Vor ungefähr zwei Jahren erzählte mir Markus Weinberg, dass sein Team und er gerade mit regionalen Tourismus-Marketing Agenturen an einer schönen Gravel-Strecke in Ost-Sachsen arbeiten und ich mir die mal bei Gelegenheit anschauen sollte.
Letztes Jahr wurde sie dann als “Rockhead – Craft your Gravel Story” offiziell vorgestellt und nun habe ich es geschafft, mir diese Route mal persönlich anzuschauen und sie zu befahren.
Rockhead – das sind 330km und 4.900 Höhenmeter von der Sächsischen Schweiz entlang der deutsch-tschechischen Grenze rüber ins Zittauer Gebirge und dann in einem Bogen nördlich über Löbau und Schirgiswalde wieder Richtung Pirna an die Elbe.

Der Track ist in 7 Teilstücke unterteilt, die zwischen 30 und 65km lange sind. Und alle sind, bis auf den Track von Stolpen nach Wehlen, mit reichlich Höhenmetern gesegnet. Wer das Land hier etwas kennt, der weiß, dass es permanent steil nach oben und genauso steil wieder hinab geht. Rein von den Höhenmetern her ist das alles kein Thema, aber wie diese zusammenkommen, diese ständigen kurzen und steilen Anstiege, das macht es anstrengend und fordernd.
Tag 1: Von Turm zu Turm
Ich bin in Dittersbach auf der Lila-Etappe eingestiegen. Dort hatte ich einen Stellplatz für mein Auto gefunden und brach in den frühen, aber noch sehr kalten Morgenstunden des 1. Mai auf. Die Sonne heizte dann aber schnell auf und bereits in Wehlen an der Fähre war mir endgültig warm.

Die Route schlängelt sich hier auf der westlichen Elbseite in die Berge hoch, bevor sie wieder nach Bad Schandau an den Fluss zurückkehrt. Ich habe hier nicht erneut die Fähre genommen, sondern bin direkt über die Brücke gefahren.

Die grüne Etappe von Bad Schandau nach Sohland/Spree hatte es mit mehr als 1.000 Höhenmetern auch in sich. Entlang des deutsch-tschechischen Grenzverlaufs verlief die Route diesmal auch mehr auf Gravel- und Waldwegen nach Osten. Sie folgte alten Bahntrassen und Bergbauwegen nach Sebnitz, bevor der Track sich hoch zum Ungerberg schlängelte.

Überhaupt waren solche Aussichtspunkte mit Türmen ein fester Bestandteil der Rockhead Strecke. Immer wieder stand ein solcher Turm auf dem Plan, der nur nach Klettern und steilen Rampen zu erreichen war.
Aber die Aussicht (falls vorhanden) oder der Turm an sich waren es oft wert. Und meist war ich ganz allein oben.

Von Sohland ging es nun ganz tief in den Osten Sachsens. Der Track zog sich durch eine sehr schöne Naturlandschaft. Und überhaupt war ich von den guten Straßen, den sehr schönen Dörfern und kleinen Städtchen angetan. Den Menschen hier muss es richtig gut gehen, zumindest wenn man sich die viele neuen Häuser, vielen Autos, die gut ausgebaute Infrastruktur und liebevoll restaurierten Denkmale und Eigenheime anschaut.

In Großschönau machte ich eine Pause und fuhr dann in den Abendstunden zum wohl herausforderndsten Berg der gesamten Stecke: dem Hochwald und der Hochwaldbaude. Ich habe hier aus Zeitgründen die eigentliche Strecke kurzzeitig verlassen, um zwar mit mehr Höhenmetern, dafür aber schneller an den Hochwald zu kommen. Ich wollte nämlich noch vor Einbruch der Dunkelheit Zittau erreichen.

Und der Anstieg zum Hochwald war steil. Sehr steil. Ich habe einen Kilometer geschoben und wurde dann damit belohnt, völlig allein oben an der Baude zu stehen und ins Land zu schauen. Auf der rasanten, aber kurzen Abfahrt brachte ich dann meine Bremsscheiben zum Glühen. Auch weil ich noch unbedingt an den majestätischen Kelchsteinen halten wollte. Die waren sehr beeindruckend und hatten durch die Dämmerung etwas magisches.

Und ebenfalls erwähnenswert, da sehr beeindruckend: die Burg in Oybin, die sich auf einem riesigen Sandsteinfelsen inmitten des Tals erhob. Oben standen zwar nur noch Ruinen, aber die lassen die einstige Macht erahnen. Im letzten Tageslicht rollte ich dann auf den Campingplatz in Zittau.

Damit war der erste Tag Rockhead zu Ende. 206 km und 3.500 Höhenmeter sind es geworden. Die maximale Steigung war 22,3% und das war definitiv am Hochwald. Und ich habe an diesem Tag 750 mal geschaltet (1fach- nur hinten also). Das zeigt, wie oft es steil hoch und wieder runter ging.
Tag 2: Rapsfelder und Czorneboh
Nach einer milden Nacht brach ich wieder in der Morgendämmerung auf. Nach einem kurzen Frühstück wartete dann schon der Löbauer Berg. Wieder einer dieser Aussichtspunkte mit Turm.

Allerdings ist das ein besonderer, denn er ist ganz aus Eisen gefertigt und wirklich schön anzuschauen. Auch hier war ich wieder allein. Bevor man den Berg erklimmt, kommt man durch den Ort Herrnhut, der euch ja durch seine Sterne bekannt sein sollte. Beim Durchfahren erinnerte ich mich wieder an einen Ausflug zu DDR-Zeiten, wo ich hier schon mal war.

Nach dem Löbauer Berg ist vor dem Czorneboh. Dieser Berg ist 557m hoch und im Kern fährt man von Löbau nur bergauf, bevor man dann auf kurzen und steilen Rampen die letzten Meter zum – na klar – Aussichtsturm bezwingt.

Ich war auch hier relativ früh da, traf aber zum ersten Mal auf andere Bikepacker, welche oben saßen und die Morgensonne genossen.

Die blaue Etappe ist wie die grüne Etappe reich an Höhenmetern. Aber diese fuhren sich dann doch recht schnell ab, zumal die vielen Umgebindehäuser hier für reichlich Abwechslung sorgten.

Überhaupt finden sich sehr viele dieser traditionellen und historischen Häuser in der Oberlausitz. Nicht umsonst kreuzt der Rockhead Track immer wieder auch die Deutsche Fachwerk Straße.

Wenig später komme ich an die Spree, fahre durch unendliche Wiesen und Rapsfelder, und plötzlich erhebt sich am Horizont die Burg Stolpen. Von hier aus waren es nur noch 15km, bevor ich bei 30 Grad am späten Mittag wieder den Parkplatz meines Autos erreichte.

Und auch hier noch etwas Statistik: 117 km und 1.830 Höhenmeter waren es an diesem halben Tag. Die maximale Steigung war 23,3%, was vermutlich am Czorneboh war. Und ich habe an diesem Tag 512 mal geschaltet (1fach- nur hinten also). Und das war nur ein halber Tag, wenn man die 730 Schaltvorgänge von Tag 1 berücksichtigt, zeigt es auch, wie sehr es dann am zweiten Tag schon hoch und runter ging.
Rockhead rockt!
Ich habe mich sehr auf den Rockhead Track gefreut, und er hat mich nicht enttäuscht. Natürlich ist er keine reine Gravelstrecke und führt immer wieder auch auf Asphaltstraßen entlang. Diese sind aber ausgesprochen gut. Aber das fand ich nicht schlimm, denn so mancher Anstieg war dadurch etwas erträglicher.

Wer hier eine Orbit360 ähnliche Herausforderung mit viel Schotter erwartet, den muss ich also enttäuschen. Aber von der Belastung her ist der Rockhead nicht zu verachten. Und man kann ihn auch an einem Tag fahren.

Rockhead schafft es sehr gut, einem einen großartigen Eindruck von dieser Gegend am östlichen Ende unseres Landes zu geben. Ich war von der reichen Natur, den schönen Wäldern und den alten Städtchen und Dörfern beeindruckt. Da liefert der Track und man darf natürlich nicht vergessen, dass der Rockhead genau dafür gebaut worden ist: das Land und die Leute kennen zu lernen. Den ein oder anderen Schlenker, vor allem innerhalb von Ortschaften, könnte man noch rausnehmen. Aber das ist Geschmackssache.

Die fahr-technischen Anforderungen an den Track sind sehr gering. Da gibt es kaum Herausforderungen. Ein Gravelbike macht aber Sinn, ein Mountainbike wäre zu viel des guten. Im Kern kann man das auch mit einem Trekkingbike fahren, wer das Mehrgewicht in Kauf nehmen möchte.

Wer also halbwegs fit ist (sonst ist es nur anstrengend), sollte sich den Rockhead mal anschauen. Man muss nicht gleich alles fahren und kann sich eine Etappe rauspicken. Aus meiner Sicht sind um die 100km am Tag ideal, um da gemütlich-sportlich durchs Land zu fahren.

Für mich war der Rockhead ein wichtiger Baustein in meinem Trainingsplan und in Vorbereitung auf meinen Sommer. Ich habe ihn genutzt, um die aktuelle Fitness zu checken und auch ein paar Anpassungen vorzunehmen. So habe ich mich bewusst zurückgehalten und bin langsamer gefahren als sonst. Zudem habe ich am ersten Tag noch 30min Power-Nap gemacht, weil ich mal sehen wollte, wie es sich auf den Körper auswirkt (gut). Und auch meine Pausen- & Versorgungsstrategie angepasst und mehr auf Entspannung gesetzt (was gut so ist).

Auch bei der Ausrüstung habe ich noch experimentiert und beispielsweise mein Big Agnes Fly Creek Zelt im Trail Mode mitgenommen: nur Außenzelt und Ground Sheet. Da bin ich mir aber nicht sicher, ob ich das noch mal mache. Es war an sich ok, sollte als eine Alternative zum Biwaksack sein, aber ich bin nachts auf dem Ground Sheet mit meiner Matte immer herumgerutscht und lag dann immer an der Zeltwand. Dadurch wurde mein Schlafsack nass, da die Zeltwand natürlich Kondens hatte. Ich fahre dann lieber mit Innenzelt und nehme dann das Kilo Zeltgewicht in Kauf.

Apropos Übernachten: entlang der Route gibt es relativ viele Hütten, aber man findet sehr viele Gasthäuser, Campingplätze oder Ferienwohnungen entlang der Strecke. Wer mag, braucht also nicht mit voller Ausrüstung unterwegs zu sein, sondern kann mit leichtem Gepäck und festen Unterkünften arbeiten.

Hallo Martin,
welches Befestigungssystem benutzt Du für die Halter an der Federgabel?
Vielen Dank für eine Info.
Gruß Walter
Hallo Walter,
Das sind Halter von Ortlieb. Die heißen O Straps Bottle Cage Mount.
Viele Grüße
Martin