten (mit ca 5 kg Gepäck) habe ich das Velotraum ordentlich getreten und immer wieder versucht an die Grenzen zu bringen. Aber es macht sowohl die Stop-and-Go Fahrten in der Stadt, als auch das cruisen auf Tour gut mit und auch bei harten Kurvenfahrten gelang es mir nicht, das Velotraum aus der Ruhe zu bringen.

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Was ich allerdings erlebt habe und irgendwie nicht so richtig gut finde: das Sram Schaltwerk wird lediglich mit einer kleinen Schraube am Ausfallenden befestigt. Diese Verbindung erscheint mir als nicht besonders stabil und haltbar, zumal sich das Schaltwerk bei mir zwei Mal gelockert hat. Einmal hing es schon in den Speichen, aber ich hatte es rechtzeitig bemerkt und bereits angehalten. Nach dem erneuten festziehen war es eigentlich für mich erledigt. Doch nach ca. 80 km war es bei einem Routinecheck erneut locker. Da hilft auch die beste XT nichts, wenn das Schaltwerk hier nur so befestigt werden kann. (Vielleicht liegt die Art der Befestigung auch nur an der Sram, ggf. ist es bei Shimano anders. Aber ich kann gerade nicht erkennen, wie das der Fall sein soll.)

Löste sich zwei Mal: die Befestigungsschraube des Sram Schaltwerkes am Velotraum Rahmen

Löste sich zwei Mal: die Befestigungsschraube des Sram Schaltwerkes am Velotraum Rahmen

Zudem finde ich den Abstand zwischen hinterer Bremsscheibe und Radständer sehr gering. Das sind nur um die 5 mm und schon würde die Bremsscheibe am Ständer schleifen. Da reicht es, wenn sich der Ständer leicht nach innen verschiebt. Vielleicht reicht es auch schon, den Ständer außen an den Rahmen zu schrauben. Egal wie: diese Konstruktion finde ich semi-optimal. Da solltet ihr genau schauen, wenn ihr das Velotraum mit Scheibenbremsen kauft.

Enge Angelegenheit: der Abstand zwischen Ständer und Bremsscheibe erscheint mir zu gering

Enge Angelegenheit: der Abstand zwischen Ständer und Bremsscheibe erscheint mir zu gering

Der Cross CrMo ist als Rahmenmodell schon etwas älter, aber immer noch topaktuell, wenn es um die Wahl eines stabilen und individuell konfigurierbaren Rahmens für die große Tour geht. Das Systemgewicht liegt bei 160 kg; das reine Rahmen-Gewicht beträgt 3,1 kg. Ich mit meinen 86 kg kann also noch ganze 71 kg hinzuladen, bevor die Belastungsgrenze erreicht ist. Im Allgemeinen ist das mehr als ausreichend, aber ich habe auch schon von Reiseradlern gelesen, die auch mehr als 50 kg Gepäck mit sich rumschleppen.

Der CrMo-Rahmen ist als Plattform-Rahmen konzipiert. Das heißt, man kann so ziemlich alles an diesen Rahmen bauen. Wer Rohloff und Co. fahren möchte, der muss die EX Version (=Exenter) des Cross CrMo nehmen.

Der Kojak: macht das Rad schnell, liegt gut auf der Straße, ist aber sehr pannen-anfällig.

Der Kojak: macht das Rad schnell, liegt gut auf der Straße, ist aber sehr pannen-anfällig.

Preislich liegt der Velotraum-Rahmen im mittleren Segment: 690 Euro werden für den Rahmen ohne Gabel fällig. 100 Euro kommen oben drauf, wenn man eine reine Scheibenbremsen-Variante fahren möchte. Die Gabel gibt es in verschiedenen Varianten (und auch mit Nabendynamo Direktkontakt). Hier fallen ca 200 Euro zusätzlich an (je nach Art der Gabel).

Alle Details zum Cross CrMo Rahmen findet ihr im Datenblatt von Velotraum.

Bei den Ausstattungsvarianten zum Cross CrMo bietet das Velotraum Konzept 12 Varianten an, die sich vor allem in der Wahl der Schaltung unterscheiden.

Fazit:

Mit dem Velotraum Cross CrMo kann man nichts verkehrt machen. Es ist ein Rad für Komfort-Fahrer, als auch für den sportlichen Typ. In jedem Fall eine sehr gute Wahl, wenn es um ein Rad für richtige Touren geht.

Die hohe Laufruhe und gute Kurveneigenschaften machen es zum richtigen Begleiter für Radreisende. Zudem ist es einfach auch ein schöner und sehr gut verarbeiteter Rahmen mit klaren Linien und Geometrie.

So setzt zum Beispiel Dorothee Fleck auf Velotraum. Sie hat gefühlt schon zwei Mal die Welt umradelt und fährt nun schon ihr zweites Velotraum. Sie hat mir vor dem Test prophezeit, dass ich dann nur noch Velotraum fahren möchte, wenn ich einmal drauf gesessen habe. Damit hatte sie fast recht, aber ich habe mir Anfang des Jahres ein neues Reiserad gegönnt und somit leider keinen Grund für ein Velotraum mehr 😉

Twitter-Konversation zwischen Dorothee und mir zum Velotraum

Twitter-Konversation zwischen Dorothee und mir zum Velotraum

Besonders gefällt mir das hohe Custom-made Potential: bei den 12 Ausstattungsvarianten im Velotraum-Konzept findet wohl jeder sein persönliches Velotraum in jeder heute möglichen Ausstattung.

Ich würde das Velotraum allerdings NICHT mit Schwalbe Kojak und Sram 2×10 fahren.

Meine Ausstattung wäre die folgende:

Rohloff, Gates, Shimano XT Scheibenbremsen, SON 28, Rigida Andra 30, Mondial Evolution Faltreifen. Vermutlich schwerer, aber leider geil!

Bildergalerie zum Velotraum Cross 7005 EX:

Hinweis:

In einer vorherigen Version dieses Beitrages stand noch die Typ-Bezeichnung „Cross 7005 EX“. Das war falsch. Es handelte sich also nicht um einen Alu-Rahmen von Velotraum, sondern einen Stahl-Rahmen: Cross CrMo statt Cross 7005 EX.

Das Testrad war als Cross 7005 EX ausgewiesen. Allerdings hatte ich von Anfang an das Gefühl, es eher mit einem Stahl-, denn mit einem Alu-Rahmen zu tun zu haben. Auf meine erneute Nachfrage, ob es wirklich ein Alu-Rahmen-Modell ist, wurde dies nochmals vom Pressedienst Fahrrad bestätigt.

Ich habe das dann als gegeben hingenommen und nicht wieder hinterfragt. Das bitte ich zu entschuldigen.

An meiner Einschätzung zum Fahrverhalten und -genuss des Velotraum Rahmens hat sich allerdings nichts geändert.

4 Comments

  • Peter sagt:

    Hallo,

    folgender Satz hat mich in Deinem Testbericht etwas stutzig gemacht:

    „das Sram Schaltwerk wird lediglich mit einer kleinen Schraube am Ausfallenden befestigt“

    Die Schraubengröße sollte ja eigentl. einheitlich sein und sich nicht von Shimano unterscheiden. Beide Hersteller passen ja an die gängigen Schaltaugen.

    Oder sprichst Du von der kleinen Kreuzschlitzschraube, die im Bild zu sehen ist?

    Viele Grüße
    Peter

  • Peter sagt:

    Hallo Martin,

    ah, alles klar. Aber das ist doch dann nicht die Schraube mit der das Schaltwerk befestigt wird, sondern die Schraube zur Befestigung des Schaltauges am Rahmen. Oder stehe ich völlig auf dem Schlauch? 🙂

    Hört sich jetzt kleinfieslig an, gibt aber im Endeffekt einen Anhaltspunkt, ob SRAM die Befestigung zu schwach ausgelegt hat (das hätte man sicher schon öfter gehört) oder Velotraum da an ihren Rahmen ein Bauteil zu schwach ausgelegt hat.

    Letzteres scheint der Fall zu sein, was bei den hochpreisigen Rahmen etwas verwundert.

    Ärgerlich, wenn da 5 Cent auf Kosten der Haltbarkeit gespart wurden, denn ein Schaltwerk im Hinterrad kann einen ganz schönen Schaden anrichten!

  • Jürgen sagt:

    Hallo,

    an meinem 10 Jahre altem KTM Veneto mit XT-Schaltwerk ist das Schaltauge auch durch eine kleine Schraube, ABER auch durch die Spannachse der Nabe gesichert. Die Schraube hatte sich auch mal gelockert, habe das aber eher zufällig bemerkt, als ich das HR zum Reifenwechsel ausgebaut hatte – und damit die zusätzliche Sicherung durch die Spannachse fehlte.
    Jürgen

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