Reiseradler-Interview #13: Florian von onemanonebikeoneworld.com

Florians Fahrrad bei der Überfahrt nach Indonesien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/

Ein Mann, ein Fahrrad, eine Welt – und ein interessantes Interview: Florian war ein Tipp, den ich bekommen habe: „Schau Dir den mal an, der hat sicherlich Interessantes zu erzählen“. Gesagt getan. Florian ist seit unglaublichen 830 Tagen unterwegs und radelt gerade in Indonesien rum. Mehr als 30.000 Kilometer hat er mittlerweile hinter sich gebracht. Und ich freue mich, dass er kurz Pause macht und sich Zeit für die Fragen genommen hat.

Florian am Grenzübertritt von Pakistan nach Indien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/
Florian am Grenzübertritt von Pakistan nach Indien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/

Zum Warmwerden: Wie bist Du zum Radreisen gekommen?

Meine erste Radreise habe ich mit meinem Vater gemacht als ich 13 Jahre alt war.

Von Arnsberg im Sauerland ging es bis an die Nordsee. Eine weitere einwöchige Tour an der Ruhr entlang folge, dann war erstmal Schluss.

Ich habe mein Fahrrad eigentlich nur benutzt, um zur Schule zu fahren und später dann zur Uni oder Arbeit.

Erst als sich dann irgendwann die Idee einer großen Reise in meinem Kopf festsetzte, bin ich auf das Fahrrad als Reisemittel gestoßen. Inspiriert durch Internetseiten und Gesprächen mit anderen Radlern, fasste ich den Entschluss, diese Reise mit dem Rad zu unternehmen. Ich fing an mich für Radtechnik zu interessieren, kaufte Komponenten und baute mir mein eigenes Rad zusammen. Zu der Zeit habe ich in Freiburg gewohnt und der Schwarzwald bietet sich natürlich an für Tages- oder Wochenendtouren. Einmal bin ich von Freiburg über die Alpen nach Italien gefahren, einmal den Rhein aufwärts bis nach Köln.

Der erste längere Trip war dann 5 Wochen in Marokko, eine Art Testtour für das Rad und mich. Vorher war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt so lange Radfahren kann/will. Doch spätestens nach Marokko war klar, das ist genau mein Ding und heute kann ich mir keine bessere Art zu reisen vorstellen.

Zum Träumen: Wo warst Du schon überall und wo musst Du unbedingt noch hin?

Mit dem Rad war ich schon in Marokko, Osteuropa, Türkei, Irak, Iran, Pakistan, Indien, Bangladesch, Nepal, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, und Indonesien.

Unbedingt Radeln möchte ich mal den Pamir Highway (Tajikistan) und den Karakorum Highway (Pakistan – China). Südamerika reizt mich ebenfalls, besonders Patagonien. Aber Kanada ist bestimmt auch toll. Afrika ist eine Herausforderung: von Kapstadt nach Kairo oder vielleicht die Westküste entlang… Die Welt ist groß und radeln kann man überall.

Zum Nachmachen: Welches Land kannst Du empfehlen und warum?

Es ist schwer, ein bestimmtes Land zu empfehlen, denn jedes Land hat seine Besonderheiten und seine Reize. Ich nenne hier den Iran, denn die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen ist beeindruckend, die kulturellen Sehenswürdigkeiten zahlreich. Das Bild, welches viele Menschen im Westen vom Iran und Islam haben, ist ziemlich falsch. Eine Reise in dieses Land macht deutlich: die Realität ist oft ganz anders, als in den Medien dargestellt. Zugegeben, der Verkehr im Iran ist gewöhnungsbedürftig, aber die anderen positiven Erfahrungen machen das wieder wett.

Zum Erfahren: Was hat Dich am meisten unterwegs beeindruckt?

Besonders beeindruckt haben mich Menschen, egal wo. Überall treffe ich hilfsbereite und freundliche Menschen und ich bin überzeugt, dass 99 Prozent der Menschen gut sind und anderen nichts Böses wollen.

Besonders Menschen in ärmeren Ländern beeindrucken mich immer wieder. Viele von ihnen leben unter sehr schwierigen Lebensbedingungen (nach westlichem Standard) und trotzdem sind sie sorgenfreier und gelassener, als wir in Europa. Sie sind bereit ihren Schlafplatz und ihr Essen mit einem Fremden zu teilen und sind viel offener im Umgang miteinander.

So richtig allein ist man niemals, besonders nicht in Bangladesch  © http://www.onemanonebikeoneworld.com/
So richtig allein ist man niemals, besonders nicht in Bangladesch © http://www.onemanonebikeoneworld.com/

Ich habe erkannt, dass es egal ist wo wir herkommen, wie wir aussehen, welche Religion wir haben. Wir sind alle eine große Familie. Wir sind alle Brüder und Schwestern und miteinander verbunden. Das hört sich vielleicht etwas „Hippie-mäßig“ an, stimmt aber so. Egal wo ich hinkomme, lächeln mir die Menschen zu und behandeln mich wie einen Bruder. In unserer westlichen (Gedanken-)Welt sind wir viel distanzierter und nicht mehr so verbunden mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt.

Zum Leben: Bist Du lieber alleine unterwegs, oder zu zweit? Und warum?

Ich radle lieber alleine. Dann bin ich wirklich frei, brauche keine Kompromisse eingehen, auf niemanden warten. Alleine bin ich offener für Menschen und Situationen. Schon zu zweit ist man eine Gruppe, kapselt sich ab und ist nicht so darauf angewiesen, auf andere Menschen einzugehen.

Natürlich genieße ich auch die Vorteile, wenn ich andere Radler treffe und wir für eine Zeit gemeinsam fahren. In Problemsituationen ist es einfacher, ich habe immer einen Gesprächspartner und muss mich nicht um alle Sachen selber kümmern. Doch nach ein paar Tagen oder Wochen kommt immer der Zeitpunkt, wo ich dann wieder lieber alleine unterwegs bin.

Und so richtig alleine ist man sowieso nirgendwo. Immer sind Menschen um einen herum (manchmal zu viele) und immer taucht jemand auf der einem hilft.

Zum Fahrrad: Stell es uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an Deinem Rad dran?

Ich habe einen Stahlrahmen, ungefedert, 26er Laufräder, 36- Loch Felgen mit DT Swiss Speichen. Reifen Schwalbe Marathon Mondial (ca. 6 Platten, ein Reifen ist nach 15.000 km geplatzt, der andere läuft immer noch, nun 30.000 km).

Antrieb von Shimano, einfache V-Brakes, Gepäckträger von Tubus, Ledersattel von Brooks.

Florians Fahrrad bei der Überfahrt nach Indonesien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/
Florians Fahrrad bei der Überfahrt nach Indonesien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/

Ich denke für einen langen Trip ist es wichtig, in gute Komponenten zu investieren. Ich habe viele Radler mit billigen Rädern getroffen, und die hatten immer etwas zu reparieren oder Probleme, passende Ersatzteile zu bekommen. Auch wichtig ist, das Fahrrad simpel zu halten, damit man alles selber reparieren kann und leichter Ersatzteile bekommt.

Natürlich ist es möglich mit einem alten oder billigen Rad eine Tour zu machen, oder sogar eine Weltreise. Doch langfristig rentiert es sich etwas mehr Geld auszugeben. Auch sollte man sich auf sein Rad verlassen können, gerade wenn man in abgelegenen Gegenden unterwegs ist.

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und falls ja, welche?

Wie bereits erwähnt, einen platten Reifen hatte ich erst sechs Mal und dann war es meistens ein Nagel oder scharfes Metallstück, welches sich tief durch den Mantel gebohrt hatte. Außerdem hatte ich ein paar verbogene Kettenglieder (weiß bis heute nicht warum). Zwei Mal musste ich schon das Tretlager tauschen und nach 18.000 km waren dann die Kugellager im Nabendynamo auch durch und ich musste das Vorderrad in Thailand neu einspeichen lassen. Seitdem hatte ich unzählige Speichenbrüche, besonders auf den schlechten Straßen in Myanmar, und habe vor kurzem das komplette Vorderrad ausgetauscht. Ob es nun eine bessere Qualität ist (aus Indonesien), werde ich in den nächsten Wochen feststellen.

Zudem habe ich einen kaputten Ledersattel, denn die Sattelspitze konnte dem Aufprall meines Hinterns nach einem Schlagloch nicht standhalten.

Zum Wissen: Dein ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Einfach losfahren, egal ob allein oder mit Freunden, egal wie lange und wohin. Wichtig ist nur, dass man fährt und nicht nur von einer Radreise träumt.

Und: Sich lieber Zeit lassen und nicht nur stumpf möglichst viele Kilometer abfahren.

Eine Nacht in der Thar-Wüste in Indien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/
Eine Nacht in der Thar-Wüste in Indien © http://www.onemanonebikeoneworld.com/

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Schwierig zu beantworten für mich, denn dies ist meine erste wirklich lange Tour. Ich bin also noch nicht wiedergekommen.

Für mich persönlich war Losfahren nicht so schwierig. Schwieriger ist es, die Entscheidung zu treffen so eine Reise zu machen. Danach läuft alles Schritt für Schritt bis zum Abfahrttermin. Lange habe ich diese Tour geplant, bzw. im Kopf gehabt und als ich dann am ersten Tag auf mein Fahrrad gestiegen bin, mich von Eltern und Freunden verabschiedet habe und losgeradelt bin, war es ein unglaubliches Gefühl. Aus meinem Traum war Realität geworden.

Auch alle Ängste und Sorgen die ich vorher hatte (wo werde ich schlafe, was mache ich bei Problemen mit dem Rad, werde ich überfallen?), haben sich schnell in Luft aufgelöst. Für jedes Problem gibt es eine Lösung und es sind immer Menschen da, die einem helfen.

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Ich plane eigentlich nicht so viel – ich lasse es eher auf mich zukommen. Man weiß nie, was in der Zukunft passiert und es ist besser, sich auf den Moment, auf das „Jetzt“, zu konzentrieren.

Die nächsten Wochen werde ich in Indonesien radeln, eventuell nach Ost-Timor, dann weiter nach Australien.

Was danach passiert, weiß ich nicht. Aber der nächste logische Schritt für eine Weltumrundung wäre dann Südamerika.

Ich werde so lange Fahrrad fahren, bis ich nicht mehr will und es Zeit für etwas anderes ist.

Hier gibt es mehr über Florian:

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