Erlebnismaschine aus Helsinki: das Pelago Thórsmörk im Test // Experience Machine from Helsinki: The Pelago Thórsmörk Reviewed
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Erlebnismaschine aus Helsinki: das Pelago Thórsmörk im Test

Hinweis: Pelago hat mir das Thórsmörk auf meinen Wunsch hin für den Test zur Verfügung gestellt.

Bei vielen Fahrradtests und auch bei meinen eigenen, geht es oft um die Frage, wie schneller oder leichter ein Fahrrad ist, wie performanter man damit Fahren kann. Das ist sicherlich auch der Trend, aber das ist nicht alles. Vielmehr geht es ja beim Bikepacking um das Erlebnis. Und wir vergessen angesichts der ganzen Posts und Videos über neue Rekorde bei Ultra Fahrten, tagelangen Quälereien,  mentalen Herausforderungen und der Glorifizierung des Typ Two Fun, dass es eigentlich um eine tolle Zeit auf dem Rad, alleine oder in Gesellschaft geht. Ein Abenteuer auf zwei Rädern, ohne Zeitdruck und Wettbewerb.

Das Pelago Thorsmörk kommt genau aus dieser Richtung. Ich habe es vor drei Jahren das erste Mal gesehen und auch in meine Übersicht interessanter Fahrräder aufgenommen. Daher habe ich mich sehr gefreut, es nun auch mal in echt ausprobieren zu können.

Þórsmörk: ein Name, der Programm ist

Pelago ist ein finnisches Unternehmen aus Helsinki und der Name Thórsmörk kommt aus dem Isländischen: Þórsmörk bedeutet „Thors Wald”, ein Naturreservat zwischen Gletschern und Vulkanen. Was den Ort aber wirklich ausmacht: Þórsmörk ist nur auf ruppigen Schotterpisten und durch Gletscherflüsse erreichbar. Normale Autos kommen dort nicht hin. Es braucht Geländefahrzeuge oder eben Beine oder ein gutes Fahrrad. Übrigens: Der berühmte Laugavegur-Wanderweg endet genau dort.

Bild KI-generiert

Pelago hat diesen Namen also nicht gewählt, weil er gut klingt. Sondern weil er beschreibt, wofür das Rad gebaut ist: für Orte, die sich nicht von selbst erschließen. Für Wege, die kein befestigter Weg mehr sind. Kurz: ein Rad fürs Abenteuer.

Stahl, Trail und eine überraschende Geometrie

Das Pelago Thorsmörk ist ein Trail-Bike mit Stahlrahmen und -gabel. Von der Geometrie her ist es eher sportlich, mit einer Stack-to-Reach Ratio von 1.31:1. Allerdings täuschen die Zahlen etwas, denn das Rad fährt sich ungemein entspannt und gutmütig.

Ich bin damit einige Trainingsrunden gefahren und habe gemerkt: Agil kann es, wenn es muss. Aber sein eigentliches Element ist das kontrollierte, bequeme Rollen über Stock und Stein.

Das liegt vor allem am Stahlrahmen, der für den Fahrkomfort sorgt. Er ist aus 4130 Cr-Mo gefertigt und „Double-butted“. Das bedeutet, dass die Rohre nicht überall gleich dick sind. An den Enden, wo die Schweißnähte und die höchsten Belastungen sind, ist das Material dicker, in der Mitte dünner. Das spart Gewicht gegenüber gleichmäßig dicken Rohren, ohne Stabilität zu verlieren.

Pelago spricht von einer modernen Trail-Geometrie des Rahmens. Das drückt sich vor allem im 66,5 Grad Lenkwinkel aus, verbunden mit einem langen Reach. Das macht das Thórsmörk auf schnellen, anspruchsvollen Trails und bei Abfahrten stabiler und der Vorderbau liegt ruhiger, das Rad schaukelt nicht so leicht auf. Gleichzeitig bleibt es durch die 432 mm kurzen Kettenstreben wendig genug für engere Kurven und technische Passagen. Aber der Wendekreis – so würde ich es beim Auto bezeichnen – ist etwas größer, als beispielsweise an meinem Monstergravel. Daran muss man sich dann gewöhnen.

Wie ein Zug auf Schienen

Das Pelago überrascht beim Fahren nicht – was sehr positive gemeint ist, denn das ist besonders relevant mit Gepäck. Denn Beladung macht das Handling von Rädern manchmal schlechter, während das Thórsmörk das besser kompensiert. Man fährt also etwas sportlich-gestreckter, aber tatsächlich bewegt sich das Rad wie ein Zug auf Schienen.

Ich war beeindruckt, wie gut das Rad klettern kann und hatte damit viel Spaß bei meinen Trainingsrunden in den „Bergen“ an der Elbe. Natürlich rollt es auf Asphalt etwas langsamer, aber sobald das Gelände erreicht ist, legt es los. Ich musste mich etwas an die gutmütige Lenkung gewöhnen, denn die ist natürlich nicht so agil, wie auf meinem Monstergravel. Dafür fühlt es sich aber immer sicher und kontrolliert an und es macht Spaß damit die Hügel runterzurauschen.

Die Trail-Geometrie gibt dem Rad ein leichtes Chopper-Gefühl. Der Lenker liegt weit vorne, das Vorderrad zieht die Linie. Gleichzeitig sitzt man durchaus sportlich und lean-forward. Ein Widerspruch ist das nicht, und genau das macht den Charakter des Thórsmörk aus meiner Sicht aus.

Packesel mit Charakter: Gewicht und Montagepunkte

Was mir sehr gut am Pelago Thórsmörk gefällt, ist das große Rahmendreieck und die Stahlgabel mit den vielen Montagemöglichkeiten. Das Rad kann also jede Menge transportieren und hat ein Systemgewicht von 130kg.

Es wiegt mit 14,3kg (in Größe S) jetzt nicht wenig, aber wer Stahl liebt, wird sich davon nicht abschrecken lassen.

Starrgabel ab Werk – und was noch geht

Die Stahlgabel wirkt auf den ersten Blick wie aus der Zeit gefallen, denn viele Hersteller kombinieren heutzutage Stahlrahmen mit Alu- oder Carbon-Gabeln, um Gewicht zu sparen. Aber Pelago bleibt dem Material treu. Und das hat seinen Preis auf der Waage: Der Rahmen (Größe M) wiegt 3,04 kg, die Gabel 1,7 kg. Das Frameset kommt also auf knapp 4,8 kg.

Dafür kann man die Starrgabel auch mit einer Federgabel mit 120–140 mm Travel ersetzen (44mm Vorlauf) – was vermutlich auch schon Gewicht einsparen würde. Oder eine passende Carbon- oder Alu-Gabel einbauen. Auch ein Dropper Post ist intern vorbereitet (31,6 mm, größenabhängige Einbaulänge).

Der Rahmen verfügt über einen UDH (Schaltauge) für konventionelle Schaltwerke sowie Direct Mount-Kompatibilität für die SRAM Transmission.

Als Rahmenset ist das Thórsmörk aktuell nicht erhältlich. Pelago schließt das aber für die Zukunft nicht aus, wenn die Nachfrage es rechtfertigt.

Die Ausstattung: Deore, WTB und breite Reifen

Das Komplettrad kommt in diesem Test mit WTB Laufrädern, gebaut mit STi35 Alu-Felgen und 29 Zoll WTB Ranger Reifen in 2,6 Zoll Breite. Die maximale Reifenbreite liegt bei 29×2,8 Zoll (oder 27.5 x 3.0”); verbaut man Schutzbleche, dann gehen bei 29″ nur 2,4 Zoll breite Reifen rein.

Geschaltet wird mit einer 1×12 Shimano Deore mechanischen Schaltung. Vorne läuft ein 32er Tretkranz, hinten eine Shimano 10-51er Kassette.

So ist das Rad auch für das Fahren mit Gepäck ausreichend vorbereitet. Im Gegensatz dazu sind ja viele Gravelbikes mit Schaltungen ausgestattet, die, sobald man Gepäck dabei hat, an ihre Grenzen stoßen und im Gelände dann eher nicht ausreichend ausgestattet sind.

Zum bequemen Fahrgefühl trägt auch der 780mm breite JD Riser Lenker bei, der einen wirklich sehr sicher durch das Gelände bringt.

Und wer etwas Gewicht sparen möchte, der kann sicherlich durch eine andere Schaltung, leichtere Laufräder oder eine andere Gabel noch etwas Gewicht sparen.

Geometrie-Geschwister: der Vergleich mit dem Sour Pasta Party

Und jetzt wird es interessant: Wenn man einen Vergleich zu anderen Rädern sucht, dann bietet sich das Sour Pasta Party an. Im direkten Geometrievergleich (Größe L) sind die beiden Räder nahezu Geschwister: Lenkwinkel 66,5 Grad vs. 66,6 Grad, identischer BB Drop, fast gleichlange Kettenstreben. Der Radstand des Thórsmörk fällt 30mm länger aus, was sich in etwas mehr Laufruhe und Stabilität niederschlägt.

Das Pasta Party wird entweder als Rahmenset (ab 1.400 Euro) oder als Komplettrad mit Shimano XT angeboten und kommt mit Starrgabel aus Stahl (Rigid) oder Federgabel (Offroad). Wer das Rad zum Beispiel mit Starrgabel und Shimano XT kauft, landet schnell bei 3.600 Euro aufwärts.

Das Thórsmörk hingegen ist ab 1.999 Euro fahrbereit, inklusive Shimano Deore 1×12. Als Rahmenset ist es leider nicht verfügbar. Aber wer bewusst Starrgabel fahren und dabei nicht auf moderne Trail-Geometrie verzichten will, bekommt beim Pelago deutlich mehr fürs Geld. Und kann dann immer noch aufrüsten.

Der Vollständigkeit halber noch der Gewichtsvergleich: 4,8kg für das Pelago Rahmenset inklusive Gabel, das Sour Pasta Party kommt auf 4.04kg (Rahmen 2,39kg + 1,65kg Gabel).

Als Bikepacking-Maschine: alles dabei

@The Radavist

Für das Bikepacking bringt das Pelago alles mit: das Rahmendreieck hat Platz für eine große Rahmentasche, der Lenker bietet genügend Platz für Handlebar Bags, an den Gabeln können Cages montiert werden und die Sattelstütze hat Platz für Träger oder Satteltasche.

Man kann also aus dem sportlichen Trail-Bike eine Abenteuermaschine für jedes Gelände bauen. Und mit den 130kg Systemgewicht ist da auch genug Spielraum für Gepäck.

Zudem kann man sich auch gleich passende Racks dazu bestellen, wie zum Beispiel das Pelago Front Rack Large oder die Fork Racks für den Transport von Gepäck an der Gabel. Und wenn man mag, kann man bei Pelago auch die passenden Taschen bekommen.

Die wuchtigen und griffigen WTB Ranger 29×2.6″ sind als Reifen-Wahl nur konsequent und punkten im Gelände. Auf Asphalt rollen sie natürlich etwas schwerer. Aber hier kann man ja dann auch die Reifen entsprechend seiner bevorzugten Untergründe anpassen.

Und mit der verbauten Shimano Deore (32/10-51T) hat man genug Reserve für Anstiege mit Gepäck.

Fazit: Die Erlebnismaschine

Kurz: Wer Stahl liebt, wird das Pelago Thórsmörk lieben. Es ist eine Erlebnismaschine – nicht leicht, aber es bringt dich zuverlässig und weit über befestigte Wege hinaus.

Aus meiner Sicht ist das Pelago Thórsmörk ein Rad für Bikepackerinnen und Bikepacker, die das Gelände suchen, für die das Gewicht nicht zählt und die das Erlebnis über Bestzeiten und Performance stellen. Und für diejenigen, die eine Marke fahren wollen, die noch nicht jeder kennt.

Für 2.000 Euro bekommt man ein fahrfertiges Rad mit einer sehr guten Grundausstattung. Und wem das nicht reicht, kann dem Rad noch ein Update geben und Federgabel, andere Laufräder und Schaltung einbauen.

Wer bei 14,3 kg Stahl noch zweifelt, ob es nicht doch Carbon sein müsste: Dominic Rivard hat die Mathematik dahinter durchgerechnet – und das Ergebnis ist ernüchternd schön. Sein Artikel lohnt sich:

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5 Kommentare

  1. Ein Fahrrad, das „Erlebnismaschine“ heißt, setzt die Latte angenehm hoch.

    Wenn am Ende vor allem zählt, dass man damit einfach weiterfahren möchte, hat Helsinki die Sache vermutlich richtig verstanden.

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