Schaut man sich in der Vorbereitung auf dieses Selbstversorgerrennen die Filme der letzten Tuscany Trails an, kann man den Eindruck bekommen, dass es meist nur über die sogenannten White Roads (Schotterpisten) durch die traumhaft-schöne Landschaft geht und man gemütlich durch die Toskana rollt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, wenn nicht sogar nur ein Drittel.

Video des Tuscany Trail Teams 2018:

Tatsächlich ist der Toskana Trail eine Tour, die körperlich sehr herausfordernd ist und sehr geschickt anspruchsvolle MTB-Trails und technische Abfahrten mit steilen Weinbergpassagen, Gravelpisten, Waldwegen und normalen Straßen mischt. Und bei über 9.000 Höhenmetern geht es vor allem immer nach oben. Ein Blick auf das Gesamtprofil des Tuscany Trails zeigt das deutlich.

Tuscany Trail 2018
Das Höhenprofil des Trails 2018

Selbst jetzt, ein paar Tage nachdem ich ins Ziel gekommen bin, spüre ich noch die Anstrengungen des wilden Ritts durch die Toskana. Am Ende waren es 570 km und über 9.200 Höhenmeter, auf denen der Tuscany Trail Mensch und Material gefordert hat. 4,5 Tage habe ich dafür gebraucht – eine gute Geschwindigkeit, wenn man einerseits leistungsorientiert fahren möchte und andererseits auch noch was von Land und Leuten haben will.

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Irgendwo auf dem Trail in der Toskana

Auf dem Tuscany Trail durchfährt man eine einzigartige Landschaft mit verwunschenen Wäldern, historischen Städten und Dörfern, endlosen Weinbergen und einsamen Straßen und verbindet dies mit der sportlichen Herausforderung gegen sich selbst.

 

Tag 1 – Euphorie

Ein Selbstversorgerrennen ist am Anfang immer auch ein großes Happening und Klassentreffen Gleichgesinnter. So viele schöne Räder auf einem Haufen sah man selten, und überall wurde sich über Ausrüstung und Erfahrungen ausgetauscht.

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Die Nacht vor dem Start wird im Stadion geschlafen

Nach einer Nacht im Stadion in Massa rollte der Tross ein paar Kilometer weiter zum Startpunkt des Tuscany Trail auf dem Markt der kleinen Stadt am Meer. Auf dem Weg dahin schlossen sich immer mehr Mitfahrer an. Bald war der kleine Platz voller Räder und Fahrer mit ihren bunten Trikots.

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Vor dem Start im Zentrum von Massa

Eine euphorische Stimmung machte sich breit, die auch die kleine Gruppe um Jody, Alexander und mich ergriff. Jody kommt aus Livorno, nahe Massa, und wir kennen uns, seitdem wir im letzten Jahr durch Patagonien gefahren sind. Er hatte mich auf die Idee des Tuscany Trails gebracht und in die Toskana eingeladen. Alexander kannte ich vorher von einem Treffen auf der Eurobike, und er hatte mich freundlicherweise vom Flughafen in Pisa abgeholt.

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Die Drei vom Trail: später schließt sich auch noch Tobi uns an

Und dann ging es endlich los: Nach einer kurzen Ansprache des Organisators rollten die ersten Fahrer durch die engen Gassen hinaus in Richtung Berge. An hohe Geschwindigkeiten war nicht zu denken, wenn über 700 Fahrer gleichzeitig losfahren. Vorneweg die Ultra-Fahrer, die auf Zeit den Trail bewältigen wollten. Der erste kam übrigens nach nur 34 Stunden ins Ziel. Für uns ging es aber gemütlich auf die ersten Kilometer. Das Navi brauchte man noch nicht, denn es reichte, einfach den Vorausfahrenden zu folgen.

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Langsam setzt sich der Tross in Bewegung

Nach 20 Kilometern begann dann der erste Anstieg hoch nach Pedona. Von Meereshöhe auf gut 320m Höhe innerhalb von 5 Kilometern. Damit hatten wir einen ersten Eindruck davon bekommen, was der Tuscany Trail mit seinen Höhenmetern meint: steile Anstiege und viele Höhenmeter auf relativ kurzer Strecke. Anfangs kamen wir gut bergan, da die Straße auch noch gut war. Aber spätestens beim zweiten Anstieg innerhalb von 15km hoch nach Montignano war es mit den guten Wegen vorbei, und es ging auf Waldwegen und MTB-Pisten bergan.

Die erste Pause des Tages machten wir nach 55 km in Lucca, wollten aber schnell weiter, da unser Tagesziel bei Florenz lag. Und davor kam noch eine ordentliche Wand von 400 Höhenmetern auf 6 km Länge. Der Anstieg begann in Vinci, und nachdem wir uns über Schotter und Steine hochgearbeitet hatten, gab es eine Pause mit kalter Wasserdusche am Geburtshaus von Leonardo da Vinci.

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Am Geburtshaus von Leonardo da Vinci

Mittlerweile brannte die Sonne gnadenlos auf uns herunter und bei Temperaturen von mehr als 30 Grad war das Fahren am Berg eine echte Tortur. Der Trail führte nun steil durch die Weinberge um Vinci bergan, aber Euphorie und Kraft waren noch reichlich vorhanden und halfen beim Aufstieg. Mittlerweile hatten sich kleine Gruppen an Fahrern mit ähnlicher Geschwindigkeit gebildet. Und so bewältigten wir zusammen mit ein paar Italienern die Steigungen und fuhren anschließend hinab nach Signa.

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Durch Weinberge nach oben

Von hier aus waren es nur noch 15 km bis nach Florenz, aber wir wollten es nicht am ersten Tag übertreiben. 120 km und um die 1.900 Höhenmeter standen bereits auf der Uhr. Also beschlossen wir auf einen nahegelegenen Campingplatz zu übernachten, um dann am nächsten Morgen zum Frühstück in Florenz zu sein.

 

 

Tag 2 – Leiden

Von Florenz über Sambuca nach San Gimignano und Siena – was nach einem Toskana-Traum aus dem Reiseführer klingt, war die härteste Bergetappe, die ich (vermutlich) je gefahren bin. Rollte es sich am Morgen noch gut bis Florenz, begannen danach die ersten Anstiege in Richtung Sambuca. 1.310 Höhenmeter auf 51 km waren eine Ansage an die Waden.

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In Florenz

Ich kam ganz gut hoch, aber merkte schon deutlich, dass ich zu wenige Höhenmeter trainiert hatte. Immer wieder folgten steile Anstiege auf kurze Abfahrten – teilweise auf herausforderndem Untergrund. Zudem hatte der Tag zuvor seine Spuren hinterlassen und die Muskeln schmerzten. Hinzu kam wieder das schöne, aber sehr heiße Wetter. Glücklicherweise war es um die Wasserversorgung gut bestellt und an vielen Ecken der Strecke gab es Brunnen.

An einem dieser Wasserstationen trafen wir Tobi, der sich unserer kleinen Gruppe anschloss und bis zum Ende mit uns fahren sollte.

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Jody und Tobi in der Toskana

Mittlerweile zeigten sich schon erste Spuren des Tuscany Trails am Rad: Staub und Dreck hatten sich am Rad festgesetzt und erhöhten die Abnutzung der Bremsen. Diese wurde bei den durchaus technisch anspruchsvollen und steilen Abfahrten stark genutzt. Einmal meinte ich sogar gar keine Bremsleistung mehr zu haben, was aber nur an zu heißen Bremsscheiben lag. Nach etwas Abkühlung ging es dann wieder.

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Oft geht es auf MTB-Trails hoch und runter

Allerdings war der Kraftaufwand bei den Abfahrten so hoch, dass ich Probleme hatte, genügend Kraft dauerhaft auf die Bremshebel zu bringen. Die Hände verkrampften dann schnell und rutschten zudem durch den allgegenwärtigen Schweiß. Apropos: Durch die Anstrengungen tropfte der Schweiß wie aus einem Wasserhahn auf meine Taschen und brannte in meinen Augen, bis keine Tränenflüssigkeit mehr da war.

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Steil bergab war auch nicht immer einfach zu fahren

Nach einer Pause bei Sambuca hatten wir wieder genug Kraft gesammelt, um den letzten Abschnitt des Tages zu meistern: 766 Höhenmeter auf 31 km bis nach San Gimignano. Zuerst ging es hoch hinauf nach Tavarnelle Val Di Pesa, dann hinunter nach Ulignano, um dann erneut hoch nach San Gimignano anzusteigen.

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Blick auf die Geschlechtertürme in San Gimignano

Die letzten Höhenmeter fuhren wir am Abend in einer größeren Gruppe, wo wir trotz der Steigung viel quatschten und auf einmal auf dem Marktplatz dieser durch die berühmten Geschlechtertürme geprägten mittelalterlichen Stadt standen. Total verdreckt, verschwitzt und mit schmerzenden Muskeln genossen wir den Triumph über die Berge und vermutlich anstrengendste Etappe des Tuscany Trails.

 

Exkurs: Tuscany Trail Bikes

Ein Selbstversorgerrennen wie der Toskana Trail stellt viele Fahrer auch vor die Fragen, welches Rad man am besten dafür nimmt und welche Ausrüstung?

Ich habe lange während der Fahrt darüber nachgedacht und habe mit Mitfahrern gesprochen. Aus meiner Sicht ist das „ideale“ Tuscany Trail Bike ein 29 Zoll Hardtail mit Federgabel und Reifen zwischen 2,2 und 2,4 Zoll Breite. Es hat einen Starrlenker und Scheibenbremsen und fährt mit einer großen MTB-Übersetzung entweder 1×12 oder 2×10.

Das ist natürlich idealtypisch und am Ende ist das richtige Rad immer das, was man fährt. So gab es auf dem Trail eBikes, Tandem, Crosser und auch Reiseräder. Aus eigener Beobachtung kann ich sagen, dass die Räder mit Pannen meist die Crosser waren. Also Fahrräder mit schmalen Reifen auf 700cc/28 Zoll.

Bei den Bikepacking-Taschen gab es eine deutliche Dominanz von Ortliebtaschen, gefolgt von Apidura, vereinzelt Revelate Designs, Specialized und etwas MissGrape.

Damit ihr euch aber ein eigenes Bild machen könnt, habe ich hier ein paar Räder für euch, mit denen der Tuscany Trail gefahren wurde:

 

Tag 3 – Auferstehung

Ein doppelter Espresso und ein Croissant inmitten der leeren Gassen San Gimignanos lassen den neuen Tag gut beginnen. War ich gestern noch komplett zerstört, so sind heute meine Beine gut und ich fühle mich fit. Genau richtig, um gleich zum Frühstück 770 Höhenmeter auf den kommenden 47 km nach Siena in Angriff zu nehmen.

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Guten Morgen aus der Toskana

Highlight dieser Etappe war ganz klar Monteriggionii, ein sehr altes, sehr kleines Örtchen auf der Spitze eines Berges, umgeben von hohen Mauern. Und natürlich ging es nicht über Serpentinen nach oben, sondern der Trail führte auf direktem Wege über einen Schotterpfad mit um die 20% Steigung hoch in die Stadt. Da half nur noch Schieben.

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Wer sein Rad liebt, der…

Oben angekommen versuchten wir unseren Hunger mit Focaccia zu bekämpfen, welches aber sehr trocken war. Also schwangen wir uns schnell wieder aufs Rad und kletterten die letzten Kilometer nach Siena. Diese unglaublich schöne Stadt begrüßte uns aber mit Millionen von Touristen, durch die wir uns in der Innenstadt schlängeln mussten.

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Siena!

Am Piazza del Campo rasteten wir kurz und entschlossen uns dann doch durchzufahren und unsere Pause zu verschieben. Zu groß war das Gewimmel der Menschen. Schade eigentlich, aber die „Profis“ des Tuscany Trail versuchen die Städte wie Florenz oder Siena daher auch nachts zu durchfahren. Dann allerdings sieht man nichts von ihrer Pracht.

Der Tuscany Trail verlief hier durch eine der wohl schönsten Landschaften der Toskana: Zypressen, Weinberge, einsame Gehöfte im mediterranen Ocker und dazwischen die weißen Schotterwege. Besonders um Montalcino herum kam ich kaum zum Fahren und fotografierte viel. Zu schön war das Land hier, um einfach nur durchzufahren.

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Toskana deluxe

Bei Radi folgten wir der berühmten L´Eroica, der legendären Rennrad-Strecke, auf der jedes Jahr viele Radsportenthusiasten ihre Oldtimer-Rennräder ausfahren.

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Auf der L´Eroica

Es rollte immer besser und die Strapazen des letzten Tages waren vergessen. In Buonconvento ging es uns dann so gut, dass wir kurzerhand Pienza als Tagesziel festlegten. Aber das bedeutete Schwerstarbeit in glühender Hitze: auf nur 33 km mussten wir 800 Höhenmeter bewältigen. Und das zog sich hin. Erst am späten Nachmittag erreichten wir San Quirico D´Orciai, wo wir aber nur kurz verschnauften und Wasser fassten. Es waren zwar nur noch 13 km bis Pienza, aber etliche Höhenmeter lagen noch dazwischen.

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Und dann dieser Blick…

Damit man das besser einordnen kann: unsere Durchschnittsgeschwindigkeit lag in Fahrt bei 14,7 km/h, insgesamt mit Standzeit bei 9,4 km/h. Beim normalen Radreisen auf Straßen liegt mein Schnitt bei 18 bis 20 km/h. Das zeigt, wie bergig und eher schwierig der Tuscany Trail zu befahren war. Und 15 km können dann durchaus ein bis zwei Stunden Fahrzeit bedeuten.

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Nachlager bei Pienza

Gegen Abend kamen wir dann erschöpft, glücklich und hungrig in Pienza an. Leider gab es keinen Campingplatz in der Nähe, weshalb wir nach einem ausgiebigen Abendbrot in einer Pizzeria hinter die Stadt fuhren und dort auf einem Feld unsere Zelte aufschlugen. Tobi schlief im Biwaksack, weshalb er die Nacht mit vielen Mücken kämpfen musste und uns dann schließlich am nächsten Morgen schon 5.30 Uhr genervt aus den Schlafsäcken holte, um endlich weiter zu fahren.

 

 

Tag 4 – Genießen

Diesmal machten wir es richtig und fuhren gleich erstmal ohne Frühstück los. So liebe ich es ja, denn meist hatte ich eh keinen Hunger und zudem hat man so zum Frühstück schon was geschafft, bevor man sich mit vollem Magen auf dem Trail rumquält.

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Erstmal los ohne Frühstück

34 km mit 700 Höhenmetern, nahezu gleichmäßig auf einer Rampe hoch nach Radicofani verteilt. Doch bevor es richtig losging, mussten wir erstmal durch zwei Flüsse furten. Das klappte problemlos und so wurden wenigstens die Räder mal etwas sauber. Sofort aber legte sich der Staub der Toskana wieder über die nassen Räder.

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Fursten am Morgen

Der Morgen war bedeckt, was das Radeln recht angenehm machte. In der Ferne sah man schon den Berg, auf dem sich der kleine Ort Radicofani befand. Dieser liegt auf 800 m Höhe und bildete damit auch den höchsten Punkt des Toskana Trails.

Bis 5 km vor dem Ort war die Steigung moderat, um dann steil anzusteigen und noch mal alles dem Radler abzuverlangen. Zur Belohnung gab es aber einige Cappuccini mit Gebäck und genug Energie für die nächsten Kilometer.

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Frühstück!

 

Das 53 km entfernte Pitigliano sollte unser Tagesziel sein: eine herrliche alte Stadt, die auf eine etruskische Gründung zurückgeht, ebenfalls auf einem Berg gelegen, inmitten einer waldigen Gebirgslandschaft.

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Blick auf Pitigliano

Überraschenderweise verzichteten die Organisatoren des Tuscany Trails bis dahin weitestgehend auf Trails und Gravelpisten und ließen uns auf Asphalt ordentlich ballern. Kurz vorher ging es aber dann doch noch mal zur Sache und wir erklommen die Stadt über steile steinige Wege und eine nahezu endlose Treppe.

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Hoch geht es!

Als Belohnung gab es aber ein ausgiebiges Mittagessen und mit der wiederkehrenden Energie entstand auch der Plan, es heute doch noch bis an die Küste, nach Albinia zu schaffen. 1.500 Höhenmeter hatten wir bis dahin schon in den Beinen und weitere 630 auf 56 km lagen vor uns. Im Prinzip sollte es eigentlich nur noch bergab ans Meer gehen, aber dazwischen gab es doch noch ein paar steile Mauern, die es zu überwinden galt.

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Wunderbare Landschaften

Nach 8 km ging es auf Schotterpisten in die erste Wand: 230 Höhenmeter auf 4 km Strecke, gefolgt von drei weiteren Herausforderungen. Nach 25 km hatten wir es aber geschafft und das schlimmste hinter uns. Nun stand dem Rollen an den Strand nichts mehr im Weg. Nur der Wind, der sehr stark aus Richtung des Meeres blies. Also versuchten wir es mit belgischem Kreisel, der nach nur einer Umdrehung in sich zusammenbrach, da wir die gute Straße verlassen mussten und entlang eines Flusses und über steinige Pisten der Abendsonne entgegen kämpfen mussten.

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Richtung Meer auf sandigen Pisten

Eine landschaftlich schöne, aber psychologisch herausfordernde Passage folgte dann am Schluss: durch ein kilometerlanges tiefes Grasland rollten wir wie in Trance nach Westen. Und mit den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir Albinia und mit fast 150 km das Ende der bislang längsten Tagesetappe des Trails.

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Grasland ohne Ende

Belohnt wurden wir mit dem besten Tintenfischsalat und Spaghetti Carbonara, die ich je gegessen habe, serviert vom kleinen und unscheinbaren Restaurant auf einem dieser unglaublich großen und unpersönlichen Zeltplätze an der italienischen Küste.

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Tagesziel geschafft!

Leider erreichte uns an diesem Abend auch die Nachricht vom Tode des Mitfahrers Fabio Siess. Er hatte eine in 20 cm Höhe befindliche Eisenkette übersehen und sich beim Sturz so schwer verletzt, dass er wenig später im Krankenhaus verstarb.

 

Tag 5 – Feiern

5.30 Uhr klingelte der Wecker. Heute sollte also der letzte Tag dieser einzigartigen Tour und Tortur sein. Nur noch 59 km lagen vor uns. Und eine Wand, namens Monte Argentario. Diese fast 400 m hohe Felseninsel erhob sich direkt vor der Küste bei Orbetello und war die letzte Hürde zwischen uns und dem Ziel.

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Von Meereshöhe ab nach oben…

Insgesamt 1.000 Höhenmeter mussten überwunden werden und das bei bestem und heißem Wetter. Körperlich und moralisch waren wir gut gerüstet, denn nach bereits mehr als 8.000 gemeisterten Höhenmetern konnte uns nichts mehr schrecken. Zudem war jeder Meter noch mal ein echter Genuss, denn wir wussten, auch wenn es anstrengend ist, es kommt so schnell nicht wieder.

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Und so schraubten wir uns schwitzend, fluchend, keuchend und lächelnd den Berg immer höher und höher. Nach jedem kleinen Pass folgten Abfahrten, die durch das Geröll und die Steilheit sehr gefährlich zu befahren waren. Bei der ersten Abfahrt schob ich daher das Rad runter, anstatt die Passage zu fahren. So kurz vor dem Ziel wollte ich keinen Sturz riskieren.

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Die Landschaft entschädigt für die Anstrengungen

Fast zwei Stunden lang folgten wir dem Hoch und Runter auf dem Monte Argentario, unterbrochen durch kurze Verschnaufpausen mit wunderbarem Blick auf das Meer und die Küste. Und irgendwann war es dann geschafft und wir rauschten hinunter in den dichten Zedernwald zwischen Poggio Pertuso und Ansedonia.

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Im Zauber-Zedern-Wald

Nur noch 15, 10, 5 km. Landschaftlich war es hier nicht mehr reizvoll, eher funktional. Noch ein letztes Mal einen Schlenker hoch ins Hinterland, noch ein letztes Mal entlang der Küste auf schwarzem Sand und dann war es soweit und wir rollten zu viert über die Ziellinie in Capalbio. Es war 11:20 Uhr und es war ein erhebendes Gefühl, endlich da zu sein, den Trail mit seinen 548 km und 9.291 Höhenmetern bezwungen zu haben.

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Im Ziel!

Stolz stießen wir auf das Erreichte an und ich fand es sehr motivierend, inspirierend und hilfreich, zusammen mit Jody, Alexander und Tobias fahren zu können.

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Danke Jungs!

Der Tuscany Trail war ein echtes Abenteuer und endlich wurden mal wieder Martin, Maschine und Ausrüstung gefordert. Ich habe es genossen, dass ich ab und zu an die Grenzen gehen musste. Platz 261 von über 760 Teilnehmern ist nicht schlecht, auch wenn es nicht um Platzierungen geht. Für mich ist es ein Zeichen, dass ich es noch kann.

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Eintragen in die Ankunftsliste

Die Strecke war anspruchsvoller als gedacht, weshalb ich mit 4,5 Tagen etwas mehr gebraucht habe, als gedacht. Mit dem jetzigen Wissen und Erfahrungen aber würde ich es das nächste Mal dann doch etwas schneller fahren können. Aber das muss man ja nicht, schließlich soll es hier auch immer noch um den Genuss gehen, den richtigen Ausgleich zwischen Leistung und Erlebnis. Und für mich war es das absolut.

 

Erfahrungen

Und ich habe viel übers Bikepacking und die richtige Ausrüstung gelernt. Grundsätzlich würde ich nichts anders machen: mein Fahrrad hat ohne eine Panne durchgehalten. Ich würde allerdings bei einem nächsten Mal die Übersetzung ändern.

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Das Bombtrack Beyond hat sich echt bewährt

Derzeit fahre ich vorne 39/26 und hinten 11fach 11-36. Das wurde an den steilen Steigungen dann doch ab und zu etwas eng, weshalb ich hinten dann auf 42 Zähne hochrüsten und vorne auf 36/24 oder 22 gehen würde. Das verschafft etwas Luft bei diesen Beanspruchungen.

Der Tuscany Trail hat seine Spuren hinterlassen…

In jedem Fall werde ich das nächste Mal Flip-Flops mitnehmen. Diese habe ich sehr vermisst, gerade wenn man nach einem anstrengenden Tag den Füßen Entspannung bieten möchte.

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Mein Cockpit

Die Taschen von Ortlieb haben ohne Probleme mitgemacht. Selbst die Cockpit Tasche habe ich nach einem Tipp von Ortlieb halbwegs fest fixiert bekommen, indem ich den Klettverschluss der Toptube Rahmentasche mitgenutzt habe. Nur der Abstandhalter bei der Frontrolle zum Rahmen rutschte immer wieder raus, da er nur über einen einseitigen Riemenschlitz verfügt.

Dass wasserdichte Taschen immer wichtig und richtig sind, hat sich mir auch erschlossen, als ich feststellte, welche Schweißmengen von mir auf die Cockpit- und Lenkertasche geflossen sind.

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Alle Daten auf einen Blick

 

5 Tipps für den Tuscany Trail

 

Höhenmeter trainieren

Als Flachlandtiroler hatte ich natürlich hier Nachteile, aber in Vorbereitung auf einen solchen Event sollte man schon einige Höhenmeter trainiert haben. Es geht sofort in die Berge und da sind entsprechende Muskelkraft und Ausdauer gefragt. Das hilft jeder Höhenmeter, den man vorher schon gefahren ist.

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White Roads in der Toskana

 

Fahrtechnik verbessern

Ich war überrascht, welche technischen Fähigkeiten beim Trail abverlangt wurden. Das waren zum einen die MTB-Trails und Abfahrten, aber auch die breiten und mit losem Schotter bedeckten Pisten, die beim Radler technisches Fahrkönnen und das absolute Beherrschen des Rades voraussetzen. Hier hilft es also, sich vorher auch damit zu beschäftigen und ggf. ein paar Übungen zu machen.

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Ab und zu auch mal tragen – der Trail ist durchaus technisch fordernd

 

Wasserversorgung

Diese war auf dem Trail sehr gut, denn fast überall gab es kleine Brunnen und Trinkwasserstationen. Ich bin mit drei Wasserflaschen gefahren und war damit ausreichend versorgt. Zwei Mal gab es längere Passagen ohne Wasserversorgung, wo dann die Vorräte gut waren.

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Wasser gab es oft und regelmäßig

 

Zelt oder Biwak

Grundsätzlich ist es jedem selbst überlassen, wie und ob er auf dem Trail nächtigt. Einige gehen in Hotels, ich habe gezeltet und andere benutzen einen Biwaksack. Allerdings war die Mückendichte schon recht hoch, weshalb ich dankbar war, das Zelt dabei zu haben. Auch wenn es mit 1,9 kg etwas schwerer als ein Biwaksack war. Zudem hatten wir Glück mit dem Wetter und bis auf einmal keinen Regen.

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In den Wäldern und Feldern der Toskana gibt es genug Plätze zum campieren

 

Essen gleich 2mal

Doch, auch ich esse auf einer Radtour und ganz besonders auf dem Tuscany Trail war es wichtig, seinen Körper immer gut zu versorgen, damit er den Leistungen auch entsprechen konnte. Allerdings stellten wir oft fest, dass die angebotenen Portionen zu klein waren, weshalb wir meist gleich das Doppelte orderten – und natürlich auch bezahlen mussten. Daher solltet ihr das bei der finanziellen Planung des Tuscany Trail entsprechend beachten.

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Öl, Brot und Salz – manchmal kann lecker auch so einfach sein

Abschlussfilm vom Tuscany Trail Team 2018: