Reiseradler-Interview #34: Rob und Tob von robtob-ahoi.de

In die Sonne auf dem Weg nach Australien © robtob-ahoi.de

Rob und Tob sind Robert und Tobsen und seit einiger Zeit auf dem Rad nach Australien unterwegs. Ich bin auf ihre Tour über ihre Website und eine schöngemachte Grafik einer Weltkarte gestoßen, auf der die Route der beiden eingezeichnet ist. Und wenig später hatte ich die beiden auch schon kontaktet und Rob beantwortet mir aus Vietnam, wo sie derzeit sind, meine Fragen im Reiseradler-Interview. Los geht es!

Robert und Tobsen © robtob-ahoi.de

Zum Warmwerden: Wie seid ihr zum Radreisen gekommen?

Bei mir (Rob) war das Fahrrad stets Teil meines Lebens. Schon als Kind liebte ich es mit dem Fahrrad zum Fußballplatz zu fahren, mit Mutti zum Strand oder mit einem Kumpel den Kontrollkreis der Eltern mit dem Fahrrad zu verlassen, um andere Straßen zu entdecken. Dies war damals für mich gefühlt wie ein Abenteuer. Später kaufte ich mir von meinem Ersparten mein erstes Mountainbike. Ich liebte es abseits der Straße unterwegs zu sein und dabei vielleicht auch mal über ein Hindernis zu springen. Meine Strecken wurden stets länger. Daher kaufte ich mir mit meinem ersten ersparten Löhnen aus der Ausbildungszeit ein Rennrad. Ab dann war ich für die nächsten Jahre dem Rennradsport verfallen. Zeitgleich las ich die Bücher von zwei Abenteurern aus unserer Heimat Rostock. Deren erste Reise war die Welt per Fahrrad zu entdecken. Ab diesem Zeitpunkt war dieser Traum in meinem Kopf.

Planungen © robtob-ahoi.de

Tobi ist der gewöhnliche Stadtradler. Das Fahrrad war in seinem Leben ein praktisches und lieb gewonnenes Fortbewegungsmittel. Zwei Jahre vor unserem Start kam er auf mich zu und fragte mich, ob ich ihm sagen könnte, welches Fahrrad für eine Reise durch die weite Welt passend wäre. Sofort kamen mir die Erlebnisse der beiden Abenteurer in den Kopf. Aber vielmehr interessierte mich, was er vorhat. Von der ersten Sekunde an war ich hin und weg. Tobi als Initiator der Reise bearbeitete mich die nächsten Monate regelmäßig – ‚komm, gib dir ein Ruck … überlege mal, was wir alles erleben könnten‘.

„Danke Tobi für diesen richtungsweisenden Arschtritt in meinem Leben“ © robtob-ahoi.de

Anfangs war das alles nur Spinnerei für mich. Dies sollte sich mit der Zeit ändern. Ich liebte meinen Beruf und hatte super Kollegen. Viele von denen sind inzwischen mehr als ’nur‘ Kollegen. Nicht selbstverständlich beides zu haben. Aber die Zeiten änderten sich und der Traum schien greifbar nah. Ich begann die Vor- und Nachteile abzuwägen. Aber trotz monatelangem Überlegen kam ich zu keiner Erkenntnis, was richtig oder falsch ist. Es gab für mich keine Antwort. Inzwischen war es Januar 2016 und spätestens im Juni wollte Tobi mit oder ohne mich starten. So traf ich meine Entscheidung (für die Tour) und ab dann hatte ich keine Zweifel mehr. Danke Tobi für diesen richtungsweisenden Arschtritt in meinem Leben 😉

 

Zum Träumen: Wo wart ihr schon überall und wo müsst ihr unbedingt noch hin?

Unabhängig von einander haben wir vor der Reise schon ein paar schöne Fleckchen auf der Welt gesehen. Das ging aber alles so in Richtung Backpacking oder mit dem Auto. Was das Reisen mit dem Fahrrad anbelangt, so ist das für uns beide die erste Reise. Gestartet sind wir in unserer Heimatstadt Rostock. Von dort ging es über Tschechien, Österreich, Slowakei und Ungarn in die Balkanländer und anschließend weiter über Griechenland bis in den Iran.

Im Iran © robtob-ahoi.de

In den VAE haben wir ein Flugzeug nach Bangkok genommen. Derzeitig befinden wir uns in Vietnam, unserem 18. Land der Reise. Vor der Reise und bevor wir die Grenze zum Iran überschritten hatten, haben wir jenes Land als unser ‚Must-cycle-Land‘ angesehen. Der Iran hat unter Reisenden einen sehr sehr guten Ruf, und so sahen wir das letztendlich auch, als wir das Land nach ca. fünf Wochen wieder verlassen haben. In Hanoi haben wir viel rum gesponnen, wie unser weiterer Reiseverlauf wohl aussehen mag 😀 Viele Länder liegen in unseren Köpfen noch vor uns, von denen wir aber keines besonders hervorheben à la ‚da müssen wir unbedingt noch hin‘. Da war der Iran das einzige Land, das so eine Bedeutung bisher bei uns hatte. Wir sagen stets ‚Unser Plan ist, wir haben keinen Plan‘, von daher freuen wir uns auf das, was kommt 🙂

 

Zum Nachmachen: Welches Land könnt ihr empfehlen und warum?

Diese Frage haben wir auf unserer Reise schon öfters gestellt bekommen und da haben wir zwei Antworten parat ;-). Rein aus landschaftlicher Sicht haben die Balkanländer des früheren Jugoslawiens es uns sehr angetan. Sei es von Belgrad durch Westserbien zu radeln und sich in absoluter Wildnis zwischen unzähligen kleinen Flüssen und grünen Bergen zu verlieren. Oder in Bosnien und Herzegowina die Städte Sarajevo und Mostar zu entdecken und dazwischen durch die schöne kontrastreiche Landschaft zu radeln. Die Bucht von Kotor in Montenegro mit dem Rad zu entdecken macht mega Laune. Hier und da haben wir Halt gemacht, um einfach mal ins klare Wasser zu springen. Die Landschaft erinnert eher an einen Fjord. Gleiches gilt für die Berge Nordalbaniens bis Kosovo mit ihren Stauseen. Diese Gegend schien für uns die perfekte Umgebung fürs Wandern. Der Mavrovo-Nationalpark in Mazedonien war atemberaubend und lädt definitiv zum Wiedersehen ein. Selbst mit dem Fahrrad waren wir viel zu schnell durch, um alle Eindrücke zu verarbeiten. Das Schöne am Balkan ist, dass er nicht so weit weg von zu Hause ist und man auch kein Visum vorher beantragen muss. Wir werden auf jeden Fall nicht das letzte Mal dort gewesen sein.

Unterwegs © robtob-ahoi.de

Aus Sicht der Geschichte, Kultur, Landschaft und Leute steht der Iran ganz oben. Bisher haben wir überall freundliche, hilfsbereite Leute getroffen. Aber der Iran setzt da neue Maßstäbe. Wir hatten im Voraus schon sehr viel Positives über den Iran gehört und gelesen, insbesondere was die Gastfreundschaft betrifft. Dennoch waren wir immer wieder sprachlos, wie gastfreundlich die Leute tatsächlich sind. Davon zu hören bzw. zu lesen und das dann wirklich zu erleben, sind eben zwei verschiedene Paar Schuhe. Wir hatten nie ein Problem, einen Schlafplatz zu finden. Die Leute kommen auf einen zu und behandeln einen nicht wie einen Touristen, sondern wie ein Familienmitglied. So schliefen wir die meiste Zeit bei den Einheimischen. Damit haben wir nicht wirklich gerechnet. Ebenso ist die vielseitige Landschaft des Irans einfach traumhaft: die Berge im Nordwesten oder die Wüste im Zentraliran und im Süden, mit ihren quasi ganzjährig heißen Temperaturen. Hier ein kleiner Tipp: Von vielen Einheimischen wurde der Frühling als beste Besuchszeit für den Iran angepriesen.

 

Zum Erfahren: Was hat euch am meisten unterwegs beeindruckt?

Die vielen einprägsamen Begegnungen, die aus unserer Sicht neben der Landschaft und den einzelnen Ländern den größten Reiz unserer Reise ausmachen. Einen einzelnen Moment zu nennen ist schwer. Wir hatten so viele schöne Momente. Wenn wir uns für einen Moment entscheiden müssten, dann wäre es wahrscheinlich die klarste Sternennacht unseres Lebens. Wir haben in der wüstenartigen Landschaft zwischen Isfahan und Yazd auf ca. 2000 Meter Höhe in einer verlassenen, Jahrhunderte alten Karawanen-Siedlung gezeltet. Eine unbeschreibliche Szenerie, einfach wunderbar!

Sternennacht © robtob-ahoi.de

 

Zum Leben: Seid ihr lieber alleine unterwegs, oder zu zweit? Und warum?

Wir sind für beides offen. Tobi wäre auch ohne mich gestartet, wenn ich mich dagegen entschieden hätte, den Job zu kündigen. Anfangs hätte ich mich nicht getraut alleine loszufahren. Inzwischen hat sich das bei mir gewandelt. Tobi hatte während der Reise schon öfters den Wunsch geäußert, auch mal alleine für eine Zeit lang ein Land zu entdecken, um zu wissen wie das so ist.

© robtob-ahoi.de

So haben wir uns spontan dazu entschieden, dass jeder von uns Vietnam von der Grenze zu Kambodscha bis kurz vor Hanoi alleine durchradelt. Das war eine gute Erfahrung. Letztendlich hat beides seine Vor- und Nachteile. Für uns überwiegen die Vorteile des gemeinsamen Radelns 😉

 

Zum Fahrrad: Stellt es uns bitte mal kurz vor: Welche Komponenten sind an euren Rädern dran?

Tobi ist stolzer Besitzer des TX-400 von der VSF-Fahrradmanufaktur mit der Rohloff Speedhub. Ich bin stolzer Besitzer eines Norwid und habe mich für das Modell Gotland entschieden, ebenfalls mit der Rohloff Speedhub.

Rob und Tob mit ihren Rädern © robtob-ahoi.de

Wir beide fahren Felgenbremsen von Magura, Sättel von Brooks, Gepäckträger von Tubus, Taschen von Ortlieb, Andra 30 Felgen von Ryde mit den legendären Mänteln Marathon Mondial der Firma Schwalbe. Die Beleuchtung ist von Busch und Müller und SON. Bei dem Nabendynamo haben wir uns für SON entschieden.

Das Norwid Gotland © robtob-ahoi.de

Dazu besitzen wir beide den Forumslader, welche uns stets Strom liefern für unser Smartphone. Zudem dient das Handy, zusammen mit dem Forumslader, noch als Fahrradcomputer. Die Verbindung erfolgt über Bluetooth. Arbeitet alles sehr zuverlässig bis jetzt und ist einfach mal SMART gelöst!

 

Zum Mitfühlen: Gab es Pannen unterwegs und falls ja, welche?

Im Großen und Ganzen hatten wir bisher glücklicherweise keine allzu großen Schäden. Dazu müssen wir aber auch gestehen, dass wir unsere Fahrräder erst kurz vor der Reise gekauft haben und diese erst auf unserer Tour eingefahren wurden. Ja, sicherlich nicht gerade sehr intelligent und nicht zum Nachmachen empfohlen 😉

© robtob-ahoi.de

Tobi hatte gleich am ersten Tag einen Platten. Dazu noch ein schönes, großes Loch mitten in der Lauffläche des Mantels. So war gleich der Ersatzmantel gefragt. Mit den vollgepackten Fahrrädern über eine frisch abgefräste Straße zu fahren, war keine so clevere Idee. Schon gar nicht bei Regen 😉 Neben diesem Platten und drei weiteren in Serbien, Iran und Kambodscha, hatten wir noch einen Speichenbruch in Mazedonien.

 

Zum Wissen: Euer ultimativer Tipp für das Reisen mit dem Fahrrad?

Eine grobe Route planen, ohne strengen Zeitplan dahinter. So reist es sich frei und ohne Druck und man hat einen gewissen Spielraum für spontane Umwege oder Verlängerungen 🙂

Verweilt man mal an einem vorher unbekannten und unspektakulären Ort, weil dort andere Radreisende sich gerade aufhalten oder weil man eine gute Zeit mit den Locals hat, bleibt man halt statt einer Nacht mal vier Nächte (oder länger ;-)).

Begegnungen © robtob-ahoi.de

Viele tolle Leute haben wir auf diese Weise kennenlernen dürfen und nützliche Tipps für den weiteren Reiseverlauf bekommen. So sind wir unerwartet und ungeplant durch den Kosovo geradelt. Ebenso stand Griechenland nicht auf dem ‚Plan‘. Wir haben keine Entscheidung bisher bereut.

 

Zum Nachdenken: Was ist schwerer: Losfahren oder Wiederkommen?

Wir kennen nur das erste. Wollen aber beide momentan nicht an das Ende denken. Daher glauben wir, dass das Wiederkommen eine große Herausforderung werden wird. Wenn nicht sogar die Größte.

© robtob-ahoi.de

 

Zum Abschluss: Was ist als nächstes geplant?

Wir überlegen gerade über einen ‚kleinen‘ Umweg/Kontinent nach Hause zu fahren. Momentan wollen wir aber noch nicht zu viel verraten. Es bleibt spannend 😉

Hier gibt es mehr über Rob und Tob:

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