Hinweis: Big Agnes hat mir auf meinen Wunsch hin den Bivy zum Testen zur Verfügung gestellt.
Wer meinen Blog verfolgt, weiß: Ich bin ständig auf der Suche nach dem perfekten Setup zwischen Gewicht, Wetterschutz und Komfort. Aber eigentlich ist es meine Neugier, all die Sachen auszuprobieren, die es da draußen gibt. Und eigentlich war ich ein überzeugter Camper, für den das Zelt auf Radreise immer dazu gehörte.
Dann kam das Bikepacking und meine eher sportlichere Ausrichtung, weshalb ich dann auch das Thema Schlafen unterwegs auf den Prüfstand stellte. Biwaksack hieß nun das Schlagwort und in diesem Zusammenhang probierte ich den Hunka von Alpkit aus und später dann den OR Helium. Der Grund für den Helium war, dass er eine Kapuze hat und so auch etwas Mückenschutz. Und nach wie vor ist das ein sehr guter Biwaksack, der leider etwas sehr kondensiert und im Kopf- und Schulterbereich dann doch etwas eng ist.
Dann bekam ich die Möglichkeit das Big Agnes Three Wire Hooped Bivy zu testen. Ich kannte ihn noch nicht und bin nun seit ein paar Monaten unterwegs – vom Sommer über den Herbst durch den tiefen Winter.
Konstruktion: Ein Zelt im Tarnmodus
Big Agnes geht mit diesem Produkt einen eigenen Weg – nicht klassisches Bivy, nicht kleines Zelt. Es ist im Kern eine Mischung aus beidem.
Das Three Wire ist im Prinzip ein sehr minimalistisches 1-Personen-Zelt. Der Clou ist der Kopfbereich: Durch ein einzelnes Gestänge (den “Hoop”) gewinnt man ordentlich Raum über dem Gesicht und Oberkörper. Schluss also mit dem beklemmenden Gefühl, wenn einem der nasse Stoff auf der Nase liegt. Zudem bin ich Bauchschläfer und brauche etwas Platz neben dem Kopf für meine Arme. Und da ist der Big Agnes sehr großzügig.

Zudem gefällt mir, dass das Gestänge im Kopfbereich den Stoff so gut und stabil hoch hält, dass ich mit dem Kopf nicht dagegen komme. Beim OR Helium war das nicht ganz so praktisch und das Netz, oder bei Regen die ganze Außenhaut, lagen mehr auf meinem Gesicht.

Möglich macht das auch die rechteckige Form des Bivy. Das ist ein großer Vorteil gegenüber den üblichen Mumien-Schnitten, weil man im Fußbereich einfach mehr Platz hat und sich nachts auch mal drehen kann, ohne dass das ganze Bivy mitwandert.

Von den Maßen, aber auch in der Praxis ist der Big Agnes recht geräumig: 211cm Außenlänge und komfortable 64cm Breite im Fußbereich und 76cm im Kopfbereich bieten auch großen Menschen genügend Raum.

Apropos: man kann mit drei Häringen mehr das Bivy so abspannen, dass es wie ein kleines Zelt steht. Dafür wird es am Fuß- und Kopfbereich entsprechend abgespannt.
Das Handling: Endlich kein „Reinfummeln“ mehr
Einer meiner größten Kritikpunkte bei herkömmlichen Biwaksäcken ist der Einstieg. Oft ist es ein mühsames Reinkriechen, bei dem man oft auch den Dreck von draußen direkt mit in den Schlafsack zieht. Und wenn man nachts mal raus muss, geht das Ganze von vorne los.

Beim Three Wire ist das anders gelöst, denn es funktioniert wie ein Cabrio: An beiden Seiten gibt es mit auf Hüfthöhe Reißverschlüsse, durch die man das obere Drittel komplett nach unten klappen kann.
Dann habe ich da meine Isomatte und Schlafsack reingelegt und am Ende mich reingesetzt. Nun einfach die Reißverschlüsse rechts und links bequem zuziehen und fertig.

In 90% der Fälle habe ich den Kopfbereich nicht mit Gestänge aufgebaut, sondern einfach so den Biwaksack und Kapuze als zusätzliche Isolation und Witterungsschutz genutzt.
Einzig im Sommer habe ich den Kopfbereich genutzt, um mich vor den Mücken zu schützen. Da ist es aber bei jedem Bivy immer eine Entscheidung zwischen „es ist eigentlich zu warm“ und „aber da sind Mücken draußen“.

Im übrigen steht der Kopfbereich mit Gestänge wesentlich besser als beim OR Helium, wo das trotz Abspannung oft wackelig war.

Wenn es keinen Shelter gibt und das Wetter schlecht ist, dann baue ich das Gestänge für vollen Schutz auf und spanne es mit Häringen ab. So wird aus dem Cabrio-Biwak ein Mini-Zelt.
Die Performance: Kein Kondenswasser!
Ich habe das Bivy durch drei Jahreszeiten genutzt. Und wer vor allem im Herbst und Winter im Biwaksack pennt, rechnet morgens normalerweise mit einer Tropfsteinhöhle. Aber beim Three Wire war ich überrascht, denn da war fast nichts an Kondens festzustellen. Das hatte ich beim OR Helium anders erlebt.

Die Atmungsaktivität des Materials ist also nicht schlecht. Selbst bei feuchtkalter Witterung blieb es innen trocken – das ist in dieser Kategorie alles andere als selbstverständlich.
Big Agnes setzt hier ein “ultraleichtes, dreilagiges, wasserdichtes und atmungsaktives Nylongewebe mit einer mikroporösen Membran und einer Trikotschicht für verbesserten Feuchtigkeitstransport” ein. Das scheint zu funktionieren. Und auch der Boden ist sehr solide, bestehend aus Ripstop-Nylon mit einer 1200-mm-Polyurethan-Beschichtung. Da kommt also auch keine Feuchtigkeit durch, muss man mal zum Beispiel auf einer nassen Wiese aufbauen.
Ich habe in den ganzen Monaten es nur einmal erlebt, dass der Sack innen im Fußbereich leicht feucht war – handfeucht, nicht nass.
Das Aber: Gewicht und Preis
Wir müssen aber auch über die harten Fakten sprechen: Der Three Wire Hooped wiegt laut Hersteller 624g, nachgewogen 650g.

Schaut man sich meinen Artikel über 81 UL-Zelte an, sieht man schnell: In dieser Gewichtsklasse spielen heute schon vollwertige Zelte mit, die mehr Raum und eine Apsis für die Schuhe bieten. Zudem ist der Preis – typisch Big Agnes – mit 450 Euro schon recht ordentlich. Man muss sich also genau überlegen, was man will.
Mein Fazit

Das Big Agnes Three Wire Hooped Bivy ist für mich ein “Luxus-Bivy”. Es ist perfekt für Leute, die:
- Extrem schnell aufbauen wollen.
- Einen minimalen Footprint brauchen (wildcampen, wo kein Zeltplatz ist).
- Den Wetterschutz eines Zelts bei der Kompaktheit eines Bivy suchen.
Ich habe es in meiner Rahmentasche bequem transportieren können und hatte es beim North2Peak und Shelter Attack dabei. Das Packmaß von 10 x 36cm ist zudem Lenkerfreundlich.

Ja, es ist an der oberen Grenze beim Gewicht und beim Preis. Aber der Komfort beim Einstieg und die sehr gute Belüftung haben mich immer zum Big Agnes greifen lassen und machen ihn zu einem der besten Biwaksäcke, die ich bisher getestet habe.


Wenn Big Agnes das Teil jetzt noch in einer anderen Farbe als knallrot bringen würde…
Nachts ist das nicht zu sehen, da auch rot dann dunkel ist. Und tagsüber braucht man es ja nicht.
Viele Grüße
Martin