Reiseradler-Interview #21: Dina und Christian von bike-asia.blogspot.com

In der Mongolei © Dina und Christian Dupraz

Im Reiseradler Forum bin ich auf einen Reisebericht von Dina und Christian über ihre Patagonien-Tour gestoßen. Ihre Erlebnisse und Bilder haben sofort Fernweh ausgelöst, denn Patagonien ist ja eines meiner absoluten Traumziele. Ich wollte mehr von den beiden lesen und habe entdeckt, dass Patagonien nur eine von einer ganzen Reihe fantastischer Touren war: Asien, Sibirien und Westafrika haben die beiden Schweizer auch noch beradelt. Das hat mich neugierig gemacht, und deshalb wollte ich sie natürlich für ein Interview gewinnen. Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat und wünsche allen viel Spaß mit Dina und Christian…

Dina und Christian © Dina und Christian Dupraz

Dina und Christian © Dina und Christian Dupraz

Zum Warmwerden: Wie seid ihr zum Radreisen gekommen?

Christian ist über die Jugendgruppe zum Radfahren gekommen. Ins Zeltlager sind wir am ersten Tag immer mit dem Rad angereist, teilweise 130 km, und auf die erste Wochentour, mit Alpenpässen und mit dem Stilfserjoch als Höhepunkt, hat mich ein Jugendleiter mitgenommen. Längere Touren habe ich aber erst recht spät angefangen. In den letzten Jahren eher im Rahmen des Jahresurlaubs und 2013 haben wir mal was Längeres gemacht.

Dina ist vielleicht eine weniger verbissene Reiseradlerin und hat das Rad immer als beste Möglichkeit gesehen, ein Land zu bereisen. Mit kürzeren Reisen nach England und Holland hat es angefangen, ehe wir uns zusammen aus Europa hinausgewagt haben.

Zum Träumen: Wo wart ihr schon überall und wo müsst ihr unbedingt noch hin?

Christian liebt Wüste und Berge und irgendwie die russischen Weiten. Bei Wüsten ist Dina skeptischer, ob das Rad hier das Richtige ist. Entsprechend waren wir schon in Südamerika in Patagonien, Christian ist auch rauf bis Bolivien gefahren. Hinzu kommen Zentralasien (Kirgistan, Tadschikistan), Sibirien und die Mongolei.

In 2013 haben wir eine längere, 8-monatige Tour durch Asien gemacht und gerade waren wir über Weihnachten in Marokko. Christian wollte wieder etwas Sand sehen, nachdem er schon einmal mit dem Tandem in Algerien war und nach Westafrika geradelt ist. Ziele sind noch einige offen, aber nicht nur per Rad. Ladakh zählt sicher dazu, aber auch Peru/Bolivien.

In der Mongolei © Dina und Christian Dupraz

In der Mongolei © Dina und Christian Dupraz

Zum Nachmachen: Welches Land könnt ihr empfehlen und warum?

Eigentlich können wir jedes Land, in dem wir bisher waren, weiterempfehlen. Am meisten hat uns Tadschikistan beeindruckt, wo Christian mittlerweile 4 Mal und Dina 3 Mal war. Letzten Sommer sind wir dort trekken gegangen, da die unbekannten Radstrecken im Pamir rar werden. Die Leute sind supernett und die Landschaft absolut beeindruckend.

Zum Erfahren: Was hat Euch unterwegs am meisten beeindruckt?

Es gibt viele eindrucksvolle Erlebnisse. Ein Ranking ist da wohl nicht möglich. In gewissen Gegenden ist es die Gastfreundschaft, meist aber auch das Landschaftserlebnis, das wir suchen. Sehr eindrucksvoll war die Fahrt durch das Bartangtal nach einem großen Hochwasser, welches die Straße an vielen Stellen weggerissen hat und auch in einigen Dörfern Verwüstungen angerichtet hatte.

Im Bartang-Tal © Dina und Christian Dupraz

Im Bartang-Tal © Dina und Christian Dupraz

Die Leute waren ganz auf sich alleine gestellt und teilten doch alles mit einem. Wir waren lange nicht sicher, ob wir die 200 km wirklich durchkommen. Auch ein weiteres Tal im Pamir hat auf unserer längeren Reise tiefe Eindrücke hinterlassen: im hintersten Wakhan leben die Menschen noch so unglaublich einfach und selbstgenügsam. Die Abgeschiedenheit macht das Tal zu einem besonderen Ort.

Zum Leben: Seid ihr lieber zu zweit unterwegs, oder käme auch mal eine Solo-Reise in Frage? Und warum?

Wir sind natürlich gerne zu zweit unterwegs, kennen aber auch die Solo-Tour. Zu zweit ist sicher anstrengender für Dina, alleine für Christian. 🙂

Zum Fahrrad: Stellt sie uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an euren Rädern dran?

Wir schauen einfach, dass es solide Komponenten sind, die unterwegs auch reparabel oder zu ersetzen sind. Zum Beispiel sind wir mit MTBs aus den 90ern unterwegs, die noch Stahlrahmen haben. Dina hatte sich einmal günstig ein Trek gekauft, von dem der Verkäufer dachte, es käme als Bahnhofsrad zum Einsatz. Stattdessen hat es die Carretera Austral, die Mongolei und mehr gesehen.

Für die Tour 2013 haben wir uns aber, basierend auf neuen Stahlrahmen, die Reiseräder selbst aufgebaut. Für Christian ist ein Rennlenker wesentlich. Zudem haben wir Scheibenbremsen gewählt, da die Felgen sonst bei Dreckpisten zu schnell durchgebremst werden.

© Dina und Christian Dupraz

© Dina und Christian Dupraz

9-fach Schaltung und 4kant Tretlager sind dabei für Flexibilität in der Reparatur wichtig. Da wir zum ersten Mal mit Scheibenbremsen unterwegs waren, haben wir aber auch dazugelernt: Wir würden wohl in Zukunft maximal 160 mm große Scheiben nehmen. Für diese Größe ist Ersatz zwar teils schwierig zu finden, noch größere Scheiben aber sind noch seltener. Zudem wären wohl Shimano-Bremsen angezeigt, um auch die Pads besser zu finden.

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und falls ja, welche?

Bei der Patagonien-Tour hat sich bei Dina am Schluss ein Schlitz in der Felge gezeigt. Daraufhin hat Christian das Gepäck übernommen und einen Tag später beim Einfahren in den Zielort ist ihm auch die Felge gebrochen. Sonst den ganzen Strauß, bis auf Rahmenbruch. In Westafrika sind an einem Tag über 20 Löcher zusammengekommen, die dann alle am Abend geflickt wurden. Nachdem die ersten Platten auftauchten, wurde das Antiplattband eingelegt und die beiden Ersatzschläuche verwendet.

Zum Wissen: Euer ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Ultimative Tipps haben wir nicht. Man gewöhnt sich gewisse Sachen an und hat bevorzugte Ausrüstung. Vielleicht zum ruhig schlafen noch der Tipp, eine günstige Alarmanlage mitzunehmen, welche auf Bewegung reagiert. Die hat uns in Tuwa mal vor einem Diebstahl bewahrt. Allerdings hat der Täter dann in unmittelbarer Nähe geschossen, weshalb wir den Rest der Nacht kein Auge zubekommen haben. Und am nächsten Tag waren wir nicht sicher, ob wir die Tour fortsetzen sollen.

Sonst ist unser Tipp für die Küche ein Hobo-Kocher (wir haben den Newfire). Mit dem konnten wir auch in rauer Umgebung (bis auf 4.500 m Höhe, oder in der Wüste) gut kochen. Zum Abwaschen haben wir einen „Schaber“. Dieser ist praktisch, vor allem wenn wenig Wasser da ist.

Schlammlawine im Pamir © Dina und Christian Dupraz

Schlammlawine im Pamir © Dina und Christian Dupraz

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Losfahren ist wohl aufwendiger, denn die Reisevorbereitung braucht Zeit. Zurück geht es teils am selben Tag noch in die Arbeit (das ist jetzt für die üblichen Urlaubstouren). Bei der längeren Reise hatten wir uns einen spätesten Rückkehrtermin gesetzt, der dann infolge der Jobsuche auch gerade eingehalten wurde.

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Wir sind gerade vom Weihnachtsurlaub in Marokko zurück und haben noch keine Pläne. Eventuell bleiben wir das Jahr zur Abwechslung ja aus patriotischen Gründen im Lande. Im Hinterkopf war allerdings schon wieder etwas im Osten.

Mehr über Dina und Christian:

Gegen den Wind – Patagonien: bike-patagonia.blogspot.com

Kurze Sommertour durch Mittelasien: bike-pamir.blogspot.com

Bike Siberia: bike-siberia.blogspot.com

Von Thailand in die Türkei: bike-asia.blogspot.com

Radtour über Weihnachten durch West-Afrika: flow-of-ghibli.blogspot.com

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