Eine erste Bilanz: 1.000 km mit den Schwalbe Marathon GT 365 Allwetterreifen

Der Schwalbe Marathon GT 365 - eine erste Bilanz nach 1.000 km

Es ist der erste Allwetterreifen für Fahrräder: der Schwalbe Marathon GT 365. Beworben wird er mit dem Slogan „1 Reifen, 4 Jahreszeiten, 365 Tage kein Reifenwechsel nötig“.

Das ist mal eine Ansage und da ich ihn ohnehin ausprobieren wollte, habe ich mir kurzerhand einen Satz gekauft und aufgezogen. Der Preis pro Reifen liegt derzeit bei ca. 25-30 Euro.

 

THEORIE

Besonders bei Nässe und Glätte soll der Schwalbe Ganzjahresreifen seine Stärken ausspielen. Dafür hat er ein pfeilförmiges Lamellen-Profil, das sich stärker mit dem Untergrund verbinden und somit eine höhere Laufsicherheit bieten soll. An den Seiten befinden sich Seitenstollen, die den Reifen entsprechend in Kurven stützen und Traktion geben. Zum Einsatz kommt hier eine neue Gummimischung namens „Four Seasons Compound“.

Die DualGuard Pannenschutztechnik
© www.schwalbe.com / pd-f.de

Laut Schwalbe verfügt der GT 365 über die DualGuard Pannenschutztechnik. Hinter dieser Bezeichnung verstecken sich zwei Schutzschichten aus 2,5 mm starken Spezialkautschuk und Nylongewebe unter der Lauffläche. Das verschafft dem GT 365 die Schwalbe Schutzklasse 6 von 7. Pannen sollten damit also kaum vorkommen.

Bislang – aber dafür sind 1.000 km noch nicht genug – kann ich das bestätigen und hatte keine Platten. Ich bin sogar auf meinem Weg durch den Hamburger Hafen extra mehrmals durch die dort unvermeidlichen Scherbenhaufen gefahren. Hält bislang, auch wenn die Lamellen einzelne Glasteile kurzzeitig mitziehen, die dann aber wieder rausgefahren werden.

Die Lamellen des GT 365 ziehen Steine und Scherben mit. Bislang ohne Folgen.

Ich habe den Schwalbe als Drahtreifen in der Größe 50-559 (26 x 2.00) gekauft. Das Aufziehen klappte ganz gut, wenn auch etwas schwerer als bei meinen sonstigen Reifen. Einmal installiert sitzt der GT 365 aber fest und macht auch schon ohne Luft eine gute und widerstandsfähige Figur. Allerdings ist er auch ein echtes Schwergewicht: mit 990g pro Reifen liegt also das Gesamtgewicht bei fast 2kg.

Mit 990g in der 50er Breite ein echtes Schwergewicht © www.schwalbe.com / pd-f.de

Zum Vergleich: der Marathon Mondial gleicher Größe kommt auf 740g in der Faltversion, der neue Marathon GT Tour wiegt 995g.

Die Gesamtlast pro Reifen liegt bei 118 kg und laut Schwalbe kann er zwischen 2 und 5 Bar Luftdruck vertragen.

 

PRAXIS

Nach dem die Reifen aufgezogen waren, fuhr ich los, aber hatte den Eindruck gar nicht voranzukommen. Die GT 365 laufen unglaublich schwer auf Asphalt. Zuerst dachte ich, dass ich einfach durch die Continental Travel Contact Reifen einfach zu verwöhnt bin, was Leichtläufigkeit angeht. Dann vermutete ich zu geringen Reifendruck, was aber auch nicht der Fall war. Im Gegensatz zur Angabe von Schwalbe finde ich, dass der GT 365 mindestens 3,5 bis 4 Bar braucht. Mit weniger Druck habe ich ein eher schwammiges Gefühl beim Fahren (ich fahre eine Ryde Sputnik Felge mit 19mm Maulbreite).

Laufen recht schwer in der Praxis: die Marathon GT 365

Es ist das Lamellen-Profil, das den GT 365 sehr schwerfällig laufen lässt. Dadurch habe ich das Gefühl, immer noch extra Kraft aufwenden zu müssen, damit ich wie gewohnt vorankomme. Selbst die Schwalbe Mondial laufen im Vergleich leichter auf der Straße. Zudem verursachen die GT 365 Reifen leichte Rollgeräusche, die einem eMotor ähneln. Das stört aber nicht wirklich.

Auf leichten Schotterwegen machen die GT 365 einen guten Job, wird es etwas rauer, dann verlieren sie an Traktion und rutschen ab oder springen trotz der Seitenstollen. Daher sind aus meiner Sicht die Reifen nicht wirklich Offroad tauglich und nur was für die Straße oder moderate Wald- und Parkwege. (Hinweis: die Kollegen von Radtouren Magazin geben dem GT 365 gute Noten für die Offroad Fähigkeit, bei entsprechend geringerem Reifendruck.)

Für leichte Schotterwege geeignet: die Seitenstollen geben etwas Traktion.

Mich stört das aber in der Stadt nicht wirklich, sind sie doch durch ihr Gewicht, ihre Schwerfälligkeit und hohen Rollwiderstand die idealen Trainingsreifen. 😉 Mittlerweile habe ich mich an den zusätzlichen Fahrwiderstand gewöhnt, aber ich merke ihn dennoch ab und zu in den Beinen.

Wo der Schwalbe Marathon GT 365 aber überzeugt, ist bei Nässe und leichten Raureif. Dieser Sommer und der jetzige Herbst sind dafür natürlich ideale Testumgebungen.

Jetzt sind ideale Testbedingungen für den GT 365

Nach anfänglicher Vorsicht bin ich angenehm überrascht, wie sicher und gut der GT 365 mit diesen schwierigen Bedingungen klarkommt. Selbst in Kurven gibt es genügend Sicherheit, trotz nassem Laub oder Sand auf der Straße. Das gefällt mir richtig gut, weshalb ich definitiv diesen Mantel gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit fahren werde.

 

FAZIT

Der GT 365 ist ein Reifen für die Stadt und vielleicht die ein oder andere kleine Tour auf befestigten Wegen. Wem das hohe Gewicht nichts ausmacht, der bekommt dafür einen widerstandsfähigen und besonders bei herbstlich/winterlichen Witterungen sicheren Reifen. Auf Schotter finde ich ihn nicht ideal.

© www.schwalbe.com / pd-f.de

Im Gegenzug muss man natürlich den hohen Rollwiderstand akzeptieren, an den man sich aber schnell gewöhnt. Preislich ist der Schwalbe Marathon GT 365 günstig. Teilweise bekommt man für 50 Euro schon ein komplettes Set.

Die Kollegen vom Radtouren Magazin haben vor einem Jahr den GT 365 ebenfalls einem kurzen Test unterzogen und haben teilweise gegensätzliche Erfahrungen gemacht. So ein Reifen ist halt trotz aller offensichtlichen Technik immer auch eine persönliche Sache.

Läuft bei mir jetzt auf jedem Fall bis zum nächsten Sommer: der Schwalbe Marathon GT 365 Ganzjahresreifen

Der Schwalbe Marathon GT 365 Allwetterreifen ist in folgenden Größen erhältlich:

  • 40-406 (20 x 1.50)
  • 50-559 (26 x 2.00)
  • 37-622 (28 x 1.40, 700x35C)
  • 40-622 (28 x 1.50, 700x38C)
  • 47-622 (28 x 1.75)
  • 50-622 (28 x 2.00)

Habt ihr Fragen zum Marathon GT 365? Dann her damit!

10 Comments

  • bikingtom sagt:

    Jeder hat ja so seine persönliche Durchschnittsgeschwindigkeit. Kannst du per se sagen wieviel km/h du bei gefühlter gleicher Kraftanstrengung langsamer bist? Wenn man das überhaupt so sagen kann!

    • Hallo Thomas,

      ja, ich würde sagen zwischen 2-3 km/h schon.
      Aber ist wie gesagt Gefühl. Vorgestern bin ich mit meinem anderen Rad gefahren, das Tour Plus drauf hat und da war es wie fliegen 😉

      Viele Grüße,
      martin

  • bikingtom sagt:

    Das ist schon eine ganze Menge wie ich finde. Sehr interessant. Auch wenn‘s „nur“ gefühlt ist, dieser Reifen käme so dann nicht mehr für mich in Frage! Danke für den aufschlussreichen Artikel!

  • nico sagt:

    Hey Martin!
    Danke für den Überblick über den Ganzjahresreifen. Jetzt weiß ich immerhin, dass es diesen gibt! 🙂 Wie Du schon richtig geschrieben hast spiegelt diese Bilanz Deinen persönlichen Eindruck wider.
    Gerade bei rutschigem Untergrund fällt ja sehr stark das Fahrkönnen des Pedaleurs ins Gewicht. Es soll ja auch Leute geben die über beide Reifen driften können (sehe Sam Hill). 😉 Daher sehe ich Reifentests im Fahrradbereich eher kritisch. Ein objektiver Vergleich ist nur auf einem Prüfstand möglich. Für uns Ottonormalradler jedoch unnötig.
    Ob das von Autoreifen kopierte Lamellenkonzept, das dort ohne Frage super funktioniert, auch bei Fahrrädern wirksam ist (die erste Frage die ich mir da stelle ist wie hoch ist der Bodendruck beim Fahrrad und wie hoch beim PKW, da dieser ja sicherlich Einfluss auf die Verzahnung von Reifenprofil und Untergrund hat) würde auch nur ein solcher Prüfstandtest richtig zeigen.

    Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass es mich nicht wundert, dass das Radtourenmagazin zu einem eher positiven Fazit kommt. Diese Magazine sind auf die Werbeanzeigen der Hersteller angewiesen und daher alles andere als neutral und objektiv. Zur Unerträglichkeit hat das die bekannte bike getrieben, weswegen ich dieses Magazin kaum noch in Händen, geschweige denn kaufen und lesen kann.
    Ein Teil der deutschen Bloggerszene ist da schon deutlich wertvoller für den interessierten Leser, da sie eben oft keine wirtschaftlichen Interessen vertreten sondern den Blog und die Tests als Hobby betreiben. Oft hat man auch den Eindruck, dass das Know-How bei den „Privaties“ deutlich höher ist als bei den Fachzeitschriften!
    Natürlich gibt es wie bei allem auch Ausnahmen…

    Von daher weiter so!
    Grüße!

    nico

    • Hallo Nico,

      ja, Reifentests sind eher Erfahrungsberichte und am Ende hat jeder seinen eigenen Eindruck. Da hilft tatsächlich auch nicht immer der Labortest weiter.
      Was die Radreise-Magazine angeht kann ich das nicht beurteilen. Da ist man natürlich schnell dabei zu sagen, dass diese Werbekunden brauchen und daher befangen sind. Aber bei so manchem Blogger ist das dann ja auch nicht viel anders 😉 Ich beschäftige mich beruflich viel damit und kann dir sagen, dass es da aus meiner Sicht wesentlich mehr Abhängigkeiten und Hofberichterstattung gibt, als bei den klassischen Medien. Kommt natürlich auf die Branche und Thema an.

      Viele Grüße,
      martin

  • 1 Reifen, 4 Jahreszeiten, 365 Tage kein Reifenwechsel nötig sagt:

    Schwalbe Hurricane

  • John Wien sagt:

    Hallo,
    ich habe die Reifen anlässlich einer Radtour durch Kuba aufgezogen, bin seither ca. 2500 km pannenfrei auf den unterschiedlichsten Untergründen (Asphalt, Asphaltreste :-(, Schotter, Sand, Waldwege etc.) mit und ohne Gepäck gefahren und sehr zufrieden.
    Dass ich mehr Kraft brauche habe ich nicht gemerkt, was aber auch sehr subjektiv ist. Das sonore Surren der Reifen war neu für mich. Inzwischen finde ich es sogar ganz nett 🙂
    Ich fahre 50 622 mit 1 Bar über Maximum.
    (Damit habe ich seit 30 Jahren gute Erfahrungen) Definitiv kein schwammiges Gefühl.
    Der Reifen gibt mir insgesamt ein gutes Gefühl.
    Wenn ich am Berg bei sehr losem Untergrund aus dem Sattel gehe, dreht das Hinterrad durch. Ich weiß aber nicht, ob das mit anderen Reifen anders wäre. Da fehlt mir der Vergleich.
    Jetzt bin gespannt, ob er sich im Winter bewährt.
    Gut Pfad
    John

  • Jan Gathmann sagt:

    Hallo Martin,

    schön analysiert und danke für den Hinweis auf unseren Beitrag. Die Abweichung in der Gelände-Bewertung ist mit sehr großer Sicherheit auf den weit geringeren Druck und die breitere Felge in unserem Test zurück zu führen. Das macht einen riesigen Unterschied.
    Aber auch insgesamt würden wir dem Marathon GT 365 die besseren Geländequalitäten als dem Mondial bescheinigen. Wie Du schreibst, da spielen das Fahrgefühl und die persönlichen Vorerfahrungen der Tester eine Rolle.

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