Unabhängigkeit ab Werk: Unterwegs mit dem Rose Backroad Unsupported

Unabhängigkeit ab Werk: Unterwegs mit dem Rose Backroad Unsupported
Unabhängigkeit ab Werk: Unterwegs mit dem Rose Backroad Unsupported
Hinweis: Rose hat mir auf meinen Wunsch hin das Backroad zum Test zur Verfügung gestellt. 

Ich fahre und teste nun schon seit vielen Jahren Fahrräder. Das ist immer auch herausfordernd, da es am Ende meist eine individuelle Einschätzung ist. Was dem einen nicht passt, ist ideal für die andere. Und umgekehrt. Das macht einen Fahrradtest eigentlich immer nur zu einer Momentaufnahme.

Was ich aber feststellen konnte war, dass die Qualität der Räder immer besser geworden ist. Und heute kann ich sagen, dass alle Räder, die ich hier vorstelle und mir näher anschaue, sehr gute Räder sind. Die Unterschiede sind eigentlich immer nur in ihrer Ausrichtung festzustellen: manche sind sportlicher, manche eher touren-lastiger, und manche kombinieren beide Eigenschaften.

Das gleiche gilt für Schaltungen: auch hier bewegen wir uns auf einem sehr hohen Niveau und es ist oft eine persönliche Präferenz, ob man zu Sram oder Shimano oder einer anderen Schaltung tendiert, ob 1 oder 2fach, ob 12 oder 13, oder noch 11 Gänge, mechanisch oder elektronisch. Alle Schaltungen arbeiten auf diesem Niveau hervorragend.

Das Rose Backroad ist ein Beispiel für diese Entwicklung. Es ist ein Rad, das über die Jahre mit den Anforderungen der Fahrerinnen und Fahrer gewachsen ist und heute auf einem sehr hohen Niveau arbeitet. Um zu verstehen, wie konsequent Rose den Weg Richtung Abenteuer gegangen ist, lohnt sich ein kurzer Blick zurück:

Vor vier Jahren hatte ich bereits das damals neue Backroad im Test und geschrieben:

Das Rose Backroad Carbon ist ein sehr schnelles und agiles Fahrrad. Mit den richtigen Reifen kann es aus meiner Sicht noch mehr Potential entfalten, bzw. auf die Straße oder den Schotter bringen. Das Backroad Carbon ist ein interessantes Gravelbike für Rennradlerinnen und -radler, die so Gravelluft schnuppern können, ohne auf das Rennrad-Feeling verzichten zu müssen. Für Mountainbikerinnen und -biker ist es ein interessanter Kandidat, wenn es mal ein schnelleres Rad braucht, das auch im Gelände nicht gleich versagt.

Update 2026: Vom sportlichen Racer zum Adventure-Buddy

Ende letzten Jahres hat Rose ein Update des beliebten Gravelbikes herausgebracht, das mich durchaus überrascht hat, denn hier wurde das Thema Bikepacking ernsthaft mitgedacht und integriert.

Das Backroad Line-up ist dabei modular gedacht: vom Einsteiger-Modell, über den Gravelflitzer hin zur Unsupported Bikepacking Maschine.

War bei meinem Test 2022 das Backroad noch eine eher sportlich ausgelegte Maschine, wurde das Modell für 2026 konsequent in Richtung Adventure und Langstrecke weiterentwickelt.


Inhalt:

  1. Gutmütiger und breiter: Was sich am Rahmen getan hat
  2. Das „Unsupported“-Modell: Ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit
  3. Mehr als nur ein Dynamo: Warum der SON 29s den Unterschied macht
  4. Licht im Dunkeln: Die Supernova-Integration
  5. Stromversorgung: Das K-Werk als Energiezentrale
  6. Stauraum und Taschen: Ordnung im Unterrohr
  7. Wo viel Licht ist: Meine Gedanken zur Integration
  8. Berggänge und Zuladung: Ein Blick auf die Kapazitäten
  9. Ein wichtiger Punkt für die Planung: Das Systemgewicht
  10. Mein persönliches Fazit

Gutmütiger und breiter: Was sich am Rahmen getan hat

Geometrie-Anpassungen

Das 2026er Modell ist „gutmütiger“ ausgelegt als die 2022er Version:

  • Flacherer Lenkwinkel von 72 Grad auf 71,5 Grad: Sorgt für mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und im Gelände.
  • Längerer Radstand mit +17mm beim neuen Modell: Erhöht die Laufruhe, was besonders bei Fahrten mit Gepäck (Bikepacking) spürbar ist.
  • Stack & Reach: Die Sitzposition ist beim 2026er Modell etwas aufrechter und komfortabler. Stack + 9,5mm, Reach +8,3mm. Rose hat die Geometrie des Carbon-Modells stärker an die Alu-Version angeglichen. Und wer jetzt denkt, dass die paar Millimeter keinen Unterschied machen: in der Praxis ist das durchaus spürbar und jede/r, der schon mal sein Fahrrad gefittet hat, weiß, dass oft wenige Millimeter entscheiden können.

Größere Reifenfreiheit

Ein entscheidender Faktor für die Geometrie-Änderung war der Platzbedarf für breitere Reifen. Und damit liegt das Backroad auch voll im Trend:

  • Modell 2022: Offiziell bis ca. 45 mm (700c).
  • Modell 2026: Offiziell bis zu 53 mm (2.1 Zoll). Das ist ein ordentlicher Sprung, der das Bike fast in MTB-Gefilde rückt.

In der Praxis bedeutet die Reifenfreiheit von 53mm, dass mit den verbauten 50er Overland an den Kettenstreben und an der Gabelkrone noch ausreichend “Mud-Clearance” bleiben. Wer also im Matsch unterwegs ist, muss keine Angst haben, dass sich das Rad sofort zusetzt. So gesehen sind die 50mm die ideale Reifenbreite für das Backroad.

Beim Unsupported Model sind Schwalbe Overland in 50mm verbaut. Das sind genau die richtigen Reifen für das Abenteuer. Aber rüstet am besten gleich auf Tubeless um.

Rahmendetails & Integration

Abgesehen von den reinen Winkeln hat sich auch der Rahmen verändert: er ist kantiger geworden. Aber ehrlicherweise gefällt mir das ganz gut. Und es bringt praktische Möglichkeiten mit sich:

  • Staufach: Das 2026er Modell besitzt ein integriertes Fach im Unterrohr für Werkzeug oder eine Powerbank. Zudem sehr viele Mounts, um Halter und Taschen anbringen zu können.
  • Integration: Das neue Modell bietet Vorbereitungen für Beleuchtung (Nabendynamo-Kabel intern) und einen USB-C-Ladeanschluss am Cockpit. Und beim Unsupported Modell aus diesem Test sind Licht und Lader schon an Bord.
  • Federgabel: Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie dem Canyon Grizl, das in speziellen Varianten mit einer Federgabel ausgestattet ist, verzichtet Rose beim Backroad Carbon auf eine federgabeloptimierte Geometrie. Statt auf mechanische Federelemente an der Front zu setzen, generiert Rose den Komfort primär über das Reifenvolumen von bis zu 53 mm und den Flex des Rahmens und der Sattelstütze. Und die Stütze flext schon sehr gut. Das soll Gewicht und Wartungsaufwand sparen, markiert aber eine klare Grenze für alle, die eine echte Teleskop-Federung am Gravelbike suchen.

Das „Unsupported“-Modell: Ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit

Unter den fünf Backroad Modellen finde ich besonders das Backroad Unsupported interessant, denn hier macht Rose einen aus meiner Sicht nicht zu unterschätzenden Schritt in Richtung einfaches Bikepacking und viel Unabhängigkeit.

Dafür spendieren sie der Unsupported Version neben Taschen, auch einen Nabendynamo,  Lichtanlage und kombinierten USB-Lader.

Ausgestattet ist das Unsupported mit einer mechanischen Schaltung. Das ist aus meiner Sicht auch nur konsequent, denn unabhängig bedeutet auch unabhängig von Strom und den Akkus elektronischer Schaltungen. 

Zum Einsatz kommt eine hochwertige Shimano GRX RX820 1×12. Vorne gewährleistet zudem die LoneWolf Kettenführung von Wolf Tooth, dass die Kette im Gelände nicht runterspringt. Das tut sie eigentlich auch nicht, wenn das Schaltwerk eine korrekte Spannung hat, aber bei Shimano ist es scheinbar notwendig. In jedem Fall ein nützliches Feature.

Die Laufräder sind um die hauseigenen Rose G30 Laufräder aus Aluminium mit 27 mm Maulweite gebaut. Gewichtstechnisch liegen sie bei 1.700g bis 1.800g und sind daher nicht die leichtesten. Während die Vorderradnabe ein neuer SON 29s Nabendynamo ist, stammt die Hinterradnabe von Newmen. Das sind gute Naben und technisch gesehen ist das ein sehr guter Laufradsatz.

Mehr als nur ein Dynamo: Warum der SON 29s den Unterschied macht

Und dieser Son 29s vorne ist aus meiner Sicht der eigentliche Gamechanger an diesem Fahrrad und macht ehrlicherweise das ganze “Unsupported” Prinzip erst richtig möglich.

Im Vergleich zum SON28 liefert der SON 29s schon eher und bei noch niedrigeren Geschwindigkeiten volle Leistung. Das habe ich beispielsweise bei meinen Bergfahrten gemerkt, wo die Lampe natürlich nachließ, aber immer noch ausreichend Licht spendierte.

Und auch die Lademöglichkeiten haben sich noch mal erheblich verbessert. Der neue SON liefert eine höhere Leistung als der SON28, was sich hier besonders zeigt.

Und wer Wert auf das Gewicht legt: der neue SON 29s spart hier im Vergleich zum SON28 (ca. 440g) noch ein paar Gramm ein und wiegt um die 390g – 410g.

Gesteuert wird der Dynamostrom mit einem Kippschalter im rechten Lenkerende. Dieser schaltet zwischen Laden (links) und Leuchten (rechts) oder aus (Mitte). Wichtig ist zu verstehen, dass beim Rose Backroad Unsupported man entweder nur Leuchten oder nur Laden kann. Beides zusammen ist hier nicht vorgesehen.

Licht im Dunkeln: Die Supernova-Integration

Beim Licht setzt Rose auf die Scheinwerfer von Supernova. Konkret auf dem M99 DY Pro, der als einer der hellsten Dynamoscheinwerfer aktuell gilt. Ich konnte das Licht ausgiebig in der Dunkelheit der Winterabende testen. Im Normalbetrieb liefert er bis zu 700 Lumen Licht, im Fernlichtmodus mehr als 1.000 Lumen.

Das ist schon völlig ausreichend, auch wenn ich bei Licht durch Klite und Sinewave und vor allem SON Ladelux  anderes gewöhnt bin. Im Abblendlichtmodus leuchtet der M99 den Weg sehr gut aus. Das Lichtbild ist für meinen Geschmack etwas fleckig, aber man gewöhnt sich schnell daran. StVZO hilft im Straßenverkehr gut, aber im Gelände braucht es mehr: die harte obere Kante des Leuchtbildes ist hier eher hinderlich. Daher habe ich meist Fernlicht zugeschaltet, dass wirklich sehr gut ist. Es leuchtet ausreichend die Ränder aus und weit nach vorne – solange man schnell fährt.

Ich bin davon ausgegangen, dass durch den verbauten Akku das Licht auch beim Stehen eine ganze Zeit lang stark bleibt. Das ist aber nicht der Fall, bzw. konnte ich nicht rausbekommen, wie das geht. Sobald man also stoppt, schaltet der Scheinwerfer auf Standlicht und geht dann normal nach einer gewissen Zeit aus. Das Standlicht reicht aber nicht wirklich, um etwas zu tun. Das ist bei der SON Ladelux anders, wo ich im Stand auch Fernlicht zuschalten konnte, solange der Akku das versorgt hat.

Apropos Fernlicht: ich bin im Dunkeln auch immer mal Trails runtergefahren. Leider ist dabei beim Ruckeln immer das Fernlicht kurzzeitig ausgegangen. Also komplett schwarz für eine Sekunde und dann ist es wieder angegangen. Dieser Fehler war auf ruppigen Trails leider reproduzierbar. Da das K-Werk eigentlich als Puffer fungieren sollte, stellt sich die Frage, ob hier ein mechanischer Wackelkontakt an der Powerbank-Schnittstelle im Rahmen vorliegt oder ob das Lademanagement bei extremen Impulsen softwareseitig kurz aussteigt. Beim Abblendlicht konnte ich das nicht feststellen.

Im übrigen – und das finde ich ganz gut – sind die Backroad Modelle bereits mit den notwendigen Kabeln vorgerüstet, sodass ihr euch immer noch für die Powerbank und das Licht nachträglich entscheiden könnt und dieses dann einbauen könnt.

Hinten arbeitet ein Supernova TL3 Mini. Das ist sehr hell und ist absolut ausreichend, um gesehen zu werden. Zudem wiegt es nur 9g.

Es ist hinten etwas exponiert montiert, weshalb man im Gelände schon etwas darauf achten sollte, es nicht versehentlich zu beschädigen. Gerade nach einem Sturz oder in astreichem Gelände kann da was passieren.

Stromversorgung: Das K-Werk als Energiezentrale

Im Rose ist ein 5000 mAh starker B + M K-Werk Akku verbaut. Der K-Werk ist bei Reiseradlern sehr beliebt und steht für eine gute Stromumwandlung und Effizienz. Im Backroad ist er die Steuerungszentrale. Er übernimmt die Versorgung des Fernlichts und das Laden via USB-C. Je nach dem, was eingeschaltet ist, leitet er den Strom.

Das K-Werk ist im Rahmenfach eingebaut und verkabelt. Und kann auch nachgerüstet werden.

Im Rose Handbuch zum Backroad findet sich auch eine Zeichnung, die die Verkabelung im Rad darstellt.

Beim Backroad ist dafür wie oben geschrieben ein Schalter eingebaut, der Laden oder Leuchten ermöglicht. Das K-Werk an sich wäre “intelligent” genug, um den Strom auch zwischen Laden und Leuchten selbstständig steuern zu können und so auch beides gleichzeitig zu ermöglichen – bei entsprechender Ausbeute aus dem Dynamostrom. Rose hat sich aber dazu entschieden, dass über den Kippschalter zu lösen. Daher ist auch der „USB-Stecker“ beim K-Werk im Rahmenstaufach frei.

Der USB-C Anschluss ist als Spacer unter dem Vorbau verbaut. Er ist nach vorne ausgerichtet, was so weit ok ist. Sollte man allerdings vorne eine Tasche oder Food Pouch montiert haben, so ist der Anschluss verdeckt und nicht gut zu erreichen.

Stauraum und Taschen: Ordnung im Unterrohr

Ich muss wirklich sagen, dass solche Fächer im Unterrohr schon sehr praktisch sind. Rose bietet das nicht nur bei den Carbon- sondern auch Alu-Varianten an. Neben dem K-Werk beim Unsupported Modell, kann man da ziemlich viel unterbringen. Für die Ordnung hat Rose dort auch eine Tasche untergebracht, die Ersatzschlauch, Luftpumpe, Riegel und Werkzeug aufnehmen kann.

Aber Achtung: auf dem Deckel des Fachs kann ein Flaschenhalter montiert werden. Das maximale Gewicht der Flasche samt Inhalt darf laut Rose aber 800g nicht überschreiten.

Mit dem Backroad Unsupported bekommt man auch gleich Taschen mitgeliefert: eine Top Tube Tasche (ca. 100g, 0,8-0,9L) und eine Rahmentasche (ca. 300g, 3,7L). Beide sind mittels Fidlock System am Rahmen fixiert. Wenn man das gut findet, ist es eine sehr elegante Art der Befestigung.

Und sie hält auch – dennoch hatte ich bei der Top Tube immer wieder das Problem, dass sie bei Benutzung während der Fahrt oben ausgeklickt ist und wegdrehte. Ich habe dort Riegel in der Tasche und beim Rausholen schert die Top Tube Tasche aus.Wie immer bei Fidlock solltet ihr zudem darauf achten, dass die Verbindungen sauber sind und entsprechend gut einrasten, bevor es ins Gelände geht.

In jedem Fall sind diese Taschen aber genau richtig: wasserdicht und robust. Und sie helfen vielen Fahrerinnen und Fahrern beim Einstieg ins Bikepacking und der mühsamen Suche nach den richtigen Taschen. Zudem sind sie für alle, die Design und Eleganz bevorzugen, ein sehr passendes Angebot, vermeiden sie doch Befestigungsriemen.

Ein Wort zum Gewicht: All die Integration und die robusten Alu-Laufräder fordern ihren Tribut auf der Waage. Inklusive der mitgelieferten Taschen, der Lichtanlage und des K-Werks kratzt das Backroad Unsupported an der 11/12 kg Marke (ohne Pedale). Das ist für ein Carbon Rad erst einmal eine Ansage, relativiert sich aber schnell, wenn man bedenkt, dass man hier ein autarkes System fährt, das kein zusätzliches Akku-Licht oder externe Powerbanks mehr benötigt.

Wo viel Licht ist: Meine Gedanken zur Integration

Ich finde, dass das Backroad Unsupported eine Entwicklung in die richtige Richtung ist und mehr Unabhängigkeit und Komfort für Bikepackerinnen und Bikepacker bedeutet. Aber diese Freiheit erkauft man sich durch eine starke Systemintegration und ein paar Kompromisse. So sind die Kabel sind alle innenverlegt. Bei einem Defekt muss man sich darauf einstellen, dass es etwas komplizierter wird, das zu reparieren.

Zudem geht für mich Unsupported über die Licht- und Ladeintegration hinaus: es bedeutet Unabhängigkeit Draußen. Dafür ist das Backroad schon sehr gut geeignet, aber es gibt ein paar Stellen, an denen ich noch nacharbeiten würde.

Durch die konsequente Innenverlegung gibt es am Lenker kaum die Möglichkeit Halter für Navigation oder Handlebar Cage oder Aerobars zu montieren. Dafür ist einfach kein Platz vorgesehen und an den schmalen Bereichen rechts und links der Vorbauklemmung liegen unten die Kabel. Ich habe ziemlich fummeln müssen, um den Navihalter montieren zu können. Auf der anderen Seite ist der Lichtschalter für die Supernova montiert, weshalb da kein Platz war.

Zudem ist das Vorderlicht so verbaut, dass die Anbringung einer Frontrolle problematisch sein kann. Entweder schafft man es, die Rolle unterhalb des Lichts zu fixieren, oder man muss das Licht nach oben umsetzen, wozu ein Adapter am Lenker nötig wäre, der allerdings keinen Platz hat. Zudem ist das Kabel des Lichts ebenfalls integriert verlegt, was also kaum Spielraum in der Kabellänge zulässt.

Und auch wer das Rad nachträglich noch an sich anpassen möchte, muss mit einer gewissen Komplexität rechnen, denn der Vorbau ist Rose proprietär. Der Vorbau heißt Rose ALR 2.0 und hat eine Länge von 80mm. Dazu kommen die Rose Spacer in der gleichen Form und der Acros USB-C Spacer mit einer Höhe von 10mm.  Der Anschluss ist nach vorne ausgerichtet und kann daher auch wie oben beschrieben blockiert sein.

Durch die werksseitige Montage kann man den Vorbau auch nicht höher setzen. Die Gabel ist entsprechend gekürzt und hat keinen Überstand nach oben. Theoretisch kann aber ein kürzerer oder längerer Vorbau eingebaut werden. Da muss man mit Rose checken, ob die das entsprechend anbieten.

Und noch eine Beobachtung: bei der Rahmengröße L sitzt der Flaschenhalter am Sattelrohr aus meiner Sicht leicht zu tief. Dadurch setzt der untere Rand der Flasche auf dem oberen Unterrohr auf und hinterlässt dort natürlich Spuren. Ich habe zwei unterschiedliche Flaschenhalter ausprobiert und bei beiden was das der Fall. Der Flaschenboden erreicht nicht den Boden des Halters, sondern setzt vorher am Rahmen auf.

Berggänge und Zuladung: Ein Blick auf die Kapazitäten

Aber auch bei der verbauten Übersetzung würde ich mir etwas mehr Unsupported wünschen: während  bei der Shimano GRX RX822 hinten eine 10-51 Kassette arbeitet, ist vorne ein 40er Tretkranz verbaut.

Das ist ohne Gepäck sicherlich ausreichend, geht es aber ins Gelände, wird anspruchsvoller und man hat auch noch Zuladung, dann kommt man damit schnell an die Grenzen. Ich würde hier eher – falls konstruktionsbedingt überhaupt möglich – einen 38er oder 36er Kranz sehen. Da müsste man aber mit Drittanbietern wie Garbaruk oder Wolf Tooth arbeiten und bei 36 eine andere Kurbel verwenden. Aber dann kann man in der Ebene noch gut ballern, und in den Bergen mit Gepäck gut hochkurbeln.

Ein wichtiger Punkt für die Planung: Das Systemgewicht

Das Systemgewicht wird beim Backroad Unsupported mit 120 kg angegeben (Mensch + Fahrradgewicht + Gepäck).  Zieht man das Eigengewicht des Rades von gut 11/12 kg ab, bleiben rund 109/8 kg für Fahrer und Ausrüstung. Vor allem große und schwerere Fahrerinnen und Fahrer werden daher schnell an die Gewichtsgrenze kommen. Es ist ein moderner Trend bei vielen Carbon-Gravelbikes, dass sie eher auf leichtere Setups optimiert sind – das sollte man bei der Wahl der Ausrüstung einfach im Hinterkopf behalten.

Mein persönliches Fazit

Das neue Rose Backroad Unsupported ist ein spezialisiertes Werkzeug für Menschen, die das Abenteuer suchen, ohne sich um die Technik kümmern zu wollen. Es ist kein Bike für Bastler, die ihr Fahrrad individuell anpassen wollen, aber es ist das Bike für diejenigen, die eine durchdachte Lösung „aus einem Guss“ suchen.

Die konsequente Weiterentwicklung Richtung Adventure ist Rose definitiv gelungen, auch wenn die totale Integration die Freiheit etwas einschränkt.

Mir gefällt es sehr und auch die Farbgebung finde ich gelungen. Zudem hat Rose mit Rahmengrößen von XS bis XL ein Angebot für alle zwischen 160 und 200cm Körpergröße.

Preislich starten die neuen Backroad Carbon Modelle bei 3.000 Euro. Das hier vorgestellte Unsupported Modell kostet 4.400 Euro.

Es fährt sich angenehm sportlich und macht richtig Spaß.

Besonders habe ich die gefederte Sattelstütze schätzen gelernt. Das ist ein spürbarer Vorteil des Rades und auf der Langstrecke eine echte Erleichterung.

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2 Comments

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  1. says: Markus

    Unsupported-ready von der Stange, das ist schon mal nice! Und schön, dass es von der Geometrie wieder Richtung universeller geht und damit einen Einstieg aus MTB und Rennrad ins Gravelgame erleichtert. Das alles scheint durchdacht.

    Etwas Potential ist bei der Beleuchtung verschenkt worden: die Powerbank hätte einen geschwindigkeitsunabhängigen Betrieb des Scheinwerfers ermöglicht. Vielleicht geht Rose hier auf Nummer sicher, zumal Licht sicherheitsrelevant und USB-C ist auch nicht für Rüttel-Anwendungen gedacht ist.

    Bleibt das eigene Gebastel mit Laderegler, USB-PD-Platine und PD-tauglicher Powerbank. Oder den Forumslader, wenn es ihn denn noch gäbe.

    Der Preis von 4400 € relativiert sich, wenn man die Komponenten berücksichtigt: der SON 29 S allein kostet schon 440 Euro. Dazu Taschen, Akku, Integration etc.

  2. says: Tom

    Hab mir vor 4 Monaten ein neues Gravel gekauft und das Rose war echt in der engeren Auswahl, wenn auch nicht in Vollausstattung wie hier, sondern als normale Version. Dass es dann was anderes wurde, hat sich letztendlich an der Farbgestaltung entschieden.