Ein Brett aus dem Norden: 1.000 km Bikepacking-Ultra North2Peak

Ein Brett aus dem Norden: 1.000 km Bikepacking-Ultra North2Peak // A tough nut to crack: 1,000 km Bikepacking-Ultra North2Peak
Ein Brett aus dem Norden: 1.000 km Bikepacking-Ultra North2Peak // A tough nut to crack: 1,000 km Bikepacking-Ultra North2Peak

Um es gleich vorwegzunehmen: das North2Peak ist ein echtes Brett. Es fordert körperlich, mental und auch das Material.

Das North2Peak der beiden Hamburger Lisa und Philipp zeigt auf eine eindrucksvolle Art und Weise, dass man auch im Norden ein forderndes Bikepacking Event bauen kann, das sich nicht verstecken muss.

Schaut man nur auf die reinen Daten, so kann man das North2Peak schnell unterschätzen: 1.000 km und 12.000 Höhenmeter, von Hamburg durch die Lüneburger-und Südheide, auf den Brocken, durch den Harz, das Weserbergland, den Deister und dann wieder durch die Heide und die Schwarzen Berge zurück. Sehr viel Gelände, Gravel, Sand und Waldwege, wenig Asphalt.

Aber bei genauerer Betrachtung sind die meisten Höhenmeter nur auf einen Teil der Strecke verteilt, was dem Event eine gewisse Würze und Schwierigkeit gibt. Konkret sind es 10.800 Höhenmeter auf 650 km. Das sind dann 1.640 Höhenmeter pro 100 km, was das North2Peak mit dem Atlas Mountain Race, dem Bohemian Border Bash Race oder der GST vergleichbar macht.

Ich wollte in diesem Jahr noch ein anspruchsvolles Event fahren und hatte mich daher beim North2Peak für die Langstrecke von 1.000 km angemeldet. Daneben gab es noch eine Kurzstrecke, die mit 370 km als Overnighter angelegt war.

Insgesamt gab es laut Organisatoren für die Langstrecke 55 Anmeldungen und für die Kurzstrecke 30 (waren limitiert, wegen Zeltplatz-Kapazität).

Tag 1: Heide

Samstag, 13.9. – 202 km / 1.377 Höhenmeter

Und so trafen wir uns alle am 13. September morgens von dem alten Elbtunnel in Hamburg, wo unsere Reise begann. Gemeinsam fuhren wir im Tross durch das Hafengelände in die Harburger Berge, wo an der Kärtner Hütte das Event offiziell startete.

Ich hatte mich für das Event gut vorbereitet und wollte in den ersten Tagen eher moderat fahren. Mein Plan war es, am ersten Tag nicht mehr als 200 km zurückzulegen, um auch in den kommenden Tagen, wenn die Berge kommen, noch gut leistungsfähig zu bleiben.

Der Pulk an Fahrerinnen und Fahrern löste sich dann an den ersten Anstiegen in den Harburger Bergen auf und in kleineren Grüppchen rollten wir nach Süden. Das erste Ziel war nach 78km Checkpoint 1 in Wilsede in der Lüneburger Heide. Dort verschnauften wir kurz, aber durch die vielen Heide-Besucher hätte es zu lange gedauert, dort auch was zu essen. Also nur Wasser nachfüllen und Essen hatte ich ohnehin für 2 Tage an Bord.

Und weiter ging es Richtung Südheide. Diese Route teilten sich Kurz- und Langdistanz, was ganz schön war, denn so konnte man noch bis kurz vor Eschede zusammenfahren. Nach 170 km bog der Short-Track nach Westen zu einem Campingplatz ab. Allerdings war die Strecke bis dahin ordentlich fordernd, gab es doch außer CP1 keine wirkliche Versorgung. Und so rastete ich erstmal in Eschede bei einer kalten Cola und warmen Essen. Immer wieder gab es tagsüber Regen, was die Heidewege anspruchsvoller zu befahren machte. Damals hatte ich aber noch keine Ahnung, was mich auf dem Rückweg in der Heide erwarten sollte.

170 km hatte ich bereits auf der Uhr und so beschloss ich den Tag in einem Gasthof nach 200 km zu beenden. Ich hatte die Nacht vor dem Event nicht gut geschlafen, war nervös und unruhig gewesen wie nie zuvor, und so freute ich mich auf ein gutes Abendessen und ein paar Stunden erholsamen Schlaf.

Tag 2: Brocken

Sonntag, 14.9. – 192 km / 2.956 Höhenmeter

Ich startete kurz nach 6.30 Uhr morgens und fuhr dem König des Events entgegen: den Brocken. An diesem Berg wollte ich sehen, wie gut ich vorbereitet war und wie ich den weiteren Verlauf planen würde. Doch der Weg dahin war noch weit. Nach meiner Berechnung würde ich erst am Nachmittag mit dem Aufstieg beginnen können.

Ein Sturmtief aus Westen machte mir etwas Sorgen und obwohl es nur leicht windete und die Sonne vom blauen Himmel schien. Denn auf dem Brocken kann das Wetter immer umschlagen. Ich war in diesem Jahr bereits im Rahmen der Grenzsteintrophy oben – allerdings führte die North2Peak Route über den Kleinen Brocken und dann den Hirtenstieg mit seinen Lochplatten hoch auf den Gipfel.

In Ilsenburg beschloss ich an der Tankstelle noch eine letzte Rast zu machen und mich zu verpflegen, bevor ich in den Aufstieg ging. Diese Idee hatten einige der Mitfahrenden ebenfalls und so traf ich dort Lennart wieder, mit dem ich bereits am Vortag zusammengefahren bin, und auch Sandro, der eigentlich schon viel weiter war, dann sein Portemonnaie in einer Rasthütte vergessen hatte und so einen erheblichen Umweg kassieren musste. Wir drei gingen zusammen in den Aufstieg und sollten dann auch die kommenden Tage miteinander verbringen.

Die Sonne schien und entgegen meinen Befürchtungen funktionierte das Klettern ganz gut. Natürlich war es sehr anstrengend und auch sehr steil, aber als dann der markante Gipfel zu sehen war und auch noch Philipp von oben grüßte, waren alle Strapazen vergessen.

@North2Peak
@North2Peak

Schnell machten wir das obligatorische Gipfelfoto und sausten dann hinunter nach Elend und Sorge.

Ich war wie befreit, war der Brocken doch schon so etwas wie eine Zäsur für mich und mit der nicht erfolgreichen Befahrung der GST in diesem Jahr verbunden.

Doch diesmal habe ich alles richtig gemacht, habe mich nicht unterkriegen lassen, habe mein Training nochmals verändert, habe die Nahrungsaufnahme und Versorgung unterwegs trainiert, weiterhin an mich geglaubt und weitere Sachen angepasst. Und mit Erfolg, denn nun war ich endlich wieder der Martin, der diese Belastungen natürlich körperlich gut meistert und der seine alte Leistungsfähigkeit und Zähigkeit wiedererlangt hatte.

So fuhr ich beschwingt und selbstbewusst in den Südharz, den ich aber ehrlicherweise unterschätzte. Die Kilometer rund um Stadt Benneckenstein, Sophienhof, Ilfeld und Hohegeiß waren gleichermaßen schön, wie auch fordernd. Nach 193 km beschlossen wir dann in Ilfeld zu übernachten, wo uns Steffen in der Dunkelheit seines leeren Hotels begrüßte und uns am nächsten Morgen sogar noch Frühstück servierte.

Die Höhenmeter des Tages waren schon zu spüren, aber auch, wie der Körper adaptierte und sich auf die nächsten Tage Klettern einstellte.

Tag 3: Harz

Montag, 15.9. – 140km / 3.131 Höhenmeter

Wer den Harz nur auf den Brocken reduziert, der irrt. Nachdem wir im Südharz geschlafen hatten, rollten wir bei zunehmendem Wind und wechselhaftem Wetter in Richtung Westharz. St. Andreasberg und Torfhaus hießen die Ziele, die wir in strömenden Regen und bei immer stärkerem Sturm ansteuerten. In den Pausen froren wir, in den Anstiegen schwitzten wir. Ich kannte diese Ecke bereits sehr gut, hatte ich hier doch für das Silk Road Mountain Race trainiert. Und so konnte ich Lennart und Sandro immer wieder die schönsten Ecken zeigen und das Kanalsystem bei Torfhaus erklären. Selbst wenn man schon oft dort war: der Harz liefert immer und es ist einfach eine großartige Landschaft.

@North2Peak
@North2Peak

Leider führte der starke Regen dazu, dass mein Karoo 3 Navi einen Kurzschluss erlitt und ich damit auf die Unterstützung meiner beiden Mitfahrer angewiesen war. Irgendwie war Wasser in die Ladebuchse geraten und als ich ihn zum Laden anschließen wollte, ging er aus und nicht wieder an. Sehr ärgerlich, aber im Regen ist der Hammerhead leider nicht wirklich Bikepacking-tauglich, auch weil das Display auf Wassertropfen reagiert und so beispielsweise dem Mitfahrer Patrick ein paar Extrakilometer bescherte, denn bei ihm führte ein Tropfen zu einer unbemerkten Umleitung und er fuhr im Kreis.

Aber Sandro und Lennart waren gute Ersatznavis. Zudem konnte ich bei Checkpunkt 3 – EnjoyYourBike in Hannover – gleich ein neues Navi bestellen, welches ich dann dort abholen würde.

Die Anstrengungen des Süd- und Westharz zeigten sich dann auch gleich in den Tageskilometern an Tag 3: 140 km, dafür aber mit mehr als 3.100 Höhenmeter. Und diese mussten wir uns sehr hart erarbeiten, auch weil viele davon auf grobem Schotter und sehr steilen Pisten geholt werden mussten.

Wir hatten aber ein Ziel: Checkpoint 2 auf dem Iberg am Albertturm. Da wir aber noch hinter diesen Punkt kommen wollten, pausierten wir nicht in Osterrode, sondern fuhren direkt in den letzten 15 km Anstieg hoch zum Iberg. In der Abenddämmerung erreichten wir den Turm und den Checkpunkt.

In der Dunkelheit rollten wir dann die Kilometer hinab nach Seesen, wo wir übernachteten.

Apropos Übernachten: ich hatte eigentlich ein Biwak dabei, Sandro nur ein Not Biwak und Lennart gar nichts. Daher haben wir in festen Unterkünften geschlafen, die es reichlich gab und die wir dann immer am Nachmittag gebucht hatten. Wer das Ganze mit Zelt machen möchte, findet zudem viele Campingplätze. Und auch an Hütten und Unterständen mangelte es nicht, allerdings waren diese nicht die ganze Strecke so reichlich vorhanden wie im Harz.

Ich fand die Variante mit den Gasthäusern in diesem Fall ideal, denn ehrlicherweise war die warme Dusche und ein gutes Essen wirklich sehr willkommen nach den sehr anstrengenden und teilweise auch kalten Stunden tagsüber.

Allerdings wird man dadurch auch langsamer: im reinen Biwakmodus und mit mehr Ultra-Feeling hätte ich das ganze vermutlich auch schneller fahren können, einfach weil ich abends länger gefahren und morgens schneller losgekommen wäre. Dadurch hätte ich weniger geschlafen. Aber ich fand es so, wie ich es gemacht habe, angesichts des Wetters und der Belastung ideal.

Tag 4: Sturm

Dienstag, 16.9. – 119 km / 2.409 Höhenmeter

Es hatte sich bereits angedeutet, aber Sturmtief Zack kam so richtig in Fahrt und verschonte auch nicht unsere kleine Gemeinschaft. So verließen wir bei starkem Sturm den Harz und durchquerten mit viel Wind und Regen das Weserbergland in Richtung Deister.

Die Steigungen waren nicht mehr so lang, dafür aber knackig und sehr viel im Wald. Durch den anhaltenden Regen hatte sich die Streckenschwierigkeit verändert, die Wege und Pisten waren aufgeweicht und schlammig und wir mussten etwas vorsichtiger agieren.

Der Track führte von Seesen über Bad Gandersheim nach Einbeck und weiter entlang der Mittelgebirgskämme über Stadtoldendorf nach Bodenwerder. Das Wetter war sehr wechselhaft und immer stürmischer. Schien eben noch die Sonne, war es kurze Zeit später regnerisch und kalt.

Unser Tagesziel sollte Springe sein, ein Ort im Deister und nur rund 80 km von Checkpoint 3 in Hannover entfernt. Doch die Schwierigkeit der Strecke, aber vor allem das Wetter machten uns einen Strich durch die Rechnung. Und als wir nass und vor Kälte zitternd in Coppenbrügge im Supermarkt standen war klar: heute ist eher Schluss, wobei es ohnehin schon dunkel wurde.

Im Bahnhof Coppenbrügge gab es ein Bike&Bett mit Pizzeria und das kam genau richtig. Nach einem guten Essen und einer heißen Dusche lagen wir schnell im Bett, denn am nächsten Morgen wollten wir wieder Zeit gut machen und eher losfahren.

Tag 5: Erlösung

Mittwoch, 17.9. – 208 km / 2.326 Höhenmeter

Auf solch langen Fahrten wie dieser motiviert man sich nicht, indem man immer die gesamte Strecke vor Augen hat und die Kilometer runterzählt. Stattdessen setzt man sich kleinere Ziele. In unserem Fall: noch „zweimal über die Berge“, durch den Saupark und dann den Deister. Und dann liegen alle Anstiege hinter uns und wir rollen quasi via Hannover nur noch ins Ziel.

So motiviert saßen wir am frühen Morgen auf unseren Rädern und fuhren durch die Dunkelheit dem Tagesanbruch entgegen. Hinter Coppenbrügge schlängelte sich der Track hoch in den Saupark. Doch bevor wir dort ankamen machte es Knack und bei Lennart war die Achse am Hinterrad durchgebrochen. Die Belastungen der letzten 700 km forderten dann doch ihren Tribut.

Nicht der erste Schaden in unserer kleinen Truppe, hatte Sandro doch am Vortag seine Carbon Felge seitlich zerbrochen und fuhr nur mit der Wette, dass der Reifen und Schlauch das schon halten werden durch die Berge.

Leider blieb Lennart nichts anderes übrig, als sein North2Peak hier zu beenden und mit dem Zug zurückzufahren.

Sandro und ich rollten weiter, ließen den Saupark recht schnell hinter uns und trafen in Springe auf zwei weitere Teilnehmer. Unsere Wege trennten sich aber schnell, denn wir gingen Frühstücken und die beiden anderen starteten gerade.

Patrick, einer der beiden, sollten wir aber wenig später im Deister wieder einholen. Sein Knie machte Mucken und schmerzte ihn so sehr, dass er nur einseitig kurbeln und oft nur schieben konnte. Und dennoch hat er es nach Hamburg ins Ziel geschafft. Wahnsinn! Ich weiß nicht, ob ich diese Willenskraft aufgebracht hätte.

Hinter Springe warteten die letzten Berge auf uns. Laut Karte insgesamt 10 steilere Anstiege, die wir dann nach und nach herunterzählten. Aber das war eine sehr harte Arbeit und ich hatte zwischenzeitlich echt schlechte Laune, da es so anstrengend war. Und zwischendurch führte die Strecke auch noch einen MTB Park hinunter. Bei der Nässe und dem Matsch nicht optimal. Kurz danach trafen wir wieder auf Philipp, der diesen Streckenabschnitt bereits rausgenommen hatte und wir damit die letzten waren, die sich das gegeben hatten.

Aber irgendwann war es dann geschafft und der letzte Hügel überwunden. Was für eine Erlösung. Wir klatschen uns ab und rollten dann mit dem Sturm im Rücken nach Hannover zum Checkpoint 3.

Hier bekam ich ein neues Navi und nach einer kurzen Stärkung machten wir uns auf die letzten 250 Km nach Hamburg.

Der Tag steckte uns mächtig in den Knochen, waren es doch auf rund 90 km wieder mehr als 2.000 Höhenmeter gewesen, die sich auch erkämpft werden mussten. Dafür war das Wetter nicht so regnerisch und der Wind schob meist von hinten.

Nach 200 Tageskilometern waren wir dann bereits sehr müde und beschlossen den letzten Abend in einem kleinen Heide-Hotel in Winsen an der Aller zu verbringen. Dieser Ort war eher Zufall, aber er passte so gut als würdiger Abschluss eines großartigen Abenteuers. Man gab uns einen extra Raum abseits der Restaurant-Gäste, damit wir mit unseren dreckigen Klamotten und stinkend was essen konnte.

Anschließend versorgte man uns mit einem Care-Paket für den frühen Start am nächsten Tag und in den besonders bequemen Betten konnten wir noch Kraft für die letzten Kilometer tanken. Was wir da noch nicht wussten: der letzte würde auch der wohl längste Tag für uns werden.

Tag 6: Finale

Donnerstag, 18.9. – 213 km / 1.067 Höhenmeter

Der Wetterbericht machte eigentlich Hoffnung, sollte es nicht ganz so viel regnen wie befürchtet. In der morgendlichen Dämmerung rollten wir in Richtung Südheide, wo uns sandige Pisten und verblockte Tracks begrüßten. Es begann zu nieseln und so wurde aus dem Sand auch noch Schlamm.

Aber wir ließen uns nicht unterkriegen – was sollte jetzt noch passieren? In Munster legten wir eine Pause ein und versorgten uns. Wir achteten besonders auf geringe Standzeiten, wollten wir doch bis 17.30 Uhr in Hamburg im Ziel sein.

Und so rollten wir wenig später aus Munster raus und wieder in die Lüneburger Heide rein. Doch ein Platten am Hinterrad bei Sandro zwang uns zu einer Pause. Bei der Montage des neuen Schlauchs fiel leider die Kassette ab (diese ist abnehmbar) und die kleine Feder, die auf der Achse saß, flog in das hohe Gras und den Matsch. Ohne diese gab es keinen Widerstand im Freilauf und Sandro konnte nicht mehr fahren.

Wir suchten sehr lange, doch leider ohne Erfolg. Am Ende verabschiedeten wir uns und ich fuhr allein weiter. Wie ärgerlich – nur noch 100 km bis ins Ziel und dann konnte man wegen so einer blöden Sache nicht weiterfahren.

Mittlerweile wurde der Regen immer stärker, aber meine Motivation war hoch. Ich durchquerte die Heide auf sandigen Pisten und wurzeligen Anstiegen und rollte unaufhaltsam nach Norden.

Bis mich mein Vorderrad bremste, konkret meine Bremse, die sich nicht mehr lösen wollte. Mittlerweile waren das ganze Rad und die Ausrüstung mit einer Mischung aus Regen, Matsch und Sand überzogen. Ich konnte vorne nur erkennen, dass die Bremsbeläge nicht mehr da waren und sich auch die Belagsschraube gelöst hatte und verloren gegangen war. Aber kein Problem: sowas habe ich immer dabei. Neue Beläge konnte ich aber nicht montieren, da sich die Kolben nicht zurückschieben ließen und alles voll Dreck und Sand war. Also mussten es die alten noch weiter machen – ohne Belag. Dann wurde halt mehr hinten gebremst.

@North2Peak
@North2Peak

Wenig später erneuerter Halt. Diesmal war die Luft aus dem Hinterrad raus. Ich konnte kein Loch feststellen, bis ich auf ein altes Loch stieß, das ich mit Tubeless-Wurst bereits verschlossen hatte. Dieser Patch hatte sich aber durch die 900 km Gelände so abgefahren und gelöst, dass er in den Reifen reingerutscht war und somit das Loch wieder offenstand. Leider hielt eine neue Wurst nicht und durch den verdreckten Mantel ließ sich das alles auch nicht gut montieren. Dazu der immer stärkere Regen, der alles noch schwieriger machte. Also baute ich einen Schlauch ein, in der Hoffnung, keine weiteren Hindernisse erleben zu müssen.

Und so rollte ich mittlerweile tief durchnässt in die Fischbeker Heide und die Schwarzen Berge. Hier warteten noch ein paar kleine Anstiege und wurzelig-sandige Passagen auf mich. Das war mir aber mittlerweile auch alles egal. Nur das Knacken meines Tretlagers nicht. Das wurde immer stärker. Der Kompressionsring an der Kurbelseite hatte sich gelockert und damit die Kurbel Spiel bekommen. Ich konnte das aber nicht reparieren, da alles so verdreckt war, dass ich mit dem Inbus nicht in die Schraube kam. Und freikratzen konnte ich es auch nicht. Dazu der anhaltend starke Regen und die einsetzende Dämmerung.

So rollte ich mit einer Bremse, knackend und knarzend, quietschend und völlig durchnässt durch das Alte Land, auf dem Deich entlang zum alten Elbtunnel und dann noch die restlichen Kilometer in den Hamburger Stadtpark, wo auf einmal der Regen aufhörte und mich Lisa und Philipp begrüßten.

Das war ein sehr schöner Moment, denn ich hatte es geschafft und ich war sehr stolz auf mich.

Nach einem schnellen Foto machte ich mich dann auch auf die restlichen Kilometer nach Hause. Natürlich im Regen.

Und was mich ganz besonders gefreut hat: Sandro hatte es dann auch noch geschafft. Er hat doch tatsächlich zwei Quadratmeter Gras abgetragen und durchsucht und dabei die Feder gefunden. So konnte er wieder die Kassette montieren und weiterfahren. Danach hatte er aber noch mehr als 6 Platten, auch weil bei dem ganzen Regen die Reifenflicken nicht hielten. Zudem hatte auch seine Bremse hinten aufgegeben. Aber er ist angekommen und konnte das Event erfolgreich beenden! Ganz große Klasse!

Was bleibt

North2Peak war eine echte Überraschung. Ich hatte im Vorfeld mit Donnerstag geplant, hatte aber nicht mit der Härte und dem Anspruch der Strecke gerechnet. Und dennoch war es genau so richtig. Gerade die Kombination aus landschaftlicher Vielfalt und Schönheit und der herausfordernden Streckenführung macht das North2Peak zu einem echten Ultra-Event, den ich hier im Norden so nicht erwartet hätte.

Und die Statistik gibt davon ein eindrucksvolles Bild: Von den 55 Startenden auf der Langdistanz von 1.000 km haben es 10 ins Ziel geschafft. Von den 30 Startenden auf der Kurzdistanz von 370 km haben es 14 geschafft. Lisa und Philipp sprechen von einer Gesamt-Scratch Rate von ca. 70%. Auf der Langdistanz allein sind es mehr als 80%.

Ich bin in den sechs Tagen insgesamt 1.064 km mit 13.250 Höhenmeter gefahren.

Besonders gefiel mir, dass der Track auf „sinnlose Routen“ verzichtet hat. Jede Wegentscheidung hatte ihren Sinn und diente nicht nur dem „Aufblasen“ oder um noch mal Ego zu zeigen. Dabei verzichtete er aber nicht auf Charaktertests, die das Salz in der Ultra-Suppe sind.

Das soll euch aber nicht abschrecken, denn bei einer Erstausgabe wie dieser werden viele Erfahrungen gemacht. Davon könnt ihr im nächsten Jahr profitieren, wenn Lisa und Philipp zur zweiten Ausgabe einladen. Dann vielleicht mit Tracking und ein paar Anpassungen und den ein oder anderen neuen Streckenabschnitten.

Aber bei einer Sache bleibt es: der hohe Anspruch an den Track, was Anforderung und Streckenschönheit angeht.

North2Peak Ressourcen

Und damit ihr schon mal eure Teilnahme planen könnt, gibt es eine Reihe von Infos, die ihr dann nutzen könnt.

In jedem Fall empfehle ich euch die initiale Podcast-Folge mit Lisa und Philipp zum North2Peak, wo sie die Idee und Philosophie hinter diesem Event vorstellen:

Dann wird es einen „Bikes des North2Peak“ Beitrag geben, wo ich wieder die Fahrräder und Ausrüstung vieler Teilnehmender vorstelle. Das sollte euch einen guten Überblick geben, welche Fahrräder hier gefahren werden. Lennart und Sandro waren auf klassischen Gravelbikes mit 50/45mm breiten Reifen unterwegs. Ich bin mit dem Salsa Fargo und 50mm Reifen gefahren.

Und ich spreche mit Lisa und Philipp in einer weiteren Podcast-Folge ausgiebig über das Event, was sie dabei gelernt haben, welche weiteren Ideen sie haben und auf was ihr euch beim nächsten Mal freuen könnt.

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12 Comments

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  1. says: Lennart

    Moin Martin,
    freut mich dass du gut angekommen bist. Mir hats nur nicht die Achse abgerissen sondern auch Muskelfasern im Schienbein, komme grade vom Röntgen. 8-10 Wochen kein Sport…
    Ich dachte ich fahr den Rest noch in zwei Wochen als Overnighter, aber das wird wohl eher eine Expedition für den Winter.
    Bis dahin hat es viel Spass gemacht, bisweilen etwas anstrengend, warum müssen diese Berge auch immer so steil sein… 😉

    Beste Grüße
    Lennart

  2. says: Markus

    wow, was für eine Hammertour. Danke für den tollen Bericht, sehr bildlich beschrieben, ich habe mit Dir/Euch mitgelitten.
    “Ein extra Raum abseits der Restaurant-Gäste, damit wir mit unseren dreckigen Klamotten und stinkend was essen konnte.”
    Das wäre ich gern dabei gewesen 😀

  3. says: Jan

    Hallo Martin,

    ein wirklich schön geschriebener Bericht. Am meisten freut mich, dass Du es geschafft hast. Herzlichen Glückwunsch!

    Viele Grüße
    Jan

  4. says: Niklas

    Super Bericht! Vielen Dank dafür. Das scheint ja wirklich ein Brett zu sein, was ich so im Norden auch nicht erwartet hätte. Bin auf die Podcast-Folge und weitere Berichterstattung gespannt.

    Eine Sache noch zum Karoo 3: es gibt eine schnelle Möglichkeit im Menü, den Touchscreen bei Regen zu sperren. Er lässt sich auch vollständig über die Tasten bedienen.
    Mich würde aber nun deine Erfahrung mit dem Coros Dura interessieren, auch im Vergleich zu Wahoo und Hammerhead.

    Grüße aus Berlin

      1. says: Niklas

        Ok, komisch. Ich hab’s heute morgen nochmal ausprobiert und bei mir bewegt sich die Navigation normal mit im gesperrten Zustand und ich bekomme auch Abbiegehinweise.

        1. Ja, da habe ich vermutlich einen Anwenderfehler gemacht.
          Aber nun ist der Karoo ohnehin kaputt und kann nicht repariert werden. Da war der Regen wohl zu viel.Hatte vorher schon gehört, dass Nässe dem Karoo den Gar ausmacht, aber hätte es bei mir nicht erwartet.
          Der Hammerhead Support war sehr hilfreich, aber das Ding ist leider tot.
          Habe jetzt ja einen anderen und fahre mit dem erstmal und probiere den aus.

          Viele Grüße,
          martin

          1. says: Hilmar

            Hallo Martin,

            manche ziehen einen Kondom über ihr Navi, kein Witz. Ich habe es noch nicht ausprobiert.

            Freut mich, dass Du es geschafft hast! Das Event reizt mich auch.

            Kannst Du mir sagen, welche Lampen-/Ladekombination Du nachts fährst?

            Viele Grüße
            Hilmar

  5. says: Maik Grapentin

    Moin Martin,
    Super Bericht und Hut ab für die Leistung und das Du es geschafft hast.
    Ich wollte auch mitfahren und im Vorfeld wurde mir klar, das ich nicht in der körperlichen Verfassung dazu war. Und wenn ich jetzt lese, das auch Du den Track unterschätzt hatte, hatte ich mich richtig entschieden nicht mitzufahren.
    Ich habe die Strecke (allein von den Daten) auch total unterschätzt.
    Ich freue mich auf die Podcastfolge, denn mein Ziel ist es bei der 2. Edition mitzumachen.

  6. says: Ingo

    Sehr schöner Bericht. Ich kann mir die Herausforderungen bildlich vorstellen. Ich freue mich schon auf die Podcastausgabe. Grüße aus Darmstadt ✌️