Wenn die Sonne untergeht – 11 Bilder, 11 Geschichten

Liebe Sonne, auch wenn ich Dich oft verflucht habe, weil Du entweder nicht da warst, sobald ich Dich mal brauchte, oder mit bis zu 56 Grad erbarmungslos auf mich nieder branntest – wenn Du untergehst, dann ist es häufig eine Freude, Dir zuzusehen. Und Dich dabei zu fotografieren. Und daher habe ich heute 11 Bilder für Dich. Bilder, die jedes eine Geschichte von unterwegs und uns beiden erzählen.

1. Am indischen Ozean

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Es war einer der letzten Tage auf dem Weg von Leipzig nach Bombay. Bevor es zum Flughafen nach Mumbai ging, machten wir noch ein paar Tage Rast am Strand und erholten uns von den Strapazen des Straßenverkehrs in Indien. Dieser gleicht mehr einer Lebenslotterie und wir waren einfach nur froh, unbeschadet ans Ziel gekommen zu sein. Und so kurz vor einer der größten Städte Indiens fanden wir dann doch noch etwas Ruhe und fast Einsamkeit. Am Strand beim Sonnenuntergang.

2. Gute Nacht Syrien

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Seit drei Tagen waren wir bereits in Syrien. Vor uns lag die syrische Wüste und leider gab es keine offizielle Piste. Nur Sand, Sand und Gestein. Ausgelaugt von Temperaturen um die 40 Grad bauten wir abends unser Zelt auf und genossen die sinkenden Temperaturen. Am nächsten Tag trafen wir leider noch nicht auf die erhoffte Straße, die von Damaskus nach Bagdad führt, sondern auf eine verlassene alte (antike) Stadt, deren Ruinen imposant in dem heißen Nichts der syrischen Wüste standen.

3. Kappadokien: Surprise, surprise

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Per Rad ins Heilige Land – 1996 fuhren wir nach Jerusalem. Dabei durchquerten wir auch die Türkei. Nach Tagen einsamer Fahrt über staubige Pisten bei gnadenloser Sonne war ich schon sehr überrascht auf diese Unmengen von Touristen und ihre Busse zu treffen. Was war das denn? Und warum waren die denn überhaupt hier? Gut, die Felsen sahen schon recht lustig aus, wie sie da weiß und hellbraunfarben wie Pilze dastanden. Erinnerte mich irgendwie an Schlumpffelsen, mit den ganzen Türchen und Fenstern in einigen der Felsen. Vielleicht waren die Menschen auch nur wegen der Ballone da, die massenhaft und urplötzlich am Himmel erschienen? Erst am Abend, als wir auf einem nahegelegenen Hügel übernachteten und ich die Sonne beim Untergehen durch den einzigen Baum weit und breit beobachtete, brachte ein Blick auf die Karte die Gewissheit: Kappadokien, Weltkulturerbe und berühmt für seine unterirdischen Städte. Hätten wir ja auch vorher mal mitbekommen können…

 4. Tartaren-Nachrichten

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Hinter uns lag die Takla-Makan Wüste, die Wüste ohne Wiederkehr, und seit zwei Tagen fuhren wir bereits bergauf in den Transhimalaya. Die Sonne begleitete uns den ganzen Tag und wir waren nach Tagen schwerer Sandstürme froh über das gute Wetter. Im Licht der Abendsonne tauchten dann diese beiden Jurten auf. Ein friedliches Bild. Im Übrigen kann ich jedem nur das Buch „Tataren Nachrichten – ein Spaziergang von Peking nach Kaschmir“ von Peter Fleming empfehlen. Er ist der Bruder des James Bond Ian Flemings.

5. Endlos Steppen

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Kasachstan – seit mehreren Tagen geht es geradeaus. Immer nur geradeaus. Kein Auto kommt vorbei, kaum Orte liegen auf dem Weg. Immer geht es geradeaus. Die Sonne brennt, die Straße staubt. Aber abends fängt der Himmel an zu brennen und entschädigt ein bisschen für die Strapazen auf dem Weg von Russland nach China.

6. Abends im Himalaya

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Heute Abend zelten wir in einem Flusstal, welches einen grandiosen Blick auf den Mount Everest und den Lhotse freigibt. Beeindruckt von den schneebedeckten 8000ern haben wir gar nicht mitbekommen, wie dunkel es bereits geworden ist. Als wir uns umdrehen, sehen wir noch Reste des Tages am Horizont untergehen, während der Mond bereits in voller Pracht scheint.

7. Uganda Urwald

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Ein staubiger Tag in Uganda geht zu Ende und die Nacht wird durch die Stimmen tausender Vögel und anderer Tiere eingeleitet. Nebel steigt auf und vermischt sich mit dem Rauch der Kochstellen. Man kann die Entspannung spüren, die sich nach einem weiteren Tag drückender Hitze und gnadenloser Sonne breit macht.

8. Sunset am Weißen Nil

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Ohrenbetäubend rauschen die Wassermassen hier am Weißen Nil in Uganda. Die Sonne geht langsam unter. Gleich geht die große Party los, die hier im Camp die Wildwasser-Rafter heute feiern. Ich bin am Ende meiner Reise durch Ruanda und Uganda und verbringe noch ein paar Tage in der Abgeschiedenheit, bevor ich mich wieder in den Trubel und das Verkehrschaos der  ugandischen Hauptstadt Kampala stürze.

9. Good Evening, Queen Elisabeth

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Meine Haut tut weh und ein Blick auf das Thermometer zeigt auch warum: in den letzten 20 Minuten ist die Temperatur von 25 auf 42 Grad gestiegen. Glücklicherweise wird es langsam Abend und ich bin schon kurz vor meinem Ziel: dem Queen Elisabeth National Park hier im Westen Ugandas, an der Grenze zum Kongo. In den Sonnenuntergang ziehen Vogelschwärme, die die nachlassende Hitze nutzen, um an die Wasserstellen des Lake Edward zu fliegen.

10. Im Ruwenzori Gebirge

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Am Fuße dieses Gebirgszuges, der Uganda vom Kongo trennt, habe ich mein Lager in einer Mission aufgeschlagen, die sich vor allem um AIDS kranke Kinder und Jugendliche kümmert. Eben komme ich zusammen mit der Missionsleiterin von einer Lieferfahrt zurück. Wir haben Lebensmittel und Gasflaschen in eine Schule unweit der Mission gebracht. Auf dem Rückweg habe ich noch etwas eingekauft und genieße den Abend mit selbstgemachter Pasta á la Afrika.

11. Zwischen dem Regen in Finnland

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Auf dem Rückweg vom Nordkapp: seit mittlerweile 11 Tagen regnet es ununterbrochen. Naja, fast ununterbrochen, denn morgens und abends hört es kurz auf. In dieser Zeit bauen wir schnell unser Zelt ab oder auf. Und dann fängt es meist wieder an. Doch an diesem Abend ist etwas anders. Der Regen setzt nicht wie sonst gleich wieder ein, sondern eine ungewohnte Stille breitet sich über dem Wald aus, in dem wir zelten. Ein Blick aus dem Zelt zeigt uns auch warum: der Himmel ist aufgerissen und die untergehende Sonne zeigt ein prächtiges Farbenspiel. Nach dem Grau der letzten Tag eine wahre Wohltat für die Augen.

 

 

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