Die häufigsten Fragen zum Bikepacking-Einstieg
Seit vielen Jahren lese ich in Radreise- und Bikepacking-Foren mit. Vor allem, wenn es um den Einstieg in unsere Leidenschaft Bikepacking und Radreisen geht, wiederholen sich die Fragen.
Jede und jeder startet mal bei null – aber genau deshalb tauchen immer wieder dieselben Unsicherheiten auf. Und diese steigen dann noch weiter, denn fragt man fünf Leute, bekommt man acht Antworten. Und viele davon sind dann auch immer nur bedingt hilfreich.
Daher habe ich mir mal die häufigsten Fragen notiert und beantworte sie hier so kompakt, informativ und neutral wie möglich.
Grundsätzlich kann ich sagen: der Einstieg ist denkbar leicht und muss auch nicht teuer sein. Erfahrungen sammeln gehört dazu und sind Teil des Erlebnisses.
Wenn du mit der Erwartungshaltung reingehst, möglichst keine Fehler zu machen und gleich von Beginn an auf alles vorbereitet zu sein, dann kann ich dir sagen: das funktioniert nicht und führt nur zu Frustration.
Ausprobieren, Erfahrungen sammeln, verändern und verbessern sind Teil der Reise – und ehrlicherweise hört das auch nicht auf.
Zum Einstieg empfehle ich euch auch meine „Ressourcen für Bikepacking & Radreise“: Hier findest du nützliche Apps, Packlisten-Werkzeuge und praktische Ressourcen für jedes Bikepacking- und Radreise-Abenteuer.
Frage 1: Welches Rad eignet sich überhaupt?

Oft lautet die Antwort hier: Das beste Rad für den Einstieg ist meistens das, was schon in deinem Keller steht.
Das stimmt, wenn es um die Frage nach dem Fahrradtyp geht: Gravelbike, Mountainbike, Rennrad oder Trekkingrad – alle funktionieren, solange du da Taschen anbringen kannst, wenn du möchtest.
Vor allem aber achte bei der Wahl deines Fahrrades darauf, dass es deinem Anspruch genügt. Willst du im Gelände und Wald unterwegs sein, oder auf Fahrradwegen oder schnellen Straßen? Soll es bequem werden, oder eine sportliche Tour? Dann solltest du darauf achten, das dafür passende Fahrrad zu nehmen. Ein Rennrad auf eine Geländetour ist eher nicht ratsam. Und umgekehrt macht ein MTB auf einer schnellen Straßenrunde auch nicht wirklich Spaß.

Ansonsten achte vor allem darauf, dass dein Rad funktionstüchtig ist und nicht bei ersten Kontakt mit der Straße oder dem Gelände auseinander fällt, oder du die Tour abbrechen musst, weil irgendwas defekt ist.
Frage 2: Was brauche ich wirklich, und muss das teuer sein?

Ich würde dir für den Einstieg empfehlen: Ersatzschlauch, Flickzeug, Multitool und eine kleine Pumpe.
Bei Zelt, Isomatte und Schlafsack darf man für die erste Tour ruhig sparen oder sich die Ausrüstung leihen oder borgen.
Ich habe vor einiger Zeit den Beitrag „Projekt 400“ geschrieben, bei dem es darum geht, ein Bikepacking Einsteiger Set-up zu finden, dass nicht mehr als 400 Euro kostet. Das kann eine gute Grundlage für deine Planung sein.
Bei der Kleidung reicht meist weniger, als man denkt: starte vielleicht mit zwei bis drei Funktionsshirts nach dem Zwiebelprinzip, eine wind- und wasserabweisende Jacke, eine kurze und eine lange Hose, dazu Wechselsocken.
Viele fahren auch mit sogenannten Bibs, das sind Radhosen mit Polster. Ich bin auf meinen Radreisen nur mit Turnhose gefahren. Seit ich Bikepacking mache, habe ich aber die Bibs schätzen gelernt. Schau da einfach mit was du dich wohlfühlst. Einen Styleguide gibt es nicht – auch wenn man das angesichts Instagram kaum glauben möchte.

Grundsätzlich lohnt sich bei jedem Ausrüstungsteil ein Blick aufs Packmaß, nicht nur auf den Preis: Zwei günstige, aber sperrige Teile können in den begrenzten Taschen mehr Ärger machen als ein etwas teureres, kompakteres Stück.
Wenn es um die Kosten einer Bikepacking Tour oder Radreise geht, dann schau dir gerne auch meine Auswertung „Alles für Bikepacking & Radreise 2026“ an, wo ich die durchschnittlichen Kosten pro Tag abgefragt habe:

Frage 3: Wie viel darf das Gepäck wiegen?
Dieses Thema wird ja oft heiß diskutiert und ist am Ende doch dann immer sehr individuell.
Zur Orientierung habe ich auch das in meiner Umfrage abgefragt:

Die Mehrheit gibt an, 7-9 kg an Gepäck dabei zu haben. 22% sogar nur 5-7 kg. Im Vergleich zur letzten Umfrage ist eine Verschiebung hin zu weniger Gepäckgewicht festzustellen. Allerdings hängt das immer vom eigenen Bedarf und Komfort ab und wie man reisen möchte.

Ein guter Richtwert für den Anfang liegt aus meiner Sicht bei 8 bis 10 Kilogramm. Wichtiger als die genaue Zahl: das beladene Rad vor der Tour testen, weil sich das Fahrverhalten mit Gepäck spürbar ändert.
Und oft wirst du auch feststellen, dass die Schaltung bzw. Übersetzung an deinem Fahrrad nicht für das Fahren mit Gepäck ausgelegt ist. Dann heißt es erstmal Schieben, was aber zu einer richtigen Tour dazu gehört.
Frage 4: Zelt, Tarp oder Biwaksack – was ist der Unterschied?

Ein Zelt bietet den meisten Schutz, ist aber (oft) am schwersten.
Ein Tarp ist eine wasserdichte Plane, die du mit Zeltstöcken, Trekkingstöcken oder Bäumen aufspannst, statt sie in einem festen Gestänge-Gerüst wie bei einem Zelt zu befestigen. Sie ist aber an den Seiten offen – je nachdem wie du es aufbaust. Und es hat keinen Boden. Darunter liegen dann die Isomatte und der Schlafsack. Ein Tarp spart Gewicht und Platz, lässt dich aber offener gegenüber Wetter und Insekten.
Ein Biwaksack liegt dazwischen und eignet sich gut für einzelne Nächte unterwegs. Hier legst du dich mit dem Schlafsack rein und er schützt dich vor Nässe und Kälte.
Für den Einstieg würde ich das Zelt empfehlen, denn es gibt erstmal auch Schutz und Sicherheit. Viele gehen dafür auf den Campingplatz oder schauen nach offiziell zugelassenen Übernachtungsplätzen in der freien Natur.

Hinweis: Das wilde Campen ist in Deutschland verboten und sollte daher auch nicht praktiziert werden. Es gibt genügend alternative Übernachtungsmöglichkeiten. Und wer kein Zelt hat und keine Lust aufs Draußen schlafen, der sucht sich eine Pension, Hotel oder andere feste Unterkunft.
Frage 5: Wie plane ich meine Route?

Früher habe ich dafür ganz klassisch die Karte herausgeholt und meine Route geplant. Heute benutze ich Apps wie BikeRouter, Brouter, Google Maps oder Komoot, um Wege mit wenig Verkehr und dem gewünschten Schotter- oder Asphaltanteil zu finden.
Für die erste Tour empfehle ich gerne Komoot, denn dort kann man relativ einfach Routen finden. Diese kann man dann über Google Maps noch mal abgleichen.
Damit bin ich nicht allein, denn laut meiner Umfrage arbeitet die Mehrheit mit Komoot für die Tourplanung:

Tipp: Für die erste Tour lohnt sich ein Blick auf die Höhenmeter – ein flaches Profil sorgt für ein entspannteres Erlebnis und mehr Erfolgserlebnis. Und man kann sich immer weiter steigern und so auch ein Gefühl für Höhenmeter und Steigungen entwickeln.
Und bei der Frage nach dem Navigationsgerät: spart euch die Investition in ein GPS-Gerät und fahrt erstmal mit dem Smartphone. Aber nehmt euch eine Powerbank mit, denn die Navigation zieht ordentlich Akku.

Eine gute Informationsquelle zum Planen einer Tour ist auch mein Podcast Gespräch mit Nils Thomsen, der den Hackenpedder und das Shelter Attack veranstaltet und seine Erfahrungen zum Planen von Routen teilt:
Frage 6: Campingplatz vorbuchen oder spontan ankommen?
Die Frage der Übernachtung beschäftigt sehr viele von euch. Und ich kann das verstehen, denn die Sicherheit eines festen Ziels und Unterkunft ist für viele beruhigend.
Bei der ersten Tour empfehle ich einen Campingplatz oder Unterkunft vorab zu buchen. Ansonsten funktioniert ein Mittelweg auch gut: die groben Etappenziele kennen und wissen, ob es dort überhaupt eine Übernachtungsmöglichkeit gibt, aber nicht gleich fest buchen. So bleibt Spielraum für Wetter, Tempo und Laune.

Und wenn man sehr spontan sein möchte, dann kann man es so wie ich machen: ich schätze gegen 17 Uhr ab, wie weit ich noch komme und suche mir dann entlang der Route einen Platz oder Zimmer und rufe dort vorher an.
In einigen Bundesländern gibt es zudem Rasthütten oder Lagerplätze, wo man für eine Nacht bleiben darf. Bei mir im Norden sind es die Plätze des Wilden Schleswig-Holstein, wo man mit oder ohne Voranmeldung sein Lager für die Nacht aufschlagen kann.
Frage 7: Darf ich zur Not im Wald übernachten?

Wildcampen ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Die Regeln unterscheiden sich aber je nach Bundesland. Biwakieren für eine einzelne Nacht wird dagegen vielerorts toleriert. In und um Naturschutzgebieten sowie in vielen Alpenregionen sind die Auflagen nochmal strenger als im Rest der Republik. Schaut hier also vorab auf die jeweilige Naturschutzverordnung und respektiert diese.
Ich rate hier zum Verzicht auf das wilde Campen, auch weil wir als Bikepackerinnen und Bikepacker natürlich die Naturschutzregeln beachten wollen. In jedem Fall lohnt es sich vorher zu checken, wo legale Alternativen wie Trekkingplätze oder Rasthütten in deiner Zielregion liegen.
Dafür gibt es auch einige Apps, wie zum Beispiel iOverlander oder CampWild.
Frage 8: Ich will gar nicht draußen schlafen – geht das trotzdem?
Ja, natürlich. Es gibt beim Bikepacking oder der Radreise keine Vorschriften, außer den The Gravel Riding Adventure Cycling Bikepacking Cycle-Touring Rules.
Wie du mit deinem Fahrrad reist, bleibt dir überlassen. Und wie du es nennst – ob Bikepacking, Radreise, Fahrradtour – auch.

Es gibt viele Menschen, die sich eine Nacht in freier Natur gar nicht vorstellen können. Und das brauchen sie auch nicht, denn Bikepacking und Radreisen ist das, was du daraus machst. Nicht was andere dazu sagen.
Daher übernachte so, wie es für dich passt und wobei du dich wohl fühlst.
Frage 9: Wie viele Kilometer pro Tag sind realistisch?
Zum Einstieg würde ich meist 50 bis 80 Kilometer pro Tag empfehlen, am besten mit möglichst flachem Höhenprofil. Plane lieber konservativ und mit Reserven für Pausen (und Pannen). Nach der ersten Tour hast du dann schon ein gutes Gefühl, wie weit du am Tag in welchem Gelände kommst und kannst die nächsten Touren entsprechend planen.
Bei meiner Umfrage fahren 47% zwischen 80 und 100km am Tag. Das ist durchaus realistisch, hat man ja auch oft viele Stunden Zeit dafür.

Frage 10: Wie sieht’s mit Verpflegung unterwegs aus?

Als ich noch klassischer Reiseradler war, hatte ich auch immer einen Kocher dabei und konnte mir entsprechend zu Essen machen. Für die erste Tour empfehle ich aber – je nach Länge – eine Brotzeit mitzunehmen und sich dann auch unterwegs an Tankstellen und Supermärkten zu versorgen. Wenn man es gemütlich angeht, dann plant gerne Essenstopps bei Restaurants, Bäckereien, Supermärkten oder Fast Food Ketten ein.
In Deutschland ist die Versorgung meist eng genug, dass man nicht viel bevorraten muss. Aber ein Blick auf die Strecke lohnt sich immer, auch um genügend zu Trinken dabei zu haben.

Ich arbeite da gerne mit der OnRouteMap. Das gibt mir entlang meiner geplanten Strecke die Wasserstellen und Verpflegungspunkte aus. So kann ich unterwegs gut vorausschauend planen.
Und ein Umweg zu einer Tankstelle oder Supermarkt ist natürlich auch immer eine Möglichkeit und gehört zu einer Tour dazu.
Frage 11: Worauf muss ich sicherheitstechnisch achten?

Ich habe bei meiner Recherche festgestellt, dass die eigene Sicherheit und die des Rades und Ausrüstung für viele ein wichtiges Thema ist.
Wenn man darauf Wert legt, dann kann man seine Route und voraussichtliche Ankunftszeit mit einer Vertrauensperson teilen. Zudem bieten einige Navigationsgeräte auch die Möglichkeit einen Tracking-Link mit Familie und Freunden zu teilen. So sehen diese immer, wo man ist.
Um das Fahrrad und die Ausrüstung bei einem Einkaufsstopp oder bei der Übernachtung zu sichern, führt an einem Schloss kein Weg vorbei. Und man sollte dann auch die wichtigsten Wertgegenstände, wie Geldbörse, Navi, Fotoapparat usw. mitnehmen.
Ich bin da völlig sorglos, lasse mein Rad oft ungesichert oder nur mit einem kleinen Schloss vor der Tanke oder dem Supermarkt und nehme meist nur das Navi mit rein. Oft mache ich einfach nur den Helm am Vorderrad fest, sodass es eine Art Wegfahrsperre ist. Aber mir ist noch nie etwas passiert und noch nie etwas gestohlen worden.

Natürlich bin ich nicht blauäugig und entscheide je nach Situation und Umgebung, welchen Grad an Sicherheit ich anwende. Nachts schlafe ich meist verborgen und sichere da mein Rad nicht. Auf Campingplätzen schließe ich es einfach an.
Ich empfehle beim Thema Sicherheit aber zu mehr Gelassenheit. Sicherheitsbedenken und Ängste können sehr schnell einem die Tour vermiesen.
Eine gute Versicherung hilft hier auch – ich habe mein Fahrrad über eine spezielle Versicherung versichert und die Ausrüstung über eine weltweit geltende Hausratversicherung.

Zur eigenen Sicherheit unterwegs gehört für mich aber auch gute Sichtbarkeit, gerade in der Dämmerung oder bei schlechtem Wetter. Ein Rücklicht und etwas Reflektierendes an Tasche oder Kleidung kosten kaum was, machen aber einen echten Unterschied.
Und ich habe immer ein kleines Erste-Hilfe-Set dabei. Nicht nur für den Fall, dass mir was passiert, sondern vor allem, dass ich helfen kann. Dafür habe ich mir auch eine Erste Hilfe App installiert.
Und ein weiteres Thema ist das Alleine fahren. Ich war viele Jahre mit Stephan unterwegs und als ich dann das erste Mal alleine auf Radtour ging, war das schon ungewohnt und neu. Aber damit bin ich nicht allein, denn viele von uns fahren gerne solo.

Für die allererste Tour kann es aber trotzdem eine gute Idee sein, sich jemanden zum Zusammenreisen zu suchen. Nicht weil Alleinreisen gefährlich wäre, sondern weil zu zweit vieles entspannter ist: technische Probleme lassen sich leichter lösen, und auch mental ist es am Anfang oft angenehmer, wenn man sich absprechen kann.
Später, wenn du deine Routine gefunden hast, kannst du immer noch entscheiden, ob Solo-Touren das Richtige für dich sind. Zum Einstieg lohnen sich auch Gruppen-Ausfahrten und Overnighter, wie sie zum Beispiel die Hackenpedder Community oder der GravelClub anbieten.
Frage 12: Was, wenn unterwegs was kaputtgeht?

Wenn nichts dazwischen kommt, hat man nix zu erzählen. Und Pannen gehören bei einer Tour auch dazu – zumindest sollte man mit ihnen rechnen. Aber man kann dem vorbeugen und einen Ersatzschlauch, Flickzeug, Multitool und Luftpumpe mitnehmen. Oft lohnen sich auch Kabelbinder und etwas Panzertape, denn damit lassen sich erstaunlich viele „unlösbare“ Probleme unterwegs provisorisch reparieren, bis die nächste Werkstatt erreichbar ist.
Und es lohnt sich auch nach Schlauchautomaten und Fahrradstationen auf der geplanten Route zu schauen.
Vielen Pannen kann man aber auch vorbeugen, indem man sein Fahrrad vor der Tour durchcheckt.

Ehrlicherweise sind die Fahrräder von heute sehr viel widerstandsfähiger geworden und wenn mal was kaputt geht, ist es meist der Schlauch.
Sollte doch etwas Größeres passieren, dann findet sich schon Hilfe unterwegs, denn viele Menschen sind hilfsbereiter als ihr denkt.
Früher habe ich viele Pannen bis hin zum Felgenbruch dank Unterstützung von Menschen am Wegesrand beheben können.

Das waren die Fragen, die mir am häufigsten begegnen. Aber die Liste ist bestimmt nicht vollständig: Welche Fragen habt ihr euch bei eurer ersten Tour gestellt, oder welche bekommt ihr von Einsteigerinnen und Einsteigern am häufigsten zu hören?
Schreibt’s gerne in die Kommentare, vielleicht wird daraus Teil 2.

Ich mache jede Radtour 3 Mal!
Exakte Voraus Planung (Road book) – Radreise – Fotobuch. Meine Touren sind bisher Spanien; Frankreich; Schweiz und Italien. Meist bin ich mehrere Wochen am Stück unterwegs und bevorzuge die Nacht in Hotel, Pension oder B&B.
Im Alter von 83 fahre ich gerne mit einem verträglichen Partner.
Hallo Michael,
das finde ich super. Und eine gute Inspiration. Am besten gefällt mir dein letzter Satz 🙂
Viele Grüße und viele schöne Reisen noch!
Martin