Bikeanalytics Atlas Mountain Race 2026

Bikeanalytics Atlas Mountain Race 2026
Bikeanalytics Atlas Mountain Race 2026

Seit 2020 könnt ihr bei mir in den Bikeanalytics eine tiefgreifende Analyse der Fahrräder und Ausstattung der großen Ultra-Bikepacking Rennen wie Atlas oder Silk Road Mountain Race finden.

Die Basis für diese Auswertungen sind die „Rigs of…“ Beiträge von Bikepacking.com. An dieser Stelle vielen Dank für eure Arbeit daran und das sorgfältige Zusammentragen der relevanten Infos von den Teilnehmenden.

Und auch in diesem Jahr gibt es wieder Bikeanalytics und wir starten mit dem Atlas Mountain Race. Seit dem 6. Februar 17 Uhr sind die Teilnehmenden unterwegs und werden in diesem Jahr mal wieder mehr mit Witterung, Wind und Niederschlag kämpfen.

Außerdem hat Nelson ein aus meiner Sicht dringend benötigtes Update der Route vorgenommen. Er hat ja mal gesagt (angeblich), dass wenn die Scratch-Rate niedriger als 50% ist, er die Route anpassen wird.

Aber wenn wir auf die AMR Historie schauen, dann lag die Scratch-Rate nie über 50%:

YearDistance (approx)Elevation gain (approx)Start / FinishTotal startersFinish/ScratchScratch RateBackground
20201.145 km20.000 mMarrakesch – Agadir192123/6534%Premiere, Wetter war vergleichsweise mild.
20221.170 km23.000 mMarrakesch – Agadir13992/4734%Härtere Route als 2020, Hitze im Anti-Atlas.
20231.330 km22.500 mMarrakesch – Essaouira200116/8442%Ziel in Essaouira, sehr hohe Ausfallquote durch Magenprobleme & Kälte.
20241.300 km21.000 mMarrakesch – Essaouira228137/9140%Etwas stabilere Bedingungen, “erfahrenere” Teilnehmer.
20251.300 km23.000 mMarrakesch – Essaouira268147/12145%Sehr technisches Terrain, viele Defekte.
20261.400 km25.500 mBeni-Mellal – Essaouira266124/14253%Neue Route, länger, 350 km neu.

Interessant ist aber, dass trotz immer besserer Ausrüstung und Training/Vorbereitung der Teilnehmenden die Scratch-Rate tendenziell steigt: von 34% auf 45%. Oder zumindest gleichbleibt, denn auch die Teilnehmerzahl ist gestiegen: seit 2020 um 45%.

Mal sehen, wie es in diesem Jahr auf der neuen Route wird: 1.400 km und um die 25.500 Höhenmeter, laut Dotwatcher, mit Start in Beni-Mellal. Ursprünglich sollten die ersten 350 km auf einer neuen Route direkt in den Atlas und über den mit 2.900m höchsten Punkt des Rennens führen, bevor sie in den Anti-Atlas übergeht und die Klassiker der AMR Route befährt.

Aber witterungsbedingt gibt es nun eine neue Route, die einige Flussquerungen und Schneefelder umgeht. Im AMR Podcast könnt ihr mehr dazu erfahren.

Herausfordernd wird es dennoch bleiben und es wird spannend, wie das Wetter, vor allem in den höheren Lagen, das Rennen beeinflusst.

Hier könnt ihr das Rennen live verfolgen: https://amr26.maprogress.com/

Historisch betrachtet, ist es aber kein außergewöhnliches Jahr:

JahrWetter-CharakteristikTemperaturen & Bedingungen
2020“Die milde Premiere”Überraschend stabil. Nachts um 0°C bis 5°C, tagsüber bis zu 35°C. Kaum Niederschlag, was viele Gravel-Setups begünstigte.
2022“Hitze im Süden”Tagsüber sehr heiß (bis 40°C in den Tälern), nachts klassisch kalt. Staubtrockene Pisten, die das Material (Lager/Ketten) extrem forderten.
2023“Der Kälteschock”Extremjahr: Ungewöhnliche Kälte. Schnee auf den Pässen, Temperaturen bis -10°C. Viele Fahrer mussten bei Decathlon in Marrakesch Last-Minute Winterausrüstung kaufen.
2024“Regen, Sturm & Drama”Schwerer Sturm mit viel Regen am Starttag. Die Behörden verboten den Start zunächst wegen Flutgefahr in den Wadis. Später warm (25°C) aber extrem windig, was viele krank machte.
2025“Technisch & Kalt”Klassischer Mix: Frostige Nächte im Hohen Atlas, aber sehr technische, steinige Bedingungen, die durch leichte Regenfälle im Vorfeld teils rutschig waren.
2026“Schnee-Prognose”Aktuell wird von anhaltendem Schnee in den hohen Lagen berichtet. Der neue Start in Beni-Mellal führt direkt ins Gebirge, was das Wetterrisiko erhöht. Route wurde angepasst. Nun eher Regen und Wind herausfordernd.

So oder so: es ist und bleibt ein großartiges Abenteuer.

Besonders freut mich aber in diesem Jahr, dass der Frauenanteil mit 54 Teilnehmerinnen bei 20% liegt. Das ist ermutigend und hoffentlich ein wichtiges Signal, dass es nächstes Jahr noch mehr werden.

Bikeanalytics History

Da ich die Fahrräder und Ausstattung der Teilnehmenden nun schon seit 6 Jahren auswerte, gibt es in diesem Jahr eine Neuerung: Bikeanalytics History!

Hier werfe ich bei ausgewählten Themen einen Blick auf die Entwicklung, auch um zu erklären, wie sich dieses Rennen verändert hat, wie sich Bikepacking verändert hat und wie sich neue Technik und Technologien auswirken.

Bikeanalytics Atlas Mountain Race 2026

Nun aber rein in die Details. 117 Fahrräder habe ich auf Basis des Bikepackig.com Artikels „Rigs of Atlas Mountain Race“ (Teil 1 / Teil 2) ausgewertet. Die Daten habe ich wie immer grafisch aufbereitet.

Zudem gibt es hier erstmals auch eine ausführliche Besprechung der Ergebnisse auf Youtube:

Fünf Entwicklungen, die ich interessant finde:

Das Carbon-Zeitalter

Carbon war schon immer bei solchen anspruchsvollen Rennen das Material der Wahl und hat so in den letzten Jahren auch viele Skeptiker überzeugt. 2020 standen 48% der Teilnehmer mit Carbon-Rahmen am Start, heute sind es beeindruckende 62%. Das sind sogar noch mal +6 Prozentpunkte im Vergleich zum letzten Jahr. Alle anderen Materialien liegen im niedrigen einstelligen oder zweistelligen Bereich.

Und nicht nur beim Rahmen, sondern auch bei den Felgen ist Carbon Nummer 1. Satte 93% haben in diesem Jahr Carbon-Felgen – ein großer Sprung von 20 Prozentpunkten im letzten Jahr.

Federung ist kein Nice to have, sondern must have

Der Anteil der Räder mit Federung hat seit 2020 beeindruckend zugenommen und zeigt den Charakter des Rennens. Waren 2020 nur 22% mit einer Federgabel unterwegs, sind es heute 93%. Seit 2024 hat der Anteil noch mal um 8 Prozentpunkte zugenommen.

Und ich finde, dass sich besonders in diesem und im letzten Jahr zeigt, dass Race-taugliche Fullies immer mehr genutzt werden: 2025 waren es 23% und in diesem Jahr sind es schon 32%.

Breiter ist besser

Galt für Rennen wie das AMR bislang immer die Empfehlung, dass 2,25 Zoll breite Reifen optimal sind, so kann man feststellen, dass immer mehr Teilnehmende es breiter mögen und auf 2,35 bis 2,4 und breiter gehen.

Noch sind so gesehene 2,25 Zoll am meisten eingesetzt, aber der Anteil von 2,35“+ steigt am stärksten – allein +13 Prozentpunkte seit letztem Jahr.

Coros Dura ist kein Hidden Champion mehr

Galt der Coros noch vor 2 Jahren als Geheimtipp, so zeigte er sich bereits im letzten Jahr mit einem beeindruckenden Anteil von 6% quasi aus dem Stand. In diesem Jahr ist er nach Garmin auf Platz 2 gerutscht, mit beeindruckenden 25% Anteil. Wahoo hingegen scheint gefühlt auf dem Rückmarsch, aber schaut man auf die Zahlen, so sieht man in diesem Jahr einen Anteil von 19% – das sind +5 Prozentpunkte im Vergleich zu 2025. Allerdings ist die Datenlage zu Navigation noch recht jung.

2026 ist das Tailfin Mountain Race

Man muss neidlos anerkennen, dass die Briten von Tailfin in den letzten Jahren einen sehr guten Job gemacht haben und ganz offensichtlich Produkte bauen, die gerade bei solchen Belastungen bevorzugt werden. 48% der Teilnehmenden setzen auf Tailfin Taschen und 39% fahren mit dem Gepäckträgersystem. Nur Apidura kann da halbwegs mithalten.

Schaut man sich die Entwicklung von Tailfin beim AMR an, ist das schon beeindruckend: von 11% in 2022 zu 48% in 2026 ist ein massiver Sprung. Allein von 2025 auf 2026 sind es noch mal +5 Prozentpunkte. Apidura hatte seine Hochzeit 2023 mit 37% Anteil und sinkt seit dem kontinuierlich.

Nun aber in die Details:

Ein kleiner Hinweis und „Analog-Check“: Alle Daten dieser Analyse wurden – wie in den Jahren zuvor – mit viel Herzblut und von Hand aus den Teilnehmenden-Profilen zusammengetragen. Hier war keine KI am Werk, sondern echte menschliche Neugier (und vielleicht die eine oder andere Tasse Kaffee zu viel). Da sich im Eifer des Gefechts trotz aller Sorgfalt mal ein Zahlendreher einschleichen kann, betrachtet die Werte bitte als das, was sie sind: Ein spannender Trend-Spiegel und keine in Stein gemeißelte Labormessung. Viel Spaß beim Fachsimpeln!

Los geht´s!

Erst seit letztem Jahr erfasse ich den Fahrradtyp. Natürlich sind MTBs das Mittel der Wahl bei diesen Rennen und mit 87% klar in der Mehrheit. Dennoch gab es in diesem Jahr auch ein Trekkingrad (Viel Glück!) und sechs Gravelbikes. Unter Monstergravel fasse ich die Räder zusammen, die wie ein Salsa Cutthroat oder Chiru Kegeti eher dem MTB als dem Gravelbike näherstehen.

Historisch betrachtet zeigt sich, dass immer mehr mit dem MTB nach Marokko kommen: +4 Prozentpunkte im Vergleich zum letzten Jahr. Das Gravelbike nimmt dafür erwartbar ab.

Beim Rahmenmaterial bleibt Carbon die erste Wahl, gefolgt von Stahl. In diesem Jahr gab es etwas weniger Titan im Feld, dafür kommt Aluminium wieder.

Historisch betrachtet zeigt sich die Dominanz von Carbon: + 6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2025. Stahl nimmt aber seit 2020 kontinuierlich ab.

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass eine Federung in Marokko sehr viel Sinn macht. 93% kommen auch mit Federgabel an den Start. Und 32% gleich mit einem Fully.

Das Fully erfasse ich erst seit 2025, aber historisch zeigt sich sehr schön, wie der Einsatz von Federgabeln gewachsen ist.

Dabei setzt die Mehrheit auf Gabeln von Rockshox, gefolgt von Fox.

Ab und zu konnte ich auch den Federweg erfassen: die Mehrheit ist mit 100mm unterwegs, gefolgt von 120mm.

So wie das MTB sich durchgesetzte hat, so auch der gerade Lenker: Flat Bars dominieren mit 83%, auch wenn einige Teilnehmende ihrem MTB einen Drop Bar verpasst haben. Mit Lenkeraufsatz sind 71% unterwegs.

Historisch gesehen zeigt sich, dass Drop Bars immer weniger im Feld vertreten sind. Sie haben sich jetzt bei 17% eingependelt. Der Lenkeraufsatz hängt auch immer davon ab, welches Gelände erwartet wird. In den letzten drei Jahren lag der Anteil bei über 70%.

Das Atlas Mountain Race ist auch ein dunkles Rennen, denn es ist aufgrund der Jahreszeit zeitig dunkel und wird spät hell. So muss man viele Stunden in der Dunkelheit fahren und gutes Licht wird benötigt.

44% setzen daher auf einen Nabendynamo – 81% auf den unbestrittenen König, den SON.

Aber wenn wir auf die Entwicklung seit 2020 schauen, dann sehen wir, dass der Dynamo etwas verliert und der Akku gewinnt. Oft eine Frage des Geschmacks und der benötigten Energie. Obwohl bei den Pisten und Bergen in Marokko oft nicht genug Strom zum Laden übrigbleibt.

Immer interessant sind die eigesetzten Schaltungen: Sram ist im Feld ganz klar präferiert, gefolgt von Shimano. Daneben gibt es ehrlicherweise nichts anderes. Eine Microshift und eine Rohloff habe ich registriert.

Auch historisch gesehen lag Sram immer vorne. Ich hätte durch die neuen XTR und XT Schaltungen von Shimano schon eine kleine Veränderung erwartet, aber die bleibt noch aus.

Interessant ist, dass mittlerweile der Anteil elektronischer Schaltungen bei 38% liegt, wobei das fast zu 100% Sram Schaltungen sind. Man kann auch schön über die Zeit die stetige Zunahme dieser sehen.

Bei den Schaltungsmodellen ist die Sram GX sehr beliebt, gefolgt von der Shimano XT. Auch die Transmission Schaltungen von Sram sind sehr beliebt in diesem Jahr und machen einen Anteil von 30% aus.

Wie viele Ritzel hat deine Kassette für Marokko: ganz klar 12.

Und die Entwicklung weg von 11fach hin zu 12fach ist wirklich beeindruckend zu sehen.

Bei den Kassetten zeigt sich ganz klar die Sram Mehrheit mit 10-52, gefolgt von Shimanos 10-51 Kassetten. In diesem Jahr habe ich zwei Single Speeder gezählt, die mit einer Übersetzung von 32×19 und 32×17 unterwegs sind.

Vorne kommt mittlerweile eigentlich nur noch ein Kranz an der Kurbel zum Einsatz: 96% sind in diesem Jahr mit 1fach vorne am Start. Das hat zwar schon immer dominiert, aber über die Jahre hat es sich gegenüber 2fach durchgesetzt.

Da Marokko oft steil und beschwerlich ist, bevorzugen viele einen kleinen Tretkranz: dabei setzt die Mehrheit auf 32 Zähne. Und auch historisch zeigt sich diese Entwicklung eindrucksvoll, vor allen der Rückgang von Tretkränzen größer als 34.

Auch bei den Felgen und Rädern zeigt sich die Dominanz: fast alle sind auf 29“ Reifen unterwegs. Alle anderen Größen sind nur noch Nebensache. Ich bin gespannt, ob wir nächstes Jahr dann mal ein 32“ sehen.

Bei den Felgen hat sich Carbon nun absolut durchgesetzt und hat nach meiner Erfassung einen Anteil von 93%.

Bei den Reifen war ich überrascht, dass sich scheinbar nichts an der Dominanz von Vittoria ändert. Mit 44% führen die Italiener, vor Maxxis und Continental.

Historisch betrachtet zeigt sich die starke Entwicklung von Vittoria quasi vom Start weg.

Daher wundert es auch nicht, dass der Lieblingsreifen der AMR´ler der Mezcal ist, den 42% der Teilnehmenden montiert haben. Erfreulich ist auch der starke Start des Conti Dubnital, der gleich auf Platz 2 gelangt ist.

Bei der Reifenbreite hat sich 2,25 Zoll scheinbar durchgesetzt. Schaut man aber noch mal genauer hin und auch auf die historischen Daten, so zeigt sich, dass die Reifenbreiten von 2,35 bis 2,4 Zoll stark zugelegt haben.

Seit letztem Jahr erfasse ich auch die Navigationsgeräte. Garmin ist erwartbar stark vertreten, gefolgt vom Coros Dura, der im letzten Jahr schon einen starken Einstand hatte und nun immer mehr verwendet wird.

Ähnlich stark hat sich auch das Bild bei den verwendeten Bikepacking-Taschen verändert: mittlerweile kann man vom Tailfin-Rennen sprechen, denn 48% fahren Taschen der Briten und ganze 39% sind mit dem Aero Pack Gepäckträger in Marokko unterwegs.

Mit 30% folgt Apidura – deren Taschen oft mit Tailfin kombiniert wurden. Aktuell ist also der Bikepacking Taschen Markt bei Ultras fest in britischen Händen. Nimmt man noch Restrap hinzu, ist das Bild noch dominanter. Auch historisch zeigt sich die starke Entwicklung von Tailfin.

Stark vertreten sind auch die Räder des amerikanischen Herstellers Specialized. 13% sind auf diesen Rädern unterwegs. Dahinter mit 9% Canyon, gefolgt von Trek und Scott.

Und am Ende werfen wir noch einen Blick auf das Alter der Teilnehmenden in diesem Jahr: mit 39 liegt das durchschnittliche Alter auf dem gleichen Niveau wie auch schon 2025.

Mehr Bikeanalytics gefällig?

Hier findet ihr noch die Bikeanalytics der letzten Jahre des AMR, SRMR, HMR und Tour Divide.

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