Unterwegs mit einem Oldtimer: Heimfahrt auf dem LeJeune Champs Elysée

Ich habe ein Fahrrad. Mehr brauch ich nicht. Dachte ich. Bis mein Schwiegervater mir sein Fahrrad schenkte. Das klingt banal, aber bei diesem Rad handelt es sich um einen „Leckerbissen“: es ist ein LeJeune Champs Elysée von 1974.

Das LeJeune - Himmelblauer Oldtimer

Das LeJeune – Himmelblauer Oldtimer

Der Kenner schnalzt jetzt bitte mit der Zunge. Dem Interessierten kann ich versichern, dass ein 40 Jahre alter Fahrrad-Oldtimer in gepflegtem Zustand und wenig gefahren ein echtes Erlebnis ist.

Es zu fahren ist dann noch mehr Erlebnis. Und so ließ ich es mir nicht nehmen, das Tourenrennrad die 50 Kilometer von Itzehoe nach Halstenbek persönlich zu überführen. Anfänglich war ich in Sorge, denn die Originalreifen weisen erhebliche Auflösungserscheinungen auf. Sicherheitshalber fuhr ich erstmal eine kleine Testrunde. Dann wagte ich mich endgültig auf die durchaus herausfordernden Radwege in Schleswig-Holstein. Anfänglich noch vorsichtig, wurde ich mutiger und trat so richtig in die Pedalen. Schrauben nachziehen und Lager nachschauen hatte ich natürlich vergessen.

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Herrlich, entlang von Feldern zu flitzen, das Surren der Kette zu hören und das leichte Tock-Tock des Lagers zu spüren. Normalerweise ein Grund anzuhalten und nachzuschauen, aber dieses Tretlager-Schlagen kenne ich noch von früher. Da hilft meist Abwarten.

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Seit vielen vielen Jahren umgreifen meine Hände mal wieder einen Rennradlenker. Nach meiner Zeit im DDR Leistungs-Radsport hatte ich eigentlich genug vom Radfahren – und konnte doch nicht davon lassen. Aber mit Rennradfahren habe ich seitdem meine Probleme. Daher habe ich das LeJeune kurzerhand in ein Tourenrennrad umgetauft ;-). Trotzdem genoss ich den Abrieb an den Händen und das direkte und unverfälschte Fahrgefühl. Und die nicht wirklich bremsenden Bremsen. Aber diese sind ein Hingucker: Seilzug – klasse!

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Das LeJeune an sich ist aber ein Mysterium. Und das Modell Champs Elysée sowieso. Ich habe nur wenige Informationen darüber gefunden. Im Jahr 1947 wurde die Marke von zwei Brüdern gegründet. Zwischenzeitlich hieß die Marke Sauvage-LeJeune, Greg LeMond fuhr eine Zeit lang LeJeune Räder auf der Tour de France. Ab 1980 verliert sich dann die Spur. Nur vereinzelt gibt es Infos. Und zum Model Champs Elysée kaum welche. Es scheint selten zu sein. Ursprünglich war das Rad ein Tourer – der gerade Lenker wurde gegen einen Rennradlenker beim Kauf ausgetauscht und mit Altenburger Bremsen versehen.

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Der eigentliche Hingucker ist aber der himmelblaue Rahmen. Stahl. Natürlich. Vermutlich Reynolds Rohre. Ah. An der einen oder anderen Stelle ist der Rahmen schon etwas vom Zahn der Zeit gezeichnet, der Lack ist aber so gut wie neu. Besonders gefallen mir die verchromten Schutzbleche und der Gepäckträger, der sich filigran um das Hinterrad schmiegt. Erst beim zweiten Blick sieht man dann auch den Schutzkäfig um das etwas zu groß geratene Rücklicht.

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Angetrieben wird das Rad durch eine Shimano 10-Gang Positron Schaltung. Die hatte ich früher mal an einem meiner ersten Räder. Ich nannte sie „Such Dir Deinen Gang“. Aber die Positron am LeJeune schaltet erstaunlich präzise und fix.

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Auf den alten 700CC Alu-Felgen von Rigida und den alten Reifen bekommt man dann so richtig Speed drauf. Da muss man sich erst mal an die aus heutiger Sicht zögerlich zugreifenden Bremsen gewöhnen.

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Die 50 Kilometer durchs Land waren in vielfacher Hinsicht interessant: ich hatte seit vielen vielen Jahren wieder dieses Gefühl, dass immer etwas am Rad passieren kann. Ein Platten, ein Bruch, eine lockere Pedale usw. Dieses Gefühl habe ich bei meinem Reiserad nicht mehr. Da geht einfach nix kaputt. Und so habe ich meinen sorglosen Fahrstil auch schnell dem LeJeune angepasst. Das Radeln ist unmittelbarer. Vielleicht ist es auch nur Einbildung durch Begeisterung, aber mit dem LeJeune fühle ich die Straße mehr. Es ist sportlich, direkt, agil. Und es wollte auf die Straße, Kilometer machen, rennen, fliegen. Kurz: herrlich.

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Und so werde ich diesen neuen Schatz hegen und pflegen, ihm neue Reifen gönnen, aber sonst nix verändern. Und mir noch die alten Nylon-Satteltaschen von meinem Schwiegervater holen (wenn Du das liest – ich nehme sie mir beim nächsten Besuch mit, wenn ich darf! 😉 ). Dann werde ich das Rad leicht bepacken und mit ihm auf kleine Tour gehen. Immer mal. Immer wieder. Ich habe ja jetzt zwei Fahrräder.

Und falls jemand Infos über das LeJeune Champs Elysée hat – immer her damit. Mich interessiert wirklich die Geschichte dieses Rades.

Und hier alle Bilder vom LeJeune Champs Elysée:

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