Reiseradler-Interview #23: Sabine und Jens von Fahrradnomaden.de

Schwitzen in Laos © fahrradnomaden.de

Einfach die Wohnung abmelden, den Job kündigen und los! Sabine und Jens fuhren 2012 mit dem Fahrrad über 29.000 Kilometer von Gera nach Singapur und erfüllten sich damit einen großen Traum. Ihr Weg führte durch die Türkei und den Kaukasus in den Iran und über die Stan-Staaten und China weiter nach Südost-Asien, nach Singapur. Doch hier war nicht Schluss: Es folgten Indonesien und Australien, bevor es dann nach Süd-Amerika, durch Brasilien und Argentinien in die Anden ging. Am Ende ihrer Traumreise lagen Bolivien und Peru. „Es war so wunderbar, allein bei der Aufzählung bekomme ich wieder Gänsehaut“, sagt Jens! Und was ich besonders finde: Sabine und Jens (beide heute 50+) zeigen, dass man immer auf Traum-Radreise gehen kann, wenn man es wirklich will.

Mal ohne Fahrrad am Iguacu Wasserfall in Südbrasilien © fahrradnomaden.de

Mal ohne Fahrrad am Iguacu Wasserfall in Südbrasilien © fahrradnomaden.de

Zum Warmwerden: Wie seid ihr zum Radreisen gekommen?

Ungefähr 10 Jahre vor unserer großen Reise begannen wir ernsthaft mit dem Radfahren. Schnell steigerten wir uns von kurzen Ausflügen zu Urlaubsreisen quer durch Deutschland und hatten irre viel Spaß.

Allerdings, und darüber wunderten sich die meisten, denen wir davon erzählten, waren wir am Ende einer solchen 2 bis 3 Wochen-Reise immer traurig, dass es vorbei war und nicht etwa froh, es geschafft zu haben.

Als wir dann im Internet entdeckten, dass man auch nach Asien oder sogar um die Welt radeln kann, gab es für uns kein Halten mehr. Zwei Jahre brauchten wir noch für die Vorbereitungen und zum Sparen. Dann gingen wir für 2 Jahre auf Reisen.

Zum Träumen: Wo wart ihr schon überall und wo müsst ihr noch hin?

Vor unserer Reise sind wir mehrmals quer durch Deutschland geradelt, außerdem waren wir auch in Tschechien, Holland, Italien (auch Sardinien), Schweden und Frankreich. Aber natürlich waren wir nicht nur mit dem Fahrrad unterwegs. Im Südwesten der USA unternahmen wir 2010 eine Wohnmobilreise, die uns richtig gut gefallen hat. Aber auch für das Wandern können wir uns begeistern.

Von der kompletten Panamericana mit dem Fahrrad träumen wir immer wieder. Das würde allerdings 1 ½ Jahre brauchen. Aber auch von einer Veloreise zum Nordkap in Norwegen haben wir schon verdächtig oft gesprochen.

Zum Nachmachen: Welches Land könnt ihr empfehlen und warum?

Die Andenländer haben es uns besonders angetan. In Bolivien und Peru erlebten wir unbeschreiblich schöne Landschaften und eine wirklich einzigartige Kultur. Der große Salzsee, La Paz, die Todesstraße, der Titicacasee, Macchu Pichu und die Cordilleren.

Das sind Kulissen von denen wir noch heute träumen. Aber Achtung: die dünne Höhenluft machte mir mehr zu schaffen, als ich erwartet hätte. Sabine hatte eindeutig weniger Probleme.

Zum Erfahren: Was hat euch unterwegs am meisten beeindruckt?

Neben den fantastischen Naturerlebnissen, vor allem in den Hochgebirgsregionen, haben uns vor allem die Menschen, denen wir begegneten, beeindruckt. Sie kamen uns mit so viel Offenheit, Freundlichkeit und völlig selbstloser Hilfsbereitschaft entgegen, dass wir es kaum glauben konnten.

Genau wie wir es vorher gehört und gelesen hatten, waren die Menschen im Iran am gastfreundlichsten. Aber eigentlich hatten wir nirgends ernsthafte Probleme, einen Platz für unser Zelt, Trinkwasser oder einfach nur Auskünfte jeglicher Art zu bekommen.

Mit unseren Couchsurfer-Gastgebern und in Teheran © fahrradnomaden.de

Mit unseren Couchsurfer-Gastgebern und in Teheran © fahrradnomaden.de

Zum Leben: Seid ihr lieber zu zweit unterwegs, oder käme auch mal eine Solo-Reise in Frage? Und warum?

Meine Frau Sabine und ich sind definitiv nur zu zweit unterwegs. Alleine würde keiner von uns eine solche Reise angehen. Wir gehören aber auch zu den Menschen, die sich abends im Zelt gegenseitig die Erlebnisse des Tages erzählen. Gerade so, als wäre der Andere gar nicht dabei gewesen. Darüber mussten wir selbst oft lachen. Da ist es für uns natürlich ein unschätzbarer Vorteil, zu zweit zu sein.

Allerdings haben wir auch einige Alleinreisende getroffen, die ihrerseits nie zu zweit fahren würden. Scheint also, als müsse diese Frage jeder für sich beantworten.

Zum Fahrrad: Stellt es uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an Euren Rädern dran?

Die Komponenten für unsere Reiseräder haben wir im Internet, bei anderen Reiseradlern zusammengesucht und uns im besten Fahrradladen unserer Stadt bauen lassen.

Die Basis sind 26“ Stahlrahmen. Dazu Magura Hydraulikbremsen, Schaltung Rohloff Speedhub 500/14, Rigida-Felgen, 50mm Schwalbe Reifen und Brooks Ledersattel. Dazu noch Tubus Gepäckträger, die unvermeidlichen Ortlieb Taschen und breite Schutzbleche.

Die Fahrräder von Sabine und Jens in Serbien © fahrradnomaden.de

Die Fahrräder von Sabine und Jens in Serbien © fahrradnomaden.de

Die ganzen Details findet ihr unter:  www.fahrradnomaden.de

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und wenn ja, welche?

Wir hatten natürlich vor allem Platten, insgesamt 42 Stück. Und das trotz „Unplattbarer“ Reifen!

Ein Bremshebel der Hydraulikbremse wurde bei Sabine undicht und konnte nur komplett getauscht werden. Selbst in Australien war das ein Problem. Sabine musste 400km mit nur einer Bremse bis Sydney fahren. Erst da gab es Ersatz. Magura-Bremsen sind vielleicht doch zu speziell.

Mit unserem Primus-Benzinkocher waren wir insgesamt sehr zufrieden. Allerdings mussten wir uns unterwegs neue Dichtungen besorgen. Regelmäßiges Reinigen ist sehr wichtig. Vor allem bei schlechtem Benzin ist er sehr anfällig.

Unser Zelt (Hilleberg Nammatji 3GT) war erstklassig, bis auf das bekannte Lüftungsproblem und einen defekten Reißverschlussschieber.

Zum Wissen: Euer ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Habt ihr einmal den Entschluss gefasst, solltet ihr euch auch nicht von den vielen warnenden Stimmen abhalten lassen. Vertraut lieber denen, die bereits so eine Tour gemacht haben. Habt auch keine Angst vor den vermeintlich vielen Problemen unterwegs. Mit dem Fahrrad ist man zum Glück so langsam, dass man nie mehrere auf einmal lösen muss ;).

Und: mit jedem Kilometer und jedem neuen Land wachsen Routine und Selbstbewusstsein.

Wir haben auch noch eine technische bzw. logistische Empfehlung:

Wir wollten natürlich perfekt ausgerüstet an den Start gehen und hatten unter anderem zwei komplette Fahrradketten, Kettenpeitsche und Gabelschlüssel 24/27 im Gepäck. Das Gewicht, schwerer als ein Ziegelstein, hätten wir uns echt sparen können, wie wir nun wissen.

Den ersten Kettenwechsel absolvierten wir in Zentralasien. Wir verschlissen zwar auf unserer Reise jeder 4 Ketten und 2 Ritzel, stellten aber fest, dass man zumindest Ketten in jeder noch so kleinen Stadt überall auf der Welt kaufen kann. Und wer Ketten verkauft, hilft auch immer gern mit Kettenpeitsche und Schlüssel aus. Allerdings sollte man Ersatzritzel, Ritzelabzieher, Kettennieter und – schlösser, sowie für den Notfall ein paar Kettenglieder, dabei haben.

Wir haben uns auch mehrmals Sachen, mit einem Vorlauf von 4 Wochen, in Hostels weltweit nach- bzw. vorschicken lassen. Hat immer prima funktioniert.

Schwitzen in Laos © fahrradnomaden.de

Schwitzen in Laos © fahrradnomaden.de

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Für uns war das Ankommen definitiv schwerer als das Losfahren.

Vorm Start hatten wir zwar viel zu erledigen. Aber eigentlich waren wir in Gedanken schon weg. Wir waren voll Adrenalin, bis unters Dach. Da war kein Platz für Schwermut.

Allerdings war der Abschied trotzdem sehr tränenreich.

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Wir sind im Januar 2014 wieder zu Hause angekommen. Bereits im Spätsommer haben wir den Fuldaradweg abgeradelt. Und in diesem Sommer sind wir von München über die Alpen nach Italien gefahren.

 

Mehr über die Fahrradnomaden Sabine und Jens gibt es hier:

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