Ruanda: Gedenken an den Genozid 1994

Abertausende Kinder sind dem Schlachten zum Opfer gefallen - eine Extrahalle erinnert an sie mit Bildern, aufgehangen durch die Eltern, Geschwister, Hinterbliebenen
Abertausende Kinder sind dem Schlachten zum Opfer gefallen - eine Extrahalle erinnert an sie mit Bildern, aufgehangen durch die Eltern, Geschwister, Hinterbliebenen

Eine Million Tote in 100 Tagen: das ist die grausame Bilanz des Genozids in Ruanda. 20 Jahre ist das nun her. In diesen Tagen beginnen die Ruander mit ihren Gedenkfeierlichkeiten und erinnern an den Beginn dieses grausamen Völkermordes.

Vor drei Jahren bin ich auch durch Ruanda geradelt. Es ist ein wunderschönes Land, mit tollen Menschen und einer unglaublichen Natur. Aber es hat auch diese Geschichte, die so drastisch, tragisch und bedrückend ist. Ich habe die Zeit in Ruanda genutzt und mir sehr viel dazu angesehen. Und es hat mich sehr berührt und betroffen gemacht.

Blick auf Kigali

In Kigali, der Hauptstadt Ruandas, ist das Genozid Memorial Center entstanden, in dem die Ereignisse von 1994 schonungslos dargestellt werden. Es erzählt, wie es zu diesem Ausbruch an Gewalt kommen konnte, welche Verbrechen Menschen sich gegenseitig zufügen konnten und wie das verwundete Land in einem langen und noch nicht beendeten Prozess diese Ereignisse aufarbeitet.

Es gibt in diesem Genozid Center auch zwei besondere Räume. Sie sind den getöteten Kindern gewidmet. Ich habe lange gebraucht sie mir anzuschauen – auch weil ich zwischendurch einfach eine Pause brauchte. Für das Leid und die Grausamkeiten gibt es keine Worte.

Abertausende Kinder sind dem Schlachten zum Opfer gefallen - eine Extrahalle erinnert an sie mit Bildern, aufgehangen durch die Eltern, Geschwister, Hinterbliebenen

Abertausende Kinder sind dem Schlachten zum Opfer gefallen – eine Extrahalle erinnert an sie mit Bildern, aufgehangen durch die Eltern, Geschwister, Hinterbliebenen

Ohne Gnade

Ohne Gnade

Von den 1,1 Millionen Opfern des Genozids in Ruanda liegen alleine 250.000 hier auf dem Gelaende des Memorial Centers begraben. Eine symbolische Grabstelle inmitten der Massengraeber gibt den Hinterbliebenen einen Ort zum Erinnern und Trauern

Von den 1,1 Millionen Opfern des Genozids in Ruanda liegen alleine 250.000 hier auf dem Gelaende des Memorial Centers begraben. Eine symbolische Grabstelle inmitten der Massengräber gibt den Hinterbliebenen einen Ort zum Erinnern und Trauern

Während des Genozids kam es im ganzen Land zu Morden. Menschen, die in Kirchen flüchteten, wurden dort bei lebendigem Leibe verbrannt, erschlagen, erschossen. Einige dieser grausamen Tatorte wurden erhalten und sind heute Gedenkstätte. Man hat dort alles so belassen, wir es vorgefunden wurde.

Traurigerweise verdrängte damals im April 1994 der  Tod von Kurt Cobain das Massaker in Ruanda aus den Schlagzeilen. Wer mehr zu diesen Ereignissen erfahren möchte, sollte sich den Film „Hotel Ruanda“ anschauen.

Es ist jetzt schwer eine Überleitung zu finden. Daher spare ich sie mir. Ich möchte nur an dieses Ereignis erinnern, auch wenn es bereits zwei Jahrzehnte zurückliegt. 

Ruanda hat natürlich auch andere Seiten. Ich kann dieses Land nur jedem ans Herz legen. Radfahrer finden hier sehr gute Straßen, Natur- und Tierfreunde finden die Virunga Vulkankette an der Grenze zum Kongo. Hier leben die letzten Berggorillas, die man sich auch anschauen kann. Kostet aber richtig viel Geld.

Wer mag, kann meinen Reisebericht zur Tour „Heart of Africa – Mit dem Rad durch Ruanda und Uganda“ lesen und mit den Bilder dieser Tour mitradeln.

Entlang der Virunga Vulkankette nach Uganda

Entlang der Virunga Vulkankette nach Uganda

1 Kommentar

  • inka sagt:

    Es fiel mir schwer, Deinen Bericht zu lesen. Ich habe ab 1996 Afrikawissenschaften studiert, ein Bekannter ist Anfang 2000 als Jurist und Politikwissenschaftler dort im Referendum eingesetzt worden, quasi als Berater und Vermittler. Er konnte Monate nicht darüber sprechen, es muss furchtbar gewesen sein, was er dort erfahren hat.
    Ich finde jetzt auch gerade keine passenden Worte. Du hast jedenfalls selbst durch die wenigen Worte und Fotos sehr deutlich rübergebracht, wie es Dir dort ging und wie grauenvoll diese Zeit war. Meinen Respekt vor der Courage, Dich selbst damit zu konfrontieren und danke für den Bericht.
    LG /inka

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