Im Dezember 2024 hat Schwalbe mit dem G-One RX Pro einen neuen Gravelreifen vorgestellt, der die beiden Vorgänger Bite und Ultrabite ablöst und als eine Art Allrounder für das Grobe positioniert ist.
Ich bin beim Bohemian Border Bash den Bite und Ultrabite gefahren (in 50mm) und fand beide sehr gut. Allerdings war der Abrieb schon deutlich und der Rollwiderstand etwas höher.
Beim RX Pro wurde ich aber hellhörig, auch weil er nach meinen ersten Recherchen auch besser besprochen wurde als beispielsweise der neue Conti Terra Adventure.
Also fragte ich den RX Pro zum Test an und dank Pressedienst Fahrrad wurde mir ein Satz zur Verfügung gestellt.
Die G-One R Pro Line wurde von Schwalbe neu entwickelt und setzt dabei auf die Erfahrungen vieler Gravelrennen. Das R steht für Race und R Pro löst quasi Super Race ab, in dem es Pannenschutz erhöht und Rollwiderstand verringert.
Das klingt nach einer nahezu unlösbaren Aufgabe, aber soweit ich das Erleben konnte mit dem RX Pro und die vielen Erfahrungen von anderen lesen konnte, ist das ganz gut gelungen. Dafür hat Schwalbe einen neuen Compound entwickelt und ihren V-Guard Pannenschutz noch optimiert.
Am sichtbarsten sind die Änderung am Profil des RX Pro, dass aus drei Profillinien besteht:
· Größere Seitenstollen für bessere Traktion und Halt in Kurven, auch wenn man mal abrutscht.
· Pfeilförmige Stollen in der Mitte, die ein gutes Rollen mit sicherem Grip beim Bremsen versprechen.
· “Steighilfen” zwischen dem Mittel- und Außenprofil, die dem Reifen ein ausgewogenes und sicheres Fahrgefühl im Gelände geben.

Und natürlich wirkt sich das auch auf das Reifengewicht aus, weshalb die RX Reifen gewichtsmäßig im oberen Feld liegen (Angaben vom Hersteller):
- 40mm 520 g
- 45mm 570 g
- 50mm 615 g (646g selbst gewogen)
- 55mm 715g (keine offizielle Herstellerangabe, auf einer Shop Seite gefunden)
Maße & Montage
Ich habe für den Test die Schwalbe RX Pro in schwarz in 50mm bestellt.
Der Reifen wurde auf einer Beast XC Felge mit 30mm Innenmaulbreite montiert.
- Reifenhöhe: 44mm hoch.
- Reifenbreite: 50mm, was exakt der Herstellerangabe entspricht.
Ich habe auch die Stollenhöhe bei Kilometer 0 gemessen:
- Stollen Mitte: 3mm
- Stollen vor außen: 2mm
- Stollen außen (Maximalhöhe): 4mm
Der erste Test erfolgt gleich zu Beginn, wenn die Reifen auf die Felge aufgezogen werden. Ich fahre Beast XC30 Felgen. Die RX Pro Reifen ließen sich problemlos mit der Hand aufziehen. Ich bestreiche aber die Innenflanken immer mit einer Wasser-Spüli Mischung, was die Montage erleichtert und später auch das Ploppen der Reifen in die richtige Position.

Da ich immer tubeless fahre, habe ich die Reifen erstmal trocken aufgepumpt (mit Schwalbe Kompressor Flasche) und sie dann ohne Milch stehen lassen. Die Luft hielt von Anfang an, ohne dass es noch Korrekturen bedurfte.
Bei der Dichtmilch habe ich Orange Sealing verwendet und diese wie immer über das Ventil mit einer Kanüle eingefüllt. Dadurch gibt es keine Verschmutzungen bei der Montage.
Praxis & Härtetest
Rollverhalten und Geschwindigkeit
Was mir gleich aufgefallen ist: die Reifen laufen recht leise auf Asphalt. Und sie sind wirklich sehr schnell. Oft erlebe ich es bei Reifen, dass sie auf Asphalt etwas behäbiger rollen und dann aber im Gelände richtig loslegen. Beim RX Pro ist es so, dass er sowohl auf Asphalt als auch im Gelände ordentlich Vortrieb hat und sehr gut rollt.
Bicycle Rolling Resistance bestätigt diesen Eindruck auch mit einem gemessenen Rollwiderstand von 16 Watt bei hohem Druck (>3 Bar) und 20 Watt bei niedrigem (1,7 Bar).
Zum Vergleich: sowohl der Bite als auch der Ultrabite kamen bei hohem Druck auf 6 bzw. 9 Watt mehr Widerstand und bei niedrigem Druck auf 7 bis 8 Watt mehr.
Ich bin die RX Pro vorne mit 1,8 Bar und hinten mit 1,9/2 Bar gefahren. Damit sind sie für meine Anforderungen sehr gut gerollt, hatten ordentlich Grip und boten die nötige Sicherheit im Gelände.
Zu Beginn bin ich die RX Pro in heimischen Gefilden gefahren, mit einer guten Mischung aus 70% Schotter, Wald- und Feldwegen und 30% Asphalt. Da zeigte sich bereits das gute Rollverhalten und auch die Selbstreinigung des Profils, wie ich bei vielen Matschfahrten feststellen konnte.
Der Härtetest: North2Peak Race
Nach 280km hatte ich dann leider hinten einen Cut im Reifen, den ich mit einer Maxalami wieder verschließen konnte. Das sollte aber später noch ein Thema werden. Vorne hatte ich ebenfalls ein kleines Loch, was aber von der Dichtmilch geregelt wurde.
Positiv muss ich feststellen, dass der Reifendruck stabil gehalten hat. Ein häufiges Nachpumpen war bei mir nicht nötig.
Den Härtetest haben die Reifen dann beim North2Peak Event bestanden. Da ging es 1.000 km durch die Heide, den Brocken hoch, durch den Harz, das Weserbergland und den Deister, auf sehr viel Schotter, Heide- und Waldwegen. Und das nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei ordentlich Regen und Sturm. Die RX Pro waren also gefordert und haben abgeliefert.

Wenn es rutschig wurde, gaben sie Halt, wenn es schnell wurde, Sicherheit. Ich bin zweimal damit auch Bikepark Parcours gefahren und konnte mich nicht über fehlende Seitenstabilität und Agilität beschweren. Nicht zu vergessen, dass ich auch Gepäck an Bord hatte.
Auf den letzten 200 km dann hat aber der hintere Reifen kurz geschwächelt: die Maxalami ist durch das viele Walken des Reifens beim North2Peak nach innen reingerutscht, weshalb ich dann einen Schlauch einziehen musste. Der Grund war aber auch, dass durch Schlamm und Sand und strömenden Regen ein erneutes Flicken mit Wurst nicht möglich war.
Viel wichtiger aber: auf den anspruchsvollen 1.000 km gab es kein Loch und keine weitere Reifenpanne.
Zuhause habe ich dann das Loch von innen geflickt und die Reifen werden dann bald wieder zum Einsatz kommen.
Fazit
1.700 km bin ich mit den Schwalbe RX pro gefahren. Und ich kann bestätigen, was Schwalbe über diese Reifen sagt: sie rollen schnell und haben einen guten Pannenschutz.
Schade, dass es sie nicht als MTB Reifen gibt, obwohl ich festgestellt habe, dass sie laut Website bereits auch in 55mm breite verfügbar sind, was 2.1 Zoll entspricht und wir damit schon an der unteren MTB Grenze kratzen.

Ich war schon beeindruckt vom Grip der seitlichen Stollen, die mir im regnerischen Weserbergland dann hier und da den “Arsch gerettet haben”.
Abrieb und Langlebigkeit
Was den Abrieb angeht, so sieht man, dass die RX Pro ordentlich gefordert wurden:
| Profil Position | Stollen neu (mm) | Nach 1.700 km (mm) | Abrieb (mm) | Abrieb (%) |
| Vorne Mitte | 3,0 | 1,5 | 1,5 | 50% |
| Vorne vor außen | 2,0 | 1,5 | 0,5 | 25% |
| Vorne außen | 4,0 | 2,0 | 2,0 | 50% |
| Hinten Mitte | 3,0 | 1,0 | 2,0 | 67% |
| Hinten vor außen | 2,0 | 2,0 | 0,0 | 0% |
| Hinten außen | 4,0 | 3,0 | 1,0 | 25% |
Ich werde dann die Reifen umziehen: also hinten nach vorne und umgekehrt.
Dann dürften sie noch mal 1.000 km laufen, bevor sie mehr Löcher ziehen. Damit sind sie dann bei um die 3.000 km, was eine erwartbare Laufleistung dieser Reifen ist.

Empfehlung
In jedem Fall sind diese Reifen eine klare Empfehlung von mir an euch, wenn ihr guten Grip, wenig Rollwiderstand und einen guten Pannenschutz im Gelände sucht.
Den Schwalbe RX Pro gibt es in schwarz und mit transparenter Flanke. Die Reifenbreiten gehen von 40 und 45mm über 50 zu 55mm. Da ist also genug da für alle Vorlieben und Reifenbreiten.
Preislich liegen sie laut Hersteller bei 75 Euro und sind damit im höheren Preissegment positioniert.
Im Markt kosten sie um die 50/55 Euro.

Na toll, eigentlich hatte ich mich ja für den Overland Pro für den Supergrevet entschieden, jetzt komme ich doch noch einmal ins grübeln
Ich kenne den Supergrevet nicht, aber der Overland ist doch ein super Reifen!
Ich kenne das genaue Profil und Streckenbeschaffenheit auch noch nicht, aber ist gut zu wissen, dass sollte es vorher doch noch länger und flächendeckend regnen es eine weitere gut Alternative geben.