Warum überhaupt eine Trinkweste?
Man sieht sie häufiger bei Ultra-Events, aber immer mehr auch im normalen Gebrauch bei sehr heißem Wetter: Trinkwesten.
Ich bin normalerweise mit zwei Flaschen unterwegs, oft an der Gabel befestigt. Das reichte mir auch. Dann habe ich mich mit dem Thema Ernährung und regelmäßiges Trinken beschäftigt und bin auf Trinkwesten gestoßen. Sie verfügen meist über Trinkblasen von 1,5 bis 2 Litern und bieten je nach Modell auch noch Platz für weitere Sachen.
Mit normalen Rucksäcken kann man sie aber nicht vergleichen, da sie auch höher am Rücken sitzen und oft auch nicht so viel Platz bieten. Ist die Trinkblase einmal gefüllt, füllt sie den Großteil des Volumens aus. Dennoch gibt es meist hinten noch ein größeres Fach und an den Brustgurten kleinere Taschen aus Mesh oder kleine Fächer mit Reißverschluss, wo man Riegel, Telefon oder andere flache Sachen unterbringen kann.
Inhalt:
- Vor- und Nachteile im Überblick
- Eingewöhnung und Handhabung
- Apidura Racing Hydration Vest im Detail
- Restrap Race Hydration Vest im Detail
- Fazit
Vor- und Nachteile im Überblick
Ich nutze mittlerweile recht gerne Trinkrucksäcke bzw. -westen, denn so kann ich regelmäßig unterwegs trinken, ohne dafür die Hände lange vom Lenker nehmen zu müssen. Das ist besonders bei ruppigerem Gelände von Vorteil. Zudem finde ich Trinkwesten einen recht bequemen Weg, extra Wasser zu transportieren und noch etwas Stauraum auf dem Rücken zu gewinnen.
Natürlich bedeutet eine Trinkweste auch immer eine zusätzliche Belastung für den Körper. Aber ehrlicherweise machen der Schnitt und die Art der Westen es komfortabel und bis auf einen verschwitzten Rücken fällt das zusätzliche Gewicht nicht weiter auf. Im Gegenteil: besonders im Winter greife ich zum Trinkrucksack anstatt zu Flaschen, da dort dann das Wasser etwas wärmer ist und besser verträglich.
Aber Trinkwesten sind nicht für jede/n etwas: wer es nicht mag mit zusätzlichem Gewicht am Rücken zu radeln und mit dem vielleicht beengenden Gefühl auf der Brust durch die Gurte, der sollte andere Wege finden, um eine Trinkblase am Fahrrad unterzubekommen.

Eingewöhnung und Handhabung
In meiner Trinkwesten-Anfangszeit hatte ich Probleme mit zu engen Gurten und Passform. Daher empfehle ich vor einem richtigen Einsatz der Weste, erstmal ausgiebig Testfahrten, um die richtige Gurtspannung, Position am Rücken mit und ohne Last, und Position des Trinkschlauchs herauszufinden. Und macht euch auch mit dem Gefühl und Verhalten des Trinkrucksacks vertraut, wenn er ganz voll ist und dann leerer wird. Manchmal rutschen sie dann etwas hoch in Richtung Nacken.
Modellübersicht: Apidura & Restrap
Ich habe mir nach vielen Ausprobieren die Apidura Racing Hydration Vest gekauft und bin schon sehr viel mit ihr gefahren. Nun hatte ich die Gelegenheit, auch die Restrap Race Hydration Vest zu testen. Um beide Trinkwesten soll es hier also gehen. Ich hoffe euch damit einen guten Überblick über die Eigenschaften sowie Vor- und Nachteile zu geben.
Apidura Racing Hydration Vest im Detail
Erster Eindruck & Größe
Apidura genießt einen ausgezeichneten Ruf unter Bikepacking-Enthusiasten und hat neben hochwertigen und gut durchdachten Taschenlösungen auch Trinkwesten. Ich habe mir die Weste aus der Racing-Kollektion gekauft, nachdem ich beim Trans Balkan Race die Möglichkeit hatte, mir diese bei Mitfahrern näher anzuschauen.

Ich habe die Größe L/XL genommen, da mir wichtig war, dass ich genug Platz habe, auch wenn ich eine Regenjacke drunter habe oder ein dickeres Shirt. Insgesamt bietet diese Weste 7 Liter Volumen inklusive 2L Trinkblase. Die kleinere hat 5,5 Liter.
Laut Hersteller wiegt die Weste 370g. Ich habe sie selbst gewogen und komme auf 387g, inklusive Trinkschlauch und Bladder.
Aufbau & Staufächer
Die Apidura ist aus einem leichten Stoff gefertigt, der recht dünn ist. Laut Hersteller werden hier Diamond Net Mesh und beschichtetes 70D Ripstop Nylon verwendet. Sie verfügt über zwei Fächer am Rücken: ein größeres und ein kleineres. Wenn die Trinkblase gefüllt ist, passen da noch ein paar Riegel oder Gels rein. Dann wird es aber auch schon eng.

Gut finde ich das reflektierende Muster am unteren Ende der Weste, was noch mal Sichtbarkeit im Verkehr gibt.

Neben den Fächern am Rücken, hat die Weste an den Schultergurten auf der Vorderseite rechts ein größeres Meshfach und auf der linken Seite ein kleines Reißverschluss-Fach und eine Mesh-Pocket. In der Praxis nutze ich diese aber kaum, bzw. nur um dort dann Müll zu verstauen.
Tragesystem & Gurte
Die Gurte sind rechts und links durch einen Bügel verstärkt. Das kann manchmal drücken, aber lässt sich durch die richtige Einstellung der Abspanngurte auf Rippenhöhe regulieren.

Vorne an der Brust wird die Veste mit zwei Gurten fixiert und mit Klickverschlüssen verschlossen. Der obere Klickverschluss hat zudem eine integrierte Notpfeife. Am unteren Riemen befindet sich der Magnet für die Fixierung des Trinkschlauchs.
Dieser kann auf beiden Seiten der Weste entlanggeführt werden. Am Schlauch befindet sich ebenfalls ein Magnet, das dann in das Straps Magnet der Weste geklickt wird. Damit hält der Trinkschlauch während der Fahrt.



Trinksystem & Handling
Der Magnetclip am Trinkschlauch kann verschoben und gedreht werden. Damit könnt ihr also anpassen, wo das Mundstück steht und wie straff der Trinkschlauch geführt werden soll. Er klickt aber immer auf Brusthöhe rechts ein. Ich führe daher den Schlauch links-oben aus der Weste und ziehe ihn über die Brust und fixiere ihn dann rechts mit dem Magnet.

Die Trinkblase der Apidura fasst 2 Liter und wird mittels Klemm-, Klett- & Rollverschluss verschlossen. Das musste ich erstmal verstehen, denn bei der ersten Benutzung hatte ich die Klemmleiste nicht fest angedrückt, weshalb sich dann beim Runterbeugen zum Stretching die gesamte Wasserblase in meinen Nacken ergoss.

Um die Blase aufnehmen zu können, verfügt die Trinkweste über ein entsprechend großes Fach, das sehr gut zugänglich ist. Zuerst wird der Schlauch an die Blase angeschlossen und dann in dem Fach verstaut. Oben ist das Fach mit einem Klettverschluss verschlossen. Wenn die Blase voll ist, kann es sein, dass der Verschluss zu sehr unter Spannung steht und nicht richtig schließt. Das ist aber nicht wirklich wichtig.

Zudem gibt es da noch einen Haken, an den die Trinkblase gehängt wird. Das verhindert das Zusammensinken der Blase, wenn sie leer wird. Zum Befüllen der Trinkblase muss man aber nicht jedes Mal diese aus dem Fach holen, sondern kann sie einfach öffnen und dann wieder verschließen.
Die Apidura verfügt an den Seiten auf Höhe des Rippenbogens über elastische Straps, mit denen die Gurte eingestellt werden können. Darüber regelt man wie eng die Weste anliegen soll. Zusammen mit den Einstellgurten an der Brust lässt sich die Weste optimal justieren.

In der Praxis habe ich dennoch immer wieder Probleme, dass auf der rechten Seite der Gurte zu eng anliegt. Ich justiere dann die Brustgurte nach, aber muss da noch mal grundsätzlich ran.
Das Befüllen der Blase ist aber denkbar einfach und das Fach bietet genügend Platz, um diese auch bequem verstauen zu können. Auch wenn der restliche Platz begrenzt ist, nutze ich die Weste dann auch, um noch ein paar Gels und Riegel zu transportieren. So spare ich den Platz am Fahrrad.
Das Mundstück bietet sehr viel Volumen für einen guten Durchfluss. Zudem lässt es sich sehr gut reinigen. Um den Durchfluss zu öffnen, zieht man das Mundstück hoch. Das macht man während der Fahrt einfach mit den Zähnen. Zum Schließen drück man es zurück.

Andere Hersteller, wie zum Beispiel Evoc, verwenden da ein Mundstück, das sich durch Drehen öffnet und schließt. Da man die Trinkschläuche ohnehin tauschen kann, muss jeder selbst sehen, welches Mundstück “am besten schmeckt”.
Bei den Dreh-Mundstücken ist mir aber aufgefallen, dass diese manchmal verkleben, wenn man so wie ich auch zuckerreiche Flüssigkeit in der Trinkblase transportiert.
Reinigung & Pflege
Die Reinigung ist relativ einfach: die Blase kann mit Seifenwasser ausgespült und gereinigt werden. Ich nutze zudem Corega Tabs, um auch das Ventil an der Blase sauber zu halten. Weiterhin habe ich mir ein Reinigungsset mit langer Schlauchbürste und Aufhängung für die Trinkblase zugelegt. Damit kann ich auch bakterielle Ablagerungen im Schlauch-Inneren beseitigen.
Restrap Race Hydration Vest im Detail
Erster Eindruck & Verarbeitung
Im Unterschied zu Apidura hat Restrap mit seiner Trinkweste eine stabilere Version gebaut. Das macht sich auch im Gewicht bemerkbar, das bei 554g inklusive Trinkschlauch und Blase liegt (530g laut Hersteller). Die knapp 200g mehr sind aber im praktischen Betrieb nicht wirklich merklich, denn die Weste sitzt wirklich gut – und das ohne viel Anpassungen. Ich habe die Hydration Vest in der Größe L/XL zum Test bekommen. Sie verfügt über insgesamt 7,5 Liter Volumen, inklusive 2 Liter Blase.

Aufbau & Staufächer
Sie unterscheidet sich aber auch deutlich von der eher minimalistischen Apidura Weste: so hat sie beispielsweise hinten ein optisch größeres Fach, dass durch einen vertikalen Reißverschluss verschlossen ist. Der Stoff ist merklich dicker und wirkt robuster. Restrap verwendet hier X21, ein wasserdichtes Gewebe. An den Seiten finden sich längere Mesh Fächer, in die kleinere Flaschen reinpassen, was aber auch vom Füllstatus der Trinkblase und der zusätzlichen Zuladung abhängt.

Tragesystem & Einstellmöglichkeiten
Deutlich sichtbarerer sind die Unterschiede in den Einstellmöglichkeiten. So hat die Restrap an der Schulter jeweils einen Riemen, mit dem die Weste höher bzw. enger gezogen werden kann. Die Brustgurte werden ähnlich der Apidura durch zwei Straps mit Klickverschluss verbunden.

Der Clou hier ist aber, dass sie in ihrer Längsposition verstellbar sind und somit individuell angepasst werden können. Die Apidura kann das nicht. Restrap spricht hier von 5-fach verstellbar mit Sicherheitsclip & Pfeife.



Trinksystem & Handling
Außerdem ist das Gegenmagnet hier nicht fest verbaut, sondern kann je nach Wunsch flexibel rechts oder links angebracht werden. Dafür ist es wie ein Clip gebaut und wird auf die entsprechende Lasche aufgeschoben. Zudem sitzt das Magnet auch höher als bei der Apidura, weshalb der Trinkschlauch auch in Höhe der Wange befestigt ist.

Die Brustgurte können unten an der Seite eingestellt werden und dadurch die Passform reguliert werden. Sie sind am Rand ebenfalls etwas verstärkt, aber nicht so wie bei der Apidura. Die Brustgurte verfügen rechts über ein größeres Mesh Fach und links über eine Kombination aus seitlich zugänglichem Reißverschlussfach und kleinerem Meshfach.

Die Trinkblase kommt wie auch bei der Apidura in das größere Fach am Rücken. Allerdings ist die Öffnung der Restrap recht eng. Ich hatte da am Anfang Probleme, die volle Trinkblase reinzubekommen. Aber die Lösung dafür ist klar – bzw. naheliegend: ich befülle die Trinkblase, wenn sie bereits im Rucksack ist. Die Halterung der Trinkblase erfolgt auch bei der Restrap über einen Haken. Der ist aber besser zu bedienen als bei der Apidura. Oder ich verstehe einfach nicht die Funktionsweise des Hakens da nicht richtig.

Wie auch bei Apidura fasst die Trinkblase 2 Liter. Allerdings ist der Verschluss hier anders: Bei der Restrap wird das obere Ende der Trinkblase über einen Plastik-Steg gefaltet und anschließend mit einer Schiene, die seitlich aufgeschoben wird, verschlossen. Das ist eher der klassische Trinkblasenverschluss, der aber auch etwas mehr wiegt.

Das Mundstück ist etwas filigraner und wird auch durch das Herausziehen aktiviert. Allerdings hatte ich hier den Eindruck, dass nicht so viel Durchfluss da ist, wie bei der Apidura. Ich muss das aber noch mal weiter testen. Und ich habe noch keine Möglichkeit gefunden, das Mundstück zur Reinigung abzuziehen.

Der Trinkschlauch hat ebenfalls einen Magnetclip, der verstellbar ist und somit an die jeweilige Gegenposition des Magnets an der Weste anpassbar ist. Ich persönlich mag es mehr, wenn das Mundstück etwas weiter oben liegt, als bei der Apidura, wo es mehr mittig und seitlich ist, und damit mehr dem Dreck ausgesetzt ist.

Fazit
Trinkwesten sind für Bikepackerinnen und Bikepacker, die regelmäßig oder viel trinken möchten und etwas zusätzlichen Stauraum brauchen, eine echte Bereicherung.
Die Apidura Racing Hydration Vest punktet mit Minimalismus und leichtem Gewicht, während die Restrap Race Hydration Vest mehr Einstellmöglichkeiten und robustere Verarbeitung bietet.

Wer Wert auf Komfort und Flexibilität legt, wird eher zur Restrap greifen, auch wenn diese etwas mehr wiegt. Wer ultraleicht und reduziert unterwegs sein will, ist mit der Apidura besser bedient.
Beide Taschen sind sich ähnlich und am Ende entscheidet der persönliche Fahrstil und Geschmack. Aber beide Westen zeigen, dass sich eine Trinkweste lohnen kann und das Setup gut ergänzen kann.

Hallo Martin,
vielen lieben Dank für den ausführlichen Bericht.
Ich war anfangs mit einer Trailrunningweste von Salomon unterwegs die ich mit einer Trinkblase von Evoc für eine Bauchtasche ergänzt hatte.
Aufgrund der minimalen Resupply Möglichkeiten auf der Panamericana zu Beginn in Alaska und Canada war ich mit einem Trinkrucksack von USWE dem MTB HYDRO 3 unterwegs mit 3 Liter Trinkblase und war sehr zufrieden.
Grüße
Markus_Bike