Jedes Mal freue ich mich darauf und jedes Mal bin ich überrascht, wie viel Arbeit dann doch so eine Auswertung macht: Herzlich Willkommen zu „Alles für Radreise & Bikepacking“ 2026!
Vor ein paar Wochen hatte ich euch viele Fragen rund um die Art, wie ihr mit dem Fahrrad reist, wie ihr unterwegs seid und auf welche Ausrüstung ihr dabei vertraut gestellt. 391 Menschen haben geantwortet – und dafür möchte ich Danke schön sagen!
Und mich dafür entschuldigen, dass ich mit der Laufzeit der Umfrage durcheinander gekommen bin und diese schon eher als geplant geschlossen habe.
Die Ergebnisse dieser Umfrage sollen eine Orientierungshilfe für alle sein, die gerade ihre erste große Tour planen – oder die sich einfach mal informieren möchten, wie gerade so geradelt wird und was benutzt wird.
Konkrete Marken- und Modellnennungen helfen dabei Einsteigern, aber auch Erfahrenen, Fehlkäufe zu vermeiden und das passende Equipment für ihre Leidenschaft zu finden.
Die Auswertung erfolgt wieder in zwei Teilen: der erste Teil dreht sich vor allem darum, wie wir auf Radreise oder Bikepacking Tour gehen, wie wir diese planen, welche Entfernungen wir dabei zurücklegen und wie viel Geld wir ausgeben. Der zweite Teil geht dann in die Details der Ausrüstung – von Schlafsack über Zelt zu Hosen und Jacken.
Wer sich eher für die Fahrrad-technischen Aspekte interessiert, dem empfehle ich die Ergebnisse im Beitrag „Das Bikepacking & Radreise Rad“ 2025/26. Hier finden sich dann auch die Informationen zu den Fahrradtaschen.
Aber nun geht es los!
Wohin und wie lange? Deutschland bleibt Favorit, aber die Touren werden kürzer
Bei dem bevorzugten Reiseziel bleibt Deutschland mit 74% an der Spitze, gefolgt von West- und Südeuropa. Allerdings konnten beide mehr zulegen als Deutschland mit +1 Prozentpunkt (PP): Westeuropa verzeichnet +6 PP und Südeuropa +3PP.

Bei der Dauer der Tour hat sich aber einiges verändert: lagen Overnighter 2023 noch bei 29%, haben sich in diesem Jahr 41% für die Auszeit für eine Nacht ausgesprochen. Leichte Verschiebungen gibt es auch bei den Reisen für 1-5 und 6-14 Tage: hier liegen die Umfrageergebnisse im Vergleich zu 2023 um +16 PP und +6 PP höher.

Die Anzahl derjenigen, die länger als 3 Wochen auf Tour gehen sank allerdings. Der Trend geht also zu kürzeren Touren.

Ich bin ja erklärter Fan von Radtouren im Winter, aber so richtig scheint das nicht zu verfangen, denn nach wie vor zieht nur 1% der Befragten die kalte Jahreszeit für Touren in Betracht. Immerhin stieg die Zahl derjenigen, die ganzjährig unterwegs sind um +4 PP im Vergleich zur letzten Befragung.

Lange war ich überzeugter Solo-Reisender, aber in den letzten Jahren habe ich dank Hackenpedder und meiner Touren mit Stephan wieder Gefallen an der Gesellschaft anderer gefunden. Gefragt nach euren Präferenzen gibt die Mehrheit an, solo zu radeln, gefolgt von Touren zu zweit.
Kilometerfresser und Untergrund: Der Trend zur Langstrecke auf Schotter
Wie viele Kilometer man am Tag fährt ist ja für den ein oder die andere sehr wichtig. Wie auch vor 3 Jahren gibt die Mehrheit 100km am Tag an.

Allerdings sehe ich in diesem Jahr eine Verschiebung hin zu längeren Strecken: bis zu 130km +1PP, bis zu 150km +7PP und mehr als 150km +8PP. Der Trend geht also zur Langstrecke.
Auch der Untergrund entscheidend für den Spaß. Und hier sind natürlich Waldwege und Schotter ganz vorne – aber das war vor 3 Jahren noch nicht so, denn da lag Asphalt auf Platz 2. Schotter hat satte +13PP zugelegt, Asphalt -10PP abgenommen.

Aber ich muss sagen, dass ich bei aller Liebe für natürlichen Untergrund ich doch immer wieder auch Asphalt ziemlich gut finde, vor allem wenn man dadurch auch Strecke machen kann.
Nachtlager und Budget: Zwischen Schutzhütte und gestiegenen Kosten
Und wo verbringt man die Nacht? Da sagt die Mehrheit nach wie vor Zelt auf Campingplatz. Dieser Wert ist unverändert im Vergleich zu 2023.

Leicht verloren hat das Wildzelten, welches nach wie vor auf dem 2. Platz ist, aber -4PP einbüßen musste. (Hinweis: es ist in Deutschland nicht erlaubt.). Aber gut zugelegt haben Übernachtungen in Schutzhütten mit +10PP und im Hotel mit +7PP.
Immer wieder interessant ist die Frage nach dem Geld. Und so wie das Fahrradfahren an sich auch nicht ganz günstig ist, so kostet eine Bikepacking- oder Radtour auch etwas. Gefragt nach den durchschnittlichen Ausgaben kann man schon deutlich sehen, dass diese im Vergleich zur letzten Umfrage 2023 gestiegen sind. Das wird auch an der allgemeinen Verteuerung liegen.

Bis zu 20 Euro am Tag hat -7PP abgenommen, bis zu 30 Euro am Tag +1PP zugenommen. Und dann sehen wir die Verschiebungen deutlich: bis 50 Euro +5PP zugelegt und bis 100 Euro +7PP.
Ich habe mal bei mir geschaut und ich liege durchaus zwischen 40 und 100 Euro am Tag.
Anreise und Philosophie: Genussradeln vs. Trainingseifer
Geld kostet manchmal auch die Anreise zum Start einer Radtour. Nach wie vor unverändert setzt die Mehrheit auf den Zug als bevorzugtes Transportmittel. Ich verzichte in den Sommermonaten komplett darauf und nehme mir, dann direkt ein Auto, da in den Zügen ohnehin kein Platz mehr ist. Auf das Auto setzen auch 32% der Befragten, was +7PP mehr im Vergleich zu 2023 sind.

Mit dem Fahrrad reisen 49% der Befragten an – das sind -7PP im Vergleich zum letzten Mal. Das Rad verliert also schon erheblich. Flugzeug und Schiff/Fähre sind nahezu unverändert.
Ist man dann aber unterwegs, radeln viele von euch genüsslich-meditativ, einige sportlich und die Mehrheit macht es mal so und mal so.

Dabei steht aber das Fahren im Vordergrund: über 80% Fahren und Schauen und 15% sind eher im Touristik-Modus unterwegs und schauen lieber als sie fahren. Und alles ist natürlich ok!

Geht es um die Reisevorbereitung bin ich ganz klar im Team „Nur das Nötigste“. Ich möchte ja vor Ort dann noch vieles Entdecken und selber erfahren können. Und damit gehöre ich zur Mehrheit von 54%. Dahinter dann diejenigen unter euch, die sich gerne intensiv vorbereiten und alles lesen und anschauen. Macht aber durchaus auch Sinn, damit man nichts verpasst. Ich bin mal versehentlich durch Kappadokien gefahren und habe mich gewundert, was das eigentlich für tolle Felsen sind und woher die Ballons und Touristenbusse kommen. Aber das war 1996…

Apropos Radtour oder Bikepacking-Trip: etwas Training kann nicht schaden.

Und der Anteil derjenigen, die unbedingt für ein Training plädieren ist im Vergleich zu 2023 um +7PP gestiegen. Vermutlich liegt das auch an der Verschiebung hin zu längeren Tagesstrecken, die dann auch Training entsprechend voraussetzen.
Digitale Wege: Trends bei Planung und Navigation
Immer wieder interessant finde ich, wie ihr auf Tour navigiert und eure Routen plant.
Und die Mehrheit plant ihre Routen selber. 74% sind +24PP im Vergleich zu 2023. Ausgewiesenen Radwegen folgen dabei nur 8%. Das sind -2PP im Vergleich zum letzten Mal.

Erwartungsgemäß planen immer weniger Menschen ihre Touren mit einer klassischen Landkarte. Auch ich bin natürlich vor allem am Laptop beim Planen, aber ab und zu hole ich dann doch noch mal eine Karte raus, um einen größeren Überblick zu haben.

Wenn am PC, dann plant die Mehrheit mit Komoot. Aber viele setzen zunehmend auch auf BRouter, ein Tool auf OpenStreetMaps Basis und sehr anpassbar. Dessen Nutzung hat sich um satte +12PP nach oben verändert. Und das zu Recht. Ich bin selber Fan und plane meine Routen ausschließlich auf BRouter Basis. Anschließend übertrage ich das in Komoot und syncronisiere darüber mit meinem Navi.

Auch Google Maps hat viele Freunde. Auch ich schaue hier ab und zu auf mögliche Strecken und nutze es vor allem auch unterwegs. Ride with GPS ist hierzulande noch relativ unbekannt, aber im Rest der Welt sehr etabliert. Das liegt vermutlich an der Vorherrschaft von Komoot, kann sich aber durch den Verkauf der beliebten Plattform auch noch ändern.

Unterwegs fährt dann die Mehrheit mit einem Navigationsgerät. Und das hat sich auch erheblich verändert, denn vor drei Jahren haben nur 65% auf ein Navi gesetzt. In diesem Jahr ist das ganz anders und 84% fahren mit Navi. Ich finde das auch nur logisch, denn die Vorteile eines Navis gegenüber einem Smartphone sind schon deutlich. So hat dann auch das Smartphone zur Navigation -15PP verloren.

Bei den GPS Geräten dominiert nach wie vor Garmin, gefolgt von Wahoo. Aber beide haben eingebüßt. Ein Grund sind vermutlich Hammerhead und Coros, die zwar noch einstellig sind, aber +3PP (Hammerhead) und Coros als Neueinsteiger mit gleich 9% entsprechend Anteile kosten.
Und euer Voting der beliebtesten Geräte spiegelt aus meiner Sicht auch den aktuellen Markt wider:

Das war die Auswertung Teil 1!
Ich hoffe ihr fandet es interessant und ihr konntet ein paar Informationen und Impulse daraus ziehen.
Schreibt gerne eure Anmerkungen und Ergänzungen in die Kommentare.
Teil 2 folgt dann bald…

Wie cool, dass so viele den Zug für die Anreise nutzen!
Das deckt sich mit meiner Entwicklung: Ich lasse aus mehreren Gründen mittlerweile mein Auto lieber zuhause stehen. Kosten, Umweltschutz, Touren wo Start und Ziel nicht identisch sind, alles prima Gründe für die Bahn.
Falls ihr da mit dem Fernverkehr unterwegs seid und bisher entweder Stellplatz-Roulette spielt oder euer Rad nach Rinko-Art zerlegt schleppt ist vielleicht mein Eichkatz Rinko Roller (Pro) interessant.