Continental Dubnital MTB-Reifen im Test – XC-Performance trifft Bikepacking-Tauglichkeit

Continental Dubnital MTB-Reifen im Test – XC-Performance trifft // Continental Dubnital MTB tires reviewed – XC performance meets bikepacking suitability Bikepacking-Tauglichkeit
Continental Dubnital MTB-Reifen im Test – XC-Performance trifft Bikepacking-Tauglichkeit // Continental Dubnital MTB tires reviewed – XC performance meets bikepacking suitability
Hinweis: Ich habe mir die Reifen selber gekauft. Continental war an keiner Stelle involviert. 

Nach über 3.000 km mit dem Schwalbe Rick XC wollte ich wissen, wie sich der neue Continental Dubnital als Nachfolger des Race King so macht und ob er mehr Grip und Pannenschutz auf Tour bringt.

Continental hat vor ein paar Wochen sein Reifen-Line-Up komplett überarbeitet und mit dem Dubnital einen Reifen vorgestellt, der “die perfekte Wahl für trockene bis feuchte Bedingungen sowie für felsigen, harten Untergrund und leicht lockere Böden” sein soll.

Ich bin eigentlich ein Vittoria Mezcal Fahrer. Und immer, wenn es auf Haltbarkeit, guten Grip und vernünftigen Rollwiderstand geht, greife ich auf diese Reifen zurück. Man muss aber auch sagen, dass der Mezcal seine Schwächen bei nassen/matschigen Untergründen hat und dann das Profil sich leicht zusetzt und der Grip verschwindet.

Im kirgisischen Hochgebirge oder auf den steinig-staubigen Pisten der marokkanischen Wüste war der Mezcal eine sehr gute Wahl. Hierzulande wollte ich gerne andere Reifen ausprobieren und vor allem den Rollwiderstand minimieren, ohne dabei an Grip zu verlieren.

Daher habe ich mir die Schwalbe Rick XC Pro Reifen aufgezogen, die ich sehr gut fand. 3.000 km sind sie mit mir gefahren, bevor sie zu anfällig für Platten wurden. Der Grip war gut, auch wenn man natürlich bei dem Profil dieser Reifen auf trocknem und nassem Untergrund ab und zu ins Schwimmen kam. Aber die Seitenstollen haben das ganz prima aufgefangen und so eine beeindruckende Performance abgeliefert. Ich bin die Rick XC auf dem Devils Trail im Harz gefahren und anschließend durch den ganzen Herbst und Winter – ohne Probleme.

Allerdings würde ich sie nicht für solche Events wie SRMR, TBR oder AMR in Betracht ziehen. Da hätte ich Sorge, dass sie eher kaputt gehen, obwohl sie sehr schnell laufen und so Kraft sparen. Bei der Grenzsteintrophy habe ich dann wieder auf die Vittoria Mezcal gesetzt: in 2,6 Zoll und 2,35 Zoll Breite.

Danach hatte ich die Pirelli Scorpion im Test, die im Gelände ok waren, aber eher schwer rollten. Mittlerweile gibt es aber eine neue Version, die wohl besser sein soll.

Und dann habe ich mir die Conti Dubnital gekauft, um sie mit den Schwalbe Rick XC zu vergleichen.

Inhalt

  1. Technische Daten im Überblick
  2. Profil, Karkasse und Gummimischung – die Theorie
  3. Fahrpraxis: 1.400 km auf Schotter, Waldwegen und Asphalt
  4. Rollwiderstand im Vergleich
  5. Haltbarkeit und Verschleißmessungen
  6. Für wen eignet sich der Dubnital? 
  7. Fazit: Stärken und Schwächen auf einen Blick

Technische Daten im Überblick

Größe29 × 2.20″ (55-622)
Gewicht658 g (selbst gewogen)
VarianteTrail Rapid
Karkasse3/330 TPI, Tubeless Ready
Gelände65% Schotter, 35% Asphalt
Felge30mm Beast XC
Breite auf Felge55mm
Höhe auf Felge49mm
LuftdruckZwischen 1,3 und 1,9 Bar
Preis60 Euro pro Reifen
DichtmilchOrange Sealing

Zum Vergleich, was Aufbauhöhe und Breite angeht:

  • Der Rick XC ist bei 2,25 Zoll auf der gleichen Felge 51mm hoch und 55nn breit.
  • Der Mezcal ist bei 2,25 Zoll auf der gleichen Felge 54mm hoch und 60mm breit.
  • Die Pirelli Scorpion XC mit 2,2 Zoll hatte ich auf 24mm breiten Felgen (innen) montiert. Hier betrug die Reifenbreite 56 mm, die Reifenhöhe 52 mm.

Profil, Karkasse und Gummimischung – die Theorie

Wenn man sich mit Reifen beschäftigt, dann gibt es meist drei Sachen, auf die man achten sollte – und die alle Hersteller auch unterschiedlich und je nach eigenen Schöpfungen und Erfindungen bezeichnen: Profil, Karkasse und Mischung.

Das Profil des Conti Dubnital besteht im Kern aus drei Elementen: die Center Tread Stollen in der Mitte. Diese sind leicht geschlitzt und sollen ein gutes Abrollverhalten garantieren. Die Stollen in der Transition Area, also dem Übergang zwischen Mitte und Reifenrand. Diese sind für Stabilität in den Kurven zuständig und sollen im Gelände etwas mehr Grip liefern. Und die Stollen am Rand, in der sogenannten Shoulder Area. Diese sorgen für Grip und Kurvenstabilität. 

Die Karkasse ist das tragende Grundgerüst eines Fahrradreifens – sozusagen das Skelett des Reifens. Sie besteht aus einem Gewebe, das mit Gummi ummantelt ist, und verleiht dem Reifen seine Form, Stabilität und Flexibilität. Bei den Karkassen bietet Conti beim Dubnital zwei Möglichkeiten an: Race oder Trail.

Race ist eher leicht und schnell und für den sportlichen XC Einsatz gedacht. Trail ist etwas robuster und verstärkter, damit es mit den ruppigeren Bedingungen auf Trails klarkommt. Race rollt meist besser, Trail greift dafür besser.

Und: die Karkassen haben jede ein eigenes Icon, das die jeweilige Art anzeigt.

Bei den Karkassen ist der TPI Wert wichtig. Es bezeichnet die Fadendichte (Treads) pro Zoll (per Inch).

Eine niedrige TPI (z. B. 30–60) bedeutet:

  • dickere Fäden
  • robuster, aber schwerer
  • bessere Pannensicherheit

Eine hohe TPI (z. B. 120–320) bedeutet:

  • dünnere Fäden
  • leichter, flexibler, komfortabler
  • weniger pannensicher

Die Karkasse des Continental Dubnital ist mit 3/330 TPI sehr fein und leicht. Damit ist der Reifen ideal für schnelle, komfortable Fahrten auf Trails und Gravel. Die Karkasse bietet eine gute Balance zwischen Performance und Agilität, verzichtet dabei aber tendenziell auf maximale Robustheit gegenüber Pannen.

Das letzte Element bei einem Reifen ist natürlich die Mischung. Und hier greift nahezu jeder Hersteller auf eigene Entwicklungen zurück. Continental hat auch aufgrund seiner Erfahrungen in der Entwicklung von Autoreifen sehr viel Expertise.

Bei Fahrradreifen bezeichnet die Mischung (Compound) das Gummimaterial, aus dem die Lauffläche besteht. Diese Gummimischung beeinflusst entscheidend den Grip, Rollwiderstand, Abrieb, das Kurvenverhalten und die Dämpfung.

Conti bietet beim Dubnital zwei Mischungen an: Rapid und Grip. Das sagt schon alles, denn die Rapid Mischung ist auf Geschwindigkeit und Effizienz ausgelegt, während die Grip Mischung mehr auf Dämpfung und Traktion fokussiert.

Und auch die Mischungen haben ein eigenes Ikon. Eine gute Übersicht bietet diese Infografik von MTB-News:

Quelle MTB-News.de

Fahrpraxis: 1.400 km auf Schotter, Waldwegen und Asphalt

Nach der ganzen Theorie rein in die Praxis: ich fahre die Conti Dubnital nun mittlerweile seit 1.400 km. Dabei bin ich zu 65% auf Schotter, Waldwegen und unbefestigten Pisten unterwegs und zu 35% auf Asphalt. Aktuell treibe ich die Dubnital auf Gravelpisten durch Schweden und fordere sie bei grobem Schotter und Waldwegen.

Auf Asphalt laufen sie ganz gut, wenn auch gefühlt nicht so leicht wie der Rick XC. Allerdings ist der Dubnital nicht so laut, wie der Rick XC. Im Gelände wachen sie dann auf und haben ordentlich Vortrieb und einen guten Grip.

Bei feuchten Konditionen merkt man richtig, wie die Transition- und Shoulder-Stollen den Reifen auffangen und wieder in die Spur drücken. Sie schwimmen da weniger als die Rick XC, haben aber gefühlt einen höheren Rollwiderstand. Allerdings werden sie auf groben Schotter unruhig und neigen zum Tänzeln. Wird es ganz nass bzw. matschig, dann drehen sie aber durch und rutschen weg. Da unterscheiden sie sich nicht vom Rick XC und auch die Mezcal sind bei Matsch eher wenig griffig. Allerdings reinigen sich die Conti Dubnital besser selbst als die Mezcal.

Rollwiderstand im Vergleich

Apropos Rollwiderstand: laut Bicycle Rolling Resistance weisen die Conti Dubnital einen Rollwiderstand von 20 Watt bei einem Reifendruck von 1,7 Bar. Das betrifft allerdings den Dubnital Race Rapid in 2,4 Zoll Breite.

Im Vergleich dazu der Schwalbe Rick XC Pro Speedgrip mit 19,3 Watt und dem Vittoria Mezcal XC Race mit 24 Watt – alle bei 1,7 Bar.

Haltbarkeit und Verschleißmessungen

Mit 1,5 -1,7 Bar machen die Reifen im Gelände richtig Spaß und vermitteln eine hohe Sicherheit. Das Profil trägt sehr gut und die Stollenstruktur fängt im richtigen Augenblick das Rad auch ab und führt es zurück in die Spur. Es bereitet mir immer wieder Freude, wenn ich vom Asphalt auf den Schotter abbiege, denn dann drehen die Reifen richtig auf. Gerade hier in Schweden, wo ich aufgrund des Wetters immer wieder nasse, matschige und trockene Passagen habe, zeigt sich der breite Einsatzbereich der Reifen gut.

Bei der Pannensicherheit kann ich mich bislang nicht beschweren. Ich hatte zwar nach 85 km ein Loch im Vorderreifen, aber das war ein kapitaler Nagel, der alle anderen Reifen auch erledigt hätte. Aber das Abdichten mit Maxalami funktionierte einwandfrei.

Allerdings ist die Haltbarkeit ein Thema. Ich bin noch Reifen gewohnt, die 10.000km und mehr gehalten haben. Meine Tour von Leipzig nach Mumbai bin ich mit Corratec Diamond Grip und Slick gefahren – 14.500 km durch die kasachische Steppe, nach Tibet, über den Himalaya bis nach Indien. Oder nach Timbuktu und zum Nordkap mit den Schwalbe Marathon Mondial in 26 Zoll. Die hielten und hielten und hielten.

Bei den modernen Reifen sind die Laufleistungen begrenzter. Obwohl ich den Vittoria Mezcal auch schon 8.000 km gefahren bin. Dann fingen die Reifenpannen an häufiger zu werden und das Profil war einfach runter.

Wenn man sich die bisherigen Erfahrungswerte mit dem Conti Dubnital anschaut, dann sind die Laufleistungen je nach Anwendung sehr unterschiedlich:

NutzungstypErwartbare Laufleistung
XC-Racing / schnelles Training (hartes Gelände, hoher Druck)ca. 1.200–1.800 km
Bikepacking / Allround XC (gemischt, moderater Druck)ca. 1.800–2.500 km
Touring / Schotter & Asphalt kombiniertbis zu 3.000 km, je nach Abrieb

Allerdings muss man beachten, dass sich diese Werte sich auf den hinteren Reifen beziehen, der oft mehr von Verschleiß betroffen ist. Der vordere hält meist 30–50 % länger, was ein Umziehen der Reifen von hinten nach vorne interessant macht. Und man muss beachten, dass diese Werte hier nur eine Schätzung sind, ein Mittelwert aus den bisherigen Erfahrungen mit dem Dubnital aus dem Internet.

Ich würde meine Nutzung des Reifens zwischen Bikepacking und Touring einordnen und rechne mit 3.000 km Laufleistung. Allerdings bin ich gerade unsicher, ob ich die Reifen auch bei meinem nächsten Bikepacking Event noch fahren soll, dass 1.000 km lang ist. Da habe ich irgendwie Sorge, dass der Reifen dann “aufgibt”, zumal ich bis dahin noch mal 1.000 Trainingskilometer fahre.

Denn der Verschleiß bzw. Abrieb ist schon erheblich. Ich habe diesen selbst gemessen:

Profilhöhe v&h/Stärke nach Laufleistung 0 km:

  • Center Tread (Mitte oben) 2,1 mm.
  • Transition (Seite innen) 3 mm
  • Shoulder (Seite außen) 3,5 mm

Vorderrad Profilhöhe/Stärke nach Laufleistung 1.300 km:

  • Center Tread (Mitte oben) 2 mm (-0,1/-5%)
  • Transition (Seite innen) 3 mm (0)
  • Shoulder (Seite außen) 3 mm (-0,5/-14%)

Hinterrad Profilhöhe/Stärke nach Laufleistung 1.300km:

  • Center Tread (Mitte oben) 1,5 mm (-0,6/-29%)
  • Transition (Seite innen) 2 mm (-1/-33%)
  • Shoulder (Seite außen) 3 mm (-0,5/-14%)

Ich müsste jetzt nach den Tagen in Schweden noch mal messen, denn ich kann mir vorstellen, dass durch den groben Schotter hier noch mal mehr Abrieb erfolgt ist. Zumindest sieht das Profil noch mal etwas mehr mitgenommen aus.

Und als ob er es wusste, dass ich gerade am Testbericht sitze, schickte mir Andreas ein Foto von seinen Conti Dubnital (2,4″, Trail Rapid) nach 1.300 km Kirgisistan mit 80%+ Schotteranteil. Und da war das Center Tread erheblich runter und Andreas entsprechend enttäuscht. Er hatte sich doch mehr Widerstandsfähigkeit erhofft und wollte den Dubnital als Alternative zum Mezcal ausprobieren.

Das Profil von Andreas Reifen nach 1.300 km Kirgisistan
Das Profil von Andreas Reifen nach 1.300 km Kirgisistan

Für wen eignet sich der Dubnital? 

Ob der Continental Dubnital ein würdiger Nachfolger des Race King ist, kann ich leider nicht sagen. Dafür fehlt mir einfach der Vergleich.

Was ich aber sagen kann ist, dass der Dubnital durchaus als eine Alternative zum Vittoria Mezcal gesehen werden kann. Der Reifen kann schon einiges wegstecken und rollt zudem recht gut.

Mit 2,2 Zoll ist er auch eine mögliche Alternative zum Conti Terra Adventure, der etwas behäbiger sein soll und einen sehr hohen Rollwiderstand aufweist. Dafür aber in Sachen Grip und Widerstandsfähigkeit gut sein soll. Hier kann der Dubnital eine schnelle Alternative sein.

In 2,4 Zoll würde ich ihn auch als Reifen für die “harten Sachen”, wie Atlas Mountain Race, Hellenic Mountain Race oder Silk Road Mountain Race in Betracht ziehen – aber man muss mit entsprechendem Abrieb rechnen und damit mit einer Laufleistung von um die 2.000 km unter diesen Bedingungen.

Ich bin gespannt, wie viele der Teilnehmenden des Silk Road Mountain Race in diesem Jahr auf den Conti Dubnital setzen und welche Erfahrungen sie damit machen. Ich weiß, dass er auch schon beim Hellenic Mountain Race zum Einsatz kam, habe da aber noch keine Erfahrungsberichte bekommen.

Preislich ist der Conti Dubnital gerade für 60-70 Euro in 2,2 Zoll zu bekommen. Das finde ich ehrlicherweise noch etwas hoch.

Wenn es um den geringsten Rollwiderstand geht, so gewinnt der Schwalbe Rick XC Pro. Aus meiner Sicht überzeugt der Conti aber mit der smarten Mischung aus relativ geringem Rollwiderstand, Grip und Widerstandsfähigkeit.

Fazit: Stärken und Schwächen auf einen Blick

Pro:

  • Guter Grip auf trockenen und feuchten Trails
  • Angenehm leise auf Asphalt
  • Sehr gute Selbstreinigung bei Nässe
  • Ausgewogene Mischung aus Komfort und Traktion

Contra:

  • Spürbarer Verschleiß, besonders hinten
  • Nicht optimal für Matsch
  • Etwas höherer Rollwiderstand als Schwalbe Rick XC
  • Für sehr lange Bikepacking-Events evtl. zu geringe Haltbarkeit

Bist du den Continental Dubnital bereits gefahren und kannst von deinen Erfahrungen berichten? Dann gerne ab damit in die Kommentare.

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2 Comments

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  1. says: Jürgen

    Zitat
    > Nutzungstyp Erwartbare Laufleistung
    > XC-Racing / schnelles Training (hartes Gelände, hoher Druck) ca. 1.200–1.800 km
    > Bikepacking / Allround XC (gemischt, moderater Druck) ca. 1.800–2.500 km
    > Touring / Schotter & Asphalt kombiniert bis zu 3.000 km, je nach Abrieb

    Dann bräuchte ich bis zu 10 von den Reifen / Jahr ???!