„DAS Reiserad 2016“ – Teil 2: Schaltung, Antrieb, Naben, Vorbau, Lenker und Gepäcktransport

„DAS Reiserad 2016“, ein Rad, dessen Größe, Rahmenmaterial und Komponenten sich durch eure Stimmen und Meinungen zusammensetzt. Ein Durchschnittsrad, aber von Experten! Konkret 408 in diesem Jahr!

Im ersten Teil meiner Umfrage-Auswertung ging es um Marke, Rahmen, Räder, Bremsen und Sattel.

Nun folgt der zweite Teil, wo ich Schaltung, Antrieb, Naben, Lenkung und Gepäckträger unter die Lupe nehme. Und am Ende steht dann „DAS Reiserad 2016“ mit allen Komponenten.

Damit ihr euch bei den nun folgenden Daten besser zurechtfindet, habe ich die Veränderungen zur vorherigen Umfrage in Rot vermerkt. So steht die Kennung 2>3 für eine Veränderung im Ranking. Bei diesem Beispiel hat sich der Platz vom 2. in 2014 auf Platz 3 in 2016 verändert. Die Prozentangaben sind selbsterklärend und zeigen ebenfalls die Veränderung im Vergleich zu 2014 an.

 

Schaltung: Nabe fordert Kette heraus

Kettenschaltung führt, Rohloff holt deutlich auf, Pinion noch gering

Eigentlich ist der wahre Sieger die Rohloff Nabenschaltung. Sie konnte in der Gunst der Befragten um mehr als 5% aufholen und liegt mit 43,3% nun dicht hinter der Kettenschaltung. Diese ist mit 47,5% nach wie vor die vorrangige Schaltungsart am Reiserad, hat aber mit -6,5% Verluste im Vergleich zu 2014 hinnehmen müssen.

Die Pinion ist natürlich auch schon im Ranking, hat sich aber im Vergleich zu 2014 nur leicht nach oben verändert und steht bei 8,3%. Ich gehe aber davon aus, dass es in zwei Jahren (sollte ich wieder die Umfrage machen), dann doch erhebliche Veränderungen hin zur Pinion geben wird.

Der Grund dafür ist einfach, dass sich die Getriebeschaltung immer mehr bewährt und nicht zuletzt auch gestandene Reiseradler das hohe Lied auf diese Art der Schaltung singen. Ich bin gespannt, wie das weitergeht und ob die Pinion dauerhaft der Rohloff das Feld streitig macht. Und wie Rohloff darauf reagiert. Oder ob eine reiseradtaugliche 12fach Kettenschaltung sie alle links überholt.

Gefragt nach dem Schaltungsmodell geben fast 50% der Befragten ihre Stimme der Rohloff, gefolgt von 17% für die Shimano XT (mit leichten Verlusten von 5% im Vergleich zu 2014). Andere Stimmen gab es zwar, aber diese waren so gering, dass sie hier nicht auftauchen. Im Kern heißt das, dass bei Nabenschaltungen die Speedhub die präferierte Schaltung ist. Bei Kettenschaltungen bleibt die Shimano XT vorne. Bei Getriebeschaltungen natürlich die Pinion, die aber gegen sich selber antritt.

 

Antrieb ist (noch) Kettensache

Kette verliert leicht, Riemen legt deutlich zu

Noch ist die Kette das Mittel der Wahl, wenn es um den Antrieb geht. Aber im Vergleich zu 2014 musste diese 7% Verluste hinnehmen, die dann direkt ins Riemenlager gewechselt sind. Das konnte seine Fans nahezu verdoppeln und seine Beliebtheit von vormals 7% auf nun 14% ausbauen.

reiserad-2016-kette-riemen

 

Wenn es um das Ketten- bzw. Riemen-Modell geht, dann möchten 12% der Befragten eine KMC-X1 Kette am Rad sehen (was in Verbindung mit einer Rohloff Sinn macht), gefolgt von 10%, die einen Gates Carbon Riemen den Vorzug geben.

Ich habe auch schon überlegt, ob ich von Kette auf Riemen wechsle und diesen in Kombination mit der Rohloff fahre. Aber dafür müsste ich mir ein neues Rad bauen, denn die Kosten für das nachträgliche Umrüsten meines jetzigen Rades würden sich auf ca. 1250 Euro belaufen. Mal sehen 😉

 

eMotor? Nein, Danke!

In diesem Jahr habe ich aufgrund des Erfolgs der eBikes die Frage gestellt, ob das Reiserad einen Motor haben sollte. Hier gab es ein klares Ergebnis: 91% sagen Nein dazu und fahren lieber „by fair means“ mit dem Fahrrad auf Tour.

reiserad-2016-motor

Ich sehe die eBike Entwicklung mit Interesse, bringt sie doch wieder mehr Menschen auf das Rad. Und auch für uns Reiseradler wird ein eBike in Zukunft durchaus interessant. Aber wie bei jeder neuen Technologie lohnt es sich erst mal zu warten.

Da dürften noch so einige Innovationssprünge drin sein. Ich jedenfalls werde gerne mal ein eReiserad zum Testen fahren wollen. Aber dennoch kommt es für mich derzeit noch nicht als wirkliche Alternative in Frage.

 

Strom am Rad? Ja, bitte!

Die Stromversorgung unterwegs ist natürlich immer ein Thema. Und so wundert es mich auch nicht, dass eine deutliche Mehrheit von 88% sich für einen Nabendynamo am Rad ausspricht. Das hat natürlich auch mit dem Betrieb einer vernünftigen Lichtanlage zu tun. Ich persönlich schätze das sehr, denn auch auf Tour brauche ich ab und zu Licht. Auf langer Radreise würde ich dann allerdings darauf verzichten und das Licht komplett abbauen.

reiserad-2016-nabendynamo

Der Nabendynamo als Stromversorger wäre aber trotzdem immer noch dabei, auch wenn die Ausbeute aus meiner Sicht immer noch zu wünschen übriglässt und eher die Grundversorgung zulässt.

Bei der Wahl des Nabendynamos setzen die meisten Befragten auf den Schmidts Original Nabendynamo, kurz SON. Ganze 72% sehen ihn am Reiserad, gefolgt von 15,5% für Shimano und fast 10% für Shutter Precision. Damit überrascht diese Firma als Neueinsteiger. Ich finde deren Nabendynamos sehr interessant und mittlerweile durchaus auf SON Niveau.

Bei der Typenwahl sehen alle SON-Fans den SON28 vorne. Der SON deluxe, im letzten Jahr noch dabei, wurde kaum noch genannt. Bei Shimano führt der DH-3N72 vor dem XT Dynamo DHT780 bzw 785. Bei Shutter Precision setzt die Mehrheit der SP Fans auf das SP8-Modell.

 

Naben-Schau: nichts neues am Rad

Bei den Naben (sollte kein Nabendynamo, oder –schaltung gefahren werden), gab es im Vergleich zu 2014 keine Veränderungen. Nach wie vor setzt die Mehrheit auf Shimano XT Naben, gefolgt von DT-Swiss. Shimano dominiert die Nabenwahl deutlich, mit allein 3 Plätzen unter den Top 5 Nennungen.

reiserad-2016-naben

 

 

Lager-Frage: 4 Kant vor Hollowtech

Und auch Octalink ist wieder da

Grundsätzlich gab es in der Lager-Frage keine Veränderungen, dennoch überrascht der Anstieg der Beliebtheit durchaus: allein ein 13% Plus konnte das 4-Kantlager verzeichnen und dominiert mit 51% ganz klar das Radzentrum. Ebenfalls mit einen guten Zuwachs von 18% kommt auf Platz 2 das Hollowtech-Lager, mit insgesamt 38% der Stimmen. Vor zwei Jahren noch nicht dabei: das Octalink-Lager. Allein 7% gaben diesem Lager den Vorzug am Reiserad.

Ich persönlich fahre einmal 4-Kant Innenlager am Norwid und ein Hollowtech 2 am Santos Reiserad. Beide machen ihren Job unauffällig und zuverlässig.

Fun-Fact: die beliebten BSA 4-Kant Lager werden übrigens von der Firma Birmingham Small Arms (BSA) gefertigt. Heute produzieren sie allerdings keine Waffen mehr, sondern vorzugsweise Motorradersatzteile.

 

Die Kurbel ist fest in Shimano-Hand

56% der Befragten geben einer Shimano-Kurbel am Rad den Vorzug. Dahinter, mit ordentlichem Abstand, folgt Truvativ, mit 18%. Schaut mal allerdings auf die Veränderungen zu 2014, so sieht man, dass Shimano Verluste verzeichnet, hingegen Truvativ Zuwächse von 12% vorzeigen kann.

 

Aus meiner Sicht hat das mit dem Erfolg der Rohloff Nabenschaltung zu tun. Hier wird meist eine Truvativ-Kurbel eingebaut (habe ich auch), wohingegen bei den nach wie vor beliebten Kettenschaltungen Shimano zum Einsatz kommt.

 

Trittsache: Mixed-Pedalen am beliebtesten

Flat-Pedals als Newcomer

Interessanterweise setzen 40% der Befragten auf Mixed-Pedalen, also Pedalen, die sowohl Klick-Funktion, als auch normale „Bärentatzen“ haben. Das hätte ich nicht gedacht, denn ich halte Klick-Pedalen für eine große Tour für völlig ungeeignet. Immerhin 29% scheinen das ähnlich zu sehen und geben den „Bärentatzen“ Pedalen den Vorrang.

Neu dabei sind die sogenannten BMX- oder auch Flat-Pedals. Das sind große und breite Pedale, die viel Fläche und viel Grip geben. Sie habe ich immer öfter auch an Reiserädern gesehen und bin selbst am Überlegen, ob ich mir solche anbaue.

 

Schutzbleche sind fest

Da sind sich fast alle einig: ans Reiserad kommen feste Schutzbleche. 85% der Befragten sehen das so und damit 7% mehr, als noch 2014. 8% ziehen Steckschutzbleche vor, das sind 3% weniger, als bei der letzten Umfrage. Gar keine Schutzbleche sehen 6% der Befragten am Rad.

Ich persönlich schätze Schutzbleche sehr. Meine ersten Touren bin ich noch ohne, bzw. mit Steckschutzblechen gefahren, aber mittlerweile finde ich es gut, nicht mehr allen Schmutz direkt ins Gesicht oder an die Taschen zu bekommen. Der Nachteil ist allerdings, dass sich bei Fahrten auf Pisten häufig der Schlamm unter den Blechen festsetzt und so die Fahrt stoppt. Daher empfehle ich die Bleche so hoch als möglich zu stellen und würde bei einer langen Radtour außerhalb der westlichen Welt vermutlich auch ganz auf Bleche verzichten.

 

Vorbau, Steuersatz und Lenker: Starr, vom König und gerade mit Hörnchen

76% sehen einen starren Vorbau am Reiserad. Das sind noch mal 6% mehr, als in 2014. Aber immerhin können sich 23% einen verstellbaren Vorbau am Rad vorstellen.

reiserad-2016-vorbau

Beim Steuersatz hingegen hat sich einiges getan: allein zwei Neuzugänge konnten hier mit Fern und Ritchey verzeichnet werden. Nummer 1 bleibt nach wie vor der Steuersatz-König Chris King mit 28% und leichten Zugewinnen. Dahinter dann schon der Fern Acros mit 16,6% der Stimmen und als Neueinsteiger gleich auf Platz 2. Platz 3 geht an FSA, die zwar um einen Platz gefallen sind, aber mit mehr als 6% gute Zuwächse haben. Platz 4 mit 9,6% geht an Ritchey Comp, die ebenfalls neu in den Top 4 sind.

Auf den ersten Blick ist die Lenkerfrage ebenfalls klar: der gerade Lenker mit Hörnchen ist für 49% die erste Wahl. Dahinter auf Platz 2 folgt der Rennrad-Lenker, mit 36%. Schaut man aber in die Veränderungen zu 2014, so sieht man Verluste beim geraden Lenker von 8%, die scheinbar direkt in das Rennrad-Lenker Lager übergelaufen sind. Das konnte nämlich ein Plus von 8% verzeichnen.

Vielleicht hängt das mit dem Randonneur-Trend zusammen und das sich wieder einige Reiseradler auf den guten alten Rennrad-Lenker zurückbesinnen. Und mittlerweile gibt es ja auch genügend technische Lösungen, um auch an solchen Lenkern Nabenschaltungen und hydraulische Scheiben- oder Felgenbremsen betreiben zu können.

 

Keine Gepäckträger-Frage: Tubus forever!

Da kann man durchaus von Dominanz sprechen: Tubus ist die Marke der Wahl, wenn es um Gepäckträger oder Lowrider für das Reiserad geht.

Beim Gepäckträger hinten setzen sagenhafte 92% auf ein Modell von Tubus. Und selbst die 5%, die auf Racktime bauen, sind eigentlich bei Tubus, denn beide Marken firmieren mittlerweile zusammen.

In diesem Jahr habe ich mir auch mal die Modellnennungen angeschaut: hinten kommt vor allem das Modell Logo Evo ans Rad, gefolgt vom Cargo Evo. (Der Tubus Locc ist übrigens aus dem Programm genommen. Es gibt dafür auch keinen Nachfolger, so Tubus.)

Auch vorne gibt es nur Tubus: 85% setzen auf den Klassiker und damit 10% mehr, als noch vor zwei Jahren. Dabei ist der Tara mit 38% das beliebteste Lowrider-Modell.

ABER: da schleicht sich doch mit Surly ein Neueinsteiger so leise rein. Mal sehen, wie sich die Amerikaner in den kommenden Jahren so machen. Sie haben ja durchaus einige interessante Modelle im Angebot und schwimmen gerade auf der Bikepackingwelle mit (bzw. haben diese auch maßgeblich gestaltet).

Ich persönlich fahre den Tubus Duo und finde den klasse. Hinten ist bei mir ein Tubus Cargo drauf. Im kommenden Jahr werde ich mir vermutlich ein Bikepacking Rad aufbauen. Das wird dann von Surly sein und hier kommt dann auch ein Gepäckträger von Surly mit dran. Vermutlich.

 

Gepäcktransport: das klassische Six-Pack ist am beliebtesten, Bikepacking erstmals dabei

Gepäckträger hinten, Lowrider vorne – fast 50% der Befragten sind im klassischen Six-Pack Stil unterwegs, also 2 Taschen hinten, 2 Taschen vorne, Gepäckrolle hinten drauf, Lenkertasche vorne dran. Auf Platz Zwei folgt dann schon die Schwerlast-Fraktion, die neben Gepäckträger und Lowrider noch zusätzlich einen Vorderradgepäckträger montieren. Das hatte ich auch mal bei meinen Reisen nach Indien und durch Afrika. Momentan brauche ich den zusätzlichen Träger nicht, aber ich fände es schon praktisch, ihn zu haben. Und 14% der Befragten reicht lediglich ein Gepäckträger hinten.

Neu dabei ist nun auch das Bikepacking, bei dem die Taschen vorzugsweise mit Riemen am Rad befestigt werden. 6% der Befragten würde so ihr Gepäck am Rad transportieren und ich glaube, dass sich dieser Trend noch weiter verstärken wird.

Und der Vollständigkeit halber: 3% der Befragten setzen auf das Prinzip Schwerlasttransport und haben neben Gepäckträger und Lowrider auch einen Anhänger dabei.

Gefragt nach der Mitnahme eines Anhängers, antworten 71% der Befragten mit Nein, 12% mit Ja.

 

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Meine Damen und Herren, ich präsentiere:

DAS Reiserad 2016!

Das war sie also, die komplette Auswertung der Umfrage „DAS Reiserad 2016“!

Und nimmt man alle Ergebnisse zusammen, so ergibt sich daraus folgendes Reiserad:

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Mein Dank gilt vor allem den 408 Teilnehmern, die sich geduldig durch meine Fragen gearbeitet haben! Und nicht nur das, sie haben auch viele gute Kommentare und Hinweise hinterlassen, die sehr schön die Vielfalt und Leidenschaft aufzeigen, die das Radfahren so mit sich bringt (und viele Ergänzungen für die nächste Umfrage):

Ein „vernünftiges“ Reiserad lässt sich nur individuell zusammenstellen bzw. über die Jahre hinweg, aufgrund eigener praktischer Erfahrung, verändert und angepasst werden;
zu beachten sind auch die Möglichkeit der Ersatzteilbeschaffung/ Verfügbarkeit im (außereuropäischen) Ausland.

 

Außerdem ist es kaum möglich einem bestimmten Fahrradhersteller, und noch viel weniger einem bestimmten Fahrradmodell eine Objektive Empfehlung auszusprechen. Die Substanz, persönliche Vorlieben und die Geometrie sind es vor allem, die ein Rad Reise tauglich machen. Oldschool Mountainbikes alla Marin Pine Mountain oder Trek´s 900er Serie, geraten bei all den neuen (dabei deutlich Teureren) in Vergessenheit und zwingen durch eben diese Empfehlungen „Neulinge“, DAS Abenteuer mit einem gesetzten Standard anzugehen. Persönlich wünsche ich mir eine größere Vielfalt und Experimentierfreude beim Rad Bau! 😀

 

Es gibt viele Räder mit Rohloff Speedhub. Die meisten sind Bastellösungen oder Rahmen, wo nachträglich die Speedhub dran gebaut wird. Kaum ein Hersteller bietet eine so saubere Lösung für die Speedhub wie THORN mit seinem Expeditionsrad „Nomad Mk II“! Dieses Rad ist rund um die Speedhub, und nur für sie gebaut. Alle Züge verlaufen optimiert, wenig Biegungen, geradlinig. Die Ex Box sitzt am eigenen OEM Ausfallende. Der Tretlagerexzenter ist durchdacht und praxisnahe! Alles ist einfach wartbar. Das Rad ist durch und durch solide. Sensible Bereiche wie zB zwischen Steuerrohr und Oberrohr sind verstärkt, ebenso zwischen Ketten- und Sitzstrebe.

 

Ich halte Liegeräder für eine Alternative. Straßentouren fahre ich nur noch per Liegerad. Im Gelände ziehe ich jedoch mein Velotraum vor.

 

Beleuchtung, Klingel, Stromversorgung und GPS bzw. Karte vergessen 🙂

 

Das Reiserad sollte möglichst einfach und robust aufgebaut sein, keine unnötigen Federungen und Verstellmöglichkeiten. Geringes Gewicht ist wichtig am Berg und beim Tragen über Treppen oder Hindernisse. Beim Gepäck ist auch weniger mehr.

 

Einen Ständer brauchst auf alle Fälle am Reiserad. Und da vermisse ich die Frage danach.

 

Zu markenfetischistisch! Die Umfrage erweckt den Eindruck, als könne man sich ein optimales Reiserad allein dadurch zusammenwürfeln, dass man die mehrheitlich anerkannten Einzelteile zusammensetzt. Sattel, Sattelstütze, Lenker, Vorbau sind aber hochgradig individuell. Man wählt, was einem unter ergonomischen Aspekten passt – und was da dann hinterher für ein Label draufbäppt ist vollkommen wurscht.

 

Die Umfrage ist recht unsinnig. Statt nach Herstellern solltest du nach Typen fragen: Rahmenformen fehlen, Art der Schaltgriffe fehlt, Art der Beleuchtung fehlt. Welcher Lenkertaschentyp usw.

 

Ich finde es ist sehr unterschiedlich, was man unter Reiserad versteht. Wieviel Gepäck man dabei hat. Wie viele Tage man unterwegs ist und wie überhaupt die ganze Reise strukturiert ist. Ich weiß nicht ob diese verschiedenen Anwendungsfälle von „dem einen Reiserad“ erfüllt werden können. Ich fahre z.B. nur auf guten Radwegen (Asphalt, Schotter, fester Sand), also kein grobes Gelände, keine Trips durch den Wald, sei denn es ist z.B. ein richtiger Radwanderweg. Selbst diese Einteilung ist schon wieder subjektiv und schwammig. Naja jedenfalls, brauch ich deshalb keine krassen 2″-Reifen, keine Federung, Würde auch niemals mit nur Sattel und Lenkerrolle auf Tour gehen.

Und zum Schluss noch die Frage: wohin eigentlich mit dem Reiserad?

Ja wo radeln sie denn? Nun haben wir so viel über die ganzen Teile gesprochen und wie was wo dran muss/soll/darf. Aber entscheidend ist ja, dass man Rad fährt!

Die große Mehrheit (30%) ist in Europa unterwegs und da vor allem in Deutschland (25%) und in West-Europa/Skandinavien (22%).

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13% geben an, auf der ganzen Welt auf Tour zu gehen. Hierbei zählen offensichtlich Nordamerika und Süd-Ost Asien zu den beliebtesten Zielen.

Ich hoffe sehr, dass diese Umfrage für viele unter euch interessant war, euch vielleicht bei Entscheidungen für das Reiserad hilft.

Und alle anderen inspiriert, sich trotz allem Nerd-Gerede um die Teile und Materialen, einfach auf das Rad zu setzen und loszufahren. Egal wohin und wie lange und auf was für einem Rad!

Denn:

Am Ende spielt das Rad gar keine so große Rolle, man kann mit jedem Rad tolle Reisen machen!

 

Hier geht es zur Auswertung „DAS Reiserad 2016“ Teil 1: Marke, Rahmen, Räder, Bremsen und Sattel

 

Hier gibt es alle Grafiken des Teil 2 einzeln:

6 Comments

  • Bernhard sagt:

    Hallo Martin!

    Wie mittlerweile gewohnt ein toller Beitrag, Danke für deine Mühen!

    Eine Frage habe ich dazu, bzw. zu diesem Satz:“Und mittlerweile gibt es ja auch genügend technische Lösungen, um auch an solchen Lenkern Nabenschaltungen und hydraulische Scheiben- oder Felgenbremsen betreiben zu können.“
    Ich suche mir seit Wochen die Finger krumm nach ordentlichen Lösungen um genau diese Kombi aufzubauen. Dabei möchte ich keine Bastellösung, sondern eine die Hand und Fuß hat. Suche eine Lösung für Rennlenker, Rohloff Nabenschaltung (am besten mit original Shifter) und hydraulische Scheibenbremsen (da möchte ich zumindest die Bremsblöcke der XT behalten).
    Wenn dir oder jemanden von den Lesern dazu etwas einfällt würde ich mich freuen!

    Liebe Grüße aus Österreich
    Bernhard

  • Andreas sagt:

    Hydraulische Scheibenbremse mit Rennlenker dürfte von dem her schwer werden, da es, so wie’s aussieht, Die Rennbremshebel nur als STIs gibt (also nur mit integrierter Schaltfunktion, bsp. Shimano ST-R685) – ist aber nicht wirklich mein Thema, daher mit Vorsicht zu geniessen 😉

  • Koen sagt:

    Danke für den guten Artikel. Eine Frage noch: Fährt noch jemand Utopia? Oder sind die Utopias unter die Räder gekommen?

Was meinst Du dazu?