Einmal Posemuckel und zurück

Man ist das kalt: bei kuscheligen -1 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit stehe ich auf der Fähre nach Finkenwerder und freue mich über das kurze Aufwärmen. Ich bin auf dem Weg zur diesjährigen Weihnachtsfeier meiner Agentur und nutze diese, um mit dem Rad den Winter zu begrüßen.

Doch dichter Nebel hüllt die Landschaft ein und ich kann fast nix sehen. Aber der Tag ist noch jung und ich stehe erst am Anfang meiner Tour nach Posemuckel.

Posemuckel? Ja, genau, ein Ort sehr abgelegen, fast wie Hintertupfingen. Nur das „mein“ Posemuckel wirklich existiert. Tatsächlich gibt es Groß- und Klein-Posemuckel. Beide Orte liegen heute in Polen, in der Nähe von Bomst. Aber natürlich fahre ich nicht nach Polen heute, sondern in die Lüneburger Heide. Denn hier liegt mein Posemuckel.

Heute ist es das Camp Reinsehlen, bei Schneverdingen. Glaubt ihr nicht? Im Zweiten Weltkrieg hat die Luftwaffe hier einen Flugplatz angelegt, Tarnname „Posemuckel“. Nach dem Krieg diente das Gelände als Flüchtlingslager und alliierter Truppenübungsplatz, bevor es 1994 in eine zivile Nutzung überging und renaturiert wurde. Heute gibt es hier ein sehr schönes Hotel im Lodgestil (mein Tagesziel), mit unverbautem Blick auf die Heide.

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Insgesamt sollen es 200 km werden: erstmal 90 Kilometer nach Soltau, wo wir uns im Rahmen der Weihnachtsfeier Seifenkisten bauen und ein Rennen fahren und dann weiter von Soltau nach Camp Reinsehlen, welches noch mal 20 Kilometer entfernt liegt. Und am nächsten Tag wieder zurück nach Hause – 70 Kilometer.

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Die Landschaft ist tiefgefroren und ich arbeite mich von der Elbe hoch durch die Schwarzen Berge Richtung Buchholz. Auf einsamen Landstraßen kann man die Landschaft so richtig genießen. Je höher ich komme, desto klarer wird die Sicht und die Sonne dringt endlich durch. Doch kalt bleibt es trotzdem.

Der Frost friert nicht nur das Land ein, sondern auch jegliches Geräusch. Und so lausche ich der Stille und genieße das Beißen des Frostes in der Lunge. Aber viel Pause kann man nicht machen – sofort wird es kalt. Also wieder in die Pedale treten. Weiter Richtung Süden geht es durch sonnendurchflutete Wälder, bevor es auch schon wieder anfängt zu dämmern.

Die Tage sind schon kurz und 16 Uhr wird es dunkel. Ich verbringe ein paar Stunden in Soltau, wo wir uns im Rahmen der Weihnachtsfeier Seifenkisten bauen und ein Rennen gegeneinander fahren. Eine tolle Idee.

Seifenkisten aufbauen / Credit: Stefan Zander

Seifenkisten aufbauen / Credit: Stefan Zander

Seifenkisten Rennen / Credit: Stefan Zander

Seifenkisten Rennen / Credit: Stefan Zander

Ich breche aber schon eher auf, denn ich möchte zumindest noch im letzten Licht des Tages Soltau hinter mir lassen. Die letzten 15 Kilometer fahre ich durch die Dunkelheit, die hier in der Lüneburger Heide noch mal stärker ist. Ich kann kaum etwas erkennen und konzentriere mich auf den Lichtkegel meiner Vorderradlampe. Nur am Rollwiederstand merke ich, ob es gerade bergauf oder bergab geht.

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Dank meiner Handylampe erkenne ich das Hinweisschild zum Camp Reinsehlen und wenig später tauchen die ersten Lichter aus der Dunkelheit auf. Jetzt erst mal eine heiße Dusche.

Die Knick-Pyramide im Camp Reinsehlen

Die Knick-Pyramide im Camp Reinsehlen

Am nächsten Morgen, nach durchtanzter Nacht (der Whisky war sehr gut!), schwinge ich mich wieder aufs Rad. Die Temperaturen sind mild, blauer Himmel, guter Wind. Die Kilometer zur Elbe zurück fliegen nur so dahin.

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Erst in Cranz, wo ich auf die Fähre warten muss, fängt es an zu regnen. Die letzten 10 Kilometer werde ich noch ordentlich nass, aber das tut der Tour natürlich keinen Abbruch.

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Warten auf das Hochwasser an der Elbfähre in Cranz

Dann schauen wir mal, ob es in diesem Jahr noch eine kleine Tour geben wird. Letztes Jahr war ich ja am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag noch mit dem Rad unterwegs.

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Ansonsten bin ich ja bald im Kaukasus auf Tour und hoffe, dass es dort dann nicht so kalt ist wie auf dem Weg nach Posemuckel.

Noch mehr Bilder von der Tour:

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