1. Fahre im Uhrzeigersinn

Im Norden gibt es die meiste Sonne, im Süden regnet es viel. Vik ist zum Beispiel mit 200 Tagen im Jahr die regenreichste Stadt Islands. Und der Wind stürmt auch tendenziell im Uhrzeigersinn um die Insel, von lokalen Richtungsänderungen abgesehen. Oder auch wenn es halt ganz anders ist 😉 Mich trug er meist perfekt durchs Land. Und im Süden habe ich viele Radler getroffen, die mühsam gegen den Wind und Uhrzeigersinn um die Insel wollten. An den Straßen stehen manchmal große Anzeigetafeln, die Mikroklima auf der Strecke anzeigen und die Windgeschwindigkeiten. Ich bin ca 150 km gegen eine Windstärke von 15 Metern pro Sekunde gefahren. Das macht kein Spaß. Und führt mich zu Tipp 2.

2. Das Wetter trifft Deine Entscheidungen

Pläne machen in Island ist so eine Sache. Da sollte man sehr flexibel sein und nicht auf einer Routenplanung beharren. Und auch mental sollte man sich davon lösen und Wind und Wetter nehmen wie es ist. Ich habe mir lediglich einen groben Rahmen gesteckt und hatte sehr viel Glück mit dem Wetter.

3. Vieles ist weiter als man sieht

Klingt komisch, meint aber, dass Entfernungen in Island häufig unterschätzt werden können. Man kann teilweise sehr weit sehen. So vermutet man eine Brücke oder einen Ort in ca 10 Kilometern. Tatsächlich sind es aber 25 Kilometer. Ich habe es oft erlebt, dass ich für ein vermeintlich optisch naheliegendes Ziel wesentlich länger gebraucht habe. Ein Radcomputer halte ich für sinnvoll, um die Entfernungen besser zu kontrollieren. (Ich schreibe das, weil ich einige Radler ohne Radcomputer getroffen habe, die natürlich dann ab und zu mit den „Entfernungs-Fata-Morganas“ zu tun hatten.)

4. Immer 10 Km Plus – Vergiss die Kilometerangaben

Ob in Landkarte oder auf Straßenschildern – vergesst einfach die dort gemachten Entfernungsangaben. Ich hatte zwei Karten mit. In beiden gab es zu gleichen Strecken unterschiedliche Entfernungsangaben. Und dann sagte das Straßenschild trotzdem was anderes. Ich bin immer gut damit gefahren, pauschal 10 Kilometer drauf zu rechnen. Das passte dann meist mit der am Ende gefahrenen Entfernung zusammen.

5. Take every break

Unterwegs liegen die Möglichkeiten, für eine überdachte und, falls nötig, aufwärmende Pause sehr weit auseinander. So kann es sein, dass eine Tankstelle mit Cafe und Laden erst in 80 Km kommt oder eben die in der Karte ausgeschilderte Tanke nur eine Zapfsäule ist. Daher kann ich nur empfehlen, unterwegs in der Pampa jeden Laden oder Tanke zu nutzen, denn es kann dann wieder dauern, ehe was kommt.

6. Geld mal drei

Ehrlicherweise fand ich die Preise in Island nicht übertrieben, aber es ist schon sehr teuer. Normalerweise habe ich ein Tagesbudget von 10 Euro. Das lege ich mir meist so fest (und halte mich dann nicht dran). Auf Island habe ich es mal laufen lassen und am Ende einen Tagessatz von 25-30 Euro benötigt. Drin enthalten sind ca 6 Euro für Camping, der Rest für Essen und Trinken. Nicht eingerechnet sind Extraausgaben, wie Gletschertourguide und Museumseintritte. Stellt Euch also darauf ein, dass es etwas teurer wird. Wer die Möglichkeit hat, sollte in den Bonus Supermärkten einkaufen, die im Vergleich die günstigsten sind.

7. Bargeld nur zum Duschen

Auf Island braucht man eigentlich kein Bargeld. Ich habe 98% meiner Ausgaben mit Kreditkarte bezahlt, egal ob der Kaffee für 2,50 Euro oder den Einkauf für 15 Euro. Allerdings sind manchmal die Duschen nur mit 50 oder 100 Kronenstücken freischaltbar. Daher mein Tipp: nehmt Euch ein paar der 50er und 100er Coins mit. 80% der Duschen die ich benutzt habe waren frei. Bei 20% (zum Beispiel auf dem Campingplatz in Skaftafell, beim Vatnajökull Nationalparkzentrum) musste man mit Münzen arbeiten.

8. Bade in einem Hot Pot

Weil wir grad beim Duschen waren – es gibt nichts Besseres, als nach einem Tag im Sattel in einen Hot Pot zu steigen und bei 40 Grad Wassertemperatur sich zu entspannen, während es regnet und stürmt. Ich habe das an einem stürmischen und regnerischen Tag im Norden gemacht. Da war der Hot Pot quasi im Duschprogramm drin. Allerdings war das ein künstlicher Hot Pot, wie ihn viele Gemeinden und Orte in Island haben. Falls ihr die Möglichkeit habt, zum Beispiel bei Myvatn, dann probiert mal die natürlichen Hot Pots aus.

9. Esst Skyr!

Was? Skyr? Was ist denn das? Skyr ist eine traditionelle (?) Quarkspeise Islands, die sehr fettarm und sehr proteinreich ist. Es gibt sie in verschiedenen Geschmackssorten. Der Klassiker ist Skyr mit Blaubeeren. Ich habe sehr viel Skyr gegessen. Er war Abendbrot und Frühstück und manchmal auch zwischendurch. Sehr lecker. Und er gibt genug Power für den Tag.

10. Naturwunder kostenlos

Ob Geysir, Gullfoss, Godafoss, Schwefelquellenfelder, Vatnajökull, Jökulsarlon (Gletscherlagune) – auf Island sind alle Natursehenswürdigkeiten kostenlos. Da kann man einfach rein und rumspazieren. Auch die Preise in den Versorgungs- und Souvenirbuden sind nicht übertrieben, im Vergleich zum sonstigen Preisgefüge im Land…

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Und, habt ihr noch weitere Tipps für Island-Reisende und andere Erfahrungen? Dann immer her damit!

Und hier noch eine statistische Übersicht meiner Island-Radreise:

radreise island 2013 statistik biketourglobal