Reiseradler-Interview #5: mit Christian von Terrainterminate

© http://terrainterminate.wordpress.com/

Den Reisevirus hat sich Christian schon als kleines Kind eingefangen. Irgendwo schnappte er das Wort „Globetrotter“ auf und fragte, was das denn sei. Die Antwort: „Das ist jemand, der viel reist“. Damit war für Christian klar, dass er dies auch machen will und seitdem lag der Atlas immer griffbereit. Es dauerte zwar noch etwas, bis es endlich für ihn auf Reisen gehen konnte, aber nach Schule und Ausbildung ging es dann los, hinaus in die weite Welt. Irgendwann kam dann das Fahrrad dazu und ist mittlerweile so etwas wie eine Leidenschaft für ihn geworden. Momentan bereitet sich Christian zusammen mit Andreas Simon auf eine Wintertour mit dem Fahrrad im Himalaya vor.

Christian und sein Rad ©  http://terrainterminate.wordpress.com/

Christian und sein Rad © http://terrainterminate.wordpress.com/

Zum Warm-werden: Wie bist Du zum Radreisen gekommen?

Zum Radreisen bin ich durch das Reisen generell gekommen. Nach einigen Rucksackreisen durch Europa und Asien wurde der Drang nach dem eigenen Transportmittel immer größer. Das Vorwärtskommen aus eigener Muskelkraft sollte es schon sein und da lag das Fahrrad halt nahe. Zum Anfang machte ich eine kleine Tour die Ostseeküste entlang, bevor es dann 18 Monate mit dem Fahrrad durch Asien ging.

Zum Träumen: Wo warst Du schon überall und wo musst Du unbedingt noch hin?

Hauptsächlich war ich bisher in Südost- und Südasien unterwegs, besonders die hohen Berge des Himalaya haben es mir angetan. Mittlerweile bin ich dort so ziemlich überall zwischen Pakistan und Bhutan geradelt und auch viel gewandert. Insgesamt habe ich über 2 Jahre im Himalaya verbracht und dennoch gibt es hier immer noch viel zu entdecken.

Auf dem Wunschzettel stehen viele Ziele: Südamerika mit den Anden, Zentral-Asien und Tibet, die Mongolei, aber auch Äthiopien reizen mich sehr. Und was auch unbedingt noch sein muss: eine Alpenüberquerung. Ich war schon oft im Himalaya, aber noch nie so richtig in den Alpen. Ironischerweise geht die nächste geplante Reise aber wieder in den Himalaya.

Christians Rad im Himalaya © http://terrainterminate.wordpress.com/

Christians Rad im Himalaya © http://terrainterminate.wordpress.com/

Zum Nachmachen: Welches Land kannst Du empfehlen und warum?

Das ist schwer zu beantworten. Als Land selbst würde ich Indien sagen. Indien ist total abgefahren: die krassen Gegensätze, die üppige Kultur, verschiedene Klimazonen, das Essen, die Menschen, atemberaubende Berge und schwüle Dschungel. Indien fordert einen ungemein, Himmel und Hölle liegen hier sehr dicht beieinander. Es hat bei mir auch etwas gedauert, bis ich mit Indien warm geworden bin. Als ich das erste Mal dort war, „floh“ ich nach 4 Wochen zurück nach Nepal und habe mir geschworen, niemals wieder dorthin zu fahren. Wie so oft kam es dann ganz anders und mittlerweile würde ich es eine gesunde Hass-Liebe nennen und freue mich schon auf das nächste Mal.

Zum Erfahren: Was hat Dich unterwegs am meisten beeindruckt?

Was mich am meisten beeindruckt hat, war dass ich auf Reisen meine Frau kennengelernt habe. Das hat aber nichts direkt mit dem Radreisen zu tun, außer dass ich ja auf einer war.

Abgesehen davon haben die hohen Berge des Himalaya, besonders in Nordindien, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

© http://terrainterminate.wordpress.com/

© http://terrainterminate.wordpress.com/

Zum Leben: Bist Du lieber alleine unterwegs, oder zu zweit? Und warum?

Jede größere/ längere Reise habe ich alleine begonnen. Unterwegs trifft man immer wieder mal Leute, mit denen man eine Zeit lang unterwegs ist. Es hat beides seine Vor- und Nachteile: alleine kann man aus dem Bauch heraus handeln und entscheiden, zu zweit sind die langen kalten Abende im Zelt weitaus angenehmer.

Unterwegs bekam ich immer mitleidige Blicke von Einheimischen, als sie feststellten, dass ich alleine reise. Daraufhin erwiderte ich aber immer: „Ich bin zwar alleine unterwegs, aber nicht einsam. Das ist ein Unterschied“.

Der Mangel an einem Reisepartner sollte aber keinen davon abhalten, aus dem Mikrokosmos Alltag auszubrechen, um den Horizont zu erweitern.

Zum Fahrrad: Stell es uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an Deinem Rad dran?

Ganz einfacher Stahlrahmen von Intec/ Fort. Die Kettenschaltung sowie der Antrieb ist ein Deore LX- XT Mix.

Ich bin ein Freund von Lowtech, deshalb habe ich die Rapidfire-Schalthebel gegen die alten bewährten Daumenschalthebel getauscht.

Die Magura Felgenbremse musste auch irgendwann simplen V-Brakes weichen. Die Laufräder bestehen aus 26“ Felgen mit LX-Naben.

Auf langen Reisen mit rauen Pisten habe ich mit den Marathon XR´s sehr gute Erfahrungen gemacht (20000+km Laufleistung mit nicht mal 5 Platten). Leider werden diese nicht mehr hergestellt, weshalb derzeit Touring-Reifen von Continental montiert sind.

Die Gepäcktaschen werden hinten von einem Tubus Cargo und vorne von einem Blackburn MTF 1 getragen. Der MTF 1 ermöglicht eine höhere Position der vorderen Gepäcktaschen, was besonders in ruppigem Gelände von Vorteil ist (ich war es irgendwann leid, die Löcher in den Packtaschen zu flicken). Und die Fahreigenschaften sind übrigens nicht wesentlich anders als mit einem Lowrider.

Noch mit LowRider - Christians Rad © http://terrainterminate.wordpress.com/

Noch mit LowRider – Christians Rad © http://terrainterminate.wordpress.com/

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und falls ja, welche?

Bis auf den gelegentlichen Platten war eine gebrochene Felge in Nepal das bisher größte Übel, welches nicht selber behoben werden konnte. Ein Tretlager hat sich mal nach nicht einmal 1.000 km angefangen aufzulösen (die berühmte braune Pampe). Ich konnte damit aber noch einige tausend Kilometer weiterfahren, wobei die Geräusche sogar fast die Klingel ersetzten. Unterwegs habe ich die Kurbel immer wieder mal festgezogen, um das Spiel zu verringern. Wieder zuhause musste die dann natürlich komplett getauscht werden.

Zum Wissen: Euer ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Nicht lange mit Technik und Theorie aufhalten. Nimm was du hast und kannst und los geht’s.  Das soll natürlich nicht dazu auffordern, sich blauäugig ins Verderben zu stürzen. Etwas Planung sollte schon sein! Augen und Ohren offen halten, der Rest ergibt sich dann meist von alleine.

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Wiederkommen. Definitiv!

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Primär steht eine Himalaya Wintertour auf dem Plan. Es soll nach Ladakh gehen, welches vor dem Wintereinbruch erreicht werden soll, um dort dann einige Täler mit dem Fahrrad zu erkunden. Diese Tour erfordert genaue Planung und Vorbereitung. Es ist womöglich die erste Fahrradtour im Winter dort.

Hier gibt es mehr über Christian:

Website
facebook_32

twitter_32

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.