Der Tiefkühl-Pizza-Overnighter

Der Tiefkühl-Pizza-Overnighter
Der Tiefkühl-Pizza-Overnighter

Wenn ich so zurückdenke, dann begann ich mit Overnightern erstmal allein. Wenn es warm ist, dann ist das ganz schön, da man abends noch draußen sitzen kann. Ist es allerdings kalt und feucht, dann war es oft so, dass ich mir nach der Ankunft noch schnell was zu essen gemacht habe und dann schnell ins Zelt oder den Biwaksack gekrochen bin, wo es warm und kuschelig war. Zudem war es ohnehin dunkel und es gab abends und morgens ohnehin nichts zu sehen.

Start im BDO Leipzig
Start im BDO Leipzig

Dann habe ich angefangen mit anderen Menschen solche Overnighter zu machen. Und das hat mir sehr gefallen, denn besonders im Winter kam nun eine gesellige Komponente hinzu, die dann mit der Idee abends einfach ein Feuer zu machen, ein neues Level freigeschaltet hat.

So planen wir mittlerweile unsere Overnighter so, dass wir kurz vor dem Ziel noch Feuerholz kaufen und es uns dann abends am Feuer bequem machen und so die Dunkelheit zu vertreiben und in der Wärme noch zu quatschen und zu essen. Ein echter Komfort-Gewinn. Da hätte ich auch eher draufkommen können.

Die nächste Stufe im Overnighter-Game habe ich dann mit den Sheltern erreicht. Vor allem in Dänemark, aber auch hierzulande bieten sie eine extra Portion Komfort und Bequemlichkeit. Meine letzten fünf Overnighter fanden alle in einem Shelter oder Shelter-ähnlichen Unterkunft statt.

Und bis zum letzten Wochenende dachte ich, dass man das nicht mehr toppen kann. Aber dann kam der „TK Pizza“ Overnighter (TK=Tiefkühl) vom Bike Department Ost in Leipzig. Ich hatte mich an diesem Wochenende mit Stephan ohnehin in Leipzig für eine Ausfahrt mit Übernachtung verabredet und spontan meldeten wir uns dann beim BDO Sleep Over an (so nennt man in Leipzig Overnighter).

Und so trafen wir uns Freitagabend im BDO Laden, um uns dann wenig später bei frischen -4 Grad auf den nur 35km langen Weg zum Shelterplatz am Zwenkauer See zu machen.

Aber das sollte kein normaler Overnighter sein, denn Josh vom BDO hatte etwas Besonderes geplant: Pizza! Und zwar nicht einfach so, sondern mit Bulli und Lastenrad wurde ein Pizzaofen mit Gasflasche und viele selbstgemachte Pizzateige an die Feuerstelle des Shelter geliefert. Was für ein Luxus!

Und so standen wir – insgesamt 15 Entschlossene – im kalten Wind um das Lagerfeuer herum und schauten zu, wie Josh und der Pizzameister (dessen Namen ich leider vergessen habe) Pizzen vorbereiteten. Der Ofen hatte angenehme 435 Grad, was angesichts der weiter sinkenden Temperaturen ein erfreulicher Nebeneffekt war.

Es gab Margherita, dann eine Pizza mit Ziegenkäse, Mozzarella (?) und Preiselbeermarmelade (genannt Pizza Capra) und zum Schluss – ganz italienisch – eine Pizza mit Nutella.  

Und das hat fantastisch geschmeckt! An dieser Stelle noch mal ausdrücklich ein großes Dankeschön an das BDO Team und Josh für die Idee und die Initiative. Ich glaube, besser und edler kann ein Overnighter gar nicht werden!

So gestärkt rückten wir immer enger um das kleine Lagerfeuer zusammen, trotzten dem stärker werdenden Wind und der Kälte. Und dem Rauch, der uns regelmäßig ins Gesicht blies und zu Tränen rührte.

Ich habe mir mit Stephan einen kleinen Unterstand abseits der Shelter gesucht, da Stephan normalerweise etwas schnarcht. Manche sprechen auch von erheblichen Verstößen gegen Baulärmauflagen. Aber ich kannte das ja und so krochen wir in unsere Schlafsäcke.

Leider hatte ich mit meiner Uberlite die falsche Matratzenwahl getroffen, genauso wie mit dem Unterstand, denn dessen Holzboden war nicht ganz dicht und der kalte Wind pfiff so ungehindert durch. So war es frischer als gedacht, aber dennoch erträglich.

Nachts sank das Thermometer auf um die -9 Grad, ein paar von uns froren so sehr, dass sie aufstehen und sich warm turnen mussten. Und manch eine/r machte sich auch auf den Weg nach Hause.

Am nächsten Morgen waren das Land und die Trinkflaschen tiefgefroren. Ein paar Leute waren schon aufgebrochen, Stephan und ich ließen es ruhig angehen, packten gemütlich zusammen und rollten noch am Zwenkauer See entlang zu einem Bäcker. Und danach mit gefrorenen Bärten zurück nach Leipzig.

Ich fuhr hier zu meinen Eltern. Stephan jedoch rollte noch weiter und immer weiter und meldetet sich am Abend, dass er einfach weitergefahren ist und nun am Geiseltalsee war und sich dort für die Nacht in einem Shelter bequem gemacht hat.

Aber diesmal ohne Pizza!

Wer etwas von der Stimmung am Feuer mitbekommen möchte: ich habe dort mit Tom Gehler über seine geplante “Linie 26” Tour nach Japan gesprochen.

Das Gespräch könnt ihr hier hören:

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