Vorgestellt: Das sind die Räder der Carretera Austral

Viele interessante Räder waren auf der Carretera Austral unterwegs

Einige von euch fragen sich bestimmt, mit welchen Rädern eigentlich solche Strecken wie die Carretera Austral bewältig werden? Wie müssen diese Räder aufgebaut sein, um den Belastungen zu trotzen?

Während meiner Tour auf der Carretera Austral habe ich viele andere Reiseradler getroffen. Es waren aber nicht nur ihre Geschichten, die interessant waren, sondern vor allem auch ihre Räder, mit denen sie die herausfordernden Kilometer auf sich nahmen. Und ich habe einige der Reiseräder fotografiert, um sie euch vorzustellen.

Unterwegs auf der Carretera Austral, 80 km vor Villa O´Higgins

Aber auch ich war überrascht, denn die Carretera wird bei weitem nicht nur von Hardcore-Reiseradlern mit Highend-Reiserädern befahren. Es sind viele „Freizeit-Radler“ auf ihr unterwegs, die Teilstücke beradeln und mit „einfachen“ Rädern unterwegs sind. Inwieweit das dann aber ein tolles Erlebnis ist, mag ich nicht beurteilen. Ich jedenfalls war froh, dass ich mich auf mein Rad und die Ausrüstung verlassen konnte.

So erinnere mich noch an die drei Schweizer Frauen, die auf einfachen Trekkingrädern die Ruta 7 von Süden nach Norden beradelten. Sie waren sichtlich stolz darauf und meinten auf Nachfrage, dass es ihre Stadträder seien, die sie auch in der Schweiz für die täglichen Fahrten benutzen. Ob sie angekommen sind, weiß ich nicht, aber sie hatten schon den besonders herausfordernden Teil der Carretera von Villa O´Higgins bis kurz vor Cochrane gemeistert. Und zuvor auch die Grenzquerung von Argentinien nach Chile damit gemacht.

Vielen radeln auf ihr, aber nicht jeder schafft sie: die Carretera Austral

Die Carretera ist auch Teststrecke für Rahmenbauer. So traf ich zwei Radler aus Oregon, die selber Räder und Rahmen bauen und mit ihren Gravel-Crossern nach Süden unterwegs waren. Das waren im Kern Diamant-Rahmen mit 700cc Reifen, gefahren im Bikepacking-Stil.

Nicht vergessen werde ich die beiden Frauen aus Frankreich, die auf einem selbstgebauten Tandem sich die Berge hochquälten. Aber sie waren gut gelaunt und hatten ohnehin nicht vor mehr als 50 km am Tag zu fahren.

Mein Höhepunkt war dann ein Radler aus Chile, der mit einem einfachen Dreigang-Rad und Plastik-Obstkörben als Taschen unterwegs war und es sogar bis nach Villa O´Higgins geschafft hat.

Kurvenreich und immer durch die Berge – aber ab und zu auch mit Asphalt: die Carretera Austral

Natürlich war die breite Masse der Radler hier aber auch guten Reise- und Trekkingrädern unterwegs. Besonders Surly scheint sehr beliebt zu sein: das Long Haul Trucker habe ich sehr oft gesehen. Aber auch ein Tout Terrain Silkroad und ein Velotraum sind mir begegnet. Mit Norwid war ich aber allein auf weiter Flur.

 

Galerie: die Räder der Carretera Austral

 

Surly ECR

Das Surly ECR

Ein Klassiker der 29er Bikepacking Boliden. Meine italienischen Radkumpel Giuseppe und Jody waren auf diesen Rädern unterwegs. Auf dem Gravel hatten die Räder durchaus Vorteile, auf Asphalt liefen sie schwer. Im Prinzip keine schlechte Idee, die Carretera Austral im Bikepacking-Stil zu befahren, aber da es viel Asphalt gibt, ist es eher eine beschwerliche Art.

 

Bressan TerraNova

Das Bressan

Diese Marke kenne ich nicht, aber es wurde von einem italienischen Radler gefahren. Wie ihr seht, war er mit Federgabel unterwegs und hatte sich vorne zwei Lichter drangebaut. Als Schaltung kommt eine Shimano XT zum Einsatz. Interessant auch die zusätzlichen Flaschenhalten an den Lowrider-Taschen vorne.

 

No-Name

Namenloses Reiserad

Dieses No-Name Rad gehört einem Argentinier. Vermutlich ist es ein Alurahmen. Er ist ordentlich bepackt, hat sogar vorne Hinterradtaschen dran und fährt mit klassischen V-Brakes. Am besten finde ich den Stoffhund am Lenker als Maskottchen!

 

Intec

Das Intec

Im klassischen Six-Pack Stil waren diese beiden Radler unbekannter Herkunft auf ihren Intec Rädern unterwegs. Eine Shimano Deore arbeitet als Schaltung, V-Brakes sorgen für eine gute Verzögerung. Interessant hier sind die Pedalkäfige ohne Riemen und die umgedrehte 1,5 Liter Wasserflasche am Unterrohr.

 

Specialized Hardrock

Das Specialized

Ein interessantes Rad, vor allem mit seiner aggressiven Rahmengeometrie. Neben dem vorderen Schutzblech ist mir vor allem der Gepäckträger aufgefallen, der sehr weit nach hinten steht. Das Specialized ist mit Scheibenbremsen unterwegs und hat ein tolles Rücklicht am Sattel hängen 😉

 

Ortler

Das Ortler

Dieses Ortler (den Typ konnte ich nicht rausbekommen) gehörte einem französischem Radler, der neben mir zeltete. Als Randonneur aufgebaut, hat er dieses Rad gebraucht erworben. Er war sehr angetan vom Rad, dass die Carretera Austral ohne Murren überstanden hat und sich auf die kommenden Kilometer nach Ushuaia freute.

 

Surly Long Haul Trucker

Das Surly

Ein Rad und Reiserad-Klassiker, das mir oft in unterschiedlichsten Zuständen auf der Carretera begegnet ist: das Surly Long Haul Trucker. Dieses Exemplar ist offensichtlich schon viel rumgekommen und wartet nun auf die Überfahrt nach Argentinien.

 

Vittorio

Viele Flaschen am Vittorio

Diese Marke kenne ich nicht, aber ich fand es ganz interessant, zumal hier eine erstaunliche Anzahl an Wasserflaschen am Rad untergebracht sind. Das Rad gehörte einem älteren Radler, der auf der Carretera Austral nach Süden unterwegs war.

 

Velotraum

Das Velotraum von Tobias

Das ist das Velotraum von Tobias, einem deutschen Radler, mit dem ich ein paar Tage zusammengeradelt bin. Er hatte die neuen extragroßen Ortliebs hinten, aber leider brachen hier die Befestigungen der Halterschiene und durch die Löcher drang auch immer wieder Wasser ein. Als Licht hatte Tobias den Luxos U mit USB Anschluss. Er war ganz zufrieden mit der Ladeleistung. Bei der Ausstattung galt das Motto: Keine Experimente. Kettenschaltung (ich glaube XT) und klassische V-Brakes. Ein schönes Rad, das ihm noch viel Freude auf zukünftigen Touren bereiten wird.

 

Nochmal Surly Long Haul Trucker

Das Surly mit Rohloff

… aber diesmal mit Rohloff in einer eigenwilligen Konstruktion. Das Rad gehörte einem deutschen Radler, den ich in Villa O´Higgins traf. Er hatte es aber nicht eilig und saß den Tag über immer gemütlich Wein trinkend vor dem Hostel. Ein Freund hatte ihm das Rad aufgebaut. Ich finde die Zugverlegung der Rohloff bemerkenswert, aber wenn es funktioniert, warum nicht? 😉

 

Oxford

Oxford mit Plastikkörben

Mein absolutes Lieblingsrad der Carretera Austral: dieses Oxford Mountainbike mit Plastikkörben als Gepäckträger war ein Highlight. Aber auch hier: es funktioniert und es muss nicht immer teuer sein. Ich würde so aber nicht die Ruta 7 beradeln wollen.

 

Ein grünes Rad

The Green

Ich finde die Farbe dieses Rades sehr schön, allerdings weiß ich nicht, welche Marke das ist. Es gehört einem Japaner, der aus Argentinien kam und Richtung Norden unterwegs war. Interessant hier ist der Hinterradgepäckträger, der vorne dran gebaut ist.

 

GT

Das GT von Gabriele

Das GT von meinem italienischen Radkumpel Gabriele hat es uns nicht einfach gemacht. Erst brach das hintere Schaltwerk, dann zerstörte sich der vordere Umwerfer. Durch den kurzen Radstand war das Fahren mit den Anything-Cages an der Gabel auch nicht so einfach, denn immer wieder kamen sich Füße und Taschen ins Gehege. In jedem Fall wird Gabriele bei der nächsten Tour ein anderes Rad fahren 😉

 

Norwid Gotland

Mein Norwid Gotland in Patagonien

Am Ende natürlich noch mal mein Rad. Trotz der Transportschäden beim Hinflug hat es zuverlässig und unauffällig seinen Dienst versehen. Es ist immer sehr beruhigend zu wissen, dass das Rad nicht eine Sollbruchstelle einer Tour ist. Irgendwann waren die Bremsbeläge hinüber und ich zu faul neue drauf zu machen.

5 Comments

  • bikingtom sagt:

    Das ist wirklich mal eine schöne Idee die Radreiseräder anderer Globetrotter zu zeigen. Sind ja interessante Räder dabei! Schön gemacht!

  • Lars sagt:

    Die Rohloff-Nabe an dem Surly ist nachgerüstet. Die Ausfallenden sind solche für Kettenschaltungen. Deswegen ist eine Drehmomentstütze verbaut. Und mit der externen Zugansteuerung wird es an der Kettenstrebe zu eng, weswegen die Züge „obenrum“ verlegt sind. … Funktion kommt vor Optik 😉

    • Ja, finde ich eine gute Lösung. Und sie schient prima zu funktionieren. Mir ist das Rad auch deshalb aufgefallen, da das Long Haul Trucker eigentlich nicht Rohloff-ausgelegt ist. Umso mehr Chapeau vor dieser Ingenieursleistung!

  • Christine sagt:

    Kein Bild vom Silkroad? Schade….

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